Pertev Naili Boratav, Geburtsname Mustafa Pertev, , (geb. 2. September 1907 in Darıdere, Osmanisches Reich (heute Slatograd, Bulgarien); gest. 16. März 1998 in Paris, Frankreich) war ein türkischer Volkskundler, Turkologe und Märchensammler. Er wurde als „Gründervater der türkischen Volkskunde während der Republik“ bezeichnet.
Leben Boratav wurde 1907 in Darıdere als zweites Kind eines hochrangigen Beamten geboren. Als Boratav zwei Jahre alt war, zog seine Familie nach Eğridere in der anatolischen Provinz, wohin sein Vater versetzt worden war. Die Familie wohnte nacheinander in verschiedenen Städten im Sandschak Gümülcine des Osmanischen Reichs, je nachdem, wohin sein Vater versetzt wurde. Den größten Eindruck hinterließ Mudurnu, wo Boratavs Eltern sich letztendlich niederließen. Hier begann er als junger Student Volkslieder, Volksmärchen und Volksgedichte zu sammeln. Boratav wurde am İstanbul Lisesi ausgebildet und ging 1927 an die Universität Istanbul. Die prägenden Professoren während des Studiums waren der französische vergleichende Mythologe Georges Dumézil und der türkische Literaturkritiker Mehmet Fuat Köprülü. Boratav schloss sein Studium 1930 an der Fakultät für Türkische Sprache und Literatur ab. Von 1931 bis 1932 arbeitete er als Assistent des Historikers Mehmet Fuat Köprülü. Danach arbeitete Boratav von 1932 bis 1936 als Lehrer für türkische Literatur am Lise in Konya (). Zeitgleich lehrte er in Konya auch am Lehrerbildungsinstitut für Männer (). 1936 ging Boratav mit seiner Frau, der Grundschullehrerin Hayrünnisa, nach Deutschland, um seine Deutschkenntnisse zu vertiefen. Er musste das nationalsozialistische Deutschland wegen politischer Äußerungen verlassen. Nach seiner Rückkehr arbeitete Boratav als Bibliothekar an der Schule für politische Studien () in Ankara.
Nach der Gründung die ersten Fakultät für Volksliteratur der Türkei 1946 war Boratav einer von drei Professoren, denen 1947 Förderung des Sozialismus und Unterminierung des Nationalismus vorgeworfen wurde. Obgleich 1948 in einem Prozess freigesprochen, wurde seine Fakultät geschlossen. Boratov war gezwungen, 1952 nach Paris zu ziehen, wo er bis an sein Lebensende blieb.
Als Student von Köprülü und Dumézil war Boratav auch von den Schriften Arnold van Genneps beeinflusst. Er leistete Pionierarbeit, indem er den darstellerischen Aspekten der Folklore Aufmerksamkeit schenkte. Boratav klassifizierte zusammen mit Wolfram Eberhard die türkischen Volksmärchen. Dabei wandte er den vergleichenden Ansatz von Antti Aarne an, indem er darauf bestand, dass einer detaillierten Klassifikation von Märchen einer speziellen Kultur Versuche kulturübergreifender Forschung voran gehen müssen.
Schriften
Gökoğlu Destanı, 1931 Folklor ve Edebiyat I, 1939 Bey Böyrek Hikayesine Ait Metinler, 1939 Halk Edebiyatı Dersleri, 1943 İzahlı Halk Şiiri antolojisi, 1946 Halk hikâyeleri ve halk hikâyeciliği, 1946 mit Wolfram Eberhard, Typen türkischer Volksmärchen, 1953 Zaman Zaman İçinde, 1958 Folklor ve Edebiyat II, 1954 Les histoires d'ours en Anatolie, 1955 Le Tekerleme, 1963 Türkische Volksmärchen, 1967 Az Gittik, Uz Gittik, 1969 100 Soruda Türk Folkloru, 1973 Nasreddin Hoca, 1996
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1998 Kategorie:Mann Kategorie:Märchensammler Kategorie:Türke Kategorie:Turkologe Kategorie:Volkskundler Kategorie:Person (Paris) Kategorie:Person (Istanbul) Kategorie:Person (Ankara)