mini|Udo Meinelt an der Kürschnerbank (1999) Das Unternehmen Udo Meinelt & Söhne in Rötha umfasst als Hauptbetriebsteile die Rauchwarenzurichtung, die Kürschnerei, die Pelzreinigung und die Präparation. Die Firma war eine der wenigen privaten Pelzzurichtereien der DDR. Sie ist die einzige, die im Umkreis des ehemaligen Welt-Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl noch besteht.

Die Kürschnermeister und Rauchwarenzurichter in dritter Generation arbeiten heute für Privatpersonen, Jäger, Präparatoren, Schäfereien, zoologische Gärten und Museen. Im Jahr 2007 hieß es, der Kürschnerbetrieb von Udo Meinelt sei der einzige in Deutschland, der das gesamte Produkt bearbeitet, vom Rohfell bis zur Jacke aus Pelz.Ohne Autorenangabe: Wie aus Tierhäuten Pelze werden. Focus online, 25. November 2007. Abgerufen am 27. September 2019.Matthias Hasberg: Von der Krokodil-Haut bis zum Grizzly-Fell. LR-online, 5. Dezember 2007. Abgerufen am 27. September 2019.

mini|Betriebshof (2017) mini|Das Hauptgebäude in Rötha in den 1930er Jahren

Allgemein Der Leipziger Brühl hatte bis zum Zweiten Weltkrieg den Ruf als „Weltstraße der Pelze“. Er war die bedeutendste Straße der Stadt. Einige Zeit erwirtschafteten die dort ansässigen Unternehmen der Rauchwarenbranche den größten Anteil der Steuereinnahmen Leipzigs. Um Leipzig herum hatten sich außerdem produzierende Gewerbe der Pelzbranche angesiedelt, vor allem Rauchwarenzurichtereien, die Pelzfelle gerbenden Betriebe. In der Umgebung von Leipzig befanden sich Anfang des 20. Jahrhunderts fast 50 Pelzzurichtereien.Stöckig & Co., Dresden, Pelzmode-Katalog. Wahrscheinlich 1912, S. 33. 1883 gründete Carl Friedrich Lindner in Rötha die Rauchwarenfärberei C. F. Th. Lindner.Walter Langenberger, Dietrich Werner: Felle - Farben - Fantasie - Ein Porträt der deutschen Pelzveredlungsindustrie. Rifra Verlag Murrhardt, 1973, S. 14. Allein in Rötha gab es später rund 35 Kürschner und Zuricht- und Veredlungsbetriebe.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 verlor der Brühl einen Teil seiner Weltgeltung. Die Pelzgroßhandelsunternehmen hatten, anders als die Pelzzurichtereien, überwiegend jüdische Inhaber, die ihre Betriebe jetzt aufgeben mussten oder ins Ausland verlegten und sich dort zum Handelsboykott gegen Deutschland verpflichteten. Mit ihnen gingen die meisten internationalen Geschäftsverbindungen verloren, der Zweite Weltkrieg (1939–1945) brachte, bis auf die Wehrmachtsaufträge, einen weiteren Abschwung. Nach Ende des Krieges verließen die meisten Firmeninhaber den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, da sie in der sozialistischen DDR mit ihren Unternehmensenteignungen für sich keine Zukunft mehr sahen. In Frankfurt am Main bildete sich für einige Jahrzehnte mit dem Pelzhandelszentrum Niddastraße ein neuer Pelzhandelsschwerpunkt, in seiner Weltbedeutung dem Brühl vergleichbar.

Die Pelzzurichtereien und Pelzfärbereien waren auf Grund ihrer Betriebsstruktur eigentlich nicht zu verlagern. Einige große Unternehmen gründeten sich zusätzlich neu in der Bundesrepublik; für die Pelzzurichtung bildete sich jedoch kein, auch nur annähernd mit Leipzig vergleichbares Zentrum. Soweit die Ursprungsbetriebe des Pelzhandels in der DDR nicht aufgegeben wurden, gingen sie zusammen mit den meisten übrigen Pelzveredlungsstätten in staatliche oder halbstaatliche Betriebsformen über.

Im Wesentlichen erfolgten die Warenzuteilungen für die pelzverarbeitenden Betriebe der DDR über die in Leipzig ansässige Genossenschaft des Kürschner-Handwerks e. G. m. b. H. Im August 1977 wurde Udo Meinelt dort als Genosse mit einem Anteil von 100 Mark eingetragen, 1980 kamen sieben Anteile in jeweils gleicher Höhe dazu.Zwei Bescheinigungen über den Eintrag in der Genossenschaft des Kürschner-Handwerks e. G. m. b. H., Leipzig, 1977, 1980.

Ein Rundschreiben der Genossenschaft an die Firma Meinelt, „Vorbereitung der Wahlen zur Volkskammer und zum Bezirkstag“ 1981, deutet das Verhältnis zwischen Staat und privat geführten Betrieben in der DDR an: „Von der Handwerkskammer werden wir auf die vom X. Parteitag der SED beschlossenen wegweisenden Beschlüsse für die kommenden Jahre verwiesen. Zur schnellen Durchführung dieser Beschlüsse kommt den Volksvertretungen ein hohes Maß an Verantwortung zu. Es wird deshalb die am 14.6.1981 stattfindende Wahl der Volkskammer und der Bezirkstage ein erster wesentlicher Schritt zur Realisierung der Beschlüsse des X. Parteitages der SED und zur weiteren Stärkung der sozialistischen Demokratie sein. Außer den zu führenden Diskussionen über den Wahlaufruf des Nationalrates der NF der DDR u. ä. ist auch die Sichtwerbung durch die aussagefähige Gestaltung der Schaufenster bzw. Schaukästen zu gewährleisten. […] Wir erwarten, daß Sie durch entsprechende Aktivitäten und durch gute Sichtwerbung die Bündnisverbundenheit des Handwerks zur Arbeiterklasse dokumentieren.“Schreiben an das Unternehmen Udo Meinelt: Betr.: Vorbereitung der Wahlen zur Volkskammer und zum Bezirkstag.

Udo Meinelt Von Dresden, dem Geburtsort von Udo Meinelt (* 1940), zog die elterliche Familie 1945 nach Berbersdorf bei Döbeln und 1949 nach Leipzig. Im Jahr 1931 hatte Udos Stiefvater, Helmut Höfgen (14. Juni 1912; † 1972), eine Kürschnerwerkstatt in Leipzig-Lindenau, Rietschelstraße 6 gegründet.Führer durch den Brühl und die Berliner Pelzbranche, Werner Kuhwald Verlag, Leipzig 1938, S. 4. Seine Meisterprüfung absolvierte Helmut Höfgen am 6. Juni 1940 vor der Handwerkskammer zu Leipzig.Meisterbrief Helmut Höfgen.

Nach der Kürschnerlehre sammelte Udo Meinelt weitere Erfahrungen im Betrieb seines Stiefvaters, in den Leipziger Kürschnereien der Firma Walter Wylezich und des Pelzhauses G. Nauck. Im Jahr 1967 legte Udo Meinelt in Leipzig seine Meisterprüfung als Kürschner ab. Die Gewerbepolitik der DDR ließ es, trotz bestandener Meisterprüfung nicht zu, dass er nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1972 den elterlichen Betrieb weiterführen durfte. Bis 1977 arbeitete er daher als Kürschner bei der Firma Rudolf Nagel. Im Oktober 1977 eröffnete er dann mit seiner Ehefrau Beate ein eigenes Pelzgeschäft mit Werkstatt auf der Georg-Schwarz-Straße 176, Ecke Pfingstweide, das um 2000 neben dem Röthaer Betrieb noch von Frau Meinelt betrieben wurde.Meisterbrief Udo Meinelt.Dieter Zumpe: Kürschner - Udo Meinelt. In: Kunsthandwerk in Sachsen, CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages (Hrsg.), Dresden 13. Januar 2000, S. 96. Übergangsweise firmierte er zuvor unter seiner Privatadresse Oststraße 2.

Gleichzeitig mit der „Ehrenmedaille zum 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik“ erhielt Udo Meinelt am 7. Oktober 1989 die mit einem Orden verbundene Auszeichnung „Aktivist der sozialistischen Arbeit“.Urkunde zur Ehrenmedaille zum 40. Jahrestag der DDR für Udo Meinelt, 1989.Urkunde Udo Meinelt, Aktivist der sozialistischen Arbeit, 1989.

Nach dem Ende der DDR gründete sich die Leipziger Kürschnerinnung am 23. März 1990 neu und Udo Meinelt wurde zum Obermeister ernannt, einer der ersten vier frei gewählten Obermeister der DDR – einen Posten, den er allerdings noch im selben Jahr wieder abgab.www.kuerschner-sachsen.de: Die GeschichteADN: Kürschner-Innung. In: Leipziger Volkszeitung vom 24./25. März 1990. Abgerufen am 27. September 2019.

Firmengeschichte mini|Udo Meinelt und Mitarbeiter (2012)

Für die Handwerksarbeiten gab es in der DDR staatlich festgelegte Preise. Für den Raum Leipzig war der Rat der Stadt Leipzig, Abteilung Preise, zuständig. Eine Besonderheit war, dass Udo Meinelt als Privatbetrieb in die Preisklasse 1 eingestuft wurde, für „Betriebe, deren Erzeugnisse nach Schnitt, Form und Verarbeitung besonders hohe Leistungen darstellen“. Damit durfte er laut der „Preisverordnung Nr. 315 über die Preisbildung im Kürschnerhandwerk“ höhere Preise für Dienstleistungen verlangen.Rat der Stadt Leipzig (Bezirk Leipzig) Abteilung Preise, Lehmann, Leiter der Abteilung Preise: Preisbewilligung Pb/Hdw/3/77 Leipzig. Schreiben 32-2322 vom 10. November 1977 (Archiv Meinelt).

