Der Folkwang-Museumsverein e. V. (FMV) ist ein am 1. Juni 1922 gegründeter, gemeinnütziger Zusammenschluss von kunstinteressierten Bürgern, Mäzenen und Unternehmen. Sein Hauptziel ist es laut Satzung, „gemeinsam mit der Stadt Essen das von Karl Ernst Osthaus gegründete Folkwang-Museum zu verwalten, auszubauen und als öffentliche Sammlung den Zwecken der Forschung und Volksbildung dauernd nutzbar zu machen“. Der Verein hat seinen Sitz in Essen, wo sich seit dem Oktober 1922 auch das Folkwang-Museum befindet. Eine Besonderheit des Vereins gegenüber fast allen anderen Museumsvereinen ist es, dass er zusammen mit der Stadt Essen gleichberechtigter Miteigentümer der Sammlungen des Folkwang-Museums ist. Der Verein gibt für seine Mitglieder ein eigenes Periodikum heraus, die Folkwang-Mitteilungsblätter.

Vorgeschichte der Gründung Anlass der Gründung des Folkwang-Museumsvereins war es, eine testamentarische Verfügung von Karl Ernst Osthaus zu erfüllen und so die Sammlungen des 1902 von ihm in Hagen gegründeten Folkwang-Museums zusammenzuhalten. Der im März 1921 im Alter von 45 Jahren verstorbene Osthaus hatte zur Absicherung seiner Familie bestimmt, dass die Sammlung nicht unter zehn Prozent ihres Werts und nur im Ganzen veräußert werden dürfe. Dazu aber sah sich die Stadt Hagen in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg trotz großer Anstrengungen nicht in der Lage. Um den Zerfall von Osthaus’ Lebenswerk abzuwenden, bildete sich im Sommer 1921 in Essen ein Initiativkreis aus Kommunalpolitikern, Künstlern und Mäzenen, um aus privaten Mitteln, insbesondere durch Spenden von Großunternehmen, den von den Erben von Osthaus verlangten Kaufbetrag für den Erwerb der Bestände des Folkwang-Museums aufzubringen.Laufer (2012), S. 42f. Bald kam das Ziel hinzu, Essen als künftigen Sitz des Museums durchzusetzen. Zu den treibenden Kräften gehörten Landrat Friedrich Schöne (ab 1922 Gründungsvorsitzender des Museumsvereins), Oberbürgermeister Hans Luther und der Leiter des Essener Kunstmuseums Ernst Gosebruch.Laufer (2012), S. 43

Anfang September 1921 verfasste Gosebruch einen Aufruf an die örtliche und regionale Industrie und an private Mäzene, um den von der Familie Osthaus geforderten Betrag von zunächst zehn, dann angesichts der bereits voranschreitenden Inflation 15 Millionen Reichsmark aufzubringen.Laufer (2012), S. 46 Schon in diesem Aufruf betonte Osthaus den modernen Charakter der Sammlung Folkwang, der beibehalten werden solle. Bereits Anfang Oktober zeichnete sich nach großen Spenden aus der Essener Bürgerschaft, insbesondere aus der Industrie, ab, dass der Betrag aufgebracht werden könnte, was schließlich im März 1922 erreicht wurde.Laufer (2012), S. 48 Größter Einzelspender war das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat (RWKS) mit einem Beitrag von sechs Millionen Mark. Zu den Erwartungen des Syndikats einschließlich der bereits damals an der Entscheidung beteiligten Arbeitnehmervertreter gehörte, „dass durch die Verpflanzung in die zentraler gelegene Stadt Essen und daneben auch durch ... Wanderausstellungen das Museum erst einem wirklich großen Kreise zugänglich gemacht werden würde“Archiv Museum Folkwang, D2, Bericht über "Tatbestand betr. das Folkwang-Museum".. Dieses Engagement des RWKS wäre nicht möglich gewesen ohne die Zustimmung des Industriellen Hugo Stinnes, dessen Konzern 1920 Teile des RWKS erworben hatte. Stinnes bekannte sich später auch zur Förderung des Folkwang-Museums, verzichtete aber auf eine Mitgliedschaft im Museumsverein; er wollte offenbar zwar genau informiert, aber nicht eingeladen werden. Damit verhielt er sich wie Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, der zweite der drei damals größten Industriellen des Ruhrgebiets.Laufer (2012), S. 51 Der dritte in dieser Gruppe, August Thyssen, wollte das Vorhaben hingegen tatsächlich nicht fördern, erkennbar deswegen, weil ihm der Schwerpunkt des Museums auf moderner und zeitgenössischer Kunst nicht zusagte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Museum dann aber auch von Thyssen gefördert.Laufer (2012), S. 52

Gründe für die Stellung des Folkwang Museumsvereins als Miteigentümer Dass der Museumsverein Miteigentümer der Bestände des Museums Folkwang ist, ist eine große Ausnahme in der deutschen und internationalen Museumslandschaft. Zur Zeit der Gründung 1921/22 war eine solche Öffentlich-Private Partnerschaft noch ungewöhnlicher, es handelt sich sogar um eine der ersten Kooperationen dieser Art in Deutschland überhaupt. Grund für diese Lösung war, dass nur auf diese Weise die Interessen der drei Hauptbeteiligten – der öffentlichen Hand (insbesondere der Stadt Essen), der finanzierenden Unternehmen und der Osthaus-Erben – in Einklang gebracht werden konnten.Laufer (2012), S. 49 Schon im Oktober 1921 war es das gemeinsame Ziel der Familie Osthaus und der Stadt Essen, dass ein privater Trägerverein die Verantwortung für ein zu gründendes Museum Folkwang in Essen mit übernehmen sollte. Der Familie Osthaus und Ernst Fuhrmann als Nachlassverwalter von Karl Osthaus ging es darum, über ein zu bildendes Kuratorium weiterhin Einfluss auf die Sammlung zu behalten, die ja zu einem Preis deutlich unter dem Marktwert verkauft werden sollte. Der Stadt Essen ging es darum, in der Notlage nach dem Ersten Weltkrieg möglichst geringe Steuermittel für das geplante Kulturprojekt aufwenden zu müssen. Oberbürgermeister Luther gelang es in diesem Zusammenhang zum Vorteil aller Beteiligten, in zähen Verhandlungen mit dem Reichsfinanzministerium einen weitgehenden Verzicht des Reiches bzw. Preußens auf Steuern und Abgaben auf den geplanten Verkauf durchzusetzen. Aus diesem steuerlichen Grund wurde der Kaufpreis von 15 Millionen Euro aus der erwähnten Spendensammlung auch nicht direkt an die Erben von Karl Osthaus ausbezahlt. Vielmehr wurde der Betrag zunächst dem preußischen Finanzministerium zur Verfügung gestellt, damit der Staat diese Mittel der Stadt Essen zweckgebunden für den Erwerb der Sammlung Folkwang überweisen konnte.Laufer (2012), S. 48f.

Im Vertrag mit der Stadt Essen wurde bestimmt, dass die Stadt für das Museumsgebäude mit seinen laufenden Kosten für Personal und Unterhalt aufzukommen habe. Jedoch hat der Museumsverein sich später an den Kosten der verschiedenen Bauvorhaben in erheblichem Umfang beteiligt. Außerdem wurde vereinbart, dass die Sammlung Osthaus mit den Beständen des Kunstmuseums der Stadt Essen vereinigt wird. – Mit den Erben von Karl Osthaus wiederum wurde vereinbart, dass zusammen mit der Sammlung auch die Rechte am Namen „Folkwang-Museum“ auf die Stadt Essen und den Folkwang-Museumsverein übergehen. Die eigentliche Gründung des Museumsvereins, der aus dem genannten Initiativkreis hervorging, geschah dann am 1. Juni 1922.

Ziele und Gremien Vereinszweck Der Zweck und die Aufgaben des Folkwang-Museumsvereins werden in seiner Satzung folgendermaßen bestimmt: „1. Zweck des Vereins ist es, gemeinsam mit der Stadt Essen das von Dr. Karl Ernst Osthaus in Hagen gegründete Folkwang-Museum zu verwalten, auszubauen und als öffentliche Sammlung den Zwecken der Forschung und Volksbildung dauernd nutzbar zu machen. 2. Darüber hinaus stellt sich der Verein allgemein die Aufgabe, die bildenden Künste zu fördern. 3. Aufgabe des Vereins ist es ferner, den internationalen Rang und Charakter des Museums zu erhalten und zu fördern, indem er die Tätigkeit der wissenschaftlichen Mitarbeiter im Bereich der Lehre und Forschung sowie alle Bestrebungen des Museums für eine internationale Zusammenarbeit auf künstlerischem Gebiet unterstützt.“§ 1 der Satzung des Vereins in der Fassung vom 5. April 2011, Quelle: Internetseite des FMV. Der in Punkt 1 bestimmte Vereinszweck gilt wörtlich seit 1922, die Aufgabe der Förderung der bildenden Kunst sinngemäß ebenfalls. Die bewusste Internationalität des Museums und seiner Tätigkeit wurde später in der Satzung verankert, faktisch hatte sie – unterbrochen nur in der Zeit des Nationalsozialismus – von Anfang an bestanden.

