Das Amt des Gouverneurs der Dauphiné war zu Beginn lediglich eine Abwesenheitsvertretung des Landesherrn, des Dauphin von Viennois. Nachdem Humbert II. de Viennois die Dauphiné 1349 an Frankreich übergeben hatte, war der Gouverneur nicht nur Militärkommandant, sondern auch Repräsentant des Dauphin de France, der üblicherweise nicht in der Dauphiné residierte. Anfangs wurde der Gouverneur aus dem unmittelbaren Gefolge des Dauphins (oder des minderjährigen Königs) ausgewählt, dessen Berater er im Allgemeinen war, und im Laufe der Zeit – bis zur Thronbesteigung von Franz I. und damit der Übernahme der Macht durch das Haus Valois-Angoulême – immer weiter mit Macht ausgestattet.
Mit der fortschreitenden Verschwinden der Gewohnheitsrechte der Provinz und dem Abgleiten in Richtung der absoluten Monarchie hörte die Machtausübung durch die Gouverneure, die der königlichen Familie nahestanden, auf, genauso wie der Begriff Dauphin seiner rechtlichen Substanz beraubt wurde.
Gouverneure der Dauphins de Viennois Vor 1349 war die Dauphiné in mehrere pays untergliedert, die wahrscheinlich jeweils ihren Gouverneur hatten: Viennois – Saint-Marcellin, BriançonnaisDas Briançonnais hatte einen besonderen Status, der am 29. Mai 1343 durch die Charte des Escartons festgelegt worden war, Embrunnais, Gapençais, Grésivaudan, Viennois – La Tour, schließlich die Baronnies ab 1315Baronnie de Montauban bzw. 1317Baronnie der Familie Mévouillon. Diese Gouverneure wurden von den Dauphins entsprechend dem aktuellen Bedarf ernannt.
AmtszeitGouverneurLebensdatenWappenTitelFunktionAnmerkungen nach 1282vor 1292Zeitraum zwischen dem Regierungsantritt von Humbert I. und Odons Tod (Allard, 1704, S 163: un vendredy après les trois semaines de Pentecôte) Odon Alleman um 1225-1292 50pxValbonnais Seigneur de Champs Gouverneur d'Embrunais et de GapençaisValbonnais, 1721, S. 6 Erster bekannter Gouverneur; war bei der Huldigung vom 18. Juni 1282 noch nicht im AmtValbonnais, 1721, S. 21 29. Februar 1310Allard, 1704, S. 163 Aymon de Montagny vor1250-1316 50pxMontagnyVallier, S. 132–133 Abt von Saint-Antoine Rat des Dauphin Grand-maître de la Maison de l'Aumône (1273)Vallier, 1882, S. 132, nahm am Konzil von Vienne von 1289 teil und erreichte 1297 die Autonomie seiner AbteiBoisset, 1973, S. 131, S. 334–335, wurde der erste Abt des Antoniter-Ordens 29. Februar 1310Allard, 1704, S. 163 Arthaud de Rossillon 1275-1316 50pxRoussillonPina, 1838, S. 60; das Kreuz wurde vermutlich von den Bischöfen von Valence Amédée (1274-1281) oder Guillaume de Roussillon (1297-1331) hinzugefügt Seigneur d'AnnonayBétencourt, 1826, S. 50–51 Rat von Jean II. de Viennois Gleichzeitig mit Montagne und Valbonnais zum Gouverneur ernannt 29. Februar 1310Allard, 1704, S. 163 Guigues Alleman 1255-1320 50pxValbonnais Seigneur de Valbonnais Rat des Dauphin Die Familie Alleman de Valbonnais besaß zahlreiche Lehen im Süden Grenobles. Gleichzeitig mit den beiden vorigen zum Gouverneur ernannt. 1333Ernennung und Bestätigungen durch Humbert II. von 1333 bis 1348, am 16. Juli 1349 vom König Karl V. als neuem Dauphin bestätigt (Roman, 1887, S. 2, La Neufville, 1760, S. 38–39, sieht ihn von 1348 bis 1353 in diesem Amt) Henri II. de Villars vor 1300-1354 50pxVillarsEntsprechend einem Siegel vom 21. April 1346 (Roman, 1887, S. 3) Vikar Humberts II. Rat des Dauphin Bischof von Viviers, Bischof von Valence, 1342 Erzbischof von LyonAngehöriger der Familie Thoire-Villars
Gouverneure der Dauphiné von 1349 bis zum 15. Jahrhundert Ab 1349 gehörte die Dauphiné dem ältesten Sohn des Königs von Frankreich. Dieser (der ein Kind oder ein Jugendlicher sein konnte), hielt sich nur selten in seiner Provinz auf und übergab die Verwaltung oft einem seiner Vertrauten, üblicherweise einem Mitglied seines Rates. Der Gouverneur war bis 1409 mit weitreichenden Vollmachten ausgestattetRoman, 1887, S. 4
AmtszeitGouverneurLebensdatenWappenTitelFunktionAnmerkungen Ende 1349Roman, 1887, S. 3; Allard, 1704, S. 166 Aymar de Poitiers 1322-um 1375 50pxPoitiersAllard, 1704, S. 166 Comte de Valentinois et Diois Rektor des Comtat Venaissin (1372) Begleitete die Verhandlungen mit Savoyen, die zum Vertrag von Paris (1355) führten 1355, nach 13. JuniRoman, 1887, S. 5; Allard, 1704, S. 167; Chorier, 1671, S. 11; und La Neufville geben vor 1353 an Jean d'Auvergne † 1386 50pxAuvergne Comte de Montfort-Wurde 1361 Graf von Auvergne und Graf von Boulogne 3. Oktober 1356Allard, 1704, S. 167; La Neufville, 1760, S. 39, gibt den 6. Oktober am Guillaume de Vergy 1290-1361† 13. Juni 1361 (Maiguien, 1880, S. 37); † vor 1352 (Boissieu, 1731a, S. 252) 50pxVergy Seigneur de Miribel 1357 Vorsitzender der Organisation der États provinciaux du Dauphiné (1357) nach dem Vorbild der États généraux de France, die die Trois Ordres zusammenführten 7. Oktober 1361,La Neufville, 1760, S. 39; Boissieu, 1731a, S. 252, gibt unrichtig "vor 1360" an Rücktritt am 10. Dezember 1369Chevalier, 1886, S. 1 Raoul de Vienne vor 1330-1388 50pxLouppy Seigneur de LouppyAllard, 1704, S. 167f; Chorier, 1671, S. 11f, präzisiert, dass Louppy eine Vogtei (Prévôté) der Bailliage de Bar war Königlicher Rat 1354 und erneut 1357Cazelles, 1982, S. 172 und S. 265 Schloss 1362 eine Vereinbarung mit Amadeus VI. von Savoyen gegen die Grandes Compagnies, mit denen Aymar de Poitiers, Graf von Valentinois, und der Graf von Amadeus III. von Genf verbunden waren1. Juli 1362 in Chambéry (Maiguien, 1880, S. 42). Diese Vereinbarung wurde 1363 vom Louis de Villars, Bischof von Valence bekräftigt20. November 1363 (Maiguien, 1880, S. 47f). Nachdem er 1364 dagegen vorgegangen war, unterstützte er 1368 den Herzog von Anjou gegen Königin JohannaWas mit dem Frieden vom 13. April 1369 in Avignon endete (Maiguien, 1880, S. 42; Zusammenfassung von Allard, 1704, S. 167f) 22. Dezember 1369La Neufville, 1760, S. 39f; Prinet, 1907, S. 17; er erhielt die Bestätigung des Königs am 23. Dezember (Allard, 1704, S. 168), in der das Jahr der Ernennung falsch angegeben ist. Andere Daten sind: 10. Dezember (Todestag Louppys) (Roman, 1887, S. 8), 23. September {Secousse, 1755, S. 599) bzw. 1370 (Chorier, 1671, S. 12). Ein weiterer Fehler Choriers (s. 363) ist, dass Ludwig I. von Anjou auf der Durchreise nach Vienne zwei Gouverneure in der Duaphiné einsetzte, Geoffroy de la Chapelle Bischof von Le Mans und Jacques de Vienne, der als einziger das Amt behielt: der Bischof von Mans dieses Namens starb bereits 1350. Jacques de Vienne leistete seinen Amtseid am 3. Juli 1370 in Grenoble vor dem Abt von Saint-Antoine und Rodolphe de Chissé, dem Bischof von Grenoble (Secousse, 1736, S. 59). Er erhielt für den Dauphin die Huldigung der Vasallen am 3. Mai 1371 (Allard, 1704, S. 168) und war noch am 23. Juni im Amt (Roman, 1887, S. 9). Das Jahr 1377 bei Allard wird als Druckfehler angesehen. Jacques de Vienne † 1372Starb im Oktober 1372 (Prinet, 1907, S. 17) 50pxVienneAllard, 1704, S. 168 Seigneur de Saint-Georges et de LongwyMoréri, 1714, S. 596 Capitaine général du Duché de Bourgogne Verhandelte den Vertrag von Guillon (1360), in der Schlacht bei Brignais (1362) gefangen genommen, huldigte Johann II. von Frankreich am 28. April 1366 für eine Rente von 500 LivreAllard, 1704, S. 168;; verwandt mit Jean und Guillaume III. de Vienne 10. Dezember 1372La Neufville, 1760, S. 40; gleiches Jahr bei Boissieu, 1731a, S. 252, und Chorier, 1671, S. 12; kurz nach Juni 1371 bei Roman, 1887, S. 9; 1370 be Allard, 1704, S. 169, der fälschlich Ludwig I. von Anjou, Bruder des Königs Karl V., ebenfalls auf die Liste setzte. Charles de Bouville nach 1297-1385 50pxBouville Seigneur de Saint-Vrain Chambellan du RoiWie sein Vater Hugues III. de Bouville (Allard, 1704, S. 169) Lieutenant du Roi au Vicariat du Royaume d'Arles (1378-)Roman, 1887, S. 10, Gesandter beim Reichstag 1379 in Frankfurt, etablierte die Macht des Königs in der Dauphiné August 1385 VakanzWährend dieser drei Monate wurde die Dauphiné vom Conseil delphinal im Namen des Dauphin verwaltet (Allard, 1704, S. 169) 17. Oktober 1385Allard, 1704, S. 170 (gibt dessen Tod im März 1390 an), Chorier, 1671, S. 12, Boissieu, 1731a, S. 252, und La Neufville, 1760, S. 48 Enguerrand d'Eudin† um 1390 in Grenoble, bestattet in Grenoble in der Stiftskirche Saint-André, Ehemann von Jeanne de Châteauvillain, Eltern von Jeanne (Dictionnaire de la noblesse Band 13, 1783 S. 127, bzw. Allard, 1704, S. 170) † 1390 50pxEudinAllard, 1704, S. 170; der Doppelkopf wurde nach einem Siegel ergänzt (Roman, 1887, S. 11) ChevalierSeigneur de ChâteauvillainRoman, 1887, S. 10–11 Kammerherr des Königs Karl V., Rat des Königs Karl VI. War Gouverneur von Ponthieu und von Tournai (1369), dann Seneschal von Beaucaire (1382) und Lieutenant von Charles de Bouville März 1390 VakanzFür diese Zeit beauftragte der König das Conseil delphinal mit der Verwaltung der Provinz in seinem Namen (Brief vom 11. März 1390 an das Conseil delphinal) (Allard, 1704, S. 170). 1. April 1391Allard, 1704, S. 170; Roman, 1887, S. 12; gleiches Jahr bei Chorier, 1671, S. 12, und La Neufville, 1760, S. 48 Jacques de Montmaur † 1406 50pxMontmaurRoman, 1887, S. 13 Chevalier Gouverneur de La Rochelle Aufgrund einer Beschwerde der États de Dauphiné 1399 abgesetzt, 1406 wieder eingesetzt 1. April 1399Allard, 1704, S. 170; gleiches Jahr bei Chorier, 1671, S. 12, und La Neufville, 1760, S. 48 Geoffroy Boucicaut Le MaingreSohn von Jean I. Le Maingre, jüngerer Bruder von Jean II. Le Maingre, beides Marschall von Frankreich, Neffe von Geoffroi Le Maingre, Bischof von Laon † um 1430 50pxMaingreAllard, 1704, S. 171 Chevalier - Nach der Wiederherstellung der weltlichen Befugnisse des Erzbischöfe von Vienne (1400) versuchte Boucicaut, dessen Streit mit dem Prälaten Thibaud de Rougemont wegen eines Brandes zu schlichten (1402-1403). Aufgrund einer Beschwerde der États abgesetzt (und später wieder eingesetzt) 1406 Jacques de Montmaur † 1406 50pxMontmaur Chevalier Kammerherr Karls VI. Im Jahr seines Todes wieder eingesetztRoman, 1887, S. 12 13. September 1406Roman, 1887, S. 15 Geoffroy Boucicaut Le Meingre † um 1430 50pxMaingre Chevalier - Durch den König wieder eingesetzt nach dem Tod Montmaurs 21. April 1407Allard, 1704, S. 171; La Neufville, 1760, S. 49, gibt 1404 an Guillaume de LaireChorier, 1671, S. 12; De l'Ayre bei Boissieu, 1731a, S. 252, de Layre bei Allard, 1704, S. 171 (vor 1370 – nach 1410) 50pxLaireRoman, 1887, S. 15 (ohne die Tinkturen); Allard, 1704, S. 171 ignorierte die Umrandung, beschreibt das Wappen von Pierre de Laire, Großprior der Abtei Saint-Antoine 1493-1495 (Vallier, 1882, S. 151) Seigneur de CornillonRoman, 1887, S. 15 Kammerherr Karls VI., Ritter des Ordens vom Stachelschwein, Lieutenant des kaiserlichen Vikars von Arles. Aus dem Gefolge von Louis de Valois, duc d’Orléans, der ihn 1406 im Conseil du Roi einsetzte, Opfer der RégenceWie sein Bruder Raoul de Laire wurde er drei Jahre später ein Opfer Johann Ohnefurchts (Gonzalez, 2004, S. 300). Er ist der letzte Gouverneur, dessen Dokumente ein personalisiertes Siegel tragen.Roman, 1887, S. 17
Gouverneure der Dauphiné zu Beginn des 15. Jahrhunderts In dieser Periode, die parallel mit dem Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons beginnt, nehmen die Befugnisse der Gouverneure zugunsten des Conseil delphinal allmählich ab.Roman, 1887, S. 4 Der letzte souveräne Dauphin en titre war Louis II. de Dauphiné, dem sein Vater Karl VII. die Macht in der Dauphiné in dessen fünftem Lebensjahr übergab, die er ab tatsächlich erst ab 1441 ausübte. Obwohl danach der Titel „Dauphin“ mit der männlichen Primogenitur der Krone Frankreichs verbunden blieb, so war ihm doch jede Souveränität entzogen.La Neufville, 1760, S. 104