mini|EL Loko EL Loko (eigentlich Edoh Lucien Loko; * 11. Februar 1950 in Pedakondji, Togo; † 13. September 2016 ebendort) war ein togolesischer Maler, Grafiker, Bildhauer und Autor. Als ein in Deutschland lebender Künstler afrikanischer Herkunft erlangte sein Werk internationale Anerkennung. EL Loko gehörte zu den bedeutendsten Vertretern zeitgenössischer afrikanischer Kunst in der Diaspora.
Leben
Kindheit und Ausbildung EL Loko wurde 1950 in dem Fischerdorf Pédakondji nahe der togolesischen Hauptstadt Lomé geboren. Mit 15 Jahren begann er eine Ausbildung zum Textildesigner in der ghanaischen Hauptstadt Accra, die er nach drei Jahren abschloss und daraufhin für zwei Jahre als Textildesigner arbeitete. Im Anschluss bewarb er sich für einen Studienplatz an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Nachdem er eine Zusage für den Studienplatz erhalten hatte, half sein späterer Professor Joseph Beuys bei der Finanzierung eines Flugtickets, und EL Loko zog nach Deutschland, um das Studium anzutreten.
Studium und Arbeit 1971 begann EL Loko ein Studium der Malerei, Bildhauerei und Grafik an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Zu seinen Professoren zählten Joseph Beuys, Rolf Crummenauer und Erwin Heerich. 1977 erhielt er den Abschluss „Freie Kunst“ mit der Ernennung zum Meisterschüler. EL Loko ist damit einer der ersten akademisch ausgebildeter Künstler in Deutschland mit afrikanischer Herkunft.
Schon während des Studiums in den 1970er Jahren wurde EL Loko zu einer bekannten Figur in der Düsseldorfer Kunstszene. Erste Kunstwerke EL Lokos, vor allem Holzschnitte, wurden deutschlandweit ausgestellt und verkauft.
Mit Ablauf seiner Aufenthaltserlaubnis, die nur für das Studium erteilt war, drohte EL Loko 1978 die Ausweisung aus der Bundesrepublik. Mit der Unterstützung von Joseph Beuys und Professor-Kollegen, Kunstkritikern, Museumsdirektoren und dem damaligen Duisburger Bürgermeister Helmut Wieczorek konnte EL Loko einen gerichtlichen Vergleich erzielen, welcher ihm ermöglichte nach einmaliger Ausreise wieder dauerhaft nach Deutschland zurückzukehren. EL Loko beschreibt rückblickend seine Erfahrung der Ausweisung und Wiederkehr in seiner 1986 erschienenen Autobiografie „Der Blues in mir“.
Seit 1982 lebte und arbeitete EL Loko als freischaffender Künstler zuerst in Duisburg und später in Köln. Zahlreiche Projekte und Arbeitsphasen brachten ihn immer wieder in seine Heimat Togo zurück.
2016 verstarb EL Loko unerwartet in seinem Geburtsort Pédakondji.
Werk EL Lokos Œuvre erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten und umfasst Arbeiten der unterschiedlichsten Techniken, Materialien und Genres – von Grafik und Malerei, über Plastik, Assemblage, Installation und Performance bis hin zur Fotografie. Zwischen afrikanischer Tradition und europäischer Moderne entwickelte EL Loko eine eigene Formsprache und seine unverkennbare künstlerische Ausdruckskraft.
EL Lokos eigens entwickelte Technik der „Doppelgrundmalerei“ kennzeichnet sich durch die Kombination und Überschichtung von Materialien. EL Loko mischte verschiedene Materialien wie Sand, Pigmente und Öl auf verschiedenen Untergründen wie Leinwand, Nessel oder Holz und kreierte damit einen ausgeprägten und einzigartigen Stil, der sich durch alle Werkreihen zieht. mini|EL Loko, Ballade des Retourdataires, Holzschnitt Druck, 1977
Holzschnitte In den 1970er und 1980er Jahren stellte EL Loko eine Vielzahl von Druckgrafiken her. Bereits zu seiner Zeit in Accra besuchte EL Loko die Ausstellungen nigerianischer Künstler und war von der Druckgrafik fasziniert. Zu Beginn seines Studiums widmete er sich daher, ermuntert durch Beuys, der Herstellung von Holzdrucken. Diese zeigen Landschaften und Menschenbilder, in denen die Mythen, Chiffren und Symbole sowie die ästhetische Form seiner kulturellen Heimat und seines afrikanischen Ursprungs sichtbar werden. EL Lokos umfangreiches grafisches Werk besiegelte den Beginn seines künstlerischen Schaffens und ist als Fundament seiner späteren Werkzyklen zu sehen.
