Benedikt Sauer (* 1960 in Bozen) ist ein italienischer Journalist und Sachbuchautor, der in Südtirol aufgewachsen ist und in Innsbruck lebt. Als promovierter Germanist befasste sich Sauer vor allem mit Leben und Werk des Schriftstellers Norbert C. Kaser. Sauer leitet das internationale Journalismusfest Innsbruck.journalismusfest.org Er lehrt Journalismus und Medienkommunikation, u. a. an der Universität Innsbruck.
Ausbildung und berufliche Laufbahn Nach dem Besuch des Franziskanergymnasiums in Bozen studierte Sauer Germanistik und Geschichte an der Universität Innsbruck und an der Scuola Superiore di Giornalismo in Urbino.150 Jahre Germanistik in Innsbruck, Innsbruck, iup, 2008, S. 16f 1990 promovierte er in Innsbruck bei Sigurd Paul ScheichlSiehe Verzeichnis der literaturwissenschaftlichen Dissertationen an österreichischen Universitäten, in: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft Sonderband 1970–1994. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 1994. mit einer Biografie über den Südtiroler Schriftsteller Norbert C. Kaser,Dissertation von Benedikt Sauer, Universität Innsbruck, 1990. die dann überarbeitet im Haymon Verlag erschienen ist. Von 1989 bis 1991 war er am Innsbrucker Forschungsinstitut Brenner-Archiv als Mitherausgeber an der Edition der Gesammelten Werke Kasers beteiligt.Zur Edition: https://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/publikationen/#Kaser sowie https://www.haymonverlag.at/autoren/benedikt-sauer/ bzw. https://www.haymonverlag.at/autoren/norbert-c-kaser/
Journalistischer Werdegang Während des Studiums war Sauer Mitarbeiter des Südtiroler Öffentlichen Rundfunks Rai Bozen für eine Sendereihe über Liedermacher, der Kulturzeitschriften Distel – Kulturelemente und Sturzflüge und Redakteur der Hochschülerzeitschrift skolastSkolast-Register 1956-1990, hg. von Reinhold Staffler, Vorwort von B. Sauer und Einträge S. 89., 1984/85 auch Vorsitzender der Südtiroler Hochschülerschaft.Später Südtiroler HochschülerInnenschaft, s. Der Fahrende Skolast, Sondernummer zum 30-Jährigen, Bozen 1985, S. 155. Als freischaffender Journalist schrieb er ab 1987 vor allem aus Innsbruck für die deutschsprachige Redaktion der Bozener Tageszeitung Alto Adige (bis 1998).Contro Corrente. Das Deutsche Blatt im Alto Adige, hg. von Eva Klein, Renate Mumelter, Günther Pallaver, S. 214–217. ISBN 978-88-7283-363-6 Seit 1991 ist Sauer vorrangig journalistisch tätig: In Nordtirol war er von 1996 bis 2008 gemeinsam mit Hannes Schlosser Tirol-Korrespondent für die Tageszeitung Der Standard, 1998 beim Erscheinen der Straßenzeitung 20er Redakteur ebendort, von August 2008 bis Juli 2018 Verfasser der wöchentlichen Kolumne „Sauerstoff“ in der Tiroler Tageszeitung.https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20080813_OTS0164/endlich-tt-am-sonntag, https://www.haymonverlag.at/autoren/benedikt-sauer/ In Südtirol war er für vier Jahre Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins ff sowie im gesamten Erscheinungszeitraum Redakteur der Tageszeitung Südtirol 24h.
Seit Beginn der 1990er Jahre ist Sauer ständiger Mitarbeiter von Rai Südtirol, seit 2008 vornehmlich in Innsbruck als Korrespondent für Tirol und Österreich.https://www.tirol.gv.at/presse/medienverzeichnis/oeffentl-rechtl-rundfunk/, https://www.haymonverlag.at/autoren/benedikt-sauer/
Lehre und Vermittlungsarbeit In den Jahren von 1996 bis 2008 war Benedikt Sauer Lehrbeauftragter für Journalismus und Medienkommunikation an den Instituten für Deutsche Literatur, Zeitgeschichte und Politikwissenschaften der Universität Innsbruck.Vorlesungsverzeichnis der Universität Innsbruck https://lfuonline.uibk.ac.at/public/lfuonline_lv.home, zb: https://lfuonline.uibk.ac.at/public/lfuonline_lv.home?sem_id_in=00W&suche_in=Sauer+Benedikt; https://lfuonline.uibk.ac.at/public/lfuonline_lv.home?sem_id_in=03W&suche_in=Sauer+Benedikt; https://lfuonline.uibk.ac.at/public/lfuonline_lv.home?sem_id_in=07W&suche_in=Sauer+Benedikt. Von 2013 bis 2020 (2013 mit Markus Schennach, 2019 mit Geli Kugler, 2020 mit Charlotte Trippolt und Geli Kugler) war er Leiter der Lehrredaktion Radiojournalismus bei Freirad – dem Freien Radio Innsbruck.https://www.freirad.at/?p=5069, https://www.freirad.at/?p=5069, https://www.freirad.at/?page_id=4057 Bei der musealen Neugestaltung der Innsbrucker Hofburg von 2008 bis 2010 (Kuratorin: Ilsebill Barta; Konzept: Rath & Winkler) zeichnete Sauer für ein Buch zur Geschichte der Hofburg, für die Ausstellungstexte und den Audio-Guide (in Kooperation mit Antenna Audio, Berlin) verantwortlich.Hofburg Innsbruck. Bozen/Wien, Folio 2010, hier auch: Credits, S. 127. ISBN 978-3-85256-536-1 Regelmäßig tritt er auch als Moderator von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen auf. Sauer ist Vereinsvorsitzender von Journalismusfest Innsbruck – Verein zur Stärkung von Qualitätsjournalismus, der Informationsfreiheit und der DemokratieVereinsname und -besetzung laut Vereinsregisterauszug, ZVR 1957916426. und Mitbegründer des Journalismusfest Innsbruck.Über uns, Team, Journalismusfest Innsbruck.
Forschungen zum Schriftsteller norbert c. kaser Als Biograf, Mitherausgeber des literarischen Werkes und Verfasser von Aufsätzens. die Liste der Veröffentlichungen in diesem Wikipedia-Artikel hat sich Benedikt Sauer nach Paul Flora und Hans Haider um die Verbreitung von Leben und Werk des Südtiroler Schriftstellers Norbert C. Kaser verdient gemacht. Sauers Kaser-Biografie (1997, Haymon)Zur Biografie („Buch der Woche“ von Radio Ö1, im April 1997) u. a.: Hans-Peter Kunisch: Der weite kurze Weg des Norbert Kaser. Der Südtiroler Poète maudit in seiner ersten Biographie, Süddeutsche Zeitung, 3./4. Januar 1998; Paul Jandl: Der Säufer aus dem Herrgottswinkel, Neue Zürcher Zeitung, 2. Oktober 1997; Karl-Markus Gauß: „Uns gehört das Wort“, Die Presse, Spectrum, 12. Juli 1997; Uwe Schütte: Ein Porträt des Dichters als Nationalheld, Der Standard, 16. Mai 1997; Susanne Zobel: „Ich will kein Sonderling sein..“, Wiener Zeitung, Extra, 18. April 1997; Robert Weichinger, ohne Titel, Ex libris – Das Bücherradio Ö1, 20. April 1997; Daniela Strigl: Diskret und enthaltsam, Wiener Journal, Sept. 1997. und die von ihm mitedierten Gesammelten Werke des „Poète maudit“ (1988–1991, ebenfalls Haymon)Eine ausführliche Bibliografie, auch der Rezensionen zur Werkausgabe, findet sich in Sauers Kaser-Biografie (Haymon 1997), S. 298–312 fanden breites Echo im deutschsprachigen Feuilleton.
Auszeichnung 2002 Tiroler Preis für Integration und Zivilcouragehttps://th-cam.com/video/k_01SJiSSVc/integrationsball-2002.html
Veröffentlichungen Als Buchautor norbert c. kaser. Eine Biografie. Innsbruck, Haymon 1997; (Brosch. Nachdruck 2017). ISBN 978-3-85218-234-6 mit Michael Sprenger: Dreierwatter. Banken, Macht und Politik rund um die Brennerachse. Innsbruck, Studienverlag 2003. ISBN 978-3-7065-1894-9 Hofburg Innsbruck. Bozen/Wien, Folio 2010. [Übersetzungen ins Englische, Französische und Italienische]engl. The Innsbruck Hofburg, Transl. Christopher Marsh ISBN 978-3-85256-539-2; ital. Il Palazzo Imperiale di Innsbruck, Traduzione di Carla Festi Leidlmeir. ISBN 978-88-6299-024-0; franz. Le Palais Impérial d’Innsbruck, Traduction Marie Lemarchand. ISBN 978-3-85256-536-1 Das Villgratental. Innsbruck, Oesterreichischer Alpenverein, 2011, PDF Online mit Arno Ritter, Christian Mariacher: Vermessungen. Tirol auf der statistischen Couch. Innsbruck, aut. architektur und tirol, 2014, ISBN 978-3-9502621-5-5.
