mini|Ostfränkische Sprachregionen in Baden-Württemberg (gelb) überschneiden sich grob mit Tauberfranken.

Die Region Tauberfranken ist ein Teil der Region Franken, der zum großen Teil in Baden-Württemberg, zu einem geringen Teil in Bayern liegt. Tauberfranken ist fast deckungsgleich mit dem baden-württembergischen Main-Tauber-Kreis, der der Länge nach von der Tauber durchzogen wird. Auch ein kleiner Teil der bayerischen Landkreise Würzburg und Ansbach gehören dazu. Die größten Städte in Tauberfranken sind Wertheim, Tauberbischofsheim, Lauda-Königshofen und Bad Mergentheim auf der baden-württembergischen Seite sowie Röttingen im bayerischen Landkreis Würzburg.

Daneben gibt es den namensgleichen Weinbaubereich Tauberfranken im Weinbaugebiet Baden im Land Baden-Württemberg. Die Weinorte in den beiden bayerischen Landkreisen Tauberfrankens gehören allerdings zum Weinbaugebiet Franken.

Dialekt Die Bewohner Tauberfrankens sprechen überwiegend ostfränkische Dialekte, namentlich Taubergründisch und Hohenlohisch.

Tourismus Ferienstraßen Die Romantische Straße, eine in Würzburg beginnende Ferienstraße, führt durch Tauberfranken und wechselt bei Rothenburg ob der Tauber wieder in das bayerische Franken. Sie ist die älteste und eine der bekanntesten Ferienstraßen in Deutschland. Daneben liegt die Region Tauberfranken auch an der Siegfriedstraße.

Rad- und Wanderwege Außerdem gibt es einige zum Teil preisgekrönte Radwege durch Tauberfranken, beispielsweise den Taubertalradweg, ein 101 Kilometer langer Radwanderweg. Der Radweg ist als „Liebliches Taubertal – der Klassiker“ bekannt. Er verläuft in seiner ganzen Länge durch das Tal der Tauber. Folgt man dem Lauf der Tauber geht es nur wenig bergauf. Alternativ gibt es auch den Radweg „Liebliches Taubertal – der Sportive“, auf dem deutlich mehr Höhenmeter zu bewältigen sind.Touristikgemeinschaft Liebliches Taubertal: Radfahren – Der Klassiker Online auf www.liebliches-taubertal.de. Abgerufen am 25. November 2014.

Für Wanderer gibt es neben den ausgeschilderten Radwanderwegen unter anderem einen „pädagogischen Weinlehrpfad“ beim städtischen Rebgut am Edelberg in Tauberbischofsheim.Fränkische Nachrichten: Pädagogischer Weinlehrpfad eingerichtet. Online auf www.fnweb.de. 5. April 2012. Abgerufen am 4. Mai 2015. In Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim gibt es jeweils „Trimm-Dich-Pfade“, die in mehreren Routen mit Bewegungs- und Hinweistafeln abgelaufen werden können.Trimm-Dich-Pfad: Trimm-Dich-Pfad Tauberbischofsheim. Online auf www.trimm-dich-pfad.com. Abgerufen am 4. Mai 2015.Trimm-Dich-Pfad: Trimm-Dich-Pfad Bad Mergentheim. Online auf www.trimm-dich-pfad.com. Abgerufen am 4. Mai 2015. In der Gemeinde Külsheim gibt es mehrere Wanderwege mit verschiedenen Längen und Themen, z. B. den Panorama-Wanderweg, die Orchideen-Wanderung oder den Naturkundlich-Geologischen Wanderweg.Külsheimer Wanderwelt: Wanderwelt Külsheim. Online auf www.kuelsheim.de. Abgerufen am 11. Februar 2017.

Kultur Bedeutende Städte und Kulturgüter Kulturell bedeutende Städte Tauberfrankens sind Weikersheim, Bad Mergentheim und Tauberbischofsheim. Außerdem liegen die Burgen Wertheim, Gamburg, Igersheim und Freudenberg sowie das Kloster Bronnbach, das Schloss Mergentheim, das Kurmainzische Schloss Tauberbischofsheim, das Schlösschen im Hofgarten Wertheim und das Schloss Weikersheim in der Region.Liebliches Taubertal: Liebliches Taubertal. Online auf www.main-tauber-kreis.de. Abgerufen am 11. Februar 2017. Die katholischen Gemeinden der Region liegen innerhalb der Bildstocklandschaft Franken. Seit dem Spätmittelalter entstanden religiöse Kleindenkmäler als Zeichen der Volksfrömmigkeit.

