Der Prost AP03 war der Formel-1-Rennwagen von Prost Grand Prix für die Saison 2000, der an allen 17 Rennen der Saison teilnahm.

Technik und Entwicklung Technische Leitung Der technische Direktor für die Entwicklung war Alan Jenkins, für die Konstruktion war Jean-Paul Gousset und für die aerodynamische Form des Wagens Loïc Bigois zuständig.

Motor Motor war der A20-V10-Saugmotor von Peugeot mit einem Hubraum von 2998 cm³ und einem Zylinderbankwinkel von 72°. Er wog 109 kg, war 583 mm lang, 544 mm breit und 376 mm hoch und leistete im Rennmodus 582 kW (780 PS) bei 16.200/min; Peugeot gab an, dass der Motor im Qualifyingmodus 591 kW (792 PS) bei 17.000/min erziele. Jede Zylinderbank hat zwei über Zahnräder angetriebene Nockenwellen, jeder Zylinder vier Ventile mit pneumatischen Ventilfedern. Der Motor und das Getriebe hatten einen gemeinsamen Ölkreislauf. Der Peugeot A20 wurde neu entwickelt und war im Vergleich zum Vorjahresmodell A18 um elf Kilogramm leichter. Weil er niedriger war, lag der Schwerpunkt tiefer. Der Motor erwies sich vor und während der Saison als relativ unzuverlässig, viele Testfahrten wurden durch Motorenprobleme behindert und einige Ausfälle waren auf den Motor oder dessen Peripherie zurückzuführen. Während der Saison entwickelte Peugeot drei weitere Evolutionsstufen. Bei der Evolutionsstufe vier, die vorrangig für das Qualifying vorgesehen war, wurde durch Prüfstandsimulation ein Leistungszuwachs um bis zu zwei Prozent ermittelt; das entsprach etwa zehn PS.

Getriebe und Chassis mini|Blick aufs Cockpit

Im Vergleich zum Vorjahr gab es viele Änderungen am Getriebe und am Chassis. Das in Zusammenarbeit mit Xtrac neu entwickelte sequentielle Halbautomatikgetriebe hatte sieben Gänge. Vorder- und Hinterräder waren an Doppelquerlenkern mit innenliegenden, über Schubstangen bestätigten Federn und Stoßdämpfern aufgehängt. Das Chassis war ein gepresstes Kompositmonocoque aus CFK. Als Batterie wurde eine 12-Volt-Batterie eingesetzt. Der Kraftstofftank war zwischen dem Cockpit und dem Motor platziert.f1wm.pl

Lieferanten Prost bezog Teile für den Wagen von vielen unterschiedlichen Unternehmen. So wurden die Reifen von Bridgestone, die Räder von BBS, der Treibstoff sowie das Motorenöl von Total, die Motorenelektronik von TAG, die Radaufhängung von Penske und die Bremsen von AP Racing geliefert.

Renngeschichte Entstehung von Prost Grand Prix

Am 13. Februar 1997 kaufte der viermalige Formel-1-Weltmeister Alain Prost den seit 1976 in der Formel 1 vertretenen Rennstall Équipe Ligier und nannte ihn für die neue Saison 1997 in „Prost Grand Prix“ um. Alain Prost machte es sich zum Ziel, seinen Rennstall zu einem rein französischem Nationalteam zu machen. Da der Wagen schon fertig entwickelt war, behielt der erste Prost-Rennwagen die Bezeichnung JS45. Ebenso blieben die vorher geschlossenen Verträge mit unter anderem Bridgestone als Reifenlieferant, Gauloises als Hauptsponsor sowie die Fahrerpaarung Olivier Panis und Shinji Nakano gültig. Noch im Februar desselben Jahres unterzeichnete Alain Prost nach der Übernahme einen Vertrag mit Peugeot für deren Motoren mit einer Laufzeit von drei Jahren. Der erste Peugeot-Motor wurde 1998 in den Prost AP01 eingebaut.

Loïc Bigois, bei Ligier als Chefaerodynamiker tätig, wurde in der Übergangszeit zum technischen Direktor ernannt, bis Bernard Dudot, Renaults technischer Direktor bis zu dem Ausstieg des Teams, Ende 1997 zum Rennstall kam. Danach war Bigois für das Fahrzeugdesign zuständig. Ab 2000, nach dem Abgang von Ben Wood zum neuen Jaguar-Team, war er wieder für die Aerodynamik verantwortlich. Wood selbst kam erst 1998 als Chefaerodynamiker von Tyrrell zu Prost. 1998 stießen auch der Testfahrer Stéphane Sarrazin und der angesehene Formel-1-Konstrukteur John Barnard als Berater für die Konstruktion des Wagens dazu.

