mini|hochkant|John McDouall Stuart John McDouall Stuart (* 7. September 1815 in Dysart, Fife, Schottland; † 5. Juni 1866 in London) war ein schottischer Geometer und Entdeckungsreisender, der als erster Europäer den australischen Kontinent von Süden nach Norden und zurück durchquerte.
Lebenslauf Herkunft und frühe Jahre McDouall Stuart wurde als fünfter Sohn von neun Kindern des zu dem Zeitpunkt bereits pensionierten Armeehauptmanns William Stuart und seiner Frau Mary, einer geborenen McDouall, in Dysart bei Kirkcaldy an der Nordseite des Firth of Forth geboren. Seine Eltern starben, als er ein Teenager war. Verwandte ermöglichten ihm eine Ausbildung an der Scottish Naval and Military Academy in Edinburgh, die er 1838 als Bauingenieur abschloss. Danach entschied er sich, nach Australien auszuwandern.
Ende 1838 schrieb er sich als Passagier auf der Indus ein, die nach Australien segelte. Stuart war schmächtig und verhältnismäßig klein (1,68 m groß und wenig mehr als 50 kg schwer) und nicht bei bester Gesundheit. Möglicherweise litt er an einer nicht diagnostizierten Tuberkulose. Zumindest ist überliefert, dass er bei der langen Überfahrt von Schottland nach Südaustralien verschiedene Male Blut erbrach.John McDouall Stuart (2002). [Online]: kidcyber.com.au
mini|Adelaide um 1839, Martha Berkeley (1813–1899) Im Januar 1839 traf er im Bundesstaat South Australia ein und fand alsbald eine Anstellung als Landvermesser in Adelaide. Wenig später kaufte er sich eigene Instrumente und beschäftigte sich intensiv mit dem Outback, der Geologie und Geografie des Landes. Sein bester Freund wurde William Finke, der sein Geld mit Grundstückshandel verdiente und später gemeinsam mit James Chambers, einem von Stuarts Kunden und ebenfalls gutem Freund, Stuarts Expeditionen finanzierte. Chambers war zusammen mit seinen Brüdern James und Benjamin durch Pferdehandel und mit einem Postunternehmen zu Wohlstand gekommen; ihre Ländereien ließen sie vor Ankauf jeweils von Stuart begutachten.
Nachdem Stuart 1854 bei der Oratunga Ranch Kupfer entdeckt hatte, kauften Chambers und Finke eine Mine und luden Stuart ein, in das Geschäft mit einzusteigen,
Dennoch versuchte Stuart sich 1843, als die Vermessungsaufträge knapp wurden, als Farmer. Er war aber entsprechend froh, als Charles Sturt ihm kurz darauf anbot, an einer seiner Expeditionen in das Landesinnere teilzunehmen.
Erforschung des Kontinents mini|Australien und seine wichtigsten heutigen Orte Die Kartografen und Forscher George William Evans (1780–1852) und John Oxley hatten im frühen 19. Jahrhundert die Route von Gregory Blaxland (1788–1852), William Charles Wentworth (1790–1872) und William Lawson (1774–1850) zu den Blue Mountains und nach Bathurst festgehalten und Karten der inneraustralischen Ebenen angefertigt. Oxley erforschte auch die Südküste von Queensland, während Allan Cunningham 1827 in das Landesinnere vordrang. Einer der Teilnehmer an dieser Expedition war Charles Sturt, der zwischen 1829 und 1839 die Hauptzuflüsse des Murray-Darling-Beckens entdeckte, das heute das landwirtschaftliche Herzstück Australiens darstellt. Sir Thomas Livingstone Mitchell bestätigte Sturts Erkenntnisse und erschloss 1836 die Route von New South Wales zum fruchtbaren Land im westlichen Teil von Victoria.
Das Hinterland der Küste von Western Australia wurde von Sir George Grey (1799–1882) und Edward John Eyre kartografisch erfasst. Der deutsche Naturforscher Ludwig Leichhardt führte drei Expeditionen, zuerst 1844 von Darling Downs in Queensland nach Port Essington in die Northern Territories. Am 10. Dezember 1846 begann seine zweite Expedition, auf der er versuchte, Australien von Ost nach West zu durchqueren. Sie musste nach fünf Monaten Dauer aufgegeben werden. Sein drittes Expeditionsvorhaben, Australien erneut von Ost nach West zu durchqueren, schlug fatal fehl: Leichhardt erreichte sein Ziel, den Swan River im Westen (heute in Western Australia) nicht und blieb verschollen.
Erst John McDouall Stuart konnte 1860 in das Landesinnere vorstoßen und 1862 schließlich den Kontinent von Süden nach Norden vollständig durchqueren.
Charles Sturt als Mentor mini|hochkant|Charles Sturt mini|Coopers Creek mini|Simpsonwüste, 1936 Stuart nahm an einer Expedition Charles Sturts von August 1844 bis Dezember 1845 teil, die das Ziel hatte, ein im Zentrum Australiens vermutetes Süßwassermeer zu finden. Im August 1844 machte sich die aus 17 Personen bestehende und mit elf Pferden, einem Zugpferd, 30 Ochsen, 200 Schafen, sechs Hunden, vier Wagen und einem zerlegbaren Boot ausgerüstete Expedition von Adelaide auf in Richtung Landesinneres. Sturt entdeckte Coopers Creek und drang nordwestlich bis in das Innere von Queensland vor. Statt des vermuteten Süßwassermeeres fand er aber nur wüstes und trockenes Land, und die Expedition geriet zum Desaster, als sie sechs Monate in der Wüste feststeckte.Diese Expedition beschrieb Sturt 1848 in seinem Buch „Narrative of an expedition into Central Australia“books.google.de.
Gleich zu Beginn wurde die Expedition von feindlichen Aborigines attackiert, Sturt gelang es jedoch, sie zu besänftigen. Die Gruppe passierte Broken Hill, entdeckte aber den Quarzaufbruch an den Gesteinsformationen (ein untrügliches Zeichen für Bodenschätze) nicht. Weiter nördlich, am Rocky Glen bei der heutigen Stadt Milparinka, einer Schlucht, in der sich ein schmales Rinnsal zu einem Flüsschen verbreiterte, saßen sie wegen extremer Hitze und Wassermangel geradezu in der Falle. Da sie auch kaum frische Nahrung fanden, erkrankten viele Teilnehmer an Skorbut. Die Haut des stellvertretenden Expeditionsleiters James Poole wurde schwarz, und in seinem Mund lösten sich Hautfetzen. Es wurde so heiß, dass das Thermometer zerbarst und das Flüsschen ganz zu versiegen drohte. Die Mannschaft grub sich einen unterirdischen Raum als Unterschlupf. Auch im Winter litten sie, da es bitterkalt wurde. Sturts Augen verschlechterten sich bis zur fast völligen Blindheit.John McDouall Stuart: Explorations in Australia fullbooks.com Bevor die Situation gänzlich hoffnungslos zu werden drohte, regnete es ausgiebig, und zusehends besserte sich die Situation, so dass Sturt entschied, die Expedition fortzusetzen.
Kurze Zeit später erlag Poole seiner Krankheit, und Stuart rückte zum stellvertretenden Expeditionsleiter auf. Er zeichnete die meisten Karten, weil Sturt wegen seiner Sehprobleme dazu nicht mehr in der Lage war. Die Gruppe kreuzte den Strzelecki Creek und erreichte eine Wildnis, die sie Sturt’s Stony Desert, Sturts Steinwüste, taufte. Die Pferde lahmten, und die Hufe der Rinder und Schafe waren aufgrund der scharfen Steine bis aufs rohe Fleisch abgenutzt.
Heute wissen wir, dass diese Wüste 80 km breit ist. Sie durchquerten sie und kamen zur Simpsonwüste, wo sie mit 30 Meter hohen Sanddünen konfrontiert wurden. Stuart erkannte, dass es kein Weiterkommen geben konnte. Er musste nach Fort Grey zurückkehren. Die Expedition war erfolglos 1500 Kilometer gereist.
Das Ergebnis der Expedition war insgesamt trostlos, auch Stuarts Gesundheit war so angegriffen, dass er mehr als ein Jahr nicht arbeiten konnte. Er ließ sich auf dem Land in der Nähe von Adelaide als privater Sachverständiger nieder, wo seine Dienste auf große Nachfrage stießen. Er untersuchte Land auf Mineralien, mögliche Bodenschätze und Wasservorkommen und beurteilte seine Eignung als Weidegründe und für die Viehzucht. Von 1846 bis 1858 bediente er zahlreiche Kunden, an gut bezahlten Aufträgen mangelte es ihm nicht. Zu Wohlstand gelangte er dennoch nicht, er gab sein Geld aus, wie es hereinkam.
Die Expeditionen mini|Stuarts Expeditionsrouten zwischen 1858 und 1862 Nach seiner Rückkehr und Genesung arbeitete Stuart bis 1858 wieder als Vermesser, hielt sich aber auch einige Zeit in Port Lincoln auf und versuchte sich – wiederum auf Empfehlung seiner Freunde und wiederum nicht allzu erfolgreich – als Immobilienmakler.
