Der Landkreis Hechingen war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde. Der Verwaltungssitz war Hechingen.

Geographie

Lage Der Landkreis Hechingen lag im Süden Baden-Württembergs.

Geographisch hatte er hauptsächlich Anteil am Vorland der westlichen Schwäbischen Alb.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Horb, Tübingen, Reutlingen, Sigmaringen, Balingen, der Süden des Landkreises Horb (Exklave) und Freudenstadt. Die Exklave Wilflingen lag eingebettet zwischen den Landkreisen Rottweil und Tuttlingen.

Geschichte Das Gebiet des späteren Landkreises Hechingen gehörte vor 1806 zu den Fürstentümern Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Haigerloch und zu geringem Teil auch zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. Das Fürstentum Hohenzollern-Hechingen bestand aus dem hohenzollerischen Oberamt Hechingen, die Oberämter Haigerloch und Glatt gehörten vor 1850 zu Hohenzollern-Sigmaringen. Nach dem Übergang an Preußen 1850 wurde das Oberamt Glatt 1854 mit dem Oberamt Haigerloch vereinigt. Die beiden verbliebenen Oberämter Hechingen und Haigerloch wurden durch das Gesetz zur Vereinfachung der Hohenzollernschen Lande vom 7. Oktober 1925 zum Landkreis Hechingen vereinigt, dabei wurden drei Gemeinden des zu Hohenzollern-Sigmaringen gehörenden Oberamtes Gammertingen eingegliedert.Preußische Gesetzessammlung 1925, Nr. 29, S. 132-133 (in Kraft getreten mit dem Verkündungsdatum 9. Oktober 1925)

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Hechingen 1945 in die Französische Besatzungszone und kam zunächst zum neuen Land Württemberg-Hohenzollern. Nach der Länderneugliederung im Südwesten am 25. April 1952 gehörte der Landkreis zum Land Baden-Württemberg und dort zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern, der 1973 in Regierungsbezirk Tübingen umbenannt wurde.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Hechingen aufgelöst. Der überwiegende Teil wurde mit dem ebenfalls aufgelösten ehemals württembergischen Landkreis Balingen sowie zwei Gemeinden des aufgelösten ehemals badischen Landkreises Stockach zum neuen Zollernalbkreis vereinigt, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Hechingen wurde. Kreisstadt des neuen Landkreises wurde Balingen. Sechs Gemeinden des Landkreises Hechingen wurden dem vergrößerten Landkreis Freudenstadt, drei andere (davon Wilflingen bereits 1969) dem vergrößerten Landkreis Rottweil zugeordnet. Wilflingen war bis 1969 eine Exklave des Landkreises Hechingen. Die Gemeinde Hörschwag gehörte ab dem 1. Januar 1973 vorübergehend zum Landkreis Reutlingen, wurde aber zum 1. Juli 1974 nach Burladingen eingemeindet und kam damit ebenfalls zum Zollernalbkreis.

Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 37.341 13. September 1950 43.271 6. Juni 1961 50.096 27. Mai 1970 58.175

Politik Landrat mini|Ehemaliges Landratsamt in Hechingen, heute Sitz der Polizei und des Ausbildungszentrums für Justizfachangestellte. Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Oberamts bzw. Landkreises Hechingen 1834–1972:

Wappen Das Wappen des Landkreises Hechingen zeigte in Silber auf gezinntem rotem Schildfuß sitzend einen rot bewehrten, schwarzen Adler, der mit den Fängen einen von Silber und Schwarz gevierten Schild hält. Das Wappen wurde vom Innenministerium Baden-Württemberg am 2. Oktober 1958 verliehen. Vorher verwendete der Landkreis den gevierten hohenzollerischen Schild, zumal der Landkreis überwiegend zum ehemaligen Fürstentum Hohenzollern-Hechingen gehörte. Adler und Zinnenmauer sollen auf Preußen und auf die Burg Hohenzollern, den Stammsitz des Hauses Hohenzollern, hinweisen.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Der Kreis wurde durch die B 27 und B 463 sowie durch mehrere Landesstraßen und Kreisstraßen erschlossen. Die heutige A 81 existierte im ehemaligen Kreisgebiet noch nicht und wurde dem Verkehr erst 1978 übergeben.