Noch vor dem Mauerfall beschäftigte sich Udo Meinelt mit einer Erweiterung seines Kürschnerbetriebes um eine Pelzreinigung und die Pelzzurichtung, insbesondere die Schaffellzurichtung. Er bemühte sich 1989 bei den zuständigen Behörden und an höherer Stelle um die Übernahme der ehemaligen, einst sehr bedeutenden, 1911 gegründeten Rauchwarenfärberei Alfred Essigke, Holbeinstraße 38, späterer Inhaber Horst Köhler. Köhler sen. war zuletzt noch Verwalter der Liegenschaft des inzwischen stillgelegten Unternehmens.Alfred Essigke: Betr.: Betriebsräume Holbeinstr 38, Leipzig 7031. Schreiben vom 27. Juni 1989 (Archiv Meinelt).Udo Meinelt, Schreiben an das Ministerium für Bezirksgeleitete- und Lebensmittelindustrie, Minister Dr. Udo Wange, Berlin (Archiv Meinelt).Udo Meinelt: Schreiben an die Örtliche Versorgungswirtschaft, Leipzig: Betrifft: Übernahme der Rauchwarenfärberei Köhler, Holbeinstr. 38, Leipzig 7031 (Archiv Meinelt). In einem gemeinsamen Schreiben des SBBM (Stadtbezirksbürgermeister) für Planung und des Stadtbezirksrat für örtliche Zusammenarbeit an die Stadtkommission des Rates der Stadt Leipzig vom 26. Juni 1989 hieß es: „Wir wurden informiert, daß das Grundstück in Volkseigentum überführt werden muß, um erhalten werden zu können. Wir stellen hiermit den Antrag, der Firma Meinelt die Räumlichkeiten der ehemaligen Fa. Köhler zuzusprechen. Das große berufliche Interesse von Herrn Meinelt und seine unermüdliche Einsatzfreudigkeit geben die Garantie, daß in kurzer Zeit ein sehenswertes und leistungsfähiges Dienstleistungsangebot entsteht“.Örtliche Versorgungswirtschaft: Schreiben an den Rat der Stadt Leipzig, Stadtplankommission, Koll. Weymann, Neues Rathaus, Leipzig 7010. Gezeichnet Müller, Stellv. des SBBM f. Planung; Kaehler, Stadtbezirksrat für örtliche Versorgungswirtschaft (Archiv Meinelt).

Im November 1989 erhielt Udo Meinelt von der Stadt die befristete Zueignung der Gewerberäume in der Holbeinstraße, Erdgeschoss und 1. Etage, unter der „Auflage der Sicherung des derzeitigen Zustands der Anlagen“. Der Vermieter war jetzt Erika Bernhard, Leipzig.Rat des Stadtbezirkes Leipzig - Südwest, Gewerberaumpoli[tik?]: Befristete Zueignung von Gewerberäumen im Mietverhältnis. Leipzig, 9. November 1989 (Archiv Meinelt). Vor der Handwerkskammer hatte man sich zuvor geeinigt, dass das Objekt für die Pelzreinigung und Pelzzurichtung genutzt wird. Es sollten durch die Firma Meinelt im 3. Stockwerk Ausstellungs- und Lehrräume für das Kürschnerhandwerk geschaffen werden. Die Möglichkeit der Überführung des Grundstücks in Volkseigentum sollte geprüft werden, gleichzeitig ein Baugutachten erstellt und die Denkmalspflege informiert werden. Langfristig sollte die in der 2. Etage befindliche VEB Vliestextilien ausgelagert werden, um das Stockwerk für Ausstellungszwecke der Handwerkskammer für das Kürschnerhandwerk zu nutzen.Abt. Örtliche Versorgungswirtschaft: Protokoll zur Beratung der Nutzung des Objektes Holbeinstr. 38 am 2. 11.1989 (Archiv Meinelt). Im Jahr 1987 hatte schon der Kürschnermeister Hans Wilitzki aus Eichwalde vorgeschlagen, den Betrieb der Firma Köhler, vormals Essigke, als technisches Denkmal einzurichten.Gisela Unrein: Auf den Spuren der Geschichte. In: Brühl Nr. 5, VEB Fachbuchverlag Leipzig, September/Oktober 1987, S. 29–30. Es zeigte sich jedoch, dass die Bausubstanz zu marode war, und nach wenigen Tagen sperrte die Bauaufsicht das Gebäude, womit das Projekt gescheitert war.