mini|hochkant|Fjodor Samochin, 1938 rahmenlos|160px|klasse=skin-invert-image|Samochin Unterschrift Fjodor Iwanowitsch Samochin (, wiss. Transliteration ; * im Gebiet der Don-Armee; † 17. Juli 1992 in Bischkek) war ein sowjetischer und kirgisischer Schriftsteller. In der Enzyklopädie Kyrgyzstan (2001) wird Samochins Name in die Geschichte des russischen Segments der nationalen Literatur eingeschrieben, in eine Reihe mit den Begründern der Leutnant- und Dorfprosa. Er war Mitglied des Schriftstellerverbandes der UdSSR.

Seine literarische Karriere begann 1951 mit der Erzählung Mal'čik iz Stalingrada (Мальчик из Сталинграда, dt. „Der Junge aus Stalingrad“), die das Schicksal evakuierter Kinder in Zentralasien thematisierte. Das Werk erhielt den Preis des ZK LKSM und des Schriftstellerverbandes Kirgisiens als bestes Kinderbuch des Jahres, löste jedoch einen folgenschweren Literaturstreit aus. Die Moskauer Zeitung Prawda griff die Erzählung in einem Leitartikel scharf an und bezeichnete sie als „ideologisch fehlerhaft“ und „künstlerisch schwach“. Der Vorwurf lautete, Samochin habe die Rolle der sowjetischen Behörden bei der Evakuierung unzureichend gewürdigt.

Sein bekanntestes Werk wurde die Erzählung Čolponbai (Чолпонбай, 1958) über den kirgisischen Helden der Sowjetunion Čolponbai Tuleberdiew. In der Zeit des Tauwetter-Periodes wandte sich Samochin Themen aus dem kirgisischen Alltagsleben zu, darunter Dom mojego otza (Das Haus meines Vaters, 1963) und Čujskie razlivy (Чуйские разливы, dt. „Die Überschwemmungen am Tschu“, 1968). In den 1970er Jahren griff er mit Tri ostrova (Три острова, dt. „Drei Inseln“, 1970) und Rodina, ja wernus'! (Родина, я вернусь!, dt. Heimat, ich komme wieder!, 1975) erneut Kriegsthemen auf.

Das Erbe von Fjodor Samochin wird in den führenden Bibliotheken der Welt aufbewahrt, darunter die British Library, die Staatsbibliothek zu Berlin, die Estnische Nationalbibliothek, die Harvard University Library.

Leben Fjodor Samochin wurde in eine Bauernfamilie im Gebiet des Don-Heeres hineingeboren. Er besuchte die Mittelschule in Nižne-Čirskaja, unterbrach seine Ausbildung jedoch 1934, um als Buchhalter in einer Kolchose und in einem örtlichen Erholungsheim zu arbeiten. 1936 setzte er seine schulische Ausbildung fort und trat dem Komsomol bei. Vor dem Krieg war er von 1940 bis 1942 als leitender Buchhalter einer Fischereistation tätig.Samaganow 1976, S. 471.Salnikow 1988, S. 4.

Zu Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges wurde Samochin aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Militärdienst eingezogen. Er lehnte eine Evakuierung ab und schloss sich den Partisanen an. Auf Initiative des Gebietskomitees des Komsomol wurde 1942 auf der Basis der Einheit Smert' fašizmu! (Смерть фашизму, dt. „Tod dem Faschismus!“) ein Untergrundkomitee des Komsomol unter der Leitung von Klavdija Pančiškina gebildet. Samochin wurde trotz seiner Behinderung – er war beinamputiert und auf Prothesen angewiesenSinizyna 2002, S. 60. – in dieses Untergrundnetzwerk aufgenommen. Von 1942 bis 1943 war er Mitglied des Büros des Untergrund-Rayonkomitees des Komsomol und Aufklärungspartisan der Einheit Smert' fašizmu!Orusbajewa 1982, S. 374.Kandaurow 1983, S. 100–102.

