mini|hochkant=1.2 Martin Greif (eigentlich Friedrich Hermann Frey; * 18. Juni 1839 in Speyer; † 1. April 1911 in Kufstein) war ein deutscher Dichter.
Leben Friedrich Hermann Frey war der Sohn des Regierungsdirektors Max Frey (vormals Kabinettsrat des Königs Otto von Griechenland) und dessen Gattin Adelheid Friederike Ehrmann, Tochter des Speyerer Kreismedizinalrates Christian Ehrmann (genannt Stellwag), dem Adoptivsohn des Mediziners und Goethefreundes Johann Christian Ehrmann. Die Mutter war in ihrer Jugend von dem späteren Speyerer Bischof und Kölner Kardinal Johannes von Geissel als Hauslehrer betreut worden.Zu Geissels Wirken im Hause Ehrmann
Ein Onkel Martin Greifs mütterlicherseits war der Speyerer Kreisarchivar und Maler Peter Gayer (1793–1836), sein Cousin dessen Sohn Karl Gayer (1822–1907), Professor der Forstwirtschaft und Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität in München.Über das Verwandtschaftsverhältnis zur Familie Gayer in der Beilage zum Amts- und Intelligenz-Blatte des Rheinkreises № 1 vom 2. Januar 1836, S. 2. mini|hochkant|Martin Greif, gemalt von Hans Thoma mini|links|Martin Greif, Porträt in der Martin-Greif-Stube in Speyer
Der Vater wurde nach München versetzt, wohin die Familie übersiedelte. Nach dem Abitur trat Martin Greif in das bayrische Militär ein, wurde 1859 Offizier, nahm aber 1867, um ganz seiner Neigung zur schönen Literatur folgen zu können, seinen Abschied und ließ sich als freier Schriftsteller in München nieder, von wo aus er Reisen nach England, in die Niederlande, nach Spanien, Dänemark, Italien und in andere Länder unternahm. Bereits 1862 hatte er den Dichter Friedrich Rückert in Neuses besucht.
Durch Vermittlung Eduard Mörikes erschien 1868 bei Cotta das Buch Gedichte unter dem Pseudonym Martin Greif, das er seit 1882 auch als bürgerlichen Namen führen durfte. 1869 zog er nach Wien, wo durch Vermittlung Heinrich Laubes viele seiner Stücke mit Erfolg am Burgtheater aufgeführt wurden. Nach Laubes Weggang vom Burgtheater ging Greif nach München zurück und schrieb vaterländische Stücke für das bayerische Hof- und Nationaltheater.
Ab 1901 war er Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Aenania München. mini|Inschriftentafel in der Webergasse 1 in Speyer Nach langem Leiden starb Greif im Alter von 71 Jahren im Krankenhaus in Kufstein. Sein Grabmal, 1912 von dem Bildhauer Hermann Lang geschaffen, ist auf dem Friedhof der Kirche St. Peter und Paul in Zangberg (Ortsteil Palmberg) in der Nähe von Ampfing (bei Mühldorf am Inn) erhalten.Ein Dichtergrab, Kurzbeschreibung des Grabmals, Münchner neueste Nachrichten : Wirtschaftsblatt, alpine und Sport-Zeitung, Theater- und Kunst-Chronik. 1912 = Jg. 65, 11 ## Morgen-Blatt, 17. November 1912.
Nachwirkung Zahlreiche Gedichte von Martin Greif wurden vertont. bei lesekost.de Sein Drama über Agnes Bernauer gehört bis heute zum Repertoire Bayerischer Laientheater, z. B. in Vohburg an der Donau.Mehr als 100-jährige Tradition der Agnes-Bernauer-Festspiele Vohburg bei Freilicht-Festspiele Vohburg
In Bayern und der Pfalz sind zahlreiche Straßen nach Martin Greif benannt u. a. in Ampfing, München, Regensburg und Ludwigshafen am Rhein. 2011 wurde in Speyer mit der Martin-Greif-Stube ein kleines Literaturmuseum zu Leben und Werk des Dichters eingerichtet.
Wertungen
Werke Überblick mini|hochkant|Ankündigung des Trauerspiels Agnes Bernauer in Vohburg a.d. Donau, jetzt Agnes-Bernauer-Festspiele Bertha und Ludwig. Trauerspiel in fünf Aufzügen (unter dem Namen Friedrich Hermann Frey). J. A. Finsterlin, München 1861 (Digitalisat bei ) Die Schlacht von Leipzig. Eine epische Dichtung (unter dem Namen Friedrich Hermann Frey, auf der Titelseite mit dem Zusatz „Den Manen der in den Freiheitskämpfen Gefallenen“). E. A. Fleischmann’s Buchhandlung, München 1863 (Digitalisat bei Google Books) Frühlingssturmlieder (unter dem Namen Friedrich Hermann Frey, auf der Titelseite mit dem Zusatz „Voller Erlös für Schleswig-Holstein“). E. H. Gummi, München 1864 (Digitalisat bei Google Books) Hans Sachs. Dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen (unter dem Namen Fr. Hermann Frey). J. A. Schlosser’s Buch- und Kunsthandlung, Augsburg 1866 (Digitalisat bei Google Books) Gedichte. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart 1868 (Digitalisat bei Google Books) Corfiz Ulfeldt, der Reichshofmeister von Dänemark. Trauerspiel in fünf Acten mit einem Vorspiel. Gärtner, Bamberg 1873 (Digitalisat bei ) Walther’s Rückkehr in die Heimath. Festspiel. Wagner, Innsbruck 1874 (PDF der 2. Auflage, 260 kB, bereitgestellt von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) Deutsche Gedenkblätter. Metzler, Stuttgart 1875 (Digitalisat auf den Seiten der BSB) Nero. Trauerspiel in fünf Acten. Verlag der Wallishausser’schen Buchhandlung, Wien 1877 (Digitalisat bei ) Marino Falieri, oder: Die Verschwörung des Dogen zu Venedig. Trauerspiel in 5 Acten. Verlag der Wallishausser’schen Buchhandlung, Wien 1879 (Digitalisat bei ) Prinz Eugen. Vaterländisches Schauspiel in 5 Acten. Verlag von Theodor Kay, Kassel 1880 (Digitalisat bei ) 6., verbesserte Auflage in J. A. Amelangs Verlag, Leipzig 1912 (Digitalisat bei ) Francesca da Rimini. Tragödie in fünf Akten. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart etc. 1892 (Digitalisat bei Google Books) Agnes Bernauer, der Engel von Augsburg. Vaterländisches Trauerspiel. Leipzig 1894 (Digitalisat innerhalb der Werkausgabe von 1896 bei ) General York. Vaterländisches Schauspiel in fünf Akten. J. A. Amelangs Verlag, Leipzig 1902 (Digitalisat bei ) Conradin, aufgeführt im Kaiserjubiläums-Stadttheater in Wien am 3. März 1902 Neue Lieder und Mären. J. A. Amelangs Verlag, Leipzig 1902 (Digitalisat bei )
Werkausgabe Gesammelte Werke. Amelang, Leipzig 1895/96 1. Band: Gedichte (Digitalisat der 6., reich vermehrten Auflage bei ) 2. Band: Dramen. 1. Teil (Digitalisat bei ) 3. Band: Dramen. 2. Teil (Digitalisat bei )
Literatur
Albert van Geelen: Martin Greif als Dramatiker in seinen Beziehungen zu Laube und zum Burgtheater unter Wilbrandt und Dingelstedt. Wächter-Verlag, Graz u. a. 1934. Adam gen. Ferdinand Hammerschmidt: Martin Greif als Lyriker: eine Psychologisch-ästhetische Analyse [Maschinenschr.] – Münster, Phil. Diss. v. 18. März 1924. Fritz Kastner: Martin Greif. Bibliographie zu seinem Leben und Werk. Pfälzische Landesbibliothek, Speyer 1959. Laurenz Kiesgen: Martin Greif. Hesse u. Becker, Leipzig 1905. Wilhelm Kosch: Martin Greif in seinen Werken. Amelang, Leipzig 1907. Otto Lyon: Martin Greif als Lyriker und Dramatiker. Teubner, Leipzig 1889. Simon M. Prem: Martin Greif. Versuch zu einer Geschichte seines Lebens und Dichtens mit besonderer Rücksicht auf seine Dramen und seiner Stellung in der deutschen Litteratur. Renger, Leipzig 1892. Jocza Savits: Martin Greifs Dramen. Eine Studie. Engl, München 1911. C. Stemplinger: Martin Greif als Lyriker. In: Alte und Neue Welt; Illustriertes katholisches Familienblatt. 33. Jahrgang, Sammelband 1898/99, 10. Heft, S. 626–628. Antonia Kostretska (Hrsg.): Martin Greif. Ausgewählte Gedichte in Deutsch und Russisch. Heidelberg 2011, ISBN 978-3-00-034527-2. (deutsch, russisch) Ernst Kreowski: Über Martin Greif. In: März. Eine Wochenschrift. 7. Jg., Albert Langen, München 1912, S. 315 ff. Elias Zolkiewer: Martin Greifs Jugendlyrik. Prag 1917 [Handschriftlich] – Prag Phil. Diss. 1917 = Dt. Quellen u. Studien H. 4 [Original: Univ. Knihovna Prag; Mikrofilm 107].
Weblinks
Manuskripte und Briefe Greifs in Bibliotheken und Archiven Webseite zum 100. Todestag von Martin Greif Biografische Webseite mit Bild Übersicht über Links zu Martin Greif im Internet Nachlass von Martin Greif Universität Frankfurt. Walther's Rückkehr in die Heimath Martin-Greif-Gedenkräume in Speyer Martin Greif im Literaturportal Bayern
Einzelnachweise
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