Gemeinden Zum Landkreis Hechingen gehörten ab 1938 zunächst 47 Gemeinden, davon zwei Städte.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Hechingen machte am 1. August 1971 die Gemeinde Stetten bei Hechingen, die sich mit der Stadt Hechingen vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Hechingen schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde. Bereits am 1. Januar 1969 hatte die Gemeinde Wilflingen in den Landkreis Rottweil gewechselt. Sie wurde aber erst am 1. Januar 1974 in die Gemeinde Wellendingen eingegliedert.

Die größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Hechingen. Die kleinste Gemeinde war Beuren.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Hechingen vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Bad Imnau Haigerloch Zollernalbkreis 727 730 Bechtoldsweiler Hechingen Zollernalbkreis 250 301 Betra Horb am Neckar Freudenstadt 759 841 Beuren Hechingen Zollernalbkreis 152 189 Bietenhausen Rangendingen Zollernalbkreis 351 444 Bisingen (mit dem 1938 eingemeindeten Steinhofen) Bisingen Zollernalbkreis 3.958 5.154 Bittelbronn Haigerloch Zollernalbkreis 439 488 Boll Hechingen Zollernalbkreis 737 799 Burladingen Burladingen Zollernalbkreis 4.355 5.473 Dettensee Horb am Neckar Freudenstadt 330 325 Dettingen Horb am Neckar Freudenstadt 1.223 1.416 Dettlingen Horb am Neckar Freudenstadt 263 297 Dießen Horb am Neckar Freudenstadt 447 433 Empfingen Empfingen Freudenstadt 1.747 2.247 Fischingen Sulz am Neckar Rottweil 724 821 Gauselfingen Burladingen Zollernalbkreis 1.082 1.229 Glatt Sulz am Neckar Rottweil 517 651 Grosselfingen Grosselfingen Zollernalbkreis 1.547 1.679 Gruol Haigerloch Zollernalbkreis 1.134 1.344 Haigerloch, Stadt Haigerloch Zollernalbkreis 1.811 1.851 Hart Haigerloch Zollernalbkreis 453 463 Hausen im Killertal Burladingen Zollernalbkreis 1.006 1.195 Hechingen, Stadt Hechingen Zollernalbkreis 9.590 10.510 Heiligenzimmern Rosenfeld Zollernalbkreis 552 691 Höfendorf Rangendingen Zollernalbkreis 299 298 Hörschwag Burladingen Zollernalbkreis 268 303 Jungingen Jungingen Zollernalbkreis 1.192 1.335 Killer Burladingen Zollernalbkreis 577 638 Melchingen Burladingen Zollernalbkreis 576 669 Owingen Haigerloch Zollernalbkreis 1.021 1.180 Rangendingen Rangendingen Zollernalbkreis 2.083 2.544 Ringingen Burladingen Zollernalbkreis 732 828 Salmendingen Burladingen Zollernalbkreis 652 735 Schlatt Hechingen Zollernalbkreis 682 713 Sickingen Hechingen Zollernalbkreis 375 588 Starzeln Burladingen Zollernalbkreis 475 562 Stein Hechingen Zollernalbkreis 658 732 Stetten bei Haigerloch Haigerloch Zollernalbkreis 1.102 1.484 Stetten bei Hechingen Hechingen Zollernalbkreis 1.076 1.282 Stetten unter Holstein Burladingen Zollernalbkreis 586 632 Thanheim Bisingen Zollernalbkreis 583 723 Trillfingen Haigerloch Zollernalbkreis 1.038 1.194 Weildorf Haigerloch Zollernalbkreis 509 567 Weilheim Hechingen Zollernalbkreis 549 593 Wessingen Bisingen Zollernalbkreis 565 657 Wilflingen Wellendingen Rottweil 681 735 Zimmern Bisingen Zollernalbkreis 344 347

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen HCH zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben. Aufgrund der Kennzeichenliberalisierung ist es seit dem 25. Februar 2013 im Zollernalbkreis und seit dem 19. Februar 2018 auch im Landkreis Freudenstadt erhältlich.

Literatur Hans Speidel: Der Altkreis Hechingen. In: Erhard Lazi (Hrsg.), Der Zollernalbkreis. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1979, S. 158–168, ISBN 3-8062-0205-2 (nicht ausgewertet) Landkreis Hechingen. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 48). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1969.

Einzelnachweise

Hechingen Hechingen, Landkreis Kategorie:Politik (Zollernalbkreis) Kategorie:Geschichte (Zollernalbkreis) Hechingen Kategorie:Aufgelöst 1973