Er träumte von einer eigenen Expedition, um im Landesinneren nach gutem Weideland und Bodenschätzen zu suchen. Aufgrund seiner Teilnahme an Sturts Expedition von 1844/45 und seiner langen Erfahrung als Geometer, Kartograf und Landvermesser fühlte er sich der Herausforderung gewachsen. Er wusste um die Schwierigkeit, Wüstengebiete ohne Wasservorkommen mit großen Expeditionsgruppen zu erforschen und im Outback zu überleben, hatte hautnah die fatalen Auswirkungen von Skorbut erlebt, die Aborigines und ihre Verhaltensweisen studieren können und war mit der Topografie des australischen Landesinneren vertraut. Er war schnell, er war flexibel, und er verfügte über die besondere Gabe, eine unbekannte Landschaft „lesen“ zu können und Wasser zu finden. Deswegen wollte er im Gegensatz zu anderen Expeditionsleitern mit minimalem Aufwand und wenig Personal reisen.
1858 war es so weit, mit der finanziellen Unterstützung von William Finke konnte Stuart seine erste eigene Expedition vorbereiten.
Mai bis September 1858 mini|Lake Torrens mini|Lake Gairdner Die Expedition hatte das Ziel, nördlich von Lake Torrens und Lake Gairdner nach Weideland und Bodenschätzen zu suchen. Stuart startete am 14. Mai 1858 von der Oratunga Ranch aus mit einem Assistenten namens Barker und einem Aborigine als Fährtensucher. Sie waren mit sechs Pferden, einem Kompass, einer Uhr und Verpflegung für sechs Wochen ausgerüstet.
Hinter Flinders Ranges gingen sie nach Westen und passierten die Südküste von Lake Torrens. Danach wandten sie sich gen Norden, wo Stuart eine Gruppe semipermanenter Wasserlöcher entdeckte, die er Chambers Creek nannte (heute: Stuart Creek) und die zu einem wichtigen Stützpunkt für spätere Expeditionen wurden. Weiter in nordwestlicher Richtung erreichten sie Coober Pedy (ohne das dortige gewaltige Opalfeld zu entdecken), bevor Nahrungs- und Futtermangel sie zwang, am Rande der Großen Victoria-Wüste in den Süden zurückzukehren.
Am 3. August „desertierte“ der Aborigine, informierte aber am Mount Eyre siedelnde Weiße, dass zwei Männer in der Wüste dem Hungertod nahe seien. Mit fast vollständig aufgebrauchter Nahrung, ohne Wasser und mit lahmenden Pferden kämpften sich Stuart und Barker bis zur „T. M. Gibson’s Outstation“, die sie am 22. August erreichten. Nach zehn Tagen Erholungspause kehrten sie nach Adelaide zurück, wo ihnen ein enthusiastischer Willkommensempfang bereitet wurde.
Diese Expedition begründete Stuarts guten Ruf. Er hatte bei einem minimalen Kostenaufwand ein riesiges Gebiet von 40.000 Quadratkilometern erforscht und dabei wichtige Entdeckungen und Erkenntnisse gewonnen. Aber die Expedition hatte die Teilnehmer auch viel Kraft und Gesundheit gekostet.
Die Royal Geographical Society zeichnete ihn mit einer goldenen Uhr aus. Sein Tagebuch und das von ihm gezeichnete Kartenmaterial überließ er der Regierung von South Australia, wofür diese ihm 2.500 Quadratkilometer Land aus dem erforschten Gebiet versprach. Dieses Land erhielt er aber wegen politischen Gezänks, in das auch Prozessgegner von Chambers und Finke involviert waren, nie überschrieben.
April bis Juli 1859 mini|Chambers Creek (heute Stuart Creek) Nachdem er sich gerade von der ersten Expedition erholt hatte, bewarb sich Stuart für die Pacht von Ländereien um Chambers Creek. Zwar war er als Entdecker dazu berechtigt, aber er wollte Rechte an einem größeren Gebiet. Um die Verhandlungen zu seinen Gunsten zu beenden, bot er an, die Landvermessung selbst vorzunehmen.
Mit drei Männern und 14 Pferden machte er sich bereits im April 1859 wieder auf in den Norden und erreichte die heutige Grenze zwischen South Australia und Northern Territory. Zwar noch reichlich mit Wasser und Verpflegung ausgestattet, kehrte die Expedition über 100 Kilometer zurück, weil sie keine Hufeisen mehr hatte – ein enorm wichtiger Gegenstand in dieser steinigen Region.