Kosmische Lettern mini|EL Loko, Kosmisches Alphabet, PE.VO.TO. 22, Acryl auf Nessel, 131 × 155 cm, 2013 Seit Anfang der 1990er Jahre schaffte EL Loko in Malerei, Installationen und Skulpturen eine eigene Bildsprache, die er „Kosmische Lettern“ nannte. Diese zeigen ornamentale Verläufe, Figurationen, Urzeichen und Chiffren, die in ihrer Zusammenfassung ein „Kosmisches Alphabet“ ergeben.
Für EL Loko waren herkömmliche, zur Verständigung genutzte Sprachen auch immer ein Instrument zur Ausgrenzung und des Machtmissbrauchs. Mit den Kosmischen Lettern bestrebte EL Loko die Erschaffung eines universellen Alphabets, das ohne festgelegte Bedeutungen, die Erschließung einer ganz individuellen Bedeutung für jeden einzelnen ermöglicht und eine Reise zu sich selbst und dem Ganzen ist. Mit den Kosmischen Lettern hat EL Loko versucht „eine Sprache zu begründen, die niemandem gehört und in der sich doch jeder wiedererkennt“. mini|EL Loko, Cosmic Alphabet – Nine laminated glass discs at Zeitz Mocca EL Lokos Bildsprache wird dabei durch die Kombination von irdischen, transzendenten und religiösen Symbolen zu einer Begegnung zwischen den Kulturen, beruhend auf der Kunst des 20. Jahrhunderts und der kollektiven Erinnerungen Afrikas.
EL Lokos Kosmische Lettern sind seit 2016 dauerhaft im Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt, Südafrika zu sehen. Werke von EL Loko befinden sich zudem in der Dauerausstellung zur Kunst Afrikas im Museum Fünf Kontinente in München.
Weltengesichter mini|EL Loko, Weltengesichter, KÖPO, Leinwand mit Pigmenten behandelt, 2002 Verbunden mit den Kosmischen Lettern suchte EL Loko in seiner Werkreihe „Weltengesichter“ nach einer globalen Identität. Die Weltengesichter sind in Gemälden verschiedener Größen dargestellt, in denen sich auch Elemente des Kosmischen Alphabets wiederfinden. Verschiedene Farbgebungen in schwarz, weiß, gelb und rot spiegeln verschiedene menschliche Völker wider. Gesichter präsentieren sich ohne spezifische Merkmale, die eine Zuordnung zu Herkunft oder Geschlecht möglich machten. Gezeigt wird, in scheinbar unendlicher Vielfalt der Gestaltung, das universal-Gesicht der Menschen. EL Lokos Weltengesichter sind Gesichter des „anderen“, die uns auf Augenhöhe anblicken, und wie ein Spiegel unserer selbst erscheinen.
Installationen EL Loko schuf zahlreiche Installationen, die sich thematisch mit der Geschichte und Verbindung von Afrika und Europa befassen. In seiner Installation „Dem Rudel das Bild erklären“ stellt EL Loko 27 Wandobjekte und 69 Einzelskulpturen zusammen. Die Installation thematisiert das Verständnis und die Betrachtungsweise von Afrika in der Welt. mini|EL Loko in seinem Atelier in Duisburg, 1990
Bildhauerisches Werk Die Reduktion der Formen auf äußere Konturen, die seit der Auseinandersetzung mit Druckgrafik Einzug in sein Werk fand, wird in EL Lokos bildhauerischen Arbeiten fortgeführt. Die bildhauerischen Arbeiten sind überwiegend aus Holz, wobei EL Loko auch Stahlskulpturen für den öffentlichen Raum schuf, wie die Auftragsarbeit der Stahlskulptur „Toleranz“ für die Stadt Emmerich in 1993.
Literarisches Werk Zu dem literarischen Werk von EL Loko zählen ein Gedichtband und zwei Prosatexte, darunter seine Autobiografie „Der Blues in mir“ von 1986. In der Autobiografie „Der Blues in mir“ erzählt EL Loko wie er – angetrieben von einem romantisch verklärten Deutschlandbild – sein Heimatland Togo verlässt, um in Deutschland seine künstlerische Verwirklichung zu suchen. Trotz demütigender Inquisitionen der Behörden und der vermessenen Forderung „Er solle in seiner Kunst „afrikanisch“ bleiben“, findet EL Loko – der sich als Mensch versteht, „der in den Besitzt zweier Wahrheiten gelangt ist“ – seine künstlerische Heimat in Deutschland.
Projekte EL Loko verstand sich als Bindeglied und Mittler zwischen dem afrikanischen und europäischen Kontinent. Zahlreiche von EL Loko initiierte Projekte förderten junge Künstler Afrikas und stellten einen ständigen Dialog und Austausch zwischen Kulturschaffenden beider Kontinente her. 1992 gründete EL Loko das Künstleraustauschprojekt „Afrikanisch-Europäische-Inspiration“, welches in den Folgejahren Projekte sowie Ausstellungen von Künstlern beider Kontinente in Togo sowie in Deutschland ermöglichte.
