Das Maxim Gorki Theater (früher Maxim-Gorki-Theater) in der Dorotheenstadt im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin ist mit 440 Plätzen das kleinste der Berliner Staatstheater. Das Theater residiert in dem von der Chorvereinigung der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 1827 errichteten und in deren Eigentum stehenden Gebäude in der Nähe der Promenadenstraße Unter den Linden, hinter dem Kastanienwäldchen. Es ist benannt nach dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki. Zusammen mit dem nördlich anschließenden Palais am Festungsgraben (Adresse am Festungsgraben 1) bildet es ein denkmalgeschütztes Bauensemble.

Aufgrund seiner Geschichte als Stammhaus des Chores wird das Gebäude oft als Singakademie bezeichnet.

Das Theater Geschichte Infolge des Formalismusstreits und als Antwort auf Brechts Episches Theater im Berliner Ensemble wurde das Theater 1952 „als ein Ort zur Pflege russischer und sowjetischer Theaterkunst“50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, Umschlagseite. gegründet, also ein Jahr vor dem Tod Josef Stalins. Es wurde nach dem in der Sowjetunion offiziell verehrten Schriftsteller Maxim Gorki benannt. Unter seinem ersten Intendanten, dem Stanislawski-Schüler Maxim Vallentin, war es dem sozialistischen Realismus verpflichtet. Die ursprünglich geplante Eröffnung des Theaters mit Maxim Gorkis Nachtasyl wurde von der Staatlichen Kunstkommission unterbunden.50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, S. 164. Stattdessen eröffnete das Haus am 30. Oktober 1952 mit der deutschen Erstaufführung des sowjetischen Stückes Die auf See von Boris Lawrenjow.

In der kulturellen Tauwetter-Periode (siehe auch Entstalinisierung) Ende der 1950er Jahre kam es (auch unter dem Eindruck der Aufstände in der DDR, in Polen und in Ungarn) zur Aufführung solcher Stücke wie Alfred Matusches Nacktes Gras und Heiner Müllers Die Korrektur sowie Der Lohndrücker. Heiner Müller war in jener Zeit als Dramaturg angestellt.

Aufsehen erregte 1988 die DDR-Erstaufführung von Volker Brauns Die Übergangsgesellschaft in der Regie von Thomas Langhoff als Abgesang auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR.

Anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung im Jahr 2002 fasste der damalige Intendant Volker Hesse zusammen:

Intendanten Kurzüberblick 1952–19681968–19941994–20012001–20062006–20132013–2019seit 2019Maxim VallentinAlbert HetterleBernd WilmsVolker HesseArmin PetrasShermin Langhoff und Jens HilljeShermin Langhoff

Maxim Vallentin (1952–1968) Maxim Vallentin, Gründungsmitglied des Deutschen Theater-Instituts Weimar (1947–1953), arbeitete als erster Intendant seit 1952 am neu gegründeten Maxim-Gorki-Theater. Das Ensemble kam größtenteils von der Theaterhochschule Leipzig bzw. deren ehemaligen Instituten.

Regisseure, die während der Intendanz von Maxim Vallentin am Gorki-Theater inszenierten, waren:50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, S. 180–183.

Bernd Bartoszewski, Gert Beinemann, Hans-Robert Bortfeldt, Wolfgang Fleischmann, Ottofritz Gaillard, Wilhelm Gröhl, Achim Hübner, Gerhard Klingenberg, Gottfried Kolditz, Wolfram Krempel, Otto Lang, Joan Littlewood, Robert Lumer, Hans Dieter Mäde, Karl Palous, Walter Richter-Reinick, Helfried Schöbel, Horst Schönemann, Kurt Veth, Werner Schulz-Wittan, Hans-Georg Simmgen, Armin Stolper, Maxim Vallentin, Gerhard Winderlich, Erich-Alexander Winds, Gerhard Wolfram

Albert Hetterle (1968–1994) Albert Hetterle war seit 1955 Schauspieler am Theater und übernahm mit der Spielzeit 1968/1969 die Intendanz des Hauses. Aufsehen erregte er u. a. 1988 aufgrund der Durchsetzung der Aufführung von Volker Brauns Die Übergangsgesellschaft unter der Regie von Thomas Langhoff, das den Untergang der SED-Diktatur vorwegnahm (Premiere: 30. März 1988).

Regisseure während der Intendanz von Albert Hetterle waren:50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, S. 183–190.

Hartwig Albiro, Eckhard Becker, Fred Berndt, Frank Beyer, Fritz Bornemann, Siegfried Bühr, Piet Drescher, Ulrich Engelmann, Karl Gassauer, Karin Gregorek, Wolfgang Heinz, Volker Hesse, Albert Hetterle, Siegfried Höchst, Achim Hübner, Otfried Knorr, Gerhard König, Wolfram Krempel, Thomas Langhoff, Boris Luzenko, Hans Dieter Mäde, Klaus Manchen, Martin Meltke, Hans-Peter Minetti, Manfred Möckel, Wolfgang Mochmann, Alfred Müller, Grigori Ostrowski, Bärbel Retemeyer, Carl-Hermann Risse, Hans-Georg Simmgen, Ernst Stötzner, Armin Stolper, Rudi Strahl, Victor Tapia, Jochen Thomas, B.K. Tragelehn, Kurt Veth, Bernd Weißig, Horst Westphal, Rolf Winkelgrund

Bernd Wilms (1994–2001) Bernd Wilms kam zur Spielzeit 1994/1995 vom Theater Ulm als neuer Intendant an das Theater. Anschließend leitete er das Deutsche Theater Berlin; von 2008 bis 2010 war er außerdem Kurator des Hauptstadtkulturfonds in Berlin.

Regisseure während der Intendantenzeit von Bernd Wilms waren:50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, S. 190–194.

Mario Andersen, Martin Duncan, Klaus Emmerich, Deborah Epstein, Peter Fitz, Jochen Fölster, Christina Friedrich, Karl Gassauer, Günther Gerstner, Stefan Heckmann, Ulrich Hub, Grażyna Kania, Stefan Kimmig, Thomas Kirchner, Martin Kloepfer, Tom Kühnel, Thomas Langhoff, Uwe Eric Laufenberg, Johannes Lepper, Peter Lund, Andreas Marent, Manfred Meihöfer, Martin Meltke, Wenka von Mikulicz, Marcus Mislin, Bernd Mottl, Heidi Mottl, Stefan Otteni, Oliver Reese, Joachim Schlömer, K.D. Schmidt, Robert Schuster, Erich Sidler, Aureliusz Smigiel, Lore Stefanek, Alexander von Studnitz, Tim Supple, Katharina Thