Die Playoffs um den Stanley Cup des Jahres 2020 begannen am 1. August 2020 und endeten am 28. September 2020 mit dem 4:2-Sieg der Tampa Bay Lightning über die Dallas Stars. Die Lightning, die nach 2004 ihren zweiten Titel gewannen, stellten mit Victor Hedman den mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichneten Most Valuable Player sowie mit Nikita Kutscherow den Topscorer dieser Playoffs. Die gesamte post-season war stark durch die COVID-19-Pandemie geprägt, die unter anderem für einen verspäteten Beginn sowie einen veränderten Playoff-Modus mit 24 teilnehmenden Mannschaften und einer zusätzlichen Runde sorgte. Zudem fanden alle Partien in den kanadischen Großstädten Toronto und Edmonton ohne Zuschauerbeteiligung statt.
Trotz der erhöhten Teilnehmerzahl verpassten erstmals seit 1996 alle drei kalifornischen Teams – namentlich Anaheim, Los Angeles und San Jose – die Playoffs. Dem gegenüber qualifizierten sich sechs kanadische Mannschaften, so viele wie zuletzt im Jahre 1993. Unterdessen beendeten die Arizona Coyotes, die zuletzt in den Playoffs 2012 vertreten waren, ihre Negativserie von sieben Spielzeiten ohne Teilnahme an der post-season. Unter den aktiven Franchises stellte dies zuvor die zweitlängste Serie dieser Art dar, die nur von den Buffalo Sabres übertroffen wurde, die auch in diesem Jahr zum mittlerweile neunten Mal in Folge nicht um den Stanley Cup spielten.
Modus Für die Playoffs 2020 waren die besten zwölf Teams jeder Conference qualifiziert. Diese jedoch wurden durch die Punktquote bestimmt, also das Verhältnis aus gewonnenen und maximal erreichbaren Punkten, da nicht alle Mannschaften die gleiche Anzahl an Partien bestritten hatten. Die je vier besten Teams beider Conferences waren, unabhängig von der Division, durch ein Freilos direkt für die erste Runde gesetzt. Demzufolge traten in einer Qualifizierungsrunde (Qualifying Round) die Mannschaften 5 bis 12 der Setzliste gegeneinander an, nach dem Schema 5 gegen 12, 6 gegen 11 usw. Diese Serien wurden nach dem Best-of-Five-Modus ausgetragen. Unterdessen spielten die vier besten Teams in einem Rundenturnier (Round Robin) jeder gegen jeden um die Position in der Setzliste für die erste Runde. Somit bestand die erste Runde aus den üblichen 16 Teams und wurde, wie auch alle nachfolgenden Runden, nach dem üblichen Best-of-Seven-Modus gespielt. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wurden die Paarungen jedoch nach jeder Runde neu gesetzt, im Gegensatz zu einem vorher festgelegten Playoff-Baum. Das heißt, in jeder Runde spielte das beste gegen das schwächste verbleibende Team der Setzliste. Die weiteren klassischen Playoff-Regularien wie die fortlaufende Overtime mit Sudden Death blieben derweil unverändert.
Austragungsorte Als Austragungsorte wurden vorerst zwei Städte (hub cities) bestimmt, je eine für die Eastern und Western Conference. An diesen wurde der Spiel- und Trainingsbetrieb sowie die Unterbringung in Hotels von Spielern und Offiziellen unter den Hygienevorschriften genügenden Bedingungen realisiert. Die Wahl fiel Mitte Juli 2020 auf Toronto für den Osten und Edmonton für den Westen. Ab den Conference-Finals fanden alle Partien in Edmonton statt. Ebenfalls in Betracht gezogen wurden im Vorfeld Chicago, Columbus, Dallas, Las Vegas, Los Angeles, Minneapolis/Saint Paul, Pittsburgh und Vancouver. Erwartungsgemäß wurden alle Partien ohne Zuschauer als Geisterspiele ausgetragen.
Qualifizierte Teams Eastern Conference E1: E2: E3: E4: E5: E6: E7: E8: E9: E10: E11: E12: Western Conference W1: W2: W3: W4: W5: W6: W7: W8: W9: W10: W11: W12:
Playoff-Baum
Round Robin Abkürzungen: Division: ATL = Atlantic, MET = Metropolitan, CEN = Central und PAC = Pacific, GP = Spiele, W = Siege, L = Niederlagen, OTL = Niederlage nach Overtime bzw. Shootout, GF = Erzielte Tore, GA = Gegentore, Pts = Punkte Eastern Conference
Rang Division GP W L OTL GF GA Pts 1. MET 3 3 0 0 11 3 6 2. ATL 3 2 1 0 7 8 4 3. MET 3 1 1 1 5 7 3 4. ATL 3 0 3 0 4 9 0
Western Conference
Rang Division GP W L OTL GF GA Pts 1. PAC 3 3 0 0 15 10 6 2. CEN 3 2 0 1 9 5 5 3. CEN 3 1 2 0 5 10 2 4. CEN 3 0 2 1 6 10 1
Qualifizierungsrunde Eastern Conference (5) Pittsburgh Penguins – (12) Canadiens de Montréal Die Canadiens de Montréal, die mit nur 71 Punkten die schwächste reguläre Saison aller Playoff-Teilnehmer gespielt hatten, gewannen ihre Serie gegen die favorisierten Pittsburgh Penguins mit 3:1. In der ersten Playoff-Begegnung beider Teams seit 2010 war es vor allem Carey Price im Tor der Canadiens, der mit einer Fangquote von 94,7 % und einem Gegentorschnitt von 1,67 herausragende Leistungen zeigte. Darüber hinaus gelang ihm in der schließlich entscheidenden vierten Partie ein Shutout. Auf Seiten der Penguins, die im vierten Spiel erfolglos von Torwart Matt Murray auf Tristan Jarry wechselten, verzeichnete kein Akteur mehr als drei Scorerpunkte.
(6) Carolina Hurricanes – (11) New York Rangers Erstmals in der NHL-Historie trafen die Carolina Hurricanes in den Playoffs auf die New York Rangers und setzten sich dabei glatt mit 3:0 durch, dem einzigen Sweep der Qualifizierungsrunde. Auf Seiten der Hurricanes überzeugte vor allem Sebastian Aho mit acht Scorerpunkten, während Andrei Swetschnikow im zweiten Spiel der erste Playoff-Hattrick der Franchise-Geschichte gelang. Bei den Rangers, die in der gesamten Serie für nur knapp drei Minuten führten, endete von Torhüter Henrik Lundqvist eine Serie von 129 aufeinander folgenden Playoff-Starts, als dieser zur dritten Partie den Backup von Igor Schestjorkin bildete. Beide konnten mit Fangquoten von jeweils um 90 Prozent im Vergleich zu Petr Mrázek (94,0 %) und James Reimer (97,4 %) von Carolina nicht überzeugen. Darüber hinaus verzeichnete kein Spieler der Rangers mehr als zwei Scorerpunkte.
(7) New York Islanders – (10) Florida Panthers Zum zweiten Mal nach 2016 standen sich in den Playoffs die New York Islanders und Florida Panthers gegenüber, wobei die Islanders mit einem 3:1 in die nächste Runde einzogen. Im Vergleich russischen Torhüter zeigte New Yorks Semjon Warlamow mit einer Fangquote von 93,2 % und einem Gegentorschnitt von 1,77 deutlich bessere Leistungen als Sergei Bobrowski auf Seiten der Panthers (90,1 %; 3,07). Auf Seiten der Islanders überzeugten ferner Anthony Beauvillier mit fünf Scorerpunkten sowie der zur Trade Deadline verpflichtete Jean-Gabriel Pageau mit drei Treffern, während Floridas Mike Hoffman ebenfalls auf fünf Punkte kam.
(8) Toronto Maple Leafs – (9) Columbus Blue Jackets Zum ersten Mal in der NHL-Historie trafen in den Playoffs die Toronto Maple Leafs und Columbus Blue Jackets aufeinander. Die einzige Serie, die in der Qualifizierungsrunde über die volle Distanz von fünf Spielen ging, endete mit einem 3:2-Erfolg für Columbus. Für die Blue Jackets überzeugten Cam Atkinson mit fünf Scorerpunkten und Pierre-Luc Dubois mit drei Treffern, während Toronto in Person von Auston Matthews den Topscorer stellte (6 Punkte). In einem insgesamt eher defensiv geprägten Aufeinandertreffen zeigten alle Torhüter ansprechende Leistungen, so verzeichneten sie jeweils Fangquoten von über 93,5 % und beendeten drei Partien mit einem Shutout. Zwei davon erreichte Joonas Korpisalo mit nur drei Einsätzen, da er sich das Tor der Blue Jackets mit Elvis Merzļikins teilte, während die Maple Leafs erwartungsgemäß Frederik Andersen einsetzten. Im vierten Spiel gelang es Toronto, einen 0:3-Rückstand innerhalb von etwa dreieinhalb Minuten sowie mit dem sechsten Feldspieler auf dem Eis noch auszugleichen und die Partie schließlich in der Overtime zu gewinnen.
Western Conference (5) Edmonton Oilers – (12) Chicago Blackhawks Wie in der Eastern Conference setzte sich auch im Westen das an 12 gesetzte Team gegen die Nummer 5 der Setzliste durch, als die Chicago Blackhawks mit 3:1 gegen die Edmonton Oilers gewannen. Zwar stellten die Oilers mit Kapitän Connor McDavid den besten Torjäger (5) und Scorer (9) sowie mit Ryan Nugent-Hopkins den besten Vorbereiter (6) der Qualifikationsrunde, jedoch zeigte sich abermals die fehlende Breite der Kaders, so erzielte außer McDavid, Nugent-Hopkins (8) und Leon Draisaitl (6) kein Spieler Edmontons mehr als drei Punkte. Auf Seiten Chicagos überzeugten derweil unter anderem Jonathan Toews mit sieben Punkten sowie Dominik Kubalík, der fünf seiner sechs Scorerpunkte bereits im ersten Spiel verbuchte. In einer insgesamt eher offensiv geprägten Serie erreichte keiner der eingesetzten Torhüter – Corey Crawford für Chicago sowie Mikko Koskinen (3 Partien) und Mike Smith (1) für Edmonton – eine Fangquote von über 90 %, während die Blackhawks insgesamt nur einen Treffer mehr erzielten als die Oilers.
(6) Nashville Predators – (11) Arizona Coyotes In ihrem erst zweiten Aufeinandertreffen in den Playoffs nach 2012 entschieden die Arizona Coyotes ihre Serie gegen die Nashville Predators mit 3:1 für sich. Dabei zeigten sich die Coyotes breit aufgestellt, so erzielten 16 der 19 eingesetzten Feldspieler mindestens einen Scorerpunkt, während Taylor Hall, Phil Kessel, Oliver Ekman Larsson und Clayton Keller je vier Punkte verzeichneten. Zudem überzeugte Torhüter Darcy Kuemper mit einer Fangquote von 93,3 % gegenüber Juuse Saros auf Seiten der Predators, der nur 89,5 % der Schüsse parieren konnte. Für Nashville traten dennoch Filip Forsberg und Ryan Johansen mit jeweils 5 Punkten als beste Scorer der Serie in Erscheinung.
(7) Vancouver Canucks – (10) Minnesota Wild Zum zweiten Mal nach 2003 standen sich in der post-season die Vancouver Canucks und die Minnesota Wild gegenüber, wobei sich die Canucks mit 3:1 durchsetzten. Vancouver stellte in Person von Quinn Hughes nicht nur den besten Scorer (6) der Serie, sondern auch den punktbesten Verteidiger der gesamten Qualifizierungsrunde. Zudem überzeugte Torhüter Jacob Markström mit einer Fangquote von 92,6 %, der damit deutlich vor Minnesotas Alex Stalock (89,7 %) lag, wobei beiden ein Shutout gelang. Stalock hatte derweil den Vorzug gegenüber Devan Dubnyk erhalten. Für die Wild traten ferner Eric Staal mit fünf Scorerpunkten und Kevin Fiala mit drei Toren in Erscheinung.
(8) Calgary Flames – (9) Winnipeg Jets Die Calgary Flames und Winnipeg Jets traten in dieser Form erstmals in den Playoffs gegeneinander an, zuvor stand man sich zuletzt im Jahre 1987 als erstes Franchise der Winnipeg Jets gegenüber. Für Calgary waren 16 der 19 eingesetzten Feldspieler an mindestens einem Treffer beteiligt, während Winnipeg insgesamt nur sechs Treffer gelangen. Für die Flames überzeugten dabei vor allem Sean Monahan mit sechs Scorerpunkten sowie Torhüter Cam Talbot mit einer Fangquote von 94,5 % sowie einem Shutout. Auf Seiten der Jets, die nach der ersten Partie verletzungsbedingt auf Mark Scheifele und Patrik Laine verzichten mussten, erreichte kein Spieler mehr als drei Punkte, während Connor Hellebuyck 90,4 % seiner Schüsse parierte.
Conference-Viertelfinale Eastern Conference (1) Philadelphia Flyers – (8) Canadiens de Montréal Erstmals seit dem Conference-Finale der Playoffs 2010 standen sich in der post-season wieder die Philadelphia Flyers und Canadiens de Montréal gegenüber, wobei die Flyers die Serie mit 4:2 für sich entschieden. Für Philadelphia zeigte vor allem Nachwuchs-Torwart Carter Hart mit zwei Shutouts und einer Fangquote von 93,6 % herausragende Leistungen, der sich in Montréals Carey Price (1 Shutout, 92,6 % Fangquote) einer etablierten NHL-Größe auf der Torhüterposition gegenübersah. Zudem stellten die Flyers mit Jakub Voráček (4 Tore, 3 Assists) den besten Scorer der Serie, während die Canadiens ab der zweiten Partie auf ihren Cheftrainer Claude Julien verzichten mussten, der sich notfallmäßig einem Eingriff am Herzen unterziehen musste.
(2) Tampa Bay Lightning – (7) Columbus Blue Jackets