Neben der Aufklärung beteiligte sich Samochin an Sabotage- und Kampfaktionen. Gemeinsam mit Kameraden gelang es ihm unter anderem, eine Dampfmühle und Getreidelager am linken Donufer zu zerstören.Kandaurow 1983, S. 119–120. Im Spätherbst 1942 wurde die Partisanenbasis nach einem Verrat angegriffen. Die meisten Partisanen kamen ums Leben. Samochin wurde verwundet, konnte sich jedoch befreien und seine Tätigkeit im Untergrund fortsetzen. Nachdem die Untergrundkämpferin Pančiškina hingerichtet worden war, gelang es Samochin, der Festnahme zu entgehen.Kandaurow 1986, S. 24. mini|Fjodor Samochin mit seiner Frau Raissa Iljinična Von 1943 bis 1944 arbeitete er als verantwortlicher Sekretär und später als Redakteur der Rayonszeitung Kolkhoznik Dona (Колхозник Дона, dt. Der Kolchosbauer vom Don).Samaganow 1969, S. 386.Botojarow 1989, S. 441. Im April 1944 wurde Samochin als Kandidat in die KPdSU aufgenommen und vom Stalingrader Gebietskomitee des Komsomol zu Kursen für Zeitungsschaffende bei der Redaktion der Komsomolskaja Prawda nach Moskau delegiert.Samaganow 1969, S. 386.Salnikow 1988, S. 4. Er studierte Journalismus unter anderem bei Frida Wigdorowa und besuchte Seminare von Semjon Klebanow.Sinizyna 2002, S. 60. Während seiner Studienzeit hatte Samochin die Gelegenheit, bedeutende Kulturschaffende zu treffen – darunter die Schriftsteller Samuil Marschak, Agnija Barto, Konstantin Simonow und Sergej Michalkow, die Komponisten Nikita Bogoslowski, Matwei Blanter und Dmitri Schostakowitsch sowie die Schauspieler Igor Iljinski, Michail Scharow und Arkadi Raikin.Sinizyna 2002, S. 61. 1945 wurde er literarischer Mitarbeiter der externen Redaktion der Komsomolskaja Prawda.Salnikow 1988, S. 4.

1946 zog er nach Alma-Ata, wo er als literarischer Mitarbeiter und Abteilungsleiter der Zeitung Leninskaja smena (Ленинская смена, dt. Leninsche Generation) arbeitete. Von 1947 bis 1949 war er Sonderkorrespondent der Zeitung Kommunist (dt. Der Kommunist) im Gebiet Dschambul (heute Taraz).Samaganow 1976, S. 471.Botojarow 1989, S. 441. 1947 heiratete er Raissa Iljinitšna.

1949 zog er nach Frunse (heute Bischkek) und arbeitete dort bis 1961 als literarischer Mitarbeiter und Abteilungsleiter der Zeitung Komsomolec Kirgizii (Комсомолец Киргизии, dt. Komsomolze Kirgisiens).Botojarow 1989, S. 441. In Kirgisien kamen seine drei Kinder zur Welt; ein Sohn und eine Tochter verstarben früh. Als Journalist bereiste Samochin die gesamte Republik und lernte das Leben und die Arbeit verschiedener Kollektive kennen, was später in seine Skizzen einfloss.Imschenezki 1968. 1955 schloss er sein Studium an der Historischen Fakultät des Kirgisischen Staatlichen Pädagogischen Instituts (heute Kirgisische Nationale Universität) im Fernstudium ab. Von 1961 bis 1963 arbeitete er für die Zeitschrift Bloknot agitatora (Блокнот агитатора, dt. Notizbuch des Agitators), danach widmete er sich ganz der schriftstellerischen Tätigkeit.Botojarow 1989, S. 441.

Nach langer Krankheit verstarb der Schriftsteller 1992 in Bischkek.

Werk

Samochins erste bedeutende Arbeit war die Erzählung Mal'čik iz Stalingrada, die vom Schicksal evakuierter Kinder in den zentralasiatischen Republiken während des Krieges handelt. Nach ihrer Veröffentlichung im Almanach Kirgisistan erhielt der Schriftsteller den Preis des ZK LKSM und des Schriftstellerverbandes Kirgisiens als bestes Kinderbuch des Jahres. Sie rief jedoch eine kontroverse Reaktion der Kritik hervor: In den Zeitungen Sowetskaja Kirgisija und Prawda wurde sie als „ideologisch fehlerhaft“ und „künstlerisch schwach“ bezeichnet – die Kritiker waren der Ansicht, der Autor habe die Rolle der Sowjetmacht geschmälert, indem er die Evakuierten als Menschen ohne angemessene Unterstützung darstellte. Die Situation um die Kritik an der Erzählung wurde auch in der amerikanischen Zeitschrift The Current Digest of the Soviet Press thematisiert, die damals von der American Association for the Advancement of Slavic Studies (AAASS) herausgegeben wurde. 1954 wurde die Erzählung als Einzelausgabe vom Stalingrader Buchverlag veröffentlicht.Samaganow 1969, S. 387. hochkant|mini|Die zweite Ausgabe der Erzählung "Čolponbai" (1982) Sein bekanntestes Werk wurde die Erzählung Čolponbai (1958) über den kirgisischen Helden der Sowjetunion Čolponbai Tuleberdiew, der im Herbst 1942 am Don eine Schießscharte mit seinem Körper abdeckte. Sie beschreibt das Leben des Helden, die Entwicklung seiner Lebensanschauungen und das Wachstum seines Selbstbewusstseins. Die Erzählung wurde im Kirgisischen Staatsverlag (Kirgizgosizdat oder Kirgizskoe gosudarstvennoe izdatel'stvo) und zeitgleich im renommierten Moskauer Verlag Molodaja Gvardija veröffentlicht. Sie gilt als bedeutender Beitrag zur kirgisischen Militärprosa und zeigt Parallelen zu Werken Michail Scholochows, Alexander Beks und Wassili Grossmans auf.Alymkulow 2014, S. 5.

Der Literaturkritiker Tendik Askarow lobte die gelungene, lebendige Darstellung des Helden ohne übermäßige Idealisierung – eine andere Meinung zur "Idealisierung" hält der Philologe O. I. Trudakowa (aus der Schukow-Militärakademie) — ihrer Meinung nach wurde Tuleberdiev vom Autor nicht als Mensch, sondern vor allem als Teil der Geschichte und des Kollektivs wahrgenommen, daher ist das Bild des Helden keine separate Persönlichkeit, sondern eine generalisierte Art eines idealen sowjetischen Mannes, der die Interessen des Kollektivs über seine eigenen stellt. Andere Kritiker wie Anatoli Salnikow sahen in dem Werk den Beweis für Samochins Reife als Schriftsteller.Salnikow 1988, S. 4. Die Erzählung beeinflusste später auch das gleichnamige Drama von Toktobolot Abdumomunow (1985).Sadykow 2008. Im Jahr der Veröffentlichung wurde Samochin in den Schriftstellerverband der UdSSR aufgenommen.Botojarow 1989, S. 441.

Der Dichter Nikolai Imschenezki würdigte die Erzählung in hohem Maße und betonte, der Autor habe nachgewiesen, dass nicht Čolponbai Tuleberdiew die Heldentat Alexander Matrossows wiederholt habe, sondern vielmehr umgekehrt. Imschenezki hob auch die Arbeit des Schriftstellers an der Erzählung hervor: „Dafür musste er Hunderte von Kilometern zurücklegen, in Archiven stöbern, viel Energie und Mühe aufwenden […] F. Samochin lernt viele interessante Menschen kennen – Verwandte Čolponbais, Freunde, Kameraden, all jene erstaunliche Welt, die den Helden seines zukünftigen Buches umgab.“ Der Dichter schloss: „Es besteht keine Notwendigkeit, erneut über die starken und schwachen Seiten der Erzählung zu sprechen. Sie wird gelesen, sie lebt. Und das ist die Hauptsache.“Imschenezki 1968.

In der Zeit des Tauwetter-Periodes wandte sich der Schriftsteller von der Schaffung von Werken mit militärischem Pathos ab und begann, an den Erzählungen Dom mojego otza (1963) und Čujskie razlivy (1968) zu arbeiten, die auf lokalem Material basierten. Die erste erzählt vom Schicksal Temirbeks, der seine Eltern im Krieg verloren hat. Als Erwachsener findet er zufällig seinen Großvater – einen Schäfer aus Kirgisien – und kehrt in die Heimat zurück, um das Werk seines an der Front gefallenen Vaters fortzusetzen. Im Laufe der Handlung wird Temirbek Sekretär des Rayonkomitees des Komsomol und sieht sich beim weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter mit Bürokratie, Ungerechtigkeit und moralischen Prüfungen konfrontiert, was ihn jedoch nicht daran hindert, für fortschrittliche Veränderungen zu kämpfen.

Während jedoch in Dom mojego otza von einem jungen Komsomolzen mit großen Hoffnungen und einer im politischen Sinne „sauberen“ Vergangenheit erzählt wird, handelt die zweite – Čujskie razlivy – von einem Opfer der Stalinschen Säuberungen. Darin kehrt der Ingenieur und Mechanisator Michail Nasarbow nach der Verbannung in sein gewohntes Leben zurück – zunächst ist er Parteisekretär, dann Vorsitzender einer Kolchose. Das Problem der Dürre im Tschuiskaja dolina wird durch falsche Entscheidungen erschwert – die Bewässerung des Landes führt zu dessen Versumpfung, deren Folgen von seinem Stellvertreter, dem „Schönrechner“ Bolotow, vertuscht und durch die Untätigkeit der Parteimitglieder in Führungspositionen verschlimmert werden.