mini|hochkant|Wappen der Herren von Kaltental aus dem Scheiblerschen Wappenbuch (um 1440–1480) Die Herren von Kaltental (auch: Kaltenthal) waren ein Geschlecht des schwäbischen Uradels, das im Mittelalter und der Frühen Neuzeit in der heutigen Region Stuttgart sowie im Allgäu seine Besitzungen hatte. Von Mitte des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts waren sie auch als Burggrafen von Kaltental bekannt. Ab dem 16. Jahrhundert gehörten sie zur freien Reichsritterschaft in Schwaben, zeitweise auch zu der in Franken. Im 18. Jahrhundert erscheinen einzelne Angehörige der Familie als Freiherren. Geschichte
Herkunft und Stammsitz mini|Burg Kaltental, Abbildung aus der Beschreibung des Oberamts Stuttgart von 1851 Bereits um 890 soll es einen angeblichen Vorfahren namens Engelbold von Kaltental sowie je einen gleichnamigen Sohn und Enkel desselben gegeben haben. Die erste urkundliche Erwähnung der Familie datiert allerdings erst auf das Jahr 1125 im Codex Hirsaugiensis. Hier werden die Brüder Sigebold und Ruggeris als Söhne eines Herrn Engelbold von Kaltental genannt. Aus dem in der Urkunde für Engelbold genutzten lateinischen Titel eines Herren (dominus) kann auf dessen edelfreie Abstammung geschlossen werden. Wahrscheinlich waren die Herren von Kaltental Verwandte oder Nachkommen des Ortsadels von Büsnau sowie von Möhringen. Bei den Herren von Möhringen handelte es sich um zunächst edelfreien Ortsadel, später Ministeriale der Grafen von Calw und schließlich der Welfen. Sowohl bei den Herren von Büsnau als auch den von Möhringen kommt der ansonsten seltene Name Engelbold vor. Bei den zwischen 1100 und 1125 im Codex Hirsaugiensis genannten Herren Engebold von Möhringen, Engelbold von Büsnau und Engelbold von Kaltental könnte es sich um nahe Verwandte, möglicherweise sogar um dieselbe Person handeln. Bis ins 14. Jahrhundert besaßen die Herren von Kaltental zudem ausgedehnten Besitz in Möhringen und Büsnau.
Stammsitz der Herren von Kaltental war die namensgebende Burg Kaltental. Sie kann als Rechtsnachfolgerin der Burg Möhringen angenommen werden, die im Zuge der Tübinger Fehde von Pfalzgraf Hugo II. von Tübingen zerstört worden sein soll. Erbaut wurde die heute abgegangene Burg Kaltental im frühen 12. Jahrhundert zum Schutz des Nesenbachtals und damit des Gebiets der heutigen Stuttgarter Innenstadt.
Spätestens ab 1278 war Walter von Kaltental im Besitz eines Burggrafen-Amtes, das wohl auch Stuttgart mit einschloss und schon hier auf ein Lehensverhältnis mit Württemberg schließen lässt. Ebenfalls im Jahr 1278 hatten Walter und seine Söhne Johann und Gozzo die Ortsherrschaft in Aldingen am Neckar als Lehen durch Graf Ulrich I. von Tübingen-Asperg erhalten, so dass möglicherweise zeitgleich Lehensverhältnisse mit Haus Württemberg und Haus Tübingen bestanden. 1281 wird auch Walters Bruder Wolfram mit dem Burggrafen-Titel genannt.
Im Rahmen des Verkaufs der Grafschaft Asperg von Ulrich II. von Asperg an den württembergischen Grafen Eberhard den Erlauchten ging 1308 die Lehenshoheit über Aldingen auf das Haus Württemberg über, in deren Dienst sich die Kaltentaler als Burggrafen ohnehin befanden. Die damalige Nähe zu Haus Württemberg zeigt sich auch darin, dass mit Dieter von Kaltental im ausgehenden 13. Jahrhundert und Marquard von Kaltental im frühen 14. Jahrhundert zwei Kaltentaler am Heilig-Kreuz-Stift als Stiftspröpste für die württembergische Grablege zuerst in Beutelsbach und später in der Stuttgarter Stiftskirche verantwortlich waren.
Im Jahr 1318 verkauften Walters Enkel Burggraf Johann II. und seine Brüder Rudolf und Walter von Kaltental ihre Stammburg an Eberhard den Erlauchten und verlegten ihren Wohnsitz nach Aldingen am Neckar in der heutigen Stadt Remseck. Mit der Burg verkauften die Burggrafen von Kaltental auch zahlreiche Hoheitsrechte und Untertanen in Kaltental, Büsnau und Möhringen. Neuer Sitz in Aldingen mini|Ansicht von Aldingen am Neckar aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser aus dem Jahr 1680; zu erkennen die beiden Kaltentalischen Schlösser zu Aldingen: Links der Kirche das alte Schlössle und rechts unterhalb der Kirche Schloss Aldingen Ungefähr in die Zeit des Verkaufs von Burg Kaltental fällt wahrscheinlich auch der Bau des sogenannten Schlössle, eines heute nicht mehr erhaltenen, kaltentalischen Adelssitzes in Aldingen. Er bildete zusammen mit der örtlichen Margaretenkirche eine gemeinsame Burganlage. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts ergänzte die Familie ihren Aldinger Besitz durch den Erwerb von Eigengut. Auch in den Jahrzehnten danach traten Angehörige der Familie noch als Burggrafen von Kaltental in Erscheinung. Später nutzte die Familie den Titel nicht mehr.
1380 verkaufte der auch Hans oder Hennel genannte Johann von Kaltental die Aldinger Kirche an das Heilig-Kreuz-Stift in Stuttgart. In der Folgezeit wurden die Familienangehörigen vermehrt in der Oßweiler Januariuskirche beigesetzt, so dass hier mehrere Grabplatten der Kaltentaler erhalten sind. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts begannen die Kaltentaler die Aldinger Kirche wieder als Residenzkirche auszubauen und im Anschluss als Grablege zu nutzen, obwohl sie weiterhin im Besitz des Stiftes blieb. In der Aldinger Kirche sind infolgedessen noch 24 von wohl ursprünglich 36 Grabplatten und -denkmäler erhalten. Um 1488 waren die Kaltentaler Mitglied der Gesellschaft mit St. Jörgenschild und gehörten damit zu den Gründungsmitgliedern des Schwäbischen Bundes.
Mit Georg und Wilhelm, den Söhnen des Hennel von Kaltental, teilte sich die Familie in zwei Linien auf, die gemeinsam die Herrschaft Aldingen innehatten. Seit 1542 waren die beiden Linien der Herren von Kaltental zu Aldingen im Ritterkanton Kocher des Schwäbischen Ritterkreises immatrikuliert, der die Organisation der Gesellschaft mit St. Jörgenschild übernommen hatte. Damit waren die Herren von Kaltental zu Aldingen Teil der Reichsritterschaft.
Linie Georgs Nachdem Georg von Kaltental bereits vor seinem Vater gestorben war, übernahm sein Sohn Johann (auch Johann der Ältere oder Hans V. genannt) nach dem Tod des Großvaters einen Anteil an der Ortsherrschaft in Aldingen. Johanns Bruder Hesso von Kaltental erhielt zwischen 1444 und 1464 mehrere Orte rund um die heute als Burgruine Rabeneck bekannte Burg Weißenstein zum Lehen durch Markgraf Karl I. von Baden, dem er als Rat diente. Dazu zählten die heutigen Pforzheimer Stadtteile Dillweißenstein (damals die Orte Dillstein und Weißenstein), Büchenbronn und Huchenfeld. Nach Hessos Tod gingen diese Besitzungen an die Familie von Ehingen.
Philipp von Kaltental, der Enkel Johanns des Älteren und Sohn Johanns des Jüngeren, war einer von etwa 70 württembergischen Adligen, die 1519 versprochen hatten, die Kinder Herzog Ulrichs auf dem Tübinger Schloss gegen den Schwäbischen Bund zu verteidigen. Die Verteidiger ergaben sich Georg von Frundsberg bereits am Ostermontag des Jahres 1519. Nach der Rückeroberung Württembergs durch Herzog Ulrich ließ dieser die von ihm als feige empfundenen Adligen auf der sogenannten Schandtafel im Tübinger Schloss verewigen.
Philipp von Kaltentals Sohn Phillipp Wolf verweigerte sich der von seinen Vettern aus der Linie Wilhelms in Aldingen ab 1568 auf württembergischen Druck hin erwünschten Reformation. Ab hier wird die Linie Georgs in der Literatur auch als katholische Linie zu Aldingen bezeichnet. Mutmaßlich folgte Philipp Wolf dabei dem Vorbild seiner Tante Emerentia von Kaltental, der Schwester des auf der Tübinger Schandtafel verewigten Philipps von Kaltental. Sie war die letzte Priorin des Klosters Mariental in Steinheim an der Murr. Die dortigen Nonnen versuchten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls gegen den Druck aus Württemberg ihrem bisherigen Glauben weiter zu folgen. Der Sitz der katholischen Linie blieb im Schlössle bei der Margaretenkirche. Philipp Wolfs Sohn Philipp Hans erbaute zwar nahe dem Schlössle einen weiteren kaltentalischen Wohnsitz, dieser wurde jedoch bereits nach wenigen Jahrzehnten im Dreißigjährigen Krieg wieder zerstört.
Die beiden letzten männlichen Angehörigen aus der Linie Georgs waren Philipp Jakob von Kaltenthal, ein für den Bau der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum bekannt gewordener Komtur und Ratsgebietiger in der Ballei Franken des Deutschen Ordens und sein Bruder Philipp Dipold von Kaltenthal, der sich den Malteserrittern anschloss. Damit endete die katholische Linie zu Aldingen im Mannesstamm.
Linie Wilhelms 1437 kam eine Hälfte der Herrschaft Neuhausen durch Erbe an Wilhelm von Kaltental. Dessen Söhne Johann (Hans) und Caspar verkauften ihren Anteil an Neuhausen jedoch bereits 1465 wieder an die Herren von Neuhausen. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts traten die Kaltentaler neben den Grafen von Württemberg und weiteren Parteien auch als Nachfolger des Ortsadels in dem heutigen Ludwigsburger Stadtteil Oßweil als Ortsherren auf. Im Jahr 1461 hatte Caspar zusammen mit seinem Bruder Heinrich den Herren von Neuhausen zudem Teile der Ortsherrschaft über Mühlhausen am Neckar, einem heutigen Stadtteil und Bezirk der Stadt Stuttgart, abgekauft. Heinrichs Söhne Georg und Jakob teilten das Erbe auf. Georg übernahm die Anteile der Aldinger Ortsherrschaft, Georgs Bruder Jakob erbte die zu diesem Zeitpunkt nur anteiligen Herrschaften in Oßweil und Mühlhausen.
(evangelische) Linie zu Aldingen mini|Schloss Aldingen, 1580 erbaut durch Heinrich von KaltentalGeorgs Enkel, die Brüder Reinhard und Heinrich von Kaltental traten im Jahr 1568 nach zunehmendem Druck aus Württemberg zur evangelischen Konfession über. Aufgrund ihres altgläubig verbliebenen Vetters Philipp Wolf aus der Linie Georgs verfügten die drei Aldinger Ortsherren in der Dorfordnung von 1578, dass die Bewohner freie Wahl bei der Konfession haben sollten. Heinrich von Kaltental war es auch, der Schloss Aldingen als Sitz seiner nun evangelischen Linie errichten ließ. Da er kinderlos starb, gingen Schloss und sein Anteil an der Herrschaft an seinen Neffen, den Sohn Reinhards. Sein übriges Vermögen von 2000 Gulden soll Heinrich für die Armen sowie für Pfarrer und Lehrer gestiftet haben.
Ab Mitte des 17. Jahrhunderts waren die evangelischen Kaltentaler zu Aldingen aufgrund ererbter Besitzungen bei Walldürn zudem Mitglied im fränkischen Kanton Odenwald. 1695 kaufte das Hochstift Würzburg den dortigen Besitz.
Mit dem Ritterdirektor Georg Wolf von Kaltental starb im Jahr 1746 der letzte Angehörige der auf Wilhelm von Kaltental zurückgehenden evangelischen Linie zu Aldingen. Württemberg zog daraufhin die Herrschaft Aldingen ein. Die insgesamt 468 Jahre ununterbrochen währende Ritterherrschaft der Kaltentaler blieb in Aldingen in positiver Erinnerung. So lobte noch im Jahr 1898 Pfarrer Friedrich Müller in seiner Aldinger Chronik die bürgerfreundliche Einstellung der Kaltentaler und schrieb hierzu: „Zum anererbten Adel kam der Adel des Herzens und der Gesinnung.“
Linie zu Oßweil, Mühlhausen am Neckar und Osterzell mini|Wohnturm von Schloss Oßweil Der Hofrichter Jakob von Kaltental, ein Enkel des Wilhelm von Kaltental, kam durch Erbe an den kaltentalischen Besitz in Oßweil und Mühlhausen, während sein Bruder Georg das Erbe in Aldingen angetreten hatte. Um 1500 kaufte Jakob den Herren von Neuhausen auch den Rest ihrer Herrschaft Mühlhausen ab. 1535 kaufte er zudem die Dörfer Osterzell mit dem Weiler Oberzell, Ödwang mit dem Weiler Tremmelschwang, Hirschzell und die Einöden Stocken, Salabeuren, Empisried und Hergertshofen um 20150 Gulden. Daraus bildete er die Herrschaft Osterzell. Damit begründete Jakob eine Seitenlinie der Kaltentaler, deren Vertreter je nach persönlichem Besitz oder Kontext als „zu Oßweil“, „zu Mühlhausen am Neckar“ oder „zu Osterzell“ bezeichnet wurden. Mit ihrem Besitz in Oßweil und Mühlhausen war auch diese Linie der Kaltentaler im Ritterkanton Kocher vertreten, mit dem Besitz in Osterzell im Ritterkanton Donau. Von 1544 bis 1550 stand Jakob von Kaltental als Landhofmeister an der Spitze der Württembergischen Verwaltung unter Herzog Ulrich.