Die Lokomotiven SEG 64...104 waren Straßenbahnlokomotiven, die 1889 bis 1899 von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) von eingegliederten Bahnbetrieben übernommen wurden. Die Lokomotiven wurden ab 1889 von Eisenbahnkonsortien, an denen Herrmann Bachstein beteiligt war, in Dienst gestellt. Sie waren auf der Dreiecksbahn Mannheim–Weinheim–Heidelberg sowie den Straßenbahnen in Mainz, Wiesbaden, Karlsruhe und Darmstadt im Einsatz.
Die Lokomotiven wurden bis in die 1950er Jahre eingesetzt und dann ausgemustert sowie verschrottet. Eine Lokomotive, die ehemalige SEG 102, Henschel-Fabriknummer 3618, kam 1968 zur DGEG nach Bochum, 1975 als Ausstellungsstück an das DGEG-Schmalspurmuseum Viernheim und ging 1989 an das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim.
Geschichte Im Jahr 1889 wurden von Henschel & Sohn neun Lokomotiven an die durch die Centralverwaltung der Verkehrsbetriebe Bachstein betriebenen Straßenbahnen geliefert. Auf Grund der Einsatzstatistik bei der SEG werden folgende Beheimatungen angenommen: +NummerErsteinsatzweitere Einsätze64Darmstädter Straßen- und Vorortbahnen65Karlsruher Lokalbahn66Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich1907 an Mannheim67Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich1906 an Mannheim68Karlsruher Lokalbahn69Mainzer Vorortbahnen1914 an Zell–Todtnau70Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich71Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich72Karlsruher Lokalbahnen75DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft76DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft77DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft78DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft79DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft80DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft81DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft82DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft83Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich84Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich85Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich86Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich87Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich88Straßenbahn Wiesbaden–Biebrich96Mainzer Vorortbahnen97Mainzer Vorortbahnen98Mainzer Vorortbahnen99Mainzer Vorortbahnen100Mainzer Vorortbahnen101DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft102DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft104DreiecksbahnOberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft Später wurden die Lokomotiven auch auf anderen Strecken der Süddeutschen-Eisenbahn-Gesellschaft eingesetzt.
Die SEG 69 verkehrte bis 1902 auf den Mainzer Vorortbahnen. 1902 kam sie zur Karlsruher Lokalbahn, wo auch schon die Lok 72 aus der gleichen Serie im Einsatz war. 1914 wurde sie an die Bahnstrecke Zell–Todtnau abgegeben, wo sie die zuvor dort eingesetzte SEG 93 ablöste. Durch Außenrahmen und Innentriebwerk war die Wartung gegenüber der Vorgängermaschine komplizierter. 1928/29 wurde die Lokomotive wieder abgegeben, die weitere Verwendung ist nicht bekannt.Datenblatt über die Lokomotiven der Mainzer Vorortbahnen mit Erwähnung der SEG 69
Die Lokomotiven SEG 66, 75–82, 101, 102 und 104 verkehrten auf der Dreiecksbahn Mannheim–Weinheim–Heidelberg und gingen mit der Strecke auf die Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft über. Sie verkehrten bis etwa 1930 im Personenzugdienst. Als die Beschwerden der Anwohner wegen Rauchbelästigung zunahmen, wurden einige davon ausgemustert, die restlichen wurden für den Güterverkehr in den Randgebieten verwendet. Dort waren einige, wie die erhalten gebliebene OEG 102, bis 1955 im Einsatz und wurden dann ausgemustert.Datenblatt über die Lokomotiven der OEG mit Erwähnung der Straßenbahndampflokomotiven Die erhalten gebliebene Lokomotive war in Edingen beheimatet und wurde noch bis 1967 zu besonderen Anlässen mit zwei Personenwagen zu Sonderfahrten verwendet.Foto der OEG 102 1962 in Edingen auf eisenbahnstiftung.de 1968 kam sie zur Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte.
Technik Vom Aufbau her waren die Lokomotiven robust und kompakt. Anfangs wurden sie mit Außenrahmen und Innentriebwerk gefertigt, obwohl dadurch die Wartung erschwert wurde. Die Lokomotiven für die SEG wurden mit liegendem Kessel und Dachkondensator gebaut. Sie hatten eine vollständige Verkleidung der Radkästen und Eckfenster. Der Führerstand besaß unterschiedliche Ausführungen mit oder ohne Fenster in der Stirnseite. Hinten am Führerhaus befand sich ein Aufstieg.
Ab 1885 wurden mehrere Varianten bezüglich Achsstand, Raddurchmesser, Leistung des Kessels und der Zugkraft hergestellt. Anfangs waren die Lokomotiven mit einer Allan-Steuerung versehen, später erhielten sie eine Joysteuerung. Außerdem waren sie mit einem auf dem Dach platzierten Rohrkondensator ausgerüstet, der je nach Bedarf zu- oder abgeschaltet werden konnte. Dadurch konnte der Abdampf durch Kondensation niedergeschlagen werden.
Der Kastenaufbau besaß ursprünglich große seitliche und an den Stirnwänden befindliche unverglaste Öffnungen. Um das Fahrpersonal vor den Wetterunbilden zu schützen, erhielten sie später in den Stirnseiten eine Front mit mehreren verglasten Öffnungen. Die Vorräte waren in einem Behälter hinter dem Stehkessel gelagert. Zwei kleinere, rechts und links neben dem Kessel liegende, Behälter nahmen weitere Wasservorräte auf. Die Feuertür befand sich aus Platzgründen in Fahrtrichtung links neben dem Stehkessel. Die Luftpumpe saß neben dem Schornstein oberhalb der Rauchkammer. Die Lokomotive war mit Dampfpfeife und Läutewerk ausgerüstet und hatte eine Hand- und eine Druckluftbremse. Die Fahrzeuge der OEG wurden neben der Mittelpufferkupplung nachträglich mit der automatischen Scharfenbergkupplung mit nur 400 mm Höhe zur Kupplung von Reisezugwagen versehen.
Siehe auch Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel Liste der in Deutschland vorhandenen Dampflokomotiven
Literatur
Weblinks Datenblatt über die Zell-Todtnauer Bahn mit Erwähnung der SEG 69 Datenblatt über die Lokomotiven der SEG mit Erwähnung der SEG 64...104 Datenblatt über die Lokomotiven der OEG mit Erwähnung der OEG 66...104 Datenblatt über die OEG 102 als ehemalige Museumslokomotive bei der DGEG Foto der SEG 76 1929, Eisenbahnstiftung Foto der OEG 78 1929 in Heidelberg, Eisenbahnstiftung OEG 102 beim Sonderzugeinsatz, fotografiert 1964 auf eisenbahnstiftung.de Foto der OEG 102 auf eisenbahnstiftung.de
Einzelnachweise
Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B Kategorie:Triebfahrzeug (Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft) Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel)