Die Bahnstrecke Kumanovo–Gjueschewo ist eine teilweise im Betrieb, teilweise im Bau und teilweise erst geplante normalspurige Bahnstrecke zwischen Nordmazedonien und Bulgarien im Zuge des Paneuropäischen Verkehrskorridors VIII. Der Ausbau soll eingleisig und die Elektrifizierung mit 25 kV / 50 Hz Wechselspannung erfolgen.Nordmazedonien nimmt den Bau der Strecke nach Bulgarien wieder auf. In: Eisenbahn-Revue International 11/2022, S. 586

Geschichte Vorgeschichte mini|Das bulgarische Portal des unvollendeten Grenztunnels Dewebair (Zustand 2025) Erste Planungen für die Strecke stammen aus den Jahren 1869/1873 und 1897/1904. Beide Vorhaben wurden nicht umgesetzt. Dennoch trieb Bulgarien den Bau einer Strecke Radomir–Kjustendil–Gjueschewo ab 1905 voran und 1910 wurde der Abschnitt bis kurz vor die Grenze nach Gjueschewo eröffnet. Der 1910/1912 detailliert geplante Weiterbau bis Kumanovo an der Hauptstrecke Tabanovci–Gevgelija wurde dann wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs aufgegeben. Ab 1941 starteten Bauarbeiten im gesamten Streckenverlauf mit überarbeiteten Planungen für den Abschnitt bei Kriva Palanka. Mit Stand 31. Dezember 1943 waren von den insgesamt 53 Tunneln 29 fertig gebohrt, mit unterschiedlichem Baufortschritt beim Innenausbau, 11 wurden noch ausgebrochen. Von den Brücken mit einer Spannweite von über 10 Metern waren 3 vollständig fertiggestellt und 3 weitere im Bau. Der Bau des Grenztunnels mit einer Gesamtlänge von 2.368 Metern, wovon 1.195 Metern auf bulgarischem Gebiet verlaufen sollten, begann ebenfalls bereits 1941 durch Bulgarien. 550 Meter des Tunnels wurden bis September 1944, als alle Arbeiten auf der gesamten Strecke eingestellt wurden, fertiggestellt. Der Tunnel wurde durch eine Ziegelmauer verschlossen, der ausgehobene Stollen danach lange Zeit als Lagerraum genutzt.

Teilbetrieb und weitere Ausbauversuche Von Jugoslawien aus wurden 1954 die Bauarbeiten wieder aufgenommen, aber nur das 30,8 km lange erste Teilstück von Kumanovo bis Beljakovce 1956 eröffnet. Der Verkehr dort wurde 1994 wegen des schlechten Zustandes der Infrastruktur eingestellt. Noch im selben Jahr vergab die Bahn einen Sanierungsauftrag an eine einheimische Firma. Die Bauarbeiten machten keine rechten Fortschritte und wurden schließlich 2004 wegen wirtschaftlicher Probleme eingestellt. Nach Planungen von 2012 sollte die Strecke bis 2022 reaktiviert, ausgebaut und nach Gjueschewo in Bulgarien verlängert werden.balkaninsight.com: Macedonia to Start Building Rail Link to Bulgaria., 10. Juli 2012 Auch das kam nicht zustande. Der nächste Versuch startete 2014, als ein entsprechender Auftrag an die deutsche Firma Wiebe vergeben wurde. Die vorgesehene Eröffnung 2016 kam nicht zustande und wurde wegen Problemen mit der Grundstücksenteignung auf 2017 verschoben. Tatsächlich aber wurden die Arbeiten eingestellt und der Vertrag aufgehoben.

Weiterbau 2019 wurde zwischen Bulgarien und Nordmazedonien vereinbart, dass die Bahnstrecke Kumanovo–Gjueschewo bis 2025 fertig gestellt werden solle. Im Oktober 2021 unterzeichneten die Regierungen Albaniens, Bulgariens und Nordmazedoniens ein Memorandum über die komplette Fertigstellung des Paneuropäischen Verkehrskorridors VIII bis 2035. Dabei gab die nordmazedonische Regierung bekannt, dass sie 1 Mrd. Euro in die Bahnstrecke Kumanovo–Gjueschewo investieren möchte und bis Ende des Jahres die Aufträge für ersten zwei Streckenabschnitte vergeben werde. Tatsächlich wurde bis 2025 nur der Abschnitt Kumanovo–Beljakovce wieder in Betrieb genommen.

1. Bauabschnitt Meldungen, dass der Abschnitt zwischen Kumanovo und Beljakovce 2019 fertiggestellt worden seibac: Die Eisenbahnen, S. 245., trafen offensichtlich nicht zu, denn 2022 erhielt die Strabag SE den Auftrag, die Strecke wiederherzustellen. Dafür wurden Kosten von 40 Mio. Euro und eine Bauzeit von zwei Jahren veranschlagt. Der Streckenabschnitt wurde schließlich am 17. Januar 2025 in Betrieb genommen.

2. Bauabschnitt Der zweite Bauabschnitt der Strecke führt über 33,9 km von Beljakovce nach Kriva Palanka und ist ein kompletter Neubau. Ebenfalls 2022 vergab die Nordmazedonische Eisenbahninfrastrukturbehörde ŽRSM den Auftrag an die türkische Firma Gülermak. Dieser Bauabschnitt umfasst ein finanzielles Volumen von 155 Mio. Euro und sollte drei Jahre Bauzeit in Anspruch nehmen. Es sollen 5 Bahnhöfe und neun Haltepunkte errichtet werden. 12 Brücken sind erforderlich. Die Bauarbeiten begannen erneut und Anfang 2026 waren alle 15 Tunnel in diesem Abschnitt durchschlagen, das Gesamtprojekt unterliegt aber erheblichen Verzögerungen.

3. Bauabschnitt mini|alt=Der 1910 fertiggestellte Bahnhof von Gjueschewo|Der 1910 fertiggestellte Bahnhof von Gjueschewo

Der dritte Abschnitt reicht von Kriva Palanka bis zur bulgarischen Grenze bei Deve Bair.Eisenbahnatlas EU. 3. Aufl. Schweers + Wall. Köln 2017. ISBN 978-3-89494-147-5, S. 48. Mit den Bauarbeiten sollte 2020 begonnen werdenbac: Die Eisenbahnen, S. 247., was nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie jedoch verschoben wurde. Ein bereits während des Zweiten Weltkriegs errichteter Grenztunnel wurde in jugoslawischer Zeit zerstört und muss ebenfalls neu gebaut werden.

Für diesen dritten Bauabschnitt war die Planung 2022 abgeschlossen, allerdings stand die Finanzierung noch nicht. Die Kosten wurden auf 405 Mio. Euro veranschlagt. Zusagen gab es in Höhe von 155 Mio. Euro vom Western Balkans Investment Framework (WBIF) und über 61 Mio. Euro vom Instrument für Heranführungshilfe (IPA) der Europäischen Union.

4. Bauabschnitt Die nur wenigen Kilometer Gleis auf bulgarischer Seite zwischen dem Grenztunnel und dem Bahnhof Gjueschewo an der Bahnstrecke Sofia–Gjueschewo bilden den bulgarischen Abschnitt der Bahnstrecke.

Literatur Die Eisenbahnen in der Republik Nordmazedonien. In: Eisenbahn-Revue International 5/2020, S. 244–248. Nordmazedonien nimmt den Bau der Strecke nach Bulgarien wieder auf. In: Eisenbahn-Revue International 11/2022, S. 586

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Nordmazedonien Kategorie:Bahnstrecke in Bulgarien Bahnstrecke KumanovoGjueschewo Bahnstrecke KumanovoGjueschewo Bahnstrecke KumanovoGjueschewo Kategorie:Eisenbahnprojekt Kategorie:Kjustendil Kategorie:Verkehr (Oblast Kjustendil)