mini|Tatort am 30. Mai 2020, fünf Tage nach dem Ereignis mini|Demonstration in Eugene, Oregon, am 7. Juni 2020 mini|Ausschreitungen in Minneapolis

Die Tötung von George Floyd ereignete sich am 25. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota: Der weiße Polizeibeamte Derek Chauvin tötete bei der Festnahme den am Boden liegenden 46-jährigen Afroamerikaner George Perry Floyd, indem er neun Minuten und 29 Sekunden lang mit einem Teil seines Körpergewichts auf seinem Hals kniete und ihm trotz zahlreicher Bitten Floyds und umstehender Zeugen um Unterlassung bis zu seinem Tod die Atemwege abdrückte. Drei weitere Polizisten schritten nicht ein und leisteten keine Erste Hilfe. Ein durch eine Passantin aufgenommenes Video des Vorfalls sorgte weltweit für Aufsehen.

Die vier an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls entlassen und wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt in Untersuchungshaft genommen. Unmittelbar auf den Vorfall folgende großflächige Proteste infolge des Todes von George Floyd in den Vereinigten Staaten und weltweit richteten sich gegen Polizeiwillkür und Rassismus und standen unter dem Motto „Black Lives Matter“. Nach Ausschreitungen und Plünderungen, bei denen mehrere Menschen starben, wurden ab Ende Mai 2020 in 40 US-Städten Ausgangssperren verhängt und die Nationalgarde wurde eingesetzt. Dabei kam es zu weiteren Fällen von Polizeigewalt, die als unverhältnismäßig kritisiert wurde.

Im April 2021 wurde der Hauptangeklagte Derek Chauvin der Körperverletzung mit Todesfolge, der nicht vorsätzlichen Tötung und der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Im Juni 2021 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 22,5 Jahren verurteilt. Chauvin legte gegen dieses Urteil Berufung ein, die von einem Berufungsgericht in Minnesota und im November 2023 auch vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zurückgewiesen wurde. Die Strafprozesse gegen Lane, Kueng und Thao endeten mit mehrjährigen Haftstrafen.

Im Mai 2021 wurden die vier Polizisten, die an der tödlich endenden Festnahme von George Floyd beteiligt waren, auch vor einem Bundesgericht angeklagt. Die Männer wurden beschuldigt, vorsätzlich die verfassungsmäßigen Rechte Floyds verletzt zu haben. Chauvin erkannte im Dezember 2021 hier seine Schuld an. Im Februar 2022 befand ein Bundesgericht in Saint Paul (Minnesota) auch seine drei Kollegen für schuldig. Chauvin wurde im Juli 2022 zu weiteren 21 Jahren Haft verurteilt. Im Juli und August 2022 verurteilte ein Bundesrichter Chauvins drei Kollegen zu Haftstrafen: James Kueng zu drei Jahren Gefängnis, Tou Thao zu 3,5 Jahren und Thomas Lane zu 2,5 Jahren.

Verlauf Polizeieinsatz und Tötung George Floyds Am 25. Mai 2020, an dem in den USA der Memorial Day begangen wurde, kaufte der 46-jährige Afroamerikaner George Perry Floyd kurz vor 20:00 Uhr bei „Cup Foods“, einem Lebensmittelgeschäft an der Chicago Avenue in Minneapolis, eine Schachtel Zigaretten. Anschließend stieg er in seinen auf der anderen Straßenseite geparkten Pkw. Der 20-Dollar-Schein, mit dem Floyd bezahlt hatte, wurde im Laden für falsch gehalten. Zwei Mitarbeiter folgten Floyd deshalb zu seinem Auto und forderten die Herausgabe der Zigaretten. Floyd weigerte sich jedoch, diese zurückzugeben. Ein Mitarbeiter rief daraufhin die Polizei, wozu Geschäfte bei Verdacht auf Falschgeld in Minnesota verpflichtet sind. Beim Telefongespräch mit der Polizei schilderte der Mitarbeiter, dass Floyd in einem blauen Fahrzeug vor dem Laden sitze. Er äußerte den Verdacht, dass Floyd „schrecklich betrunken“ sei.

Daraufhin begab sich ein Streifenwagen, besetzt mit den beiden Polizeibeamten James Kueng und Thomas Lane, zu „Cup Foods“. Gegen 20:08 Uhr betraten die beiden das Geschäft und gingen kurz darauf auf die gegenüberliegende Straßenseite zum Pkw von George Floyd. In dem SUV befanden sich außer Floyd noch zwei weitere Erwachsene. Lane bewegte sich zur Fahrerseite und klopfte mit seiner Taschenlampe an das Seitenfenster. Als Floyd nicht reagierte, richtete Lane seine Schusswaffe auf ihn. Er forderte ihn auf, seine Hände auf das Lenkrad zu legen (“Put your fucking hands up right now!”). Zu diesem Zeitpunkt hatten die Beamten Floyd noch nicht über den Grund ihres Einsatzes informiert. Floyd folgte den Anweisungen von Kueng und Lane teilweise widerwillig, begann zu weinen und erwähnte mehrmals, dass schon in der Vergangenheit auf ihn geschossen worden sei. Eine Freundin Floyds, die sich auf dem Rücksitz seines Pkw befand, bestätigte dies. Die Beamten beabsichtigten dann, Floyd festzunehmen, weiterhin ohne Angabe eines Grundes. Nachdem Lane Floyd erfolglos aufgefordert hatte, aus seinem Pkw auszusteigen, zog er ihn aus dem Fahrzeug. Dabei kam es zu einer Rangelei. Lane legte Floyd Handschellen an. Floyd flehte Lane viele Male an, ihn nicht zu erschießen (“Please don’t shoot me, Mr. Officer. Please, don’t shoot me man. Please. Can you not shoot me, man?”). Lane fragte Floyd und dessen Freundin, warum er sich fahrig verhalte und ob er unter Drogen­einfluss stehe. Die Freundin antwortete, dass Floyd so reagiere, wenn eine Waffe auf ihn gerichtet werde. Floyd selbst entgegnete, dass er nichts Falsches getan habe und verängstigt sei (“I am scared, man”).

Um 20:12 Uhr setzte Lane den Festgenommenen vor einem Restaurant auf den Boden. Dort kam es zu einem kurzen Gespräch, in dem Lane Floyd nun den Grund seiner Festnahme erklärte und ihn nach seiner Identität fragte. Floyd weinte weiterhin. Als Lane ihn erneut fragte, ob er etwas „eingenommen“ habe, gab Floyd Drogenkonsum zu. Kurz darauf wurde Floyd von den beiden Polizisten Lane und Kueng über die Straße zu ihrem Streifenwagen geführt. Auf der anderen Straßenseite versteifte Floyd sich und ging zu Boden. Er wurde daraufhin von den beiden Polizisten wieder hochgehoben und gegen die Tür des Streifenwagens gedrückt. Floyd gab an, gerade erst von COVID-19 genesen und klaustrophobisch zu sein. Er bat darum, auf dem Boden liegen zu dürfen. Die Polizisten versuchten, Floyd auf dem Rücksitz des Streifenwagens zu platzieren, wogegen sich Floyd zunächst zur Wehr setzte. Er bot an, vorne im Wagen Platz zu nehmen, was die Beamten ihm jedoch nicht erlaubten. Als der Beamte Kueng den sich widersetzenden Floyd über den Rücksitz des Streifenwagens auf die andere Seite des Fahrzeugs zog, äußerte dieser zum ersten Mal, dass er nicht atmen könne (“I can’t breathe”).

In der Zwischenzeit war ein zweiter Streifenwagen mit den beiden Polizeibeamten Derek Chauvin und Tou Thao eingetroffen. Der Dienstälteste Chauvin übernahm das Kommando.Officers Charged in George Floyd’s Death Not Likely to Present United Front The New York Times, 4. Juni 2020. Während des erneuten Gerangels hatte Floyd aus dem Mund zu bluten begonnen. Derek Chauvin fixierte Floyd ab etwa 20:19 Uhr auf der Straße. Floyd leistete keinen Widerstand.

Mehrere Personen begannen, die Szene zu filmen. Die Videos zeigen, wie Chauvin sein linkes Knie auf Floyds Hals drückt – eine Praxis, die in Minneapolis und den meisten anderen Polizeidepartements der USA verboten ist. Zu sehen ist außerdem, dass seine Kollegen Kueng und Lane gleichzeitig Druck auf Floyds Körper bzw. Beine ausüben, während Thao neben ihnen steht und Passanten zurückhält. Als Floyd immer wieder äußert “I can’t breathe!” („Ich kann nicht atmen!“), bittet ein Passant die Beamten, ihn atmen zu lassen. Floyd warnt außerdem, er werde gleich sterben, woraufhin ihn Thao auffordert, sich zu entspannen.

Die vor Ort anwesenden Polizeibeamten riefen einen Krankenwagen – zunächst ohne den Einsatz als Notfall zu deklarieren. Bei einer erneuten Meldung stuften sie den Einsatz zu einem Notfall hoch. Chauvin presste sein Knie auch nach der Alarmierung des Krankenwagens weiterhin auf Floyds Hals. Als ein Passant Floyd zurief, er solle in den Streifenwagen gehen, antwortete Floyd, dass er dies nicht könne und dass sein Bauch, sein Hals, sein Gesicht und alles andere schmerzen würden. Zudem bat er um Wasser und flehte erneut, dass man ihn nicht töten möge. Mehrmals rief er: „Mama, Mama, Mama.“ Als Kueng entgegnete, dass Floyd sprechen könne und dies ein Zeichen sei, dass es ihm gut gehe, widersprach ihm einer der Zeugen und forderte die Beamten auf, Floyd in den Streifenwagen zu setzen. Er warf ihnen zudem vor, die Situation zu genießen.

Um 20:25 Uhr verlor George Floyd das Bewusstsein. Passanten wiesen die Beamten auf diesen Umstand hin und forderten sie auf, seinen Puls zu prüfen. Kueng fühlte daraufhin sein Handgelenk, konnte jedoch keinen Puls finden. Die drei Polizeibeamten blieben weiterhin auf Floyd sitzen und machten keinerlei Versuche, Erste Hilfe zu leisten. Laut der späteren Anklage gegen Chauvin wurde er von Lane gefragt, ob sie Floyd auf die Seite legen sollten, was Chauvin jedoch verneinte. Floyd hatte zuvor fast 30 Mal angegeben, dass er nicht atmen könne.

Gegen 20:27 Uhr erreichte ein Krankenwagen den Ort des Geschehens. Ein Sanitäter fühlte erneut vergeblich nach Floyds Puls. Der Polizist Chauvin ließ sein Knie nach Ankunft des Krankenwagens noch fast eine Minute auf Floyds Hals. Laut späterer Anklage befand sich das Knie dort insgesamt über einen Zeitraum von 8 Minuten und 46 Sekunden, davon nach Angaben der Strafverfolger 2 Minuten 53 Sekunden nach Eintreten der Bewusstlosigkeit Floyds. Später gestand die Staatsanwaltschaft einen Rechenfehler ein und gab die Gesamtdauer mit 7 Minuten und 46 Sekunden an. Im Prozess gab Staatsanwalt Jerry Blackwell eine Gesamtdauer von 9 Minuten und 29 Sekunden an.

Gegen 20:29 Uhr wurde der bewusstlose Floyd in den Krankenwagen gebracht und abtransportiert. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Um 21:25 Uhr wurde George Floyd in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses für tot erklärt.

Im weiteren Verlauf gab die Polizei eine Pressemitteilung mit Titel „Mann stirbt an medizinischem Vorfall während Interaktion mit der Polizei“ heraus. Nach dieser Darstellung eines Polizisten, der nach eigenen Angaben die Bodycams der beteiligten Polizisten nicht angesehen hatte, legten diese einem unter Drogen stehenden Mann nach Widerstand Handschellen an und erkannten einen medizinischen Notfall, woraufhin der Mann im Krankenhaus verstarb. Die Umstände des Todes sowie das mehr als neun Minuten dauernde Knien Chauvins auf dem Hals von Floyd wurden in der Darstellung nicht erwähnt.Arno Frank: Man wollte es nicht allzu genau wissen. In: Spiegel Online, 21. April 2021. Abgerufen am 21. April 2021.

George Floyd mini|Ein Porträt zum Gedenken an George Floyd im Mauerpark in Berlin von einem Straßenkünstler, Mai 2020 mini|George-Floyd-Graffiti im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-Ost George Perry Floyd wurde am 14. Oktober 1973Traueranzeige auf estesfuneralchapel.com (englisch). Abgerufen am 5. Juni 2020. in Fayetteville im Bundesstaat North Carolina geboren. Er wuchs im Bundesstaat Texas bei seiner Mutter in der Sozialbausiedlung Cuney Homes in einem afroamerikanisch geprägten Viertel von Houston auf,Big Floyd, In: Der Spiegel, Nr. 27, 2020, S. 48. besuchte dort die Yates High School und spielte 1992 als Tight End in deren American-Football-Team. Nach seiner Highschoolzeit erhielt Floyd ein Basketballstipendium am South Florida State College in der Nähe von Avon Park. Im August 1997 brach er das Studium ab und kehrte nach Houston zurück.Big Floyd, In: Der Spiegel, Nr. 27, 2020, S. 49. Daraufhin schrieb er sich an der Texas A&M University in Kingsville ein, wo er ebenfalls Basketball spielte und das Studium nach einiger Zeit erneut abbrach. Bei DJ Screw nahm er als „Big Floyd“ mehrere Rap- und Hip-Hop-Stücke auf.