Gremien Die beiden Leitungsgremien des Vereins sind der von der Mitgliederversammlung gewählte Verwaltungsrat (aktuell 14 Mitglieder, laut Satzung mindestens sieben) und der Vorstand (aktuell sechs Mitglieder). Dieser wird auf Vorschlag des Verwaltungsrats von der Mitgliederversammlung gewählt. In der Anfangszeit hatte der Verwaltungsrat acht Mitglieder (laut Satzung mindestens fünf), während der Vorstand aus nur drei Personen bestand, die damals noch dem Verwaltungsrat angehören mussten.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Essen und den Erben von Karl Osthaus sowie die Aufsicht über den Museumsbetrieb erfolgen im Kuratorium des Museum Folkwang. Ihm gehören bis zu 20 Personen an, zehn Vertreter der Stadt, fünf des Museumsvereins und außerdem bis zu fünf Vertreter der Karl-Ernst-Osthaus-Stiftung sowie beratend der Leiter bzw. die Leiterin des Museums (seit 2018 ist das Peter Gorschlüter). Der Vorsitz des Kuratoriums wechselt jährlich zwischen dem Oberbürgermeister der Stadt Essen und dem Vorsitzenden des Museumsvereins.https://www.folkwang-museumsverein.de/ueber-uns/#Kuratorium

Mitglieder und Vorsitzende mini|Achim Middelschulte (2018) mini|Ulrich Blank (2017) Der Folkwang-Museumsverein hat rund 400 Mitglieder, darunter auch juristische Personen (überwiegend Unternehmen). Seine Vorsitzenden (seit 1960 „Erste Vorsitzende“) seit der Gründung waren: 1922 bis 1924: Friedrich Schöne 1925 bis 1926: Ernst Henke 1926 bis 1928: Oskar Ruperti 1928 bis 1937: Hermann Seippel 1938 bis 1959: Adalbert Colsman 1959 bis 1969: Ernst Henke 1969 bis 1985: Berthold von Bohlen und Halbach 1985 bis 2000: Dietrich Oppenberg 2000 bis 2005: Gerhard Cromme 2005 bis 2010: Henner Puppel 2010 bis 2015: Achim Middelschulte seit 2015: Ulrich Blank

Aus der Geschichte des Museumsvereins 1922 bis 1929: Von der Gründung bis zur Eröffnung des ersten Museumsneubaus 29. Oktober 1922: Das Folkwang-Museum in Essen wird eröffnet. Die aus Hagen überführte Sammlung wird zunächst im Hans-Goldschmidt-Haus, dem ehemaligen Essener Kunstmuseum in der Bismarck-Straße untergebracht und gezeigt. Damit folgte die Stadt Essen einem Vorschlag von Ernst Gosebruch und des Museumsvereins. Die räumliche Enge wurde in Kauf genommen, weil die Möglichkeit bestand, eine benachbarte Villa mit ihrem Grundstück zu erwerben und darauf einen Museumsneubau zu errichten.Laufer (2012), S. 57f. Es ist bis heute Standort des Folkwang-Museums. 10. Januar 1923: Im Zuge der Ruhrbesetzung marschieren französische Truppen auch in Essen ein. Dadurch zerschlagen sich die Hoffnungen und Pläne des Museumsvereins, das Folkwang-Museum in ganz kurzer Zeit zum führenden Museum für moderne und zeitgenössische Kunst im weiten Umkreis auszubauen. Der Gründungsvorsitzende Schöne gibt 1924 den Vereinsvorsitz auf, nachdem er verhaftet wird und das Ruhrgebiet verlassen muss. Auch weitere Mitgründer des FMV werden für kurze Zeit festgenommen oder müssen wegen drohender Verhaftung die Region verlassen,.u. a. Laufer (2012), S. 64 13. November 1924: Der Essener Kunstverein gründet sich neu als Kunstverein Folkwang. Er richtet sich an alle Nutzer und Besucher des Folkwang Museums und soll auch dessen Bildungsarbeit übernehmen. Die Mitglieder bekommen freien Eintritt zum Museum Folkwang. Der Folkwang-Museumsverein hingegen bleibt mit hohen Beiträgen und Mitgliedschaft nur mit Zustimmung des Verwaltungsrates der Zusammenschluss der großen Sponsoren und Förderer des Museums.Laufer (2012), S. 65 ab 1925: Nach dem Ende von Ruhrbesetzung und Inflation im September bzw. Dezember 1923 und Überwindung der Wirtschaftskrise 1924 beginnt eine erste Blütezeit des Museums Folkwang in Essen, die bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende 1929 andauert. Auf Betreiben und mit Förderung des Museumsvereins wird die zunächst eher kleine Sammlung Folkwang bedeutend erweitert und ein neues Museum gebaut.Laufer (2012), S. 69ff