Gran Canaria 70px       140px BasisdatenLand: SpanienProvinz: Provinz Las PalmasFläche: 1.560,1 km²Einwohner: ()Bevölkerungsdichte: 554 Einw./km²Hauptstadt: Las Palmas de Gran CanariaWebseite: www.grancanaria.comZeitzone: Westeuropäische Zeit (UTC) Satellitenbild 300px|zentriert|Karte 300px|Lage Gran Canarias auf den Kanaren

Gran Canaria ist mit einer Fläche von 1560,1 km² nach Teneriffa und Fuerteventura die drittgrößte der Kanarischen Inseln, einer Autonomen Gemeinschaft Spaniens. Die annähernd kreisförmige Insel hat einen Durchmesser von etwa 50 Kilometern und eine Küstenlänge von rund 236 Kilometern. Gemessen an der Bevölkerung ist Gran Canaria nach Teneriffa die zweitgrößte Insel der Kanaren. Die Hauptstadt ist Las Palmas de Gran Canaria. Im Jahr hatte die Insel Einwohner.

Geografie mini|links|Ein Tal im Inselinnern

Lage Gran Canaria ist eine Insel des Kanarischen Archipels und liegt 210 Kilometer westlich vor der Küste Südmarokkos im Atlantischen Ozean, zwischen ihren größeren Nachbarinseln Teneriffa im Westen und Fuerteventura im Osten. Die Insel liegt auf der Afrikanischen Platte, politisch gehört sie zu Spanien.

Geologie Die Insel ist, wie der gesamte Archipel, vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung ist der 1956 Meter hohe Morro de la Agujereada. Wahrzeichen Gran Canarias ist der 1813 Meter hohe Roque Nublo. Obwohl die letzte Eruption auf der Insel etwa 2000 Jahre zurückliegt, sind die Vulkane im Norden Gran Canarias weiterhin aktiv.

Aus dem Bergland des Inselinnern führen viele Trockentäler (Barrancos) an die Küste. Bei den seltenen Regenfällen, die recht ergiebig sein können, füllen sich die Barrancos mit teilweise reißenden Sturzbächen. In den bewohnten Gegenden wurden die Bachtäler deshalb ausgebaut und befestigt.

Klima Gran Canaria liegt im Einflussbereich der Passatwinde, die auf der Nordhalbkugel von Nordosten herandrängen. Sie werden an den Inselbergen zum Aufsteigen gezwungen und sorgen an deren Nordhängen für zum Teil ergiebige Niederschläge, meist in Form von Nebel. Die Insel ist daher klimatisch zweigeteilt in den feuchteren Norden und den trockeneren Süden. Die Trockenheit der Südinsel kann durch den Einfluss trockener Winde aus der Sahara noch verstärkt werden, dieses als Calima bezeichnete Wetterphänomen reicht von kaum merklicher Temperaturerhöhung bis zu starken Winden mit Sand und einem Temperaturanstieg unter Tags bis zu 50 °C und in der Nacht bis zu 40 °C. Die Insel hat 14 Mikroklimazonen.

Wie alle Kanarischen Inseln ist auch Gran Canaria von der globalen Erwärmung stark betroffen. Auf den Kanarischen Inseln geht dies mit einer Veränderung der Passatwinde, einem Anstieg des Meeresspiegels und der Wassertemperatur, der Gefahr einer Tropenbildung, längeren Trockenperioden, Dunst, aber auch intensiveren Niederschlägen einher. Vermehrte Dürren bereiten dabei den Nährboden für Waldbrände.

Vegetation mini|hochkant|Blüte der Kanarischen Glockenblume Im Norden herrschen von Natur aus Lorbeerwälder vor, während der Süden von Halbwüstenvegetation geprägt ist. Dort dominieren an die Trockenheit angepasste Wolfsmilchgewächse. Berühmt ist die Kanaren-Wolfsmilch. Verbreitet sind auch strauchhohe, verholzte und dickblättrige Natternkopf-Arten wie Echium callithyrsum und Echium onosmifolium. Die aus Amerika stammenden Feigenkakteen haben sich dort ebenfalls ausgebreitet. Die montanen Lorbeerwälder werden von Kanaren-Lorbeer (Laurus novocanariensis) und Baumheide gebildet. Dort ist die Kanaren-Glockenblume, die Charakterart der Kanarischen Inseln heimisch. Aufgrund der intensiven Nutzung durch den Menschen sind insbesondere die Lorbeerwälder auf kleine Reste zusammengeschrumpft. Die Wälder der hochmontanen Regionen bestehen vor allem aus Kanaren-Kiefern.