Landschaft Landschaftlich ist die Region Tauberfranken durch das waldreiche fränkische Hügelland geprägt. An den Seiten des Taubertals und seiner Nebentäler ist eine Steinriegellandschaft typisch. In den Talniederungen befinden sich ausgedehnte Obst- und Weinanbaugebiete.

Weinbau mini|Weinberg Satzenberg in Wertheim-Reicholzheim

Tauberfranken ist ein eigenständiger Weinbaubereich im Anbaugebiet Baden, der die Weinlagen zwischen Bad Mergentheim-Dainbach und Wertheim-Dertingen umfasst. Zwei übergebietliche Genossenschaften, die Becksteiner Winzer eG in Beckstein (Ortsteil von Lauda-Königshofen) und die Winzergemeinschaft Franken eG (GWF) in Kitzingen mit der Tauberfränkischen Bocksbeutelkellerei in Wertheim-Reicholzheim, erfassen und vermarkten den Großteil der Ernte. Daneben gibt es auch einige kleinere private selbstvermarktende Weinbaubetriebe. Diese Region und Teile der Ortenau sind die einzigen deutschen Weinregionen außerhalb Bayerns, in denen Wein in Bocksbeutel abgefüllt werden darf, der als Symbol des Frankenweins gilt.

Sport Der weltweit bekannte Fecht-Club Tauberbischofsheim (mit über 370 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften) wurde bereits 1954 von Emil Beck als Fechtabteilung beim TSV Tauberbischofsheim gegründet und besteht seit 1967 als eigenständiger Verein. 1966 wurde vom FC Tauberbischofsheim das Frankenland-Turnier ins Leben gerufen. Neben einem Landes- und Bundesleistungszentrum gab es beim FC TBB zwischen 1986 und 2017 auch den nationalen Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim für die Sportart Fechten.Fecht-Club Tauberbischofsheim: . Online auf www.fechtentbb.de. Abgerufen am 2. Mai 2015.

Geschichte Frühgeschichte und Völkerwanderung Das Taubertal wurde seit etwa dem 6./5. Jahrhundert vor Christus von Kelten besiedelt. Neben keltischen Kleinfunden ist das bedeutendste Zeugnis keltischer Siedlungskultur der keltische Ringwall (Oppidum Finsterlohr) auf der Höhe der Tauberspitze bei Finsterlohr/Burgstall. Die heute mit einem ausgeschilderten Wanderweg erschlossene Anlage gilt als die größte ehemalige keltische Fluchtburg in Süddeutschland. Weiterhin sind keltische Toponyme der Name der Tauber selbst (siehe oben) sowie der Ortsname Lauda, der nach Karl SchreckKarl Schreck: Lauda – Schicksale einer ehemaligen fränkischen Oberamtsstadt. Lauda 1973. als auf kelt. „Lutuhezi“ zurückgehend gedeutet wird. Ab dem ersten Jahrhundert vor Christus gerieten die Kelten zunehmend unter den Druck zwischen den nordwärts gerichteten Aktivitäten des Römischen Reichs und den aus dem Norden herandrängenden Germanenstämmen, so dass sie viele solcher Fluchtburgen anlegten. Mit der letzten Vorverlegung des Obergermanisch-Rätischen Limes durch Antonius im 2. Jahrhundert wurde der Taubergrund unmittelbares Limesvorland, das nächste Kastell in Osterburken war nur etwa zwanzig Kilometer von der Tauber entfernt. Regem Handel im Limesvorland verdanken sich zahlreiche römische Münzfunde bei Hausum- und -neubauten, vor allem im 20. Jahrhundert. Ab dem ersten Jahrhundert haben alemannische Siedler aus Norden kommend die Maingegend und den Taubergrund übernommen, seit dem 5. Jahrhundert verdrängten fränkische Siedler die Alemannen (Schlachten bei Zülpich 496 und weitere am Oberrhein bis 506), die teils nach weiter südlich auswichen.Vgl. auch Robert Koch: Bodenfunde der Völkerwanderungszeit aus dem Main-Tauber-Gebiet. Berlin 1967. Durch die Franken erfolgte die Gründung eines nach ihnen benannten Herzogtums und an der Tauber eine große Zahl an neuen Siedlungen. Vor allem die auf -heim und -hausen auslautenden Ortsnamen (Wertheim, Waldenhausen, Reicholzheim, Niklashausen, Hochhausen, Bischofsheim, Dittigheim, Distelhausen, Gerlachsheim, Markelsheim, Elpersheim, Weikersheim, Tauberrettersheim) geben sich als fränkische Gründungen zu erkennen (Mergentheim ist eine Umbildung der Neuzeit aus Mergenthal).

