Das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut (poln. Polsko-Niemiecki Instytut Badawczy, eng. German-Polish Research Institute) war eine gemeinsam von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen (Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu) unterhaltene wissenschaftliche Forschungseinrichtung mit Sitz im Collegium Polonicum in Słubice. Es wurde mit dem vom Präsidenten der Europa-Universität Viadrina Gunter Pleuger und vom Rektor der Adam-Mickiewicz-Universität Bronisław Marciniak unterzeichneten Gründungserlass vom 19. Oktober 2012 geschaffen. Zum 31. Dezember 2018 wurde es aufgelöst.

Gründungsgeschichte Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union und zum Schengen-Raum 2004/2007 verlor die Europa-Universität Viadrina angesichts der europaweit möglich gewordenen Mobilität von Wissenschaftlern und Studierenden grundsätzlich ihr Alleinstellungsmerkmal als Ort deutsch-polnischer grenzüberschreitender Lehre und Forschung. Dem den Anspruch als Europa-Universität bildende Gründungsauftrag, „außenpolitisch im deutsch-polnischen Verhältnis und kulturell mit Blick auf Europa besondere Aufgaben zu erfüllen“,, aufgerufen am 24. August 2020 wurde die Europa-Universität Viadrina so zunehmend, auch aus Sicht einiger ihrer Gründerväter,Tilmann Warnecke, Mehr Europa für die Viadrina. In: Tagesspiegel vom 21. August 2012, abgerufen am 6. Juli 2020 nicht mehr gerecht. Die Gründung des Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut stellte neben denen des Zentrums für interdisziplinäre Polen-Studien und des Forschungszentrums B/ORDERS IN MOTION an der Europa-Universität Viadrina einen der drei Eckpfeiler einer großangelegten Initiative unter dem Universitätspräsidenten Gunter Pleuger dar, mit der die Europa-Universität Viadrina wieder ihrem Gründungsauftrag entsprechend an Profil gewinnen sollte.Viadrina baut schrittweise Zentrum für Polen-Studien aus. In: Lausitzer Rundschau vom 3. April 2012, abgerufen am 6. Juli 2020 Die Gründung des Deutsch-Polnischen Forschungsinstituts erfolgte gemeinschaftlich mit der Adam-Mickiewicz-Universität, mit der die Europa-Universität Viadrina seit 1991 in Form des Collegium Polonicum in Słubice als gemeinsame Lehr- und Forschungseinrichtung kooperiert. Die Vereinbarung über die Gründung wurde am 2. März 2012 in Posen unterzeichnet, der Gründungserlass selbst von Präsident Pleuger und Rektor Marciniak am 19. Oktober 2012 in Słubice.

Struktur des Instituts mini|Collegium Polonicum in Słubice, Sitz des Deutsch-Polnischen Forschungsinstituts Das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut stellte eine keiner Fakultät zugeordnete, direkt dem Rektor unterstellte Einheit der Adam-Mickiewicz-Universität dar und unterlag ausschließlich dem Hochschulrecht und sonstigen Bestimmungen Polens. Sein transnationaler Charakter beruhte auf der eine Anlage zum von Europa-Universität Viadrina und Adam-Mickiewicz-Universität gemeinsam unterzeichneten Gründungserlass bildenden Institutsordnung.Ordnung des Deutsch-Polnischen Forschungsinstituts am Collegium Polonicum in Słubice vom 15.08.2012, Amtliche Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), 18. Jahrgang, 28. September 2012, Nr. 3, aufgerufen am 24. August 2020 (PDF, 0,82 MB) In ihr wurde das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut bezeichnet als „eine gemeinsame Forschungseinrichtung der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań. (...) Das Institut untersteht dem Rektor der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań und dem Präsidenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).“ Beschlüsse u. a. zu Forschungstätigkeiten, Haushalt, Personalfragen waren entsprechend von beiden gemeinsam zu treffen. Die Aufsicht über die Verwendung der von Adam-Mickiewicz-Universität wie Europa-Universität Viadrina bereitgestellten Mittel und über die inhaltliche Ausrichtung der Forschungstätigkeit des Instituts hatte der aus Vertretern beider Hochschulen gebildete Institutsrat. Diese auf partnerschaftlichen Vereinbarungen beruhende Rechtskonstruktion, die grundsätzlich so für verschiedene nach außen als grenzüberschreitende Institution auftretende Kooperationen wie Europaregionen oder auch das Collegium Polonicum selbst üblich ist, ermöglicht den Einsatz von Personal, Finanzmitteln und sonstigen Ressourcen jenseits bzw. von jenseits der jeweiligen eigenen Staatsgrenze. Die für das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut von den beiden Partneruniversitäten bereitgestellten Forschungsmittel konnten so gemeinsam verwaltet werden, auch wenn sie rechtlich in zwei Universitätshaushalten nach den jeweiligen Bestimmungen und nationalen Vorschriften abgerechnet werden mussten. Von den 14 Beschäftigten des Institutes unterstanden zwölf arbeitsrechtlich der Adam-Mickiewicz-Universität und zwei der Europa-Universität Viadrina. Deren Auswahl war jedoch in allen Fällen gemeinsam von beiden Hochschulen auf Grundlage einer gemeinsamen Ausschreibung getroffen worden. Es handelte sich (ohne Institutsdirektor) um fünf männliche und acht weibliche Institutsangehörige, davon fünf Professor(inn)en und eine technische sowie sieben promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter(innen). Diese hatten in zehn Fällen die polnische, in einem die deutsche und in zwei die polnische wie die deutsche Staatsangehörigkeit. In fünf Fällen handelte es sich um aus anderen Fakultäten der Adam-Mickiewicz-Universität versetzte Mitarbeiter(innen), die in drei Fällen zuvor am Collegium Polonicum und in zwei am Universitätshauptsitz in Poznań ansässig gewesen waren. Die übrigen acht Stellen wurden an externe Bewerber vergeben.