Fauna Die Fauna der Kanarischen Inseln (und somit auch Gran Canarias) weist enge Verwandtschaftsbeziehungen zur Tierwelt Nordafrikas und Südeuropas auf. Zugleich unterscheidet sie sich deutlich durch einen hohen Anteil endemischer Arten sowie durch eine vergleichsweise geringe Artenvielfalt.

Die Bodenfauna Gran Canarias ist durch das weitgehende Fehlen größerer autochthoner Wirbeltiere gekennzeichnet. Den artenreichsten Anteil der terrestrischen Fauna stellen Vögel und Reptilien. Unter den Wirbeltieren finden sich mehrere endemische beziehungsweise charakteristische Arten, darunter die in großer Individuenzahl vorkommende Kanareneidechse (Gallotia stehlini), der Kanarenskink (Chalcides sexlineatus), der Kanarengecko (Tarentola boettgeri) oder, aus der Klasse der Säugetiere, die Osorio-Spitzmaus (Crocidura russula).

Eine zunehmende Gefahr für die auf Gran Canaria heimischen Tierarten geht von Arten aus, die vom Menschen eingeführt wurden und sich teilweise in der freien Wildbahn etablieren konnten, wie etwa das Jemenchamäleon oder das Atlashörnchen. Der am besten untersuchte Fall ist die Kalifornische Kettennatter, die seit spätestens 1998 auf Gran Canaria anzutreffen ist. Die ursprünglich in Mexiko und im Südwesten der USA heimische Schlangenart hat im Gebiet von Telde, Santa Brígida und Valsequillo mit Stand von 2017 bereits 90 % der Gran-Canaria-Rieseneidechsen, 80 % des Gestreiften Kanarenskinks und die Hälfte der Gestreiften Kanarengeckos verdrängt. Im Jahr 2012 wurden etwa 600 Exemplare der Schlange gefangen, im Jahr 2018 waren es bereits 1079.https://www.sueddeutsche.de/wissen/nattern-gran-canaria-invasiv-kalifornische-kettennatter-1.5497305https://www.sueddeutsche.de/wissen/schlangen-invasion-die-nattern-von-gran-canaria-1.3633019

Natursymbole Von der Regierung der Kanarischen Inseln wurden zwei Natursymbole für die Insel festgelegt, und zwar die kanarische Dogge (Perro de Presa Canario) und die Kanaren-Wolfsmilch (cardón).Ley 7/1991, de 30 de abril, de símbolos de la naturaleza para las Islas Canarias, Abruf am 18. August 2012

Geschichte

Herkunft des Namens Zur Herkunft des Namens Gran Canaria gibt es verschiedene Erklärungen. Im Kapitel 32 des vierten Bandes der Naturgeschichte zitiert der römische Gelehrte Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert den Bericht einer Expedition, die im Auftrag des Königs Juba II. von Mauretanien die „glückseligen Inseln“ besucht habe: „… Canaria, so genannt wegen der vielen großen Hunde, von denen dem Juba zwei überbracht wurden.“Plinius der Ältere, Naturalis historia 6,37. Übersetzung nach: Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus. Ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. G. C. Wittstein. Band 1, Gressner & Schramm, Leipzig 1881, S. 487 f. (Digitalisat). Eine andere Textstelle bei Plinius weist auf einen Volksstamm am Fuß des Atlasgebirges hin: „Die Bewohner der benachbarten, mit Elephanten, wilden Thieren und Schlangen aller Art erfüllten Bergwälder würden Canarier genannt; ihre gewöhnlichen Nahrungsmittel seien nämlich die Eingeweide der Hunde und anderer wilder Thiere.“Plinius der Ältere, Naturalis historia 5,1. Übersetzung nach: Die Naturgeschichte des Cajus Plinius Secundus. Ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. G. C. Wittstein. Band 1, Gressner & Schramm, Leipzig 1881, S. 358 (Digitalisat). Eine Herkunft der Ureinwohner der Insel Gran Canaria von diesem Volksstamm wird nicht ausgeschlossen.

Erste Besiedlung Archäologische Funde belegen die Anwesenheit von Menschen auf verschiedenen der Kanarischen Inseln zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Eine kontinuierliche Besiedlung konnte aber erst ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Die ältesten Funde auf der Insel Gran Canaria wurden in das 1. Jahrhundert n. Chr. datiert.