Mittelalter und Aufstieg der Hohenlohe Im Mittelalter, als die auf Karl den Großen zurückgehende Gauverfassung bestand, bildete der größte Teil des Taubergrundes und seiner Umgebung unter dem Namen Taubergau einen der größten Gaue des Herzogtums Franken. In den historischen Dokumenten finden sich verschiedene Schreibweisen dafür wie Tubergewe, Tubergowe, Tuberegewe, Tubargewe, Thubargowe, Dubragaoe und die lateinische Form Dubragagensis pagus. Die Stadt Rothenburg o. d. T. (d. h. ob der Tauber) gehörte allerdings schon damals nicht zum Taubergau (wie auch heute nicht zum Main-Tauber-Kreis), sondern zum Mulachgau. Anfangs waren die Gaue zugleich Grafen zugeordnet, um etwa 1100 herum löste sich diese Zuordnung langsam auf und Bezeichnungen wie Taubergau wurden zu einer Landschaftsbezeichnung ohne politische Bedeutung. Schon 1058 wurde der Taubergau neben einer Grafschaft Mergintaim genannt. Als Herrscher sind für den Taubergau dokumentiert: 807 Graf Audulf (der Seneschall und Küchenmeister Karls des Großen, später auch Statthalter in Baiern war), 962, 972 und 973 Graf Gerung, 1018 und 1054 Hezilo, vermutlich vom Geschlecht Weikersheim-Hohenlohe, das nach und nach große Teile des Taubergaus und Gebiete an Jagst und Kocher in seinen Besitz brachte. Im Mulachgau am Tauberoberlauf findet 970 ein Adliger namens Reiniger Erwähnung, der in Detwang im gleichen Jahr eine Pfarrei errichtete. 1079 tritt im Taubergau urkundlich erstmals ein Heinrich von Luden (Lauda) auf, 1153 Konrad von Weikersheim-Hohenlohe, 1192–1209 Heinrich von Hohenlohe. Bis ins 14. Jahrhundert hielten die Hohenlohe im Taubertal das Geleitrecht an den dortigen Straßen, 1418 verlieh Kaiser Sigismund Albrecht von Hohenlohe die unumschränkte Gerichtshoheit für das gesamte Territorium, 1495 wurde Hohenlohe Grafschaft.

Zersplitterung in der frühen Neuzeit In der Neuzeit wurde das Gebiet an der Tauber politisch immer mehr fragmentiert, die Hohenlohe gaben ihre Besitzungen im Taubertal weitgehend an andere Herrschaften ab, außerdem fanden von 1555 bis 1806 fortwährend Teilungen der Linien der Hohenlohe statt. Die Gebietszugehörigkeiten wechselten schließlich häufig von Ort zu Ort. Die bedeutendsten Herrschaften waren die Grafschaft Wertheim, die Kurpfalz, der Deutsche Orden (mit Sitz und Schloss in Bad Mergentheim), das Hochstift Würzburg (unter dem Lauda Oberamtsstadt für die anderen zu Würzburg gehörenden Ortschaften des Taubergrundes wurde), das Kurfürstentum Mainz (zu dem etwa Königshofen gehörte) und die Reichsstadt Rothenburg. Trotz dieser politischen Zersplitterung blieb das Taubertal ein bedeutender Verkehrs-, Wirtschafts- und Handelsraum, der vor allem im Weinbau eine starke Stellung hatte, sowohl als Produzent wie auch als Handelsknoten, wo sich die Weinhandelsroute entlang der Tauber nach Nordwesten (Kurpfalz, Trier) und dazu senkrecht zwischen Zentral-Württemberg und Mainfranken kreuzten (Tauber-Furt bei Königshofen, später Brücke in Lauda).

Territoriale Konsolidierung seit 1803