mini|hochkant=1.41| Das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee ist ein katholisches Fachkrankenhaus für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Berliner Ortsteil Weißensee, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden ist. Die ursprünglichen Bauten und die Freiflächen stehen seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz.

Im 21. Jahrhundert unterhält die Einrichtung eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie eine Klinik für Neurologie, vier Tageskliniken und zwei Psychiatrische Institutsambulanzen. Hinzu kommen ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) und zwei Seniorenpflegeheime. Diese vier Geschäftsbereiche sind in der Alexianer St. Joseph Berlin-Weißensee GmbH zusammengefasst. Auf dem Gelände befindet sich zudem eine eigenständige radiologische Praxis.

Geschichte Anfang im 19. Jahrhundert mini|hochkant=1.5|links| Zum Dank für die aufopfernde Pflege eines katholischen Bürgers aus Berlin bot seine Witwe den Alexianer-Brüdern, einem Krankenpflegeorden, günstig ein Grundstück außerhalb Berlins an. Über einen dadurch entstandenen Kontakt erwarben die Ordensleute einen Bauernhof mit 60 Hektar Land in Weißensee. Bereits 1888 stellten die Alexianer-Brüder den Antrag, dort eine Pflegeanstalt für männliche Irre bauen und betreiben zu dürfen. Sie beauftragten den Architekten Otto Lindner, der mit weiteren Architekten (Moritz Wetz, Karl Weiss und Hermann Bunning) die Planungen ausführte und die Bauleitung wahrnahm. Die Grundsteinlegung erfolgte noch im Jahr 1891. – Mit einer Summe von 388.000 Mark wurde das große Dreigiebel-Haupthaus auf dem Grundstück errichtet und am 22. Juni 1893 als Heilanstalt für gemüts- und nervenkranke Herren eröffnet. Im Jahr 1900 findet sich die Einrichtung unter Alexianer-Anstalt für Gemütskranke im Adressbuch. Im Berliner Adressbuch des Jahres 1920 trägt es die Bezeichnung St.-Josephs-Heilanstalt. Als Eigentümer der Heilanstalt war zu dieser Zeit die Neußer Krankenpflege AG eingetragen. Die Gemeinde Weißensee unterhielt zu dieser Zeit nur ein Säuglingskrankenhaus.

1929 bis 1949 Wegen der raschen Einwohnerentwicklung mussten die Betreiber der Anstalt die Anzahl der Betten auf 400 erhöhen, wobei bis 1932 auch ein größerer Umbau sowohl des Krankenhauses als auch der Kapelle erfolgte. Im Zuge des von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte die von den Nationalsozialisten eingesetzte Luftschutzpolizei 1939 die Kellerbereiche und alle Räume im Erdgeschoss. Das Refektorium wurde zu einem Lazarett umfunktioniert. Ab 1940 nahm das Krankenhaus auch Lungenkranke auf, und eine Station für werdende Mütter wurde eröffnet. 280 bisherige Patienten wurden jedoch deportiert.Aus der Chronik des Krankenhauses (Wir über uns), abgerufen am 11. Mai 2021. Im Jahre 1941 kamen aus dem zerbombten Aachen Schwestern vom Orden der Heiligen Elisabeth zur Pflege hierher; u. a. wurde die spätere Schauspielerin Angelica Domröse im selben Jahr hier geboren.

Als mit der deutschen Kapitulation im Mai 1945 der Krieg beendet worden war, beschlagnahmten Soldaten der Roten Armee einen Teil des Nordflügels und nutzten ihn zur medizinischen Versorgung von Kriegsverletzten.

Im Jahr 1946 fanden die aus Schlesien vertriebenen Mägde Mariens Unterkunft und Arbeit im St. Joseph-Krankenhaus. Nun konnten auch wieder Frauen in den Einrichtungen behandelt werden, denn die erste psychiatrische Frauenstation wurde eröffnet. Die Krankenhausleitung begann zugleich, die Neurologie aufzubauen.