Aktivitäten Aufgabe des Instituts war laut seiner Institutsordnung die Durchführung von Forschungsprojekten „im Bereich der europäischen Integration, der Grenzregionen und der vergleichenden Problematik im internationalen und interkulturellen Aspekt“. Diese war somit identisch mit dem im interministeriellen Abkommen 2002 festgelegten und bis heute gültigen, bewusst interdisziplinär ausgerichteten Forschungsschwerpunkt für das Collegium Polonicum, zu dessen wissenschaftlicher Profilierung es beitragen sollte. Dementsprechend umfassten die von den Institutsangehörigen vertretenen Wissenschaftsbereiche die Geisteswissenschaften, darunter Sprach-, Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaft, die Raumwissenschaften, darunter Geographie sowie Stadt- und Regionalplanung, die Biowissenschaften, darunter Ökologie und Hydrobiologie, sowie die Rechtswissenschaften. Den besonderen Standort des Instituts direkt an der Oderbrücke zwischen Frankfurt und Słubice berücksichtigend, bildete dabei die Erforschung von Grenzen und Grenzräumen im weiteren Verständnis wie im deutsch-polnischen Kontext eine besondere Forschungsproblematik.Deutsch-Polnisches Forschungsinstitut, Promotionvideo von 2015, aufgerufen am 1. Juni 2020 (polnische Version)

Die zahlreichen Forschungsvorhaben des Instituts wurden überwiegend in Zusammenarbeit mit deutschen, polnischen und internationalen Forschungseinrichtungen durchgeführt und sind von deutschen, polnischen und deutsch-polnischen Institutionen, u. a. jeweils in mehreren Fällen der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung (DPWS), dem Nationalen Wissenschaftszentrum (Narodowe Centrum Nauki, NCN) und der Euroregion Pro Europa Viadrina (EFRE-Mittel) gefördert worden. Das Institut war Partner der wissenschaftlichen Online-Plattform Polenstudien.Interdisziplinär (Pol-Int). Ein wichtiges Tätigkeitsfeld des Deutsch-Polnischen Forschungsinstituts war die Verbreitung der Ergebnisse durchgeführter Forschungen mittels von den Institutsangehörigen organisierten oder mitorganisierten Konferenzen, Tagungen, Kolloquien und Vorträgen. Das Institut war 2017 Mitveranstalter des IV. Kongresses Polenforschung „Grenzen im Fluss“. Zudem entwickelten die Institutsangehörigen zahlreiche grenzüberschreitende Aktivitäten zur Entwicklung der regionalen wie lokalen Zivilgesellschaft sowie zur Stärkung der Kultur des gesellschaftlichen Dialogs auf polnischer wie deutscher Seite in Form von populärwissenschaftlichen Veranstaltungen, Seminaren für Schulklassen, Seniorenfortbildungen oder Autorenlesungen.