Die Verwandtschaft der kanarischen Urbevölkerung mit den damals in Nordafrika lebenden Berbervölkern ist heute archäologisch und linguistisch nachgewiesen. Die Untersuchung der auf den Kanarischen Inseln gefundenen Schriftzeichen hat einen sehr hohen Grad an Übereinstimmung mit den Schriften ergeben, die in Nordtunesien und Nordostalgerien gefunden wurden. Da diese Berbervölker keine Seefahrer waren, geht man davon aus, dass die Römer oder die unter römischer Herrschaft stehenden Mauretanier sie in der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. auf die Inselgruppe gebracht haben. Es wird vermutet, dass auch vor dieser Zeit bereits Menschen aus unterschiedlichen Gebieten, in mehreren Aktionen, auf den Inseln angesiedelt wurden.

Zeit der isolierten Entwicklung

Mit der römischen Reichskrise des 3. Jahrhunderts war ein Abbruch der Beziehungen zwischen den Kanarischen Inseln und dem Mittelmeerraum verbunden. Da die Canarios keinerlei nautische Kenntnisse und kein Holz zum Bau seetüchtiger Schiffe besaßen, gab es keine Verbindungen zwischen Gran Canaria und dem Festland, aber auch nicht zwischen den einzelnen Inseln, auf denen sich in der Folgezeit unabhängig voneinander verschiedene Kulturen entwickelten.

Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln im 14. Jahrhundert Im 14. Jahrhundert führten die Fortschritte in der Navigation sowie die Erfindung des Kompasses und des Astrolabiums dazu, dass Seeleute aus den italienischen Handelszentren auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien auch auf die Kanarischen Inseln trafen.

Die Anwesenheit des Lancelotto Malocello auf der später nach ihm benannten Insel führte zu der Einzeichnung Lanzarotes und Fuerteventuras in die 1339 von Angelino Dulcert veröffentlichte Karte, auf der die anderen Kanarischen Inseln noch nicht eingetragen waren. Der Katalanische Weltatlas des Abraham Cresques aus dem Jahr 1375 zeigt bereits alle Kanarischen Inseln außer El Hierro.

Im Jahr 1341 schickte König Alfons IV. von Portugal eine Forschungsexpedition zu den Kanarischen Inseln. Sie brachte detaillierte Informationen über die Insel Gran Canaria nach Europa.

In der folgenden Zeit wurden aus dem Mittelmeergebiet verschiedene Fahrten zu den Inseln unternommen, meist um Ramsch gegen Ziegenfelle und Orseille einzutauschen. Diese teilweise von staatlichen Stellen, teilweise privat durchgeführten Unternehmungen führten auch dazu, dass immer häufiger Menschen von den Kanarischen Inseln auf den Sklavenmärkten des Mittelmeergebietes verkauft wurden.

Missionierung durch mallorquinische Mönche

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auf Mallorca ein Projekt entwickelt, dessen Ziel darin bestand, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln ausschließlich mit friedlichen Mitteln zu bekehren. Dazu sollten Ureinwohner der Inseln eingesetzt werden, die bereits den christlichen Glauben angenommen hatten. 1351 fand man auf Mallorca zwölf Frauen und Männer, die vermutlich als Sklaven von Gran Canaria verschleppt worden waren. Sie waren getauft und sprachen die katalanische Sprache. Sie sollten als ortskundige Unterstützung für die Missionare einer Expedition tätig werden.

König Peter IV. von Aragonien zeigte ein großes Interesse an der friedlichen Bekehrung der Ureinwohner Gran Canarias. Er stimmte mit den Organisatoren der Missionsarbeit überein, dass ohne ein Klima des absoluten Friedens eine Evangelisierung der Heiden nicht möglich sei. Um die Arbeit der Missionare nicht zu gefährden, sprach der König ein absolutes Verbot der Piraterie im Atlantik aus. Das Projekt fand die Zustimmung des Papstes Clemens VI. Durch die Bulle „Coelestis rex regum“ vom 7. November 1351 errichtete er die Diözese der „Glücklichen Inseln“, die ab 1369 als Bistum Telde bezeichnet wurde. Einige Reeder und Händler erklärten sich bereit, die friedliche Expedition, die gleichzeitig auch einen wirtschaftlichen Aspekt haben sollte, zu finanzieren.