Als Herausgeber „gruen vor freude“ Kaser. Sonderheft der Zeitschrift Sturzflüge (Nr. 08), Bozen 1984. mit Erika Wimmer: Norbert C. Kaser: Prosa. Gesammelte Werke Band 2, Innsbruck, Haymon 1989. ISBN 3-85218-062-7 Norbert C. Kaser: Briefe. Gesammelte Werke Band 3. Innsbruck, Haymon 1991. ISBN 3-85218-084-8; 2. Aufl. 2012 ISBN 978-3-7099-7014-0. mit Anton Holzer: „Man meint, man müßte sie grad alle katholisch machen können“. Tiroler Beiträge zum Kolonialismus. Bozen, skolast 1992. mit Petra Nachbaur: Norbert C. Kaser: herrenlos brennt die sonne. Gedichte und Prosa. Innsbruck, Haymon TB 136, 2013. ISBN 978-3-85218-936-9
Als Übersetzer mit Anton Holzer: Marino Niola: Totem und Ragù. Neapolitanische Spaziergänge. Aus dem Italienischen. München, Luchterhand, 2000. ISBN 3-630-88001-0 [Marino Niola: Totem e ragù. Napoli, Pironti Editore 1994]
Aufsätze
„ich werde nie vernuenftig denken“. Versuch zu kasers Gesellschaftskritik. In: Neuburger Kaser-Symposium, hrsg. von Eberhard Sauermann und Rolf Selbmann, Haymon, Innsbruck 1993, ISBN 3-85218-134-8, S. 87–100. „mit der nacht kommen engel seine todeswunden lecken“. Der Südtiroler Schriftsteller Norbert C. Kaser wäre heuer 50 geworden. In: präsent, Innsbruck, 18. Dezember 1997. „ich verfasse briefe die sich blicken lassen koennen“. Zum Briefwerk von norbert c. kaser. In: Werner M. Bauer, Johannes John, Wolfgang Wiesmüller (Hrsg.): „Ich an Dich“. Edition, Rezeption und Kommentierung von Briefen (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft), Innsbruck 2001, ISBN 3-901064-25-7, S. 265–278. Fünf Porträts in: Flucht nach Österreich. Die Zweite Republik in Flüchtlingsporträts. Hrsg. von Robert Schlesinger und Melita. H. Šunić. Czernin Verlag, Wien 2001, ISBN 3-7076-0119-6 (Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch). „Das Gras ist naß am Morgen“. Anita Pichler als Dorfschreiberin auf der Villgrater Kulturwiese. In: Sabine Gruber, Renate Mumelter (Hrsg.): Das Herz, das ich meine. Essays zu Anita Pichler. Folio, Wien/Bozen 2002, ISBN 3-85256-206-6, S. 152–165. Pfiateich. Texte vor Ort. In: Brigitte Messner (Hrsg.): stadtstiche-dorfskizzen. skarabaeus, Innsbruck 2005, S. 3–7. „hoffentlich“: norbert c. kaser – Porträt eines Eigenwilligen. In: Der Standard, 27. April 2007. Auftritt als Autor. Joseph Zoderers Auseinandersetzung mit den sozialen Bewegungen und der Literaturdebatte um 1968. Mit einem Blick auf seinen ersten Lyrikband. In: Günther A. Höfler, Sigurd Paul Scheichl (Hrsg.): Joseph Zoderer (= Dossier 29). Droschl, Graz 2010, ISBN 978-3-85420-776-4, S. 67–83. Die Gräber der NS-Zeit am Psychiatriegelände in Hall. In: Politik in Tirol. Jahrbuch 2012, hrsg. von Ferdinand Karlhofer und Günther Pallaver, Studienverlag, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-7065-5123-6, S. 163–170. Die Basaglia-Reform und Südtirol. In: Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Tirol seit 1830, hrsg. von Elisabeth Dietrich-Daum, Hermann J. W. Kuprian, Siglinde Clementi, Maria Heidegger, Michaela Ralser, Innsbruck university press, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-902811-11-0, S. 287–294 (und weitere 6 Texte darin). Die „Sternstunde“ für Kärntens SlowenInnen lässt auf sich warten. In: Gaismair-Jahrbuch 2012 „Demokratie – Erinnerung – Kritik“, hrsg. von M. Haselwanter, L. Gensluckner, M. Jarosch, H. Schreiber, A. Weiss, Innsbruck 2011, ISBN 978-3-7065-5119-9, S. 75–83. mit Michaela Ralser: Der Aufstand der Sitzenbleiber. Die Schülerschule von Barbiana im Italien der 1950er- und 1960er Jahre. In: Child Care. Kulturen, Konzepte und Politiken der Fremdbetreuung von Kindern aus geschlechterkritischer Perspektive, hrsg. von M. Wolf, M. Heidegger, E. Fleischer, E. Dietrich-Daum, Weinheim, Beltz/Juventa 2013, ISBN 978-3-7799-2848-5, S. 173–187. Das Villgratental – „Bergsteigerdorf“ in Osttirol. Eine kulturgeschichtliche Skizze. In: Verein zum Schutz der Bergwelt. Jahrbuch 2014. 79. Jahrgang. München 2014, ISSN 0171-4694, S. 179–190. Regieren nach Wallnöfer: Von Weingartner über van Staa bis Platter. In: Politik in Tirol. Jahrbuch 2014, hrsg. von Ferdinand Karlhofer und Günther Pallaver, Studienverlag, Innsbruck 2014, ISBN 978-3-7065-5309-4, S. 33–57. Flucht. Ein politischer Ausnahmezustand. In: Gaismair-Jahrbuch 2016 „Zwischentöne“, Innsbruck 2015, ISBN 978-3-7065-5485-5, S. 12–21. Zwischen Solidarität und neuem Grenzregime. Die Tiroler Flüchtlingspolitik im österreichischen und internationalen Kontext. In: Politika 2017, Bozen 2017, ISBN 978-88-7283-594-4, S. 189–206.