Veröffentlichungen Neben zahlreichen Publikationen wurden allein neun Bände im Rahmen der im Logos Verlag Berlin erscheinenden Wissenschaftlichen Reihe des Collegium Polonicum ThematiconLogos Verlag: Bislang erschienene Bände, aufgerufen am 1. Juni 2020 herausgegeben. Der 2016 als Festschrift für den scheidenden geschäftsführenden Institutsdirektor Andrzej J. Szwarc herausgegebene interdisziplinäre Sammelband vermittelt dabei eine Übersicht über zentrale Forschungsprojekte am Deutsch-Polnischen Forschungsinstitut.Inhaltverzeichnis / Spis tresci, aufgerufen am 1. Juni 2020 (PDF, 0,13 MB) Die Monographie Polski Dziki Zachód. Przymusowe migracje i kulturowe oswajanie Nadodrza 1945-1948 (deutsch: Polens Wilder Westen. Erzwungene Migration und die kulturelle Aneignung des Oderraums 1945-1948)Ferdinand Schöningh: Polens Wilder Westen, aufgerufen am 1. Juni 2020 von Beata Halicka wurde 2016 als bestes geschichtswissenschaftliches Buch des Jahres mit dem Identitas-Preis ausgezeichnet.Nagroda Identitas: Laureaci 2016, aufgerufen am 1. Juni 2020 (polnisch)

Das Institut und die Gründung einer deutsch-polnischen Fakultät mini|Bundespräsident Joachim Gauck während seiner Rede zur Eröffnung des akademischen Jahres im Collegium Polonicum, 2013. Am rechten Bildrand der geschäftsführende Institutsdirektor Andrzej J. Szwarc Am 18. Oktober 2013 fand die Eröffnung des akademischen Jahres 2013-14 am Collegium Polonicum im Beisein des polnischen Staatspräsidenten Bronisław Komorowski und von Bundespräsident Joachim Gauck statt. Dieser entwickelte in seiner Rede die Vision einer deutsch-polnischen Universität.Bundespräsidialamt: Bundespräsident Joachim Gauck anlässlich der gemeinsamen Eröffnung des Akademischen Jahres an der Europa-Universität Viadrina und am Collegium Polonicum am 18. Oktober 2013 in Słubice, Polen, aufgerufen am 1. Juni 2020 Von Seiten der Europa-Universität und der Adam-Mickiewicz-Universität wurde diese Vision in der Folge in der Zielstellung der Gründung einer gemeinsamen deutsch-polnischen Fakultät konkretisiert, deren Kern das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut bilden sollte.Heinz Kannenberg, Institut auf Weg zur Fakultät. In: Märkische Oderzeitung vom 25. März 2014 Diese internationale Fakultät sollte als transnationale, partnerschaftlich gegründete Körperschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit die weltweit erste dieser Art werden. Entwickelt wurde das Konzept einer interdisziplinären FakultätVortrag der Vizepräsidentin der Europa-Universität Viadrina Janine Nuyken über den Stand des Aufbaus der gemeinsamen deutsch-polnischen Fakultät vor Stadtverordneten aus Frankfurt (Oder) und Słubice, 27. Januar 2017, abgerufen am 1. Juni 2020 der Regional- und Europastudien, welche die Forschungskompetenzen am Collegium Polonicum bündeln und um den Aspekt der Digitalisierung erweitern sollte.Dietrich Schröder, Neue Perspektiven für ein Erfolgsmodell. In: Märkische Oderzeitung vom 14. Juni 2017 Die Bedeutung des Instituts als Grundlage zur Schaffung mehrerer Organisationseinheiten der künftigen gemeinsamen Fakultät, in welche das Collegium Polonicum umgestaltet werden sollte, wurde auf den Jubiläumsfeierlichkeiten sowohl zum 25-jährigen Bestehens des Collegium Polonicums am 13. Oktober 2016Experiment und Wissen. 25 Jahre Collegium Polonicum, Oktober 2016, abgerufen am 1. Juni 2020 (PDF; 3,43 MB) wie zum fünfjährigen Bestehen des Deutsch-Polnischen Forschungsinstituts am 20. Oktober 2017 ausdrücklich gewürdigt.

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