Jochen Proehl (* 1958 in Lübeck) ist ein zeitgenössischer deutscher Künstler, der in Berlin und in Istanbul (TR) lebt und arbeitet.

Werdegang Jochen Proehl verbrachte seine Kindheit und Jugend in Istanbul. Von 1982 bis 1988 studierte er an der HdK Berlin (heute: UdK) Malerei bei Klaus Fußmann. Zwischen 1996 und 2001 hatte er Lehraufträge und eine Professur-Vertretung an der Muthesius-Kunsthochschule (Kiel) sowie an der Christian-Albrechts-Universität (Kiel). Ab 2003 setzte er seine künstlerische Lehrtätigkeit in der Türkei fort. Er lehrte an der Marmara-Universität, der Technischen Yıldız-Universität, der Okan-Universität und der Işık-Universität sowie in Izmir an der Ege-Universität. Von 2013 bis 2016 war er Gründungskurator der BAUART-Galerie und Direktor der Kunstbrücke Istanbul-Berlin an der Bahçesehir-Universität Istanbul. Seit 2017 ist er deren Künstlerischer Direktor. Seit 2013 lehrt er an der Fakultät für Kommunikation derselben Universität.

Werk

Die zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit pendelnden Werke von Jochen Proehl lassen sich in drei Gruppen gliedern. Zunächst sind da die Landschaften, bei denen er sich auf Spuren menschlichen Eingriffs in das Erdreich bezieht. Das können Baggerspuren sein, Erdmassen auf Abraumhalden oder nur der Abdruck einer Schaufel im Sand. Dabei geht es vor allem auch um die kulturgeschichtlichen Konnotationen dieses Themenkomplexes. Dann stilllebenhafte Arbeiten der „In-Situ“-Serie, deren Ausgangspunkt Fundsituationen bei archäologischen Ausgrabungen sind. Schließlich kommen die „Urbanen Anatomien“ dazu. Bei Letzteren macht Jochen Proehl urbane und architektonische Strukturen zur Grundlage seiner Bildfindungen. Den Arbeiten liegen zwar Beobachtungen an konkreten Landschaften, Formen und Objekten zu Grunde, doch verzichtet er auf alle Realitätshinweise, wie Mensch, Vegetation oder topografische Details. Vielmehr bedeutet Bildlichkeit für ihn in vor allem die Organisation von Pinselduktus und Schraffur auf der Oberfläche. So entstehen vom Blick unabhängige, allgemeingültige Räume und Konstellationen, die die unveränderliche Anatomie des Ausgangs-Motivs widerspiegeln. Parallel zu Malerei und Zeichnung arbeitet Jochen Proehl mit einer Camera Obscura. Hier verwendet er zum Teil Landschaftsmodelle aus Sand und Erde, die er zuvor selbst anfertigt. Auch bei diesen Arbeiten geht es ihm um eine Anonymisierung und Verallgemeinerung von Landschaft.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 2020: Urban Anatomies, C.A.M. Galeri, Istanbul 2019: The Past of a Future, Kunsthalle Dresden 2019: Biriktirilmiş Zaman (Akkumulierte Zeit), Mysia Fotoğraf Müzesi, Nilüfer, Bursa / Türkei 2016: Ripped Landscape, Galerie Michael Schultz, Berlin 2012: UNEARTHED – Istanbul without Istanbul, Galerie CDA Projects, Istanbul 2011: Zeichen und Spur: Schichtungen [Istanbul] – Malerei und Photographie, Galerie Seitz & Partner, Berlin 2010: Anatomie der Landschaft I Anatomy of Landscape, Galerie Seitz & Partner, Berlin 2008: Berlin – İstanbul I İstanbul – Berlin, Galerie Seitz & Partner, Berlin 2006: yeralaltı – yerüstü I über der erde – unter der erde, Städtische Galerie im Schloss Borbeck, Essen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2019: Geçiş – Transition, Eldem Sanat Alanı (Eldem Art Space), Eskişehir / Türkei 2019: Der Ritt durch die Ewigkeit, Hotel Mond, Berlin 2019: Final Painting Now, Galerie Michael Schultz, Berlin 2018: Zamanın Ötesinde / Jenseits der Zeit, Galata Rum Okulu, Istanbul 2018: Painted Images, Sanatorium Gallery, Istanbul 2018: Distortion, Milli Reasürans Sanat Galerisi, Istanbul 2017: Autumn Leaves, Galerie Michael Schultz, Berlin 2017: „...objektiv...“, Einblicke in die Kunstsammlungen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2015: Transform Galerie Seitz & Partner, Berlin 2015: YARALARIMIZ, TÜRKÜLERİMİZ (unsere Wunden, unsere Lieder), Galerie Art On, Istanbul 2014: TECHNICAL ECSTASY, KUAD Gallery, Istanbul 2014: „...entgrenzt...“, Einblicke in die Kunstsammlungen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel

Presse (Auswahl) Bettina Paust und Jochen Proehl: Jochen Proehl. Zeichnungen. Bernd Brandes-Druba und Gabriele Bremer: Jochen Proehl. Organlandschaften. Ars Borealis. Kiel 2005 Jochen Proehl und Martin Westphal: Grabungen. Rendsburg 1996 Hubertus von Amelunxen, Yesim Demir und Jochen Proehl: Unearthed. D-GB-TR, Istanbul 2012

Weblinks (Auswahl)

Homepage artefacts.net photography-now.com Hürriyet

Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann