Das zweite Leben des Dr. X (Originaltitel The Return of Dr. X) ist ein US-amerikanischer Gruselfilm aus dem Jahre 1939 von Vincent Sherman, der mit diesem „kuriosen B-Picture … mit Humphrey Bogart in der Titelrolle eines zombieartigen Vampirs“Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 7, S. 301. Berlin 2001. seinen Regieeinstand gab. Die weiteren Hauptdarsteller des Films sind Wayne Morris, Rosemary Lane, Dennis Morgan und John Litel.
Die Handlung des Films basiert auf der Kurzgeschichte The Doctor’s Secret von William J. Makin, veröffentlicht am 30. Juli 1938 in der Publikation Detective Fiction Weekly.
Handlung Nachdem der Reporter Walter Garrett die Leiche der Schauspielerin Angela Merrova in ihrem Hotelzimmer gefunden hat, ruft er sofort die Polizei an. Als diese eintrifft, ist jedoch die Leiche verschwunden. Am nächsten Tag erscheint die totgeglaubte Künstlerin in Walts Zeitungsbüro und kündigt an, dass sie die Zeitung, die die Geschichte ihres Todes abgedruckt habe, zu verklagen gedenke. Verwirrt besucht Garrett seinen Freund Dr. Mike Rhodes, um eine Erklärung für diese seltsame Begebenheit zu erhalten. Rhodes verweist Garrett an seinen Mitarbeiter Dr. Francis Flegg, der darauf besteht, dass Walter halluziniert haben muss. Rhodes’ Interesse ist geweckt, als er gerufen wird, um die Leiche von Rodgers, einem seiner Patienten, zu identifizieren. Walter Garrett besteht darauf, dass die Umstände von Rodgers’ Ermordung im Zusammenhang mit denen von Angela Merrovas angeblicher Tötung im Hotelzimmer stehen müssen. In dieser Nacht besucht Rhodes Flegg mit einer Blutprobe, die dieser untersuchen soll. Während er sich im Haus aufhält, begegnet Mike Fleggs Assistenten Marshall Quesne, einem ziemlich finster dreinblickenden und blutleer wirkenden Zeitgenossen.
Auf den Spuren der ominösen Ereignisse folgt Garrett Dr. Rhodes zu dessen Haus. Als er später Angela Merrova das Gebäude betreten sieht, überredet er Rhodes, diese anderentags gemeinsam mit ihm zu besuchen. Am nächsten Tag bestätigt die Künstlerin Garretts Beobachtungen und verspricht, am nächsten Tag näher ins Detail gehen zu wollen. Sie stirbt jedoch auf mysteriöse Weise, ehe sie sich erklären kann. Beim Durchforsten einiger Zeitungsnotizen stößt Garrett auf ein Bild von Quesne, das ihn als Dr. Xavier identifiziert, einen skrupellosen Forscher, der einst wegen Mordes hingerichtet worden war. Garrett und Rhodes begeben sich zu Xaviers Grabstelle und öffnen diese, aber das Grab ist leer. Man konfrontiert Dr. Flegg mit den Erkenntnissen und dieser gesteht, dass er Xavier im Rahmen eines Experiments wieder zum Leben erweckt habe. Jetzt aber habe sich Xavier in ein Monstrum verwandelt und wandele als eine Art lebender Toter umher, immer auf der Suche nach der seltenen Blutart, die er benötige, um am Leben zu bleiben. Nachdem Garrett und Dr. Rhodes wieder gegangen sind, erscheint Xavier bei Dr. Flegg, erschießt diesen und nimmt dessen Blutspenderegister an sich. Anschließend entführt Dr. X Joan Vance, eine Krankenschwester, die genau diesen seltenen Bluttyp hat und bringt sie in sein Labor. Walter, Rhodes und die Polizei folgen dem Zombie-Vampir und kommen gerade noch rechtzeitig, um Xavier zu erschießen und Joan vor dem Tod zu retten.
Produktion Produktionsnotizen Die Dreharbeiten zu Das zweite Leben des Dr. X begannen am 24. Mai 1939. Warner-Bros.-Chef Jack L. Warner und Hal B. Wallis übernahmen auch die Herstellungsleitung, die Produktionsleitung hatte Bryan Foy inne. Esdras Hartley entwarf Filmbauten, Milo Anderson die Kostüme. Maskenbildner Perc Westmore zeichnete für das Make-Up verantwortlich. Wayne Morris wird im Film als Walter Barnett angekündigt, heißt dann aber Walter Garrett.
Humphrey Bogart, der sich ansonsten vom Horror- wie auch Science-Fiction Film fernhielt, bezeichnete diesen Film, neben der musikalischen Komödie Swing Your Lady (1938), als die ihm am meisten verhassten beiden Filme seines Schaffens. Er sei von Warner Brothers in diese Rollen gedrängt worden und aus vertraglichen Gründen gezwungen gewesen, sie zu spielen.Ansgar Skulme: Das zweite Leben des Doktor X – Hier sind nicht nur die Opfer blutleer dienachtderlebendentexte.wordpress.com, 25. April 2018. Abgerufen am 27. Juni 2026.
Frank Miller schrieb auf der Seite Turner Classic Movies, es möge wie die ungewöhnlichste Besetzung der Filmgeschichte klingen, doch sei für Warner-Bros. die Besetzung Bogarts in der Titelrolle von The Return of Dr- X ein sicherer Klassenschlager gewesen, für den Schauspieler hingegen Routine. Da Warner bereits James Cagney und Edward G. Robinson unter Vertrag hatte, sei Bogart meist in undankbaren Rollen eingesetzt worden, und zwar in so vielen Filmen, wie das Studio ihm habe abverlangen können. Dies war einer von sieben Filmen, die er 1939 drehte. Ursprünglich war die Rolle des blutsaugenden Zombies Bela Lugosi angeboten worden, der jedoch ablehnte. So kam man auf Bogart zurück, der versuchte, das Beste aus der Rolle zu machen. Bogart war schon sehr früh in seiner Karriere bekannt dafür, Rollen abzulehnen. Diese lehnte er nicht ab, da sie das Regiedebüt seines guten Freundes Vincent Sherman markierte. Sherman hatte ein Jahr zuvor als Drehbuchautor bei Warner angefangen und Bogart zwei seiner besten Drehbücher gegeben: Crime School und King of the Underworld. Der fertige Film erzielte einen ansehnlichen Gewinn und sicherte Sherman einen Platz im Regie-Team des Studios.Frank Miller: The Return of Dr. X tcm.com/articles (englisch), 23. September 2005. Abgerufen am 27. Juni 2026.
Veröffentlichung Die Uraufführung des Films fand am 23. November 1939 in New York City statt. Am 2. Dezember 1939 lief er dann allgemein in den Vereinigten Staaten an. In Australien, Dänemark, Schweden, Mexiko und in Südafrika (Johannesburg und Kapstadt) wurde der Film erstmals 1940 veröffentlicht, in Portugal 1943 und in Frankreich 1945. Veröffentlicht wurde der Film zudem in Österreich unter dem Titel Die Rückkehr des Dr. X, in Brasilien, Kanada, Frankreich, Griechenland, Indien, Irland, Italien, Neuseeland, Polen, in der Sowjetunion, in Spanien, im Vereinigten Königreich und in Venezuela.
Am späten Abend des 10. Oktober 1970 wurde der Film erstmals im deutschen Fernsehen (in der ARD) ausgestrahlt.
Studio Hamburg gab den Film am 20. April 2018 mit einer deutschen Tonspur auf DVD heraus.Das zweite Leben des Doktor X Abb. DVD-Hülle
Synchronisation Rolle Darsteller Synchronsprecher.Dr. Maurice XavierHumphrey BogartGerd MartienzenWalter GarrettWayne MorrisEckart DuxDr. Francis FleggJohn LitelChristian MarschallPinkyHuntz HallHorst SachtlebenDetective Ray KincaidCharles C. WilsonOtto Preuss
Rezeption Kritik Frank S. Nugent schrieb in der New York Times: „Alles in allem wird man ‚The Return of Dr. X‘ als einen fröhlichen kleinen Film empfinden, bei dem der humorvolle Höhepunkt zweifellos erreicht wird, als Wayne und sein Arztfreund Dennis Morgan etwas exhumieren, was sich nicht als der Doc herausstellt, und dann auf komische Weise das Loch verlassen, das vom Friedhofswächter erneut aufgefüllt werden soll. Dies ist wirklich eine sehr lustige Szene.“The Return of Dr. X In: The New York Times vom 23. November 1939. Abgerufen am 1. Juni 2020.
Der Movie & Video Guide stellte fest, „nur Humphrey Bogart als Zombie macht diese niedrigklassige Science-Fiction-Geschichte sehenswert.“Leonard Maltin: Movie & Video Guide, 1996 edition, S. 1084.
Im Lexikon des Internationalen Films heißt es: „Durch heitere Liebesszenen aufgelockerte Gruselgeschichte aus den 30er Jahren, die ihre Horror-Dimension vor allem der intensiven Darstellung Humphrey Bogarts verdankt.“
Halliwell’s Film Guide befand: „Kleiner Thriller, der nicht in die Gänge kommt, bis zum letzten Akt. Nur bemerkenswert aufgrund Bogarts Auftritt als Monster.“Leslie Halliwell: Halliwell’s Film Guide, Seventh Edition, New York 1989, S. 849.
Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Humphrey Bogart, Jack Warner habe die „häßliche Angewohnheit“ gehabt, „widerspenstige Schauspieler dadurch zu bestrafen, daß er ihnen Rollen in gräßlich minderwertigen Filmen“ gegeben habe. Dazu gehöre „auch der Film The Return of Dr. X“. Bogart sei „dieser kindischen Rache leicht zum Opfer“ gefallen. Der Film sei „ein vergeblicher Versuch, an den Erfolg eines Horror-Klassikers anzuschließen: Dr. X (1932)“. Bogart wirke in dem Film „mit kalkweiß geschminktem Gesicht und mit weißen Strähnen im Haar, absolut lächerlich“.Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – sein Leben. In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Verlag Wilhelm Heyne, München 1973 (deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 88.
Ansgar Skulme beschäftigte sich auf der Seite Die Nacht der lebenden Texte mit dem Film und meinte, Wayne Morris nehme man „als solchem, im Gegensatz zu Lee Tracy im ersten Teil zumindest auch ab, dass er die Jagd nach dem Täter am Ende tatsächlich erfolgreich gestaltet und nicht frühzeitig längst selbst Opfer der Mordlust seines ihm noch unbekannten Gegenspielers“ werde. Möge dieser Film der Version von 1932 auch „noch so unterlegen sein“, halte „sich Morris dankenswerterweise damit zurück, die Rolle zu überzogen zu spielen“ und liefere „dennoch ein paar lustige Momente“. Weiter führte Skulme aus, „wäre der Film zudem auch in Technicolor gedreht worden, hätte man damit sicher auch einige Schwächen kaschieren können“. So bleibe „am Ende vor allem der Vorzug, Humphrey Bogart in seiner einzigen Rollel in einem Horrorfilm zu sehen“. Wobei sich Das zweite Leben des Doktor X „zugegebenermaßen hart an der Grenze zwischen Horror und Mysterythriller“ bewege, „da der Fokus doch eher auf der relativ klassisch, krimitypisch gehaltenen Ermittlung des Täters“ liege, „auch wenn man es dabei am Rande schließlich mit übernatürlichen Vorgängen zu tun“ bekomme. Auch wenn Bogart den Film „nur widerwillig“ gedreht habe, sei ihm hier, „auch dank nicht unwesentlicher Mithilfe seiner Kollegen aus den Sektoren Maske und Kostümbild, trotzdem eine recht interessante Darstellung gelungen“.
Dave Becker von 2,500 Movies Challenge meinte, es sei nahezu unmöglich, über diesen Film zu schreiben, ohne Humphrey Bogart zu erwähnen. Und das sei auch gut so, denn ohne Bogart gäbe es über diesen Film nicht viel zu berichten. Die Geschichte um Reinkarnation und, in geringerem Maße, Vampirismus, habe durchaus Potential gehabt, plätschere aber leider Szene für Szene so dahin und begleite Garrett und Rhodes bei ihren akribischen Versuchen, ein ziemlich langweiliges Rätsel zu lösen. Letztlich sei dies ein fader Film, der sein Publikum zu keinem Zeitpunkt wirklich zu fesseln vermöge.Dave Becker: #848. The Return of Doctor X (1939) dvdinfatuation.com (englisch). Abgerufen am 27. Juni 2026.
Dario Lavial schrieb auf der Seite Cinefania, es erscheine heute leicht, Filme wie diesen aufgrund ihrer erzählerischen Schwächen und ihres mangelnden Gruselfaktors abzutun. Man solle jedoch bedenken, dass der Film in einer Zeit entstanden sei, als Warner-Bros. eine „Wurstfabrik“ gewesen sei. Die Produzenten versuchten in der Regel, das Publikum mit sozialkritischen Filmen, Western, Abenteuerfilmen, den stets zuverlässigen Polizeithrillern und gelegentlich auch Horrorfilmen zufriedenzustellen. Dafür verfügten sie über eine Reihe von unter Vertrag stehenden Schauspielern, deren Rollen scheinbar per Losverfahren vergeben wurden. Dies scheine die einzige Erklärung für Humphrey Bogarts Mitwirkung in einem Horrorfilm zu sein.Dario Lavial: The Return of Doctor X (1939) cinefania.com (spanisch), 3. Oktober 2006. Abgerufen am 27. Juni 2026.