Der Bezirk Wilmersdorf war von 1920 bis 2000 ein Verwaltungsbezirk von Berlin. Er bestand aus den drei Ortsteilen Grunewald, Schmargendorf und Wilmersdorf, wobei zum Ortsteil Wilmersdorf auch der heutige Ortsteil Halensee gehörte. Das Gebiet des Bezirks gehört seit dem 1. Januar 2001 zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Lage Der Bezirk Wilmersdorf grenzte im Norden an den Bezirk Charlottenburg, im Osten an den Bezirk Schöneberg, im Südosten an den Bezirk Steglitz, im Süden an den Bezirk Zehlendorf und im Westen an den Bezirk Spandau. Heute bildet das Gebiet des ehemaligen Bezirks den südlichen Teil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.

Geschichte Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Landgemeinde Deutsch-Wilmersdorf zu einer dicht besiedelten Großstadt entwickelt. Am 1. April 1906 erhielt die Gemeinde Stadtrecht und zum 1. April 1907 schied Deutsch-Wilmersdorf aus dem Landkreis Teltow aus und wurde ein selbstständiger Stadtkreis. Nach der Gründung des Zweckverbandes Groß-Berlin im Jahr 1912 lautete der amtliche Name der Stadt Berlin-Wilmersdorf.1. April (Jahr 1912) in Tagesfakten des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim DHM). Mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde aus der Stadt Wilmersdorf, den Landgemeinden Grunewald und Schmargendorf sowie aus dem Gutsbezirk Forst Grunewald der 9. Berliner Verwaltungsbezirk gebildet. Nach seinem bevölkerungsreichsten Ortsteil erhielt er den Namen Wilmersdorf.

Im Jahr 1922 fiel in der Koenigsallee in Grunewald der damalige Reichsaußenminister Walther Rathenau einem von Rechtsradikalen verübten Attentat zum Opfer. Der Bezirk hatte in der Zeit der Weimarer Republik einen hohen jüdischen Bevölkerungsanteil, 1933 betrug er 13,5 %. Zwischen 1927 und 1931 entstand am südlichen Rand des Rheingauviertels die Künstlerkolonie Berlin.

Der Lunapark, ein seit 1904 am Halensee bestehender Vergnügungspark wurde 1933 geschlossen und 1935 für den Bau der Halenseestraße abgerissen, die 1936 eine Verbindung zum Messegelände am Funkturm herstellte. mini|hochkant=1.5|Bezirk Wilmersdorf in den Grenzen von 1920 Durch die Berliner Gebietsreform mit Wirkung zum 1. April 1938 gab Wilmersdorf große Teile des Forsts Grunewald südlich des Hüttenwegs an den Bezirk Zehlendorf ab, während das Gebiet nördlich der Pücklerstraße an Wilmersdorf, (Ortsteil Schmargendorf) ging. Das Jagdschloss Grunewald und das Strandbad Wannsee gehörten nun zu Dahlem, bzw. Nikolassee. Die Siedlung Eichkamp und der Südteil des Messegeländes kamen zum Bezirk Charlottenburg. Die Bevölkerung des Bezirks nahm hierdurch um 3659 Einwohner zu, während die Bezirksfläche um 1645 Hektar abnahm.Berlin in Zahlen, 1949

Im Zweiten Weltkrieg wurde Wilmersdorf durch Luftangriffe schwer getroffen. 44 % aller Wohnungen wurden zerstört.Arnold / Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Berlin 2002 In den letzten Apriltagen des Jahres 1945 wurde der Bezirk von der Roten Armee eingenommen und ab Juli 1945 gehörte der Bezirk zum Britischen Sektor von Berlin. Ab 1946 wurde im Westen des Bezirks mit dem Teufelsberg Berlins größter Trümmerberg aufgeschüttet. Die amerikanischen Streitkräfte richteten auf dem Teufelsberg eine große Abhörstation ein. Aus Trümmerschutt wurde zwischen 1948 und 1951 auch das Stadion Wilmersdorf erbaut.

Zwischen den Anschlussstellen Kurfürstendamm und Hohenzollerndamm wurde 1958 das erste Teilstück der Berliner Stadtautobahn eröffnet. In den 1960er Jahren wurde die Stadtautobahn sowohl in Richtung Charlottenburg als auch in Richtung Schöneberg erweitert. Ein Abzweig der Stadtautobahn, die Bundesautobahn 104, wurde in den 1970er Jahren in Richtung Steglitz geführt und in Höhe Wiesbadener Straße mit dem großen Wohnkomplex Schlangenbader Straße überbaut. 1971 wurde die aus Richtung Schöneberg kommende U-Bahn-Linie U7 bis zum Fehrbelliner Platz verlängert. 1978 wurde die U7 in Richtung Charlottenburg weitergeführt.

Der Bezirk Wilmersdorf ließ 1991 am Bahnhof Grunewald das Mahnmal Gleis 17 errichten, das an die Deportation deutscher Juden erinnert, die von hier ab 1941 mit Zügen der Reichsbahn in östlich gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager durchgeführt wurde.

Zum 1. Januar 2001 wurde der Bezirk Wilmersdorf mit dem Bezirk Charlottenburg zum neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner 1925 174.884 1933 196.573 1939 206.779 1946 126.615 1950 142.670 1955 151.041 1961 161.964 1965 166.340 Jahr EinwohnerStatistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre) 1970 154.397 1975 136.117 1980 131.719 1985 130.722 1987 139.880 1990 147.019 2000 140.090

Wahlergebnisse

Weimarer Republik (1920–1933) Reichspräsidentenwahlen Reichspräsidentenwahl 1925 Kandidat 1. Wahlgang (29. März 1925) 2. Wahlgang (26. April 1925) Wilhelm Marx 4.862 (4,8 %) 50.084 (45,5 %) Paul von Hindenburg – 57.059 (51,8 %) Karl Jarres 51.191 (51,1 %) – Otto Braun 19.866 (19,8 %) – Ernst Thälmann 3.705 (3,7 %) 2.993 (2,7 %) Willy Hellpach 20.089 (20,0 %) – Erich Ludendorff 390 (0,4 %) – Heinrich Held 117 (0,1 %) – Sonstige 46 (0,0 %) 21 (0,0 %) Reichspräsidentenwahl 1932 Kandidat 1. Wahlgang (13. März 1932) 2. Wahlgang (10. April 1932) Paul von Hindenburg 70.643 (51,9 %) 70.880 (55,6 %) Adolf Hitler 39.008 (28,7 %) 48.633 (38,2 %) Ernst Thälmann 10.106 (7,4 %) 7.861 (6,2 %) Theodor Duesterberg 16.032 (11,8 %) – Gustav Winter 256 (0,2 %) – Sonstige 9 (0,0 %) 12 (0,0 %)

Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung

Stimmenanteile der Parteien in Prozent:

+ 1921–1933 Jahr DNVP DVP DDP¹ SPD USPD Zen KPD NSDAP 1921 27,9 25,5 14,3 13,3 6,6 3,2 2,8 1925 33,7 10,6 17,4 20,3 3,1 5,9 1929 28,8 13,9 12,8 18,8 4,0 7,4 8,5 1933 20,2 1,5 6,0 18,4 5,8 6,5 41,1

¹ 1933: DStP

West-Berlin und Bundesrepublik (1946–2000)

Berliner Bezirksverordnetenversammlung + 1946–1999 Jahr SPD CDU FDP ¹ Grüne² 1946 46,5 31,3 15,9 1948 52,8 23,3 23,9 1950 29,8 27,5 33,8 19544 30,7 36,4 19,6 1958 40,5 47,3 5,5 1963 50,3 37,1 11,9 1967 45,5 42,0 9,8 1971 40,0 46,4 10,9 19755 34,6 50,6 9,1 1979 35,5 49,4 8,9 5,1 1981 31,3 50,7 5,8 11,0 1985 26,9 50,9 5,5 14,6 1989 31,5 39,5 5,1 16,6 1992 27,1 40,5 7,0 16,3 1995 24,2 45,8 3,8 20,2 1999 25,4 48,5 4,2 15,7

¹ bis 1948: LDP ² bis 1989: AL

Bezirksbürgermeister Zeitraum Name Partei 1921–1924 Karl Augustin DVP 1924–1936 Emil Franke DNVP 1936–1940 Hermann Petzke NSDAP 1940–1945 Hans Hättasch NSDAP 1945 Bruno Willenbücher CDU 1945–1946 Gerhard Lichter SPD 1946 Otto Ostrowski SPD 1946–1951 Walter Rieck SPD 1951–1955 Wolfgang Rect FDP 1955 Ottomar Batzel CDU 1956–1964 Wilhelm Dumstrey CDU 1965–1971 Gerhard Schmidt SPD 1971–1979 Heribert Baumann CDU 1979–1981 Henning von der Lancken CDU 1981–1996 Horst Dohm CDU 1996–2000 Michael Wrasmann CDU

Partnerschaften des Bezirks Wilmersdorf International Apeldoorn (Niederlande) Gagny (Frankreich) Gladsaxe (Dänemark) Karmi’el (Israel) Kiew-Pechersk (Ukraine) Międzyrzecz (Polen) Split (Kroatien) Sutton (Vereinigtes Königreich)

National Rheingau-Taunus-Kreis (Hessen) Landkreis Forchheim (Bayern) Landkreis Kulmbach (Bayern) Minden (Nordrhein-Westfalen)

Siehe auch Wilmersdorfer Witwen

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Wilmersdorf Wilmersdorf Kategorie:Aufgelöst 2001