Vorbereitungen zur Saison 2000 mini|hochkant|Jean Alesi (hier aus dem Jahr 2019) sollte für die nötige Erfahrung sorgen

Alain Prost wollte mit dem AP03 zurück zur Spitze des Feldes und rekrutierte im Vorfeld zur neuen Saison Alan Jenkins, der davor bei Stewart Grand Prix tätig war, im Sommer 1999 als neuen technischen Direktor; der vorherige technische Direktor Bernard Dudot blieb Prost weiterhin erhalten. John Barnards Unternehmen B3 Technologies unterstützte Prost erneut als technischer Berater. Im August 1999 wurde bekannt gegeben, dass Jean Alesi als neuer Nummer-Eins-Fahrer engagiert wurde; sein Kollege wurde Formel-1-Neuling Nick Heidfeld, Formel-3000-Meister von 1999. Alain Prost beschrieb die Fahrerpaarung als „den perfekten Mix aus Erfahrung und Jugend“. Im Januar 2000 stieß noch John Walton als Sportdirektor zu Prost hinzu; Walton war davor bei den Formel-1-Teams Toleman, Benetton, Jordan und Arrows angestellt.

Vor Beginn der Saison verließen die Sponsoren Canal+ und Alcatel den Rennstall, das wurde mit Yahoo als neuem Sponsor kompensiert. Es wurde ein Dreijahresvertrag mit einem Betrag von 25 Millionen US-Dollar abgeschlossen.gpupdate.net

Präsentation und Wintertestfahrten Der Wagen wurde am 27. Januar 2000 das erste Mal bei privaten Probefahrten in Circuit de Nevers Magny-Cours eingesetzt. Am 1. Februar um elf Uhr präsentierte Prost vor 300 Gästen und Journalisten am Circuit de Barcelona-Catalunya den neuen Rennwagen. Der neue Sponsor Yahoo übertrug die Veröffentlichung als Live-Stream auf der Homepage von Prost Grand Prix.gpupdate.net Alan Jenkins behauptete bei der Präsentation, dass der neue Wagen „mehr als eine Evolution des Vorjahresmodells sei“. Kritiker bemängelten, dass der AP03 zu sehr dem Vorjahresmodell AP02 ähnele. Jenkins konterte diese Aussage damit, dass es nun das dritte Jahr in Folge ohne Änderungen am technischen Reglement sei und alle Wagen von selbst begännen, sich zu gleichen. Tags darauf startete das Team die Fahrzeugtestphase.

Bei den Wintertests zeigte der Prost AP03 viele Probleme. So klagte Heidfeld über die geringe Zuverlässigkeit des Wagens. Am 2. Februar drehten die Fahrzeuge neben Benetton mehrere Runden auf der Rennstrecke in Barcelona; Alesi erzielte eine Bestzeit von 1:26,99 Minuten, rund dreieinhalb Sekunden langsamer als Alexander Wurz im Benetton B200. Nach sechs gefahrenen Runden gab es Probleme mit der Hinterradaufhängung und Prost musste verfrüht von den Barcelona-Tests abreisen. Mit Heidfeld kehrte das Team am 9. Februar zurück nach Barcelona. Mit 1:24,66 Minuten erzielte Heidfeld seine schnellste persönliche Runde; rund vier Sekunden langsamer als Jos Verstappen (Arrows) und drei Sekunden langsamer als Heinz-Harald Frentzen (Jordan). Bis zum 22. Februar erprobten 16 verschiedene Fahrer in Barcelona ihre Wagen, Prost plante ebenfalls bis zum Ende zu bleiben, musste allerdings infolge eines Getriebedefektes zwei Tage verfrüht abreisen. Heidfeld war mit 1:22,993 Minuten auf Platz 14 und Alesi mit 1:24,882 Minuten der langsamste Fahrer; selbst der Formel-1-Paydriver Gastón Mazzacane im Minardi M02 war am vorletzten Platz um eine Sekunde schneller als der routinierte Franzose. Ende Februar legte der Rennstall neben BAR, Benetton, Jaguar, McLaren und Williams zusätzliche Testtage in Jerez de la Frontera ein. Alesi belegte hier ebenfalls den letzten Platz, seine schnellste Rundenzeit von 1:26,989 Minuten lag rund dreieinhalb Sekunden hinter der Rundenzeit von Eddie Irvine, dem schnellsten Fahrer. Heidfelds persönliche Bestzeit betrug 1:24,399 Minuten. In den drei Tagen im Süden Spaniens legten die Wagen insgesamt 162 Runden zurück, dabei fand das Team die Ursache für einige elektronische Probleme und löste sie.gpupdate.net Am 29. Februar legte Prost für zwei Tage abschließende Probefahrten in Silverstone ein. Für den ersten Tag waren Fahrten mit Heidfeld geplant, doch wegen Motorproblemen legte der Wagen keine Runde zurück.gpupdate.net Am letzten Tag drehte Heidfeld 32 Runden, seine schnellste Zeit betrug 1:29,045 Minutengpupdate.net ; die schnellste Rundenzeit an diesem Tag erzielte Jenson Button (Williams) mit 1:26,380 Minuten.gpupdate.net

Alain Prost war mit dem neuen Motor von Peugeot sehr unzufrieden, weil er weiterhin schwach und unzuverlässig gewesen sei und nach seiner Darstellung Versprechungen nicht erfüllt wurden. Peugeot konterte Prosts Aussagen mit der Veröffentlichung der Motortelemetriedaten, die zeigten, dass der A20-Motor 591 kW (792 PS) bei 17.000/min erreichte; der von McLaren eingesetzte FO110J-Motor von Mercedes erreichte im Vergleich 600 kW (815 PS) bei 17.400/min. Doch Peugeots Chefingenieur Jean-Pierre Boudy gab zu, dass ein nicht erkanntes Leck, ein sogenanntes Blowby, zwischen der Brennkammer und im unteren Kurbelgehäuse für die geringe Zuverlässigkeit sorgte.gpupdate.net Die Beziehung zwischen dem französischen Motorenhersteller und Prost verschlechterte sich während der Saison zunehmend, mit Ende der Saison zog sich Peugeot aus der Formel 1 zurück und verkaufte die Motoren an Asiatech.

Der Saisonverlauf Holpriger Start Die Saison startete unbefriedigend, beim ersten Rennwochenende in Australien litt Heidfeld unter Bremsproblemen und Alesi musste mit dem Ersatzauto das Rennen aus der Boxengasse starten, da die Elektronik im Warm-Up streikte. Erschwerend kam hinzu, dass das Fahrzeugsetup des Ersatzwagens auf die Einstellungen von Heidfeld abgestimmt war. Einziger Lichtblick war der 15. Startplatz für Heidfeld nach dem Qualifying; er ließ damit unter anderem Jenson Button und Pedro Diniz hinter sich. Jedoch startete Heidfeld schlecht ins Rennen und kollidierte in der ersten Runde mit Gené; der folgende Boxenstopp warf Heidfeld weit zurück. Alesi selbst schloss zuerst auf das Fahrerfeld auf, doch bei einem missglückten Überholversuch an Diniz in Kurve drei drehte er sich und fiel ans Ende des Feldes zurück. In Runde 27 schied Alesi wegen eines Hydrauliklecks aus und Heidfeld wurde mit zwei Runden Rückstand neunter und damit Letzter.

Direkt nach dem ersten Rennen flogen Prost mit Jean Alesi nach Silverstone für zwei Testtage, um verschiedene Wagenkomponenten zu testen. Alesi drehte am ersten Tag 80 Runden, seine schnellste Rundenzeit betrug 1:26,673 Minuten. Laut John Walton lag „noch sehr viel Arbeit vor uns, insbesondere bei der Elektronik, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen“.gpupdate.net Der letzte Tag konnte infolge von Elektronikprobleme nicht wie gewünscht genutzt werden.gpupdate.net

Gestärkt durch die Testtage reiste das Team zuversichtlich nach Brasilien. Am Freitag fuhr Alesi 39 Runden und erzielte mit 1:17,468 Minuten die sechstschnellste Zeit, er war damit nur langsamer als die Ferraris, McLarens und Pedro de la Rosa. Heidfeld, der das erste Mal auf dieser Strecke fuhr, startete mit dem Ersatzwagen und musste nach sieben Runden den Motor tauschen. Danach fuhr er drei weitere Runden, bis das Getriebe streikte.gpupdate.net Tags darauf bei der zweiten Trainingssession belegte Prost die Plätze 16 und 19. Für das Qualifying wurde bei Alesi der Motor getauscht und Heidfeld musste wegen Kupplungsproblemen erneut auf das Reserveauto zurückgreifen.gpupdate.net Alesi erreichte mit 1:15.715 Minuten den 15. Platz und verpasste um elf Hundertstel den 14. Platz von Jos Verstappen; Heidfeld belegte Platz 19. Während der Sitzung sorgten mehrere lose Werbetafeln für Unterbrechungen, bei der letzten Unterbrechung löste sich am Ende der Start-Ziel-Geraden solch eine Tafel und traf den Wagen von Alesi; doch es entstand kein nennenswerter Schaden.gpupdate.net Während des Warm-Ups riss Alesis Heckflügel vom Wagen ab, das Auto wurde aber vor dem Start rechtzeitig wieder einsatzbereit gemacht. Der Rennstart verlief gut für Alesi, er machte konstant Positionen gut, bis er in Runde elf, auf Position neun liegend, mit einem Elektronikdefekt aufgeben musste. Zwei Runden schied Heidfeld, der sich trotz einer geplanten Einstopp-Strategie und dadurch sehr schwerem Wagen auf Platz 17 vorgearbeitet hatte,gpupdate.net durch einen Motorschaden aus.