Die Familie Goitein leitet ihren Namen aus dem Geburtsort ihres ersten bekannten Vorfahren ab, dem mährischen Ort Kojetín. Aus der Familie gingen zahlreiche Rabbiner, jüdische Gelehrte und sonstige Wissenschaftler hervor.

Die 1. Generation: Baruch Bendit Goitein Der Stammvater der bislang bekannten Goiteins ist Baruch Bendit Goitein (1770–1839)In der Beit Hatfutsot Database (sieh: Quellen) lauten die Daten 1771–1841., der viele Jahre Rabbiner im ungarischen Högyész war. Von ihm stammt eine Arbeit über die talmudische Methodik, die unter dem Titel Kesef NibḥarIm Englischen wird der Titel mit Choice Silver (Wähle Silber) wiedergegeben. (Norman A. Stillman: Introduction in Studies in Islamic History and Institutions by S.D. Goitein) zwischen 1827 und 1828 in Prag erstmals veröffentlicht wurde.Ein Reprint der Titelseite des offenbar nie ins Deutsche übersetzten Werkes ist online zugänglich: Reprint der Titelseite von Kesef Nibḥar. Das Werk enthält 160 Grundsätze des rabbinischen Rechts, in denen die im Talmud enthaltenen Quellen und ihre Anwendung auf praktische Fälle aufgeführt sind.Gotthard Deutsch, A. Rhine: GOITEIN, BARUCH (BENEDIT), in: Jewish Encyclopedia Über seine erste Frau, Bele (1780–1820), vermutlich eine geborene Silberer (Zilberer), gibt es keine weiteren Hinweise. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor.Nach dem Tod von Bele Goitein ging Baruch eine zweite Ehe ein mit Hindl Kasi (* 1800). Aus dieser Ehe stammen weitere zwei Kinder.

Die 2. Generation: Zvi Hirsch Goitein Von allen Nachfahren Baruch Goiteins liegen nur über die Existenz von Zvi Hirsch (Hermann) Goitein (1805–1860) Informationen vor. Er wurde 1841 in Hőgyész Nachfolger seines Vaters als RabbinerDeutsche Biographie: Goitein, Hermann (Hermann Zwi Hirsch Goitein) & und war verheiratet mit Szoli Teller (1815–1895).Deutsche Biographie: Straus, Rahel, geborene Goitein Er wird als Autor des Yedei Moshe genannt; nähere Angaben zu dem Werk liegen allerdings nicht vor.

Die 3. Generation Das Ehepaar Goitein-Teller hatte sieben Kinder, „vier Söhne und drei Töchter. Der zweite Sohn war bereits Rabbiner, der älteste und der dritte waren Kaufleute geworden, der jüngste, unser Vater, war wieder zum ‚Lernen‘ bestimmt.“Rahel Straus: Wir lebten in Deutschland, S. 22 Dieser hier von Rahel Straus erwähnte jüngste Sohn war Gabor Goitein.

Gabor Goitein Gabor Goitein (* 1848 – † 25. April 1883)Landesdenkmalamt Baden-Württemberg – Dokumentation der jüdischen Grabsteine in Baden-Württemberg: Gabor Goitein, auch Gabor Gedalja (Gabriel) Goitein. Nur über ihn und seinen älteren Bruder liegen nähere Informationen vorZur Übersicht über alle Nachfahren des Ehepaares Goitein-Teller siehe: :

Elijahu Menahem Goitein Elijahu Menahem Goitein (1837–1902) trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde abermals Nachfolger als Rabbiner in Hőgyész. Er war verheiratet mit der aus einer mährischen Rabbiner- und Gelehrtenfamilieencyclopedia.com: The Baneth-Family stammenden Amalie Baneth († 1927).Gábor Lengyel: Moderne Rabbinerausbildung in Deutschland und Ungarn, S. 225In der wird als Geburtsjahr 1840 genannt, als Todesjahr 1924., und Autor des Werkes Rab Berachot, über das es allerdings keine Hinweise mehr gibt.Einen Einblick in seine Gelehrsamkeit gibt ein Artikel im Der Israelit, in dem er sich in hebräischer und deutscher Sprache mit der Edition einiger jüdischer Werke auseinandersetzt.(Der Israelit, Jg. 5 (1864), Heft 19 vom 11. Mai 1864, S. 249-250)

Die Zeitschrift Der Israelit berichtete im Juni 1861 über ihn, dass er, gerade 23 Jahre alt, bereits seit einem Jahr sein Rabbineramt in Högyesz „zur Zufriedenheit aller gutdenkenden Gemeindemitglieder“ ausübe. Er habe das Amt übernommen, um „der Gemeinde insofern eine Erleichterung zu verschaffen, daß sie dadurch die Pensionierung seiner Mutter und deren fünf unmündigen Kinder (die Relicten des vorigen Rabbiners) ersparte“. Zwei Männer, die gegen den Rabbiner „unbegründete Opposition“ betrieben hätten, hätten nun vor der ganzen Gemeinde öffentliche Abbitte geleistet, wodurch jetzt „in der ganzen Gemeinde Liebe und Eintracht“ herrsche.Der Israelit, Jg. 2 (1861), Heft 23 vom 5. Juni 1861, S. 279. Diese Zeitschrift bringt auch in den Folgejahren immer wieder wohlwollende Artikel über das Wirken von Elias Goitein. Mehr als 40 Jahre später heißt es in einem Nachruf über ihn:

In der Gabor und Elijahu Menahem Goitein nachfolgenden 4. Generation gibt es eine starke Ausdifferenzierung innerhalb dieser beiden bekannten Goitein-Linien.

Die 4. und die nachfolgenden Generationen Die Gabor-Goitein-Linie Aus der Ehe von Gabor Goitein und seiner Frau Ida (Jette oder auch Henriette; geborene Löwenfeld, * 21. März 1848 – † 21. Oktober 1931)Todesanzeige für Henriette Goitein im Der Israelit, Jg. 72 (1931), Heft 44 vom 29. Oktober 1931, S. 12, einer Volksschullehrerin, gingen sechs Kinder hervor. In einer Laudatio zu ihrem 70. Geburtstag wird Ida Goiteins soziales Engagement herausgestellt, aber auch ihr Einsatz für die zionistische Sache, die sie, „noch ehe Herzls bestrickende Persönlichkeit erschien, zur Zionistin gemacht“ habe.Jüdische Rundschau, XXIII. Jg. (1918), Heft 12 vom 22. März 1918, S. 93–94 Zehn Jahre später, aus Anlass von Ida Goiteins 80. Geburtstag startete der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina einen Aufruf, um ihr zu Ehren einen Fonds zu gründen, über den Spenden zur Unterstützung eines jüdischen Kindergartens in Palästina eingeworben werden sollten.Jüdische Rundschau, XXXIII. Jg. (1928), Heft 16 vom 24. Februar 1928, S. 116

Gertrud Goitein Gertrud (Gittel) Unna-Goitein (1876–1954) wurde die Ehefrau des Mannheimer Rabbiners Isak Unna.Die hier nicht ausgewerteten Wiedergutmachungsakten der Familie Unna aus der Zeit nach 1945 befinden sich im Landesarchiv Baden-Württemberg – Generallandesarchiv Karlsruhe. Das seit 1898 verheiratete Paar hatte fünf Töchter und drei Söhne, unter ihnen Mosche Unna (1902–1989), langjähriger Knessetabgeordneter für die Nationalreligiöse Partei, war wie seine Geschwister Cilly, Ruth und Gabor-Gedaja Mitglied in der Mannheimer Gruppe des jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß.Ivonne Meybohm: Erziehung zum Zionismus. Der Jüdische Wanderbund Blau-Weiß als Versuch einer praktischen Umsetzung des Programms der Jüdischen Renaissance, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-58481-1, S. 11, Anmerkung 18, & Mosche Unna: Die Anfänge der religiösen Kibbuzbewegung in Deutschland, in: Leo Baeck Institute: Bulletin des Leo-Baeck-Instituts, 78, 1987, S. 79(Online-Publikation)

Emma Goitein

Emma Goitein (1877–1968) wurde unter dem Namen Emma Dessau-Goitein als Malerin und Holzschnittkünstlerin bekannt. Sie war mit dem Physiker Bernardo Dessau (1863–1949) verheiratet.

Der Mineraloge Gabor Dessau (1907–1983) ist der Sohn des Ehepaares Dessau-Goitein.

Hermann Goitein Über Hermann Goitein (1879–1882) liegen bislang keine weiteren Hinweise vor.

Rahel Goitein Rahel Goitein (1880–1963) ist seit 1905 verheiratet mit dem Juristen Elias (Eli) Straus, Sohn eines Bankiers und einer Mutter aus der Familie Feuchtwanger.Siehe hierzu das Kapitel Vaters Familie in Rahel Straus: Wir lebten in Deutschland, S. 122 ff. Mehr zu Elias Straus und dessen Familie bei Susanne Rieger, Gerhard Jochem: Das Ehepaar Dr. Elias und Dr. Rahel Straus, geb. Goitein, München (PDF; 97 kB), RiJo Research, 26. Mai 2006, abgerufen am 12. Juni 2020 Rahel und Eli Straus hatten fünf Kinder: Isabella (* 1909), verheiratete Emrich, VolkswirtinIhre Geburtsanzeige erschien am 18. Juni 1909 in der Jüdischen Rundschau (Jüdische Rundschau, XIV. Jg. (1909), Heft 25 vom 18. Juni 1909, S. 291); Hannah (* 1912; † in Kanada), verheiratete Strauss, Lehrerin und Psychologin; Samuel (Peter) Friedrich (1914–1958), Landwirt in Israel; Gabriele (* 1915), verheiratete Rosenthal, KinderpsychologinGeburtsanzeige für Gabriele Straus, Jüdische Rundschau, XX. Jg. (1915), Heft 50 vom 10. Dezember 1915, S. 415; Ernst Gabor Straus (1922–1983), Mathematikprofessor in Los Angeles, war seit Herbst 1944 mit Louise Miller verheiratet und hat zusammen mit ihr zwei Söhne: Daniel Straus (* 1954) Paul Straus (* 1957)School of Mathematics and Statistics at the University of St Andrews (Scotland): Biography Ernst Gabor Straus