Katholisches Haus in der DDR Der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 und die damit einhergehende Teilung Deutschlands bedeuteten für das St.-Joseph-Krankenhaus einen wesentlichen Einschnitt. Die Regierung der DDR zeigte nur wenig Interesse, eine katholische Fachklinik, zu der sich das Haus in Berlin-Weißensee inzwischen entwickelt hatte, zu unterstützen. Es bedurfte daher der Intervention des Berliner Bischofs und späteren Kardinals Alfred Bengsch. Dieser sprach sich konsequent für eine Erhaltung der Einrichtung als Fachklinik aus. Die Leitung des Hauses wurde daraufhin von den Alexianer-Brüdern an den Bischof und ein neu gegründetes Kuratorium übergeben. So konnte sich die Klinik trotz der schwierigen politischen und materiellen Gegebenheiten weiterentwickeln.

Nach 1990 Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 bedeutete für das St.-Joseph-Krankenhaus einen erneuten Umbruch. 1990 übernahmen die Alexianer-Brüder wieder die Leitung des Hauses. Diese übertrugen sie 1992 an Reinhard Nieper, einen jungen Geschäftsführer, der nicht nur bereits geplante bauliche Maßnahmen umsetzte, sondern gemeinsam mit den Verantwortlichen im Hause die strategischen Grundlagen für die Zukunft legte. Anfang der 1990er-Jahre entstand die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) am Standort Weißensee. Im Jahr 1993 feierte das Krankenhaus in Berlin-Weißensee sein 100-jähriges Bestehen. 1997 nahm das neue Bischof-Ketteler-Haus Seniorenpflegeheim auf dem Gelände des Alexianer St.-Joseph-Krankenhauses seinen Betrieb auf. Das Krankenhaus erhielt vom Berliner Senat den Versorgungsauftrag für den Bezirk Prenzlauer Berg. Im selben Jahr wurde die Tagesklinik Prenzlauer Berg eröffnet. Mit ihrer Gründung kam eine zweite Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) in Berlin-Prenzlauer Berg hinzu. Im Jahr 1999 öffnete die Tagesklinik Pankow. Im Jahr 2001 kam eine Sporttherapiehalle hinzu, die Krankenhauskapelle konnte renoviert und eine umfassende Sanierung des Südflügels vorgenommen werden. Mit diesen Umbaumaßnahmen wurde der Haupteingang nach historischem Vorbild in die Mitte des Haupthauses zurückverlegt. Er erhielt eine Verkleidung mittels einer Feng-Shui-Glaswand, gestaltet vom Glaskünstler Ralf Schmitt.Adelheid Müller-Lissner: HeilSTÄTTEN: Wildgänse in Weißensee, Der Tagesspiegel, 29. Juli 2013, abgerufen am 11. Januar 2023.

Ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Zukunft des Hauses war der Erwerb des Pflichtversorgungsauftrags für den neuen Großbezirk Pankow mit damals insgesamt rund 340.000 Einwohnern.

Seit Ende des 20. Jahrhunderts mini|Historische und moderne Architektur des Krankenhauses 1998 übernahm Iris Hauth die ärztliche Leitung für das St.-Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee und trieb die Differenzierung der Psychiatrie in den folgenden Jahren voran: Eine Abteilung für Gerontopsychiatrie (Klinik für Seelische Gesundheit im Alter) mit angeschlossener Tagesklinik sowie eine Klinik für Suchtmedizin und ein Wohnverbund zur Betreuung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen in der ehemaligen Chefarztvilla wurden eröffnet. Die Akutstationen und Tageskliniken des Krankenhauses spezialisierten sich nach Diagnosegruppen, um eine leitliniengerechte Behandlung anbieten zu können. Seit 2007 leitet Thomas Müller die Klinik für Neurologie. Diese ist aufgrund ihrer ausgewiesenen Expertise in der Diagnostik und Therapie von Morbus Parkinson und Multipler Sklerose über die Region hinaus anerkannt. Stetig erfolgen Erweiterungen der Behandlungsmöglichkeiten bei neuen Erkrankungen oder neuen Therapiemöglichkeiten wie die Behandlung von Menschen mit Multipler Sklerose.

Zur Stärkung der ambulanten Behandlung entstand 2006 ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für Allgemeinmedizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am St. Joseph-Krankenhaus. Ein Qualitäts- und Risikomanagement mit externer Zertifizierung bestätigte das Qualitätsniveau des Krankenhauses. Zudem ist das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus „Akademisches Lehrkrankenhaus für Pflege“.

Namenspatron Schutzpatron des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses ist der Heilige St. Joseph. Er entstammte dem Geschlecht König Davids, war selbst einfacher Zimmermann aus Nazareth. Sein Handeln war geprägt von Verantwortung, Pflichterfüllung und Bescheidenheit.

Kliniken und Abteilungen Klinik für Neurologie Die Klinik für Neurologie diagnostiziert und behandelt Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des peripheren Nervensystems. Herausragende Expertise besteht in der Behandlung von Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Demenzerkrankungen und komplexen Schmerzerkrankungen. Mit der Ambulanz SGB V wird das Angebot für Menschen mit Multipler Sklerose durch komplexe ambulante Behandlung ergänzt. Die Klinik führt klinische Studien in der hauseigenen Studienambulanz durch.

Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik In der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik werden alle psychischen Erkrankungen diagnostiziert und behandelt. Spezialisiert ist die Klinik auf die Diagnostik und Therapie von Depressionen, Bipolare Störungen, Schizophrenie, Angst- und Zwangserkrankungen, somatoforme und psychosomatische Störungen, psychische Störungen vor und nach der Geburt sowie auf die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen und die Krisenintervention. Vom Berliner Senat ist die Klinik mit der Pflichtversorgung volljähriger Bürger des Bezirks Pankow (Weißensee, Pankow, Prenzlauer Berg) beauftragt. Für die Erfüllung des Versorgungsauftrags hält das Krankenhaus 226 stationäre Behandlungsplätze, 86 teilstationäre Plätze in vier psychiatrisch-psychotherapeutischen Tageskliniken, einer Psychiatrischen Institutsambulanz mit zwei Standorten und einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) mit 6,5 Sitzen vor.

Klinik für Seelische Gesundheit im Alter Die Klinik für Seelische Gesundheit im Alter konzentriert sich auf die Behandlung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Ängste und Gedächtnisstörungen im höheren Lebensalter. Eine Memoryklinik ist angegliedert.

Klinikbereich für Suchtmedizin Der Bereich ist auf die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit) und den qualifizierten Entzug spezialisiert.

Tageskliniken (TK) Tagesklinikzentrum (TKZ) St. Wunibald Das Tagesklinikzentrum St. Wunibald wurde im Dezember 2023 am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee eröffnet. Es handelt sich um ein psychiatrisch-psychosomatisch-psychotherapeutisches Therapiezentrum und bietet ein teilstationäres Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen und in psychosozialen Belastungssituationen. Als Pflichtversorger des Bezirks Pankow haben die Alexianer damit auf den gestiegenen Bedarf an ambulanten Therapieangeboten mit einer Kapazitätserweiterung reagiert.

Im Tagesklinik-Zentrum sind die psychosomatische Tagesklinik St. Lukas aus Pankow und die psychotherapeutische Tagesklinik St. Bernhardt aus Weißensee vereint worden. Durch die Zusammenführung stehen insgesamt 60 Tagesklinikplätze in den modernen Räumlichkeiten für Behandlungen zur Verfügung.

Die psychosomatische Tagesklinik St. Lukas befand sich von 1999 bis 2023 im Berliner Bezirk Pankow. Dort wurde eine teilstationäre Behandlungsmöglichkeit mit dem Schwerpunkt tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie angeboten. Der Fokus lag auf der Behandlung von Überlastungsreaktionen, depressiven Störungen, Angst- und Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen (beispielsweise Borderline) sowie von Posttraumatischen Belastungsstörungen. Ein besonderes Therapieangebot richtete sich an Menschen mit Gewalterfahrungen und komplexen Traumatisierungen.

Die akutpsychiatrisch-psychotherapeutische Tagesklinik St. Bernhardt befand sich bis 2023 auf dem Klinikgelände des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee. Spezialisiert war sie auf die Behandlung von depressiven Störungen, Angst- und Panikstörungen und Persönlichkeitsstörungen.

TK AKI St. Antonia Die Tagesklinik Akute komplexe Krisenintervention (AKI) St. Antonia befindet sich auf dem Klinikgelände des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee und richtet sich an Menschen in einer schweren psychischen Krise, bei denen eine stationäre Behandlung ungünstig erscheint beziehungsweise nicht gewünscht ist. Ziel ist es, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen unter verstärkter Einbeziehung individueller Ressourcen. Ein Baustein des Therapiekonzepts ist die aufsuchende Behandlung.

TK Memoryklinik