Zitat
Ausstellungen
Einzelausstellungen 1972 Galerie May, Düsseldorf 1973 Die Brücke, Düsseldorf 1974 Rathaus der Stadt Duisburg; Carl Duisburg Gesellschaft, Düsseldorf; Galerie Monique, Stadtlohn 1975 Galerie Dörner, Hagen; Galerie KiS, Düsseldorf; Studienhaus VHS, Düsseldorf; Ghana Museum Accra, Ghana; Goethe – Institut Lomé, Togo 1977 The Fox Trappe Gallery, Washington D.C., USA; The Gallery, Boston, USA; African – American Historical and Cultural Museum, Philadelphia, USA; Peg Alston Arts, New York, USA; African – American Museum of Arts, Boston, USA; Clarens White Contemporary Arts, Chicago, USA; Mayflower Gallery, Boston, USA 1978 Henkel KG Düsseldorf; Galerie Palette Röderhaus, Wuppertal; Galerie Korte, Hemer; Internationales Sprachinstitut, Bonn; Galerie „Am Markt“ Kunstkreis, Hofgeismar 1979 Goethe – Institut Lomé, Togo; National Arts Center, Accra, Ghana 1980 Bürgerhaus Hochdal, Erkrath 1981 Städtische Sammlung, Duisburg 1982 Sparkasse Bochum 1983 Galerie Peter Noser, Zürich, Schweiz (mit Bernhard Lüthi) 1984 Galerie Altona, Hamburg 1988 Galerie Zeitkunst, Stuttgart 1989 Galerie Kunst(+)raum, Köln; Westdeutsche Landesbank Düsseldorf; Galerie Kollektiv, Wuppertal 1990 Städtische Galerie Schloss Neersen 1991 IFA Galerie, Bonn; Galerie EL Patio, Bremen; Galerie Peter Schädiger, Düsseldorf; Cubus Kunsthalle, Duisburg 1992 „Stahlskulpturen in der Natur“ Mülheim; Kunst und Kulturbüro, Krefeld; 1993 Ev. Versöhnungskirche, Waldshut; Kunstverein Emmerich; Galerie 48, Mainz; Ausstellungshalle alpha druck, Alsdorf 1994 Savannah-Gallery, London; Bildungswerk, Rosenheim; Christa Lörx, Xanten 1995 Galerie Rolink, Steinfurt; Lehmbruck-Museum, Duisburg; Galerie Hexagone, Aachen; ARKA Kulturwerkstatt Zeche Zollverein, Essen 1996 Galerie M20, Hamburg; Galerie Toenissen, Köln 1997 Dany Keller Galerie, München; Galerie Stücker, Brunsbüttel 1998 Galerie Frings, Brunsbüttel; Hospitalhof, Stuttgart; Städtisches Museum, Kalkar; 7ième Triennale der Kleinplastik, Stuttgart 1999 Lippische Gesellschaft für Kunst, Detmold; Galerie Xenos, Frankfurt; Städtische Galerie, Mainz 2000 Galerie Toenissen, Köln; St.-Pius-Gemeinde, Würselen 2002 Galerie Beethovenstrasse, Düsseldorf 2003 Europäischer Kunsthof Vicht, Stolberg 2004 Europäischer Kunsthof Vicht, Stolberg; Gesellschaft für bildende Kunst, Trier; Hohenloher Kunstverein, Hohenlohe; Kunstverein Aalen, Aalen; Iwalewa Haus, Bayreuth 2005 Fritz-Winter-Haus, Ahlen; Fritz-Winter Atelier, Diessen; Galerie Beethovenstraße, Düsseldorf 2006 Deutsche Welle, Bonn 2007 Oberhessisches Museum, Gießen 2012 SOLO für EL Loko, Dany Keller Galerie, Germany 2013 Kunstverein Hohenaschau, Bayern / Germany 2014: Cosmic Alphabet, ARTCO Gallery, Aachen, Germany 2015: Weltengesichter, Citykirche St. Nikolaus, Aachen, Germany 2021 Cut in Wood, ARTCO Gallery Aachen, Germany
Gruppenausstellungen
1973 Schloss Remseck, Stuttgart 1974 Galerie Stodiek, Mönchengladbach 1975 Museum Katharinenhof, Kranenburg; Galerie KiS, Düsseldorf 1977 Secon World Bank Black African Festival of Arts and Culture, Lagos, Nigeria; Neighborhood Art Center Atlanta, USA; Martin Luther King Memorial Library, Washington D.C., USA; Morgan State University, Baltimore; Capitol East Graphics, Washington D.C., USA 1978 African Arts in America, Boston, USA; Vassar College Urban Center, Poughkeepsie, New York, USA 1980 Museum Rade, Hamburg 1983 Lehmbruck Museum, Duisburg 1984 Galerie Peter Noser, Zürich, Schweiz – Art 15’84 Basel; Städtische Galerie Wolfsburg