Benedikt Goitein Der 1881 geborene Benedikt (Beni) verstarb bereits ein halbes Jahr nach seiner Geburt.

Ernst Elijah Goitein Ernst Elijah Goitein (* 4. November 1882 – † 26. Mai 1915) fiel als Leutnant im Ersten Weltkrieg. & Personalakte Ernst Goitein im Landesarchiv Baden-Württemberg – Generallandesarchiv Karlsruhe

Der promovierte Jurist und Alter Herr der Verbindung Jüdischer Studenten ‚Kadimah‘ München (im K. J. V.)Jüdische Rundschau, XX. Jg. (1915), Heft 25 vom 18. Juni 1915, S. 203 war Rechtsanwalt in Mannheim und lebte seit Januar 1914 ein halbes Jahr lang in Palästina, wo er in Jaffa im Palästinaamt mitarbeitete.Nachruf auf Ernst Goitein, Der jüdische Student. Zeitschrift des Kartells Jüdischer Verbindungen, Jg. 12 (1915–1916), Heft 4 vom 13. Oktober 1915, S. 98–99 „Aber auch hier stand ihm seine große Bescheidenheit im Wege. Er fand kein Amt drüben, das ihn brauchte; er fand, daß jeder sein Möglichstes tat, und daß er nicht mehr und nicht Besseres leisten könne. Zu dieser Meinung kam noch dazu, daß er als geschulter, disziplinierter deutscher Beamter, der er nach Anlage und Bildung war, sich mehr das Verwalten des schon Geordneten zutraute, als das Aufbauen und Organisieren des Werdenden.“Nachruf auf Ernst Goitein, Jüdische Rundschau, XX. Jg. (1915), Heft 28 vom 9. Juli 1915, S. 1

Im Juli 1914 verließ er Palästina und erfuhr auf der Rückreise in Konstantinopel vom Kriegsausbruch. „Er traf rechtzeitig ein, um als Landwehrmann mit der Armee Heeringen in die Vogesen zu ziehen.“ Noch im gleichen Jahr wurde ihm das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen und die Silberne Verdienstmedaille am Bande der militärischen Karl-Friedrich-Verdienstmedaille verliehen.Nachweis im Landesarchiv Baden-Württemberg

Als einer der ersten jüdischen Leutnants im deutschen Heer befehligte Ernst Goitein nach seinem Einsatz im Westen eine Kompanie in den Karpaten, mit der er an der galizischen Front gegen Russland eingesetzt wurde. Bei einem Sturmangriff in der Nähe von Stryj wurde er durch eine Kugel tödlich verletzt.Nachruf auf Elija Goitein, Frankfurter Israelitisches Familienblatt, 13. Jg. (1915), Heft 24 vom 25. Juni 1915 S. 2 Zu seinen Ehren beschloss die Zionistische Ortsgruppe Mannheim, deren Vorsitzender Goitein gewesen war, die Gründung einer Elija Goitein-Stiftung, die, wie sich aus einer späteren Meldung in der Jüdischen Rundschau ergibt, dem Jüdischen Nationalfonds angegliedert wurde. Ein weiterer Nachruf auf Elija Goitein stammt von Arthur Ruppin, der sich mit ihm angefreundet hatte und in dessen Haus er seinen letzten Abend in Palästina verbrachte.Jüdische Rundschau, XX. Jg. (1915), Heft 37 vom 9. September 1915, S. 300

Die Elijahu-Menahem-Goitein-Linie Die Nachfahren von Elijahu Menahem Goitein und seiner Frau Amalie sind:

Kalman Goitein Kalman Goitein (1860–1905)Das Geburtsjahr stammt aus der Datenbank von Beit Hatfutsot (siehe: Quellen); es gibt auch Quellen, die sein Geburtsjahr auf 1869 datieren. war verheiratet mit Elizabeth Barnett (1863–1940). Kalman Goitein wird als „K. Goitein-London“ als Delegierter für den V. Zionistenkongress erwähnt – neben seinem in Frankfurt lebenden Bruder Jakob Löb Goitein.Die Welt, 5. Jg. (1901), Nr. 51 vom 20. Dezember 1901, S. 5 Von den vier Kindern des Ehepaares ist vor allem eines in Erscheinung getreten: