I May Destroy You (englisch für Ich darf/könnte dich zerstören) ist eine Drama-Miniserie über sexuelle Gewalt von und mit Michaela Coel. Die britisch-amerikanische Co-Produktion wurde am 7. Juni 2020 auf dem amerikanischen Sender HBO und am 8. Juni 2020 auf dem britischen Sender BBC One erstausgestrahlt. In Deutschland ist sie seit dem 19. Oktober 2020 bei Sky verfügbar.
Laut einer Zusammenstellung auf Metacritic gilt die Serie bei den meisten Kritikern als die beste des Jahres 2020. Sie wurde mehrfach als beste Miniserie sowie Coel für ihre Arbeit als beste Schauspielerin, Autorin oder Regisseurin nominiert und ausgezeichnet. Bei der Primetime-Emmy-Verleihung 2021 erhielt sie von sieben Nominierungen die Auszeichnung für das Beste Drehbuch einer Miniserie.
Handlung Die Autorin Arabella ist durch einen Text über sexuelle Selbstbestimmung junger Frauen zur Stimme ihrer Generation (Millennials) geworden und hat darauf einen Literaturagenten erhalten. Aus Problemen, ihr zweites Buch fertigzuschreiben, will sie eine Nacht am ersten Entwurf durcharbeiten, doch ein Freund bringt sie dazu, in einem Nachtclub auszugehen, wo sie mit K.-o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt wird, was ihr selbst nach einem Filmriss erst spät danach bewusst wird. Sie geht zur Polizei und versucht ihr Erlebnis auf verschiedene Wege zu verarbeiten, unter anderem durch eine Selbsthilfegruppe. Indes hat sie ein weiteres Erlebnis sexuellen Missbrauchs durch Stealthing und auch ihr Freund Kwame wird Opfer einer Vergewaltigung.
Episodenliste
Besetzung und Synchronisation
Rolle Beschreibung Darsteller Synchronsprecher Arabella Essiedu Autorin Michaela Coel, Danielle Vitalis (jung) Dela Dabulamanzi, Derya Flechtner Terry Pratchard Schauspielerin, Arabellas Freundin Weruche Opia, Lauren-Joy Williams (jung) Marieke Oeffinger, Zalina Sanchez Kwame Acheamong schwuler Tänzer, Arabellas Freund Paapa Essiedu Tim Schwarzmaier Biagio Drogendealer, Arabellas Urlaubsromanze Marouane Zotti David Brizzi Ben Arabellas Mitbewohner Stephen Wight Tobias Nath Simon Arabellas Freund Aml Ameen Karim El Kammouchi Kat Simons Verlobte Lara Rossi Rubina Nath Alissa Simons Affäre Ann Akin Magdalena Turba David Arabellas Vergewaltiger Lewis Reeves Konrad Bösherz Funmi Polizistin Sarah Niles Melanie Pukaß Beth Polizistin Mariah Gale Julia Biedermann Julian Arabellas Verleger Adam James Tobias Kluckert Damon Kwames Bekannter Fehinti Balogun Matti Klemm Zain Autorenkollege Karan Gill Roman Wolko Susy Henny Verlagschefin Franc Ashman Katrin Zimmermann Theodora Selbsthilfegruppenleiterin Harriet Webb, Gaby French (jung) Cornelia Waibel, Lea Kalbhenn
Hintergrund Entstehung Im August 2018 hielt Michaela Coel, die Schöpferin der Serie Chewing Gum, die MacTaggart Lecture genannte Keynote-Rede beim Edinburgh International Television Festival und enthüllte, dass sie in einer Nacht, in der sie an dem Drehbuch für die zweite Staffel von Chewing Gum geschrieben hatte, sexuell missbraucht worden war. Am selben Tag gab BBC die Bestellung einer neuen Serie von Coel mit dem Arbeitstitel Jan 22nd bekannt, in der sie das Thema sexueller Einwilligung in der heutigen Zeit erforsche. Im Oktober 2019 wurde bekannt, dass die Serie von HBO ko-produziert wird.
Coel hatte im Frühjahr 2017 das Angebot von Netflix über 1 Million Dollar, ihre eigene Serie zu kreieren und anzuführen, während alle Besitzrechte bei dem Streamingdienst liegen sollten, abgelehnt und nach Gründung ihrer eigenen Produktionsfirma FALKNA Productions in BBC und HBO neue Partner für das Projekt gefunden. Außerdem tat sie sich mit Phil Clarke von Various Artists Limited, der Head of Comedy bei Channel 4 war, als sie Chewing Gum entwickelt hatte, zusammen. Sie schrieb an allen zwölf Episoden gleichzeitig, was etwa anderthalb Jahre dauerte. Coel nennt die Serie, in der ihre Figur nach Betäubung durch K.-o.-Tropfen sexuell missbraucht wird, aufgrund ihrer eigenen Erfahrung „definitiv nicht vollständig fiktional“. Beim Dreh arbeitete Coel mit der Intimitätskoordinatorin Ita O’Brien und testete alle Sexszenen, auch diejenigen, an denen ihre Rolle nicht beteiligt ist, selbst aus, um eine sichere Umgebung für die Schauspieler zu schaffen. Die Serie enthält keinen originalen Score, sondern nur kommerzielle Lieder, welche von Musik-Supervisor Ciara Elwis mit Coel ausgesucht wurden.
Veröffentlichung Am 24. April 2020 wurde mit einem ersten Trailer bekannt gegeben, dass die Serie I May Destroy You heißen wird. Sie hatte Premiere am 7. Juni 2020 auf HBO und am 8. Juni im Vereinigten Königreich auf BBC One. Coel hatte aus Ablehnung gegen Binge Watching entschieden, dass sie nicht an einem Stück auf dem BBC iPlayer veröffentlicht werden sollte.
Ein zweiter Trailer erschien am 26. Mai. Am 4. Juni startete HBO eine digitale Kampagne mit dem Namen Gathering the Pieces auf Instagram mit Live-Interviews zu Aspekten der Serie. Jackie Gagne, Vizepräsidentin der Abteilung Multikulturelles Marketing bei HBO, erklärte: „Wir wollten, während die Serie sich entwickelt, unserer Community einen Raum und die Werkzeuge geben, um auseinanderzunehmen was sie im Verlauf der Serie sehen, für den Fall, dass sie auf eine persönliche Weise nachklingt.“
In Deutschland ist die Serie seit dem 19. Oktober auf Sky Go und Sky Ticket abrufbar und wurde am 24. Oktober auf Sky Atlantic ausgestrahlt.
Rezeption Flora Carr für die RadioTimes vergibt nach Sichtung der ersten vier Episoden vier von fünf Sternen und nennt die Serie einen bissigen und mutigen Blick auf das Konzept Einwilligung. Sie prognostiziert, dass viele Szenarien für die Zuschauer vertrau t und persönlich sein werden und dass Kritiker Coel für ihren Mut und ihre Offenheit, ihre sehr persönliche Geschichte anzugehen, loben werden.
Judy Berman für die Time schreibt, die Serie dreht sich letztlich nicht um Arabellas Suche nach der Wahrheit, was mit ihr passiert, sondern sie verstehe, wie wir unser gesamtes selbstkonstruiertes Narrativ über uns mit uns tragen, in das wir unsere Vorurteile, Entscheidungsregeln und Missverständnisse hineinlegen, bis wir gezwungen sind, sie zu konfrontieren.
Andrew Crump für The Playlist vergibt die Note A-. Er sagt, Coel kleide die angeborene Dunkelheit ihres Themas in trockenem britischen Humor und wo möglich in Farbe. Sie selbst sei flexibel und biegbar, eine packende Bildschirmpräsenz und ebenso scharfe Geschichtenerzählerin: „Die Schönheit ihrer Arbeit wird dich fesseln, ihr Porträt der Verwüstung, angerichtet durch die Nachwirkungen des sexuellen Missbrauchs, könnte dich zerstören.“
Für Allison Keene von Paste, die 8,5 von 10 Punkten vergibt, gibt es nur wenige Serien, die so schwierig und wichtig sind wie diese. Sie sei eine zum Nachdenken anregende Arbeit, die uns dazu bringen sollte, unsere eigene Beziehung zu Traumata, von uns selbst oder anderen erlebt, zu überdenken, wie auch das neue kulturelle Erwachen zu den vielen verschiedenen Arten sexuellen Missbrauchs.
Mike Hale von der New York Times findet die Serie berührend und auf ruhige Weise urkomisch. „Coel kommt mit Dingen davon, die für andere Autor-Regisseuren zu riskant wären, und sie tut es beständig. Szenen, die normalerweise heftig wären, haben sonderbare, fast unterirdische humoristische Kanten, ohne in eine offensichtliche Satire abzutönen.“ Es sei unmöglich, sich von Coel abzuwenden.
Lucy Mangan vom Guardian vergibt fünf Sterne und findet, die Serie könnte die beste Dramaserie des Jahres sein. Sie funktioniere auf jeder Ebene und gelinge nach jedem Maßstab, den man ansetze. Sie sei eine außergewöhnliche, atemberaubende Leistung ohne einen falschen Ton. Yomi Adegoke vom Guardian hebt besonders die Uneindeutigkeit hervor, indem Coel im Verlauf der Serie fest in Grauzonen verbleibe und viele Handlungsausgänge nicht nur überraschend, sondern auch zutiefst unangenehm seien. „Viele wollten, dass die Serie ein eindeutiges Statement über die Verarbeitung von sexuellem Missbrauch abgibt. Stattdessen stellt Coel Fragen, die viele von uns lieber nicht gefragt bekommen hätten, nicht unbedingt mit dem Ziel, Antworten zu liefern. […] In einer Zeit, in der wir zu oft ermuntert werden in Absoluten zu denken, macht das ihre Arbeit einzigartig. Indem sie verweigert, sich ordentlich zusammenzuschnüren, zwingt die Serie die Zuschauer sich mit Ideen zusammenzusetzen, die schwierig und bei Zeiten seelen-zerstörend sind.“
Die Musikerin Fatima Al Qadiri bezeichnet die Serie wegen ihrer Fähigkeit, die Themen sexuelle Gewalt, Konsens, das berufliche Leben und den Druck, der auf einer Künstlerin lastet, zusammenzubringen, auf Twitter als Offenbarung und „tiefgründigste jemals produzierte Serie“.
In einer durch Metacritic zusammengestellten Sammlung von Jahresendlisten der 10 besten Serien 2020 aller größeren Fernsehkritiker und -zeitschriften erreicht I May Destroy You den ersten Platz als beste Serie des Jahres durch 33 Spitzenplatzierungen.
Nach der Bekanntgabe der Nominierungen für die Golden Globe Awards 2021 im Februar wurde, dass weder I May Destroy You noch Michaela Coel eine Nominierung erhalten haben, stark kritisiert als auffälliges Versäumnis, Überraschung und Fehler. Deborah Copaken, eine Autorin für die Serie Emily in Paris, die eine Nominierung erhielt, schrieb in einem offenen Brief im Guardian von ihrem Zorn darüber, dass I May Destroy You, welche verdient habe, alle Preise zu gewinnen, übergangen wurde: „wie jemand I May Destroy You schauen kann und es nicht ein brilliantes Kunstwerk oder Michaela Coel ein Genie nennen kann, übersteigt meine Fähigkeiten zu verstehen, wie diese Entscheidungen getroffen werden.“
Auszeichnungen Bei der Verleihung der British Academy Television Awards dankte Coel der Intimitätskoordinatorin Ita O’Brien und sagte: „Sie sorgen für physische, emotionale und professionelle Grenzen, damit wir Werke über Ausbeutung, mangelnden Respekt und Machtmissbrauch schaffen können, ohne in dem Prozess ausgebeutet oder missbraucht zu werden.“ Ihre Anleitungen seien essenziell für die Serie gewesen. Mit Coels Auszeichnung bei der Primetime-Emmy-Verleihung 2021 für das Beste Drehbuch einer Miniserie hat das erste Mal in dieser Kategorie eine schwarze Frau gewonnen; sie widmete die Geschichte allen Überlebenden sexuellen Missbrauchs.
AACTA International Awards 2021: Beste Dramaserie – Nominierung British Academy Television Craft Awards 2021: Beste Regie (Fiktion), für Michaela Coel und Sam Miller – Auszeichnung Bester Schnitt (Fiktion) – Auszeichnung Bestes Make-up und Hair-Design, für Bethany Swan – Nominierung Bestes Drehbuch (Drama), für Michaela Coel – Auszeichnung British Academy Television Awards 2021: Beste Miniserie – Auszeichnung Bester Schauspieler, für Paapa Essiedu – Nominierung Beste Schauspielerin, für Michaela Coel – Auszeichnung Beste Nebendarstellerin, für Weruche Opia – Nominierung Broadcasting Press Guild Awards 2021: Beste Dramaserie – Auszeichnung Beste Schauspielerin, für Michaela Coel – Auszeichnung Bester Autor, für Michaela Coel – Auszeichnung Critics’ Choice Television Awards 2021 Beste Miniserie – Nominierung Beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie, für Michaela Coel – Nominierung Edinburgh TV Awards:, abgerufen am 21. Oktober 2021 Beste Dramaserie – Nominierung GLAAD Media Awards 2021: Beste abgeschlossene Serie – Auszeichnung Independent Spirit Awards 2021: Beste neue Serie nach Drehbuch – Auszeichnung Bester Ensemble-Cast, für Michaela Coel, Weruche Opia, Paapa Essiedu, Stephen Wight – Auszeichnung MTV Movie & TV Awards 2021: Beste Darstellung in einer Serie, für Michaela Coel – Nominierung NAACP Image Awards 2021: Beste Schauspielerin eines Fernsehfilms oder Miniserie, für Michaela Coel – Nominierung Beste Regie in einer Comedy-Serie, für Sam Miller und Michaela Coel – Nominierung Beste Autorin in einer Comedy-Serie, für Michaela Coel – Auszeichnung Peabody Award 2021: Ehrenträger im Bereich UnterhaltungPeabody Awards, abgerufen am 23. Juni 2021 Primetime-Emmy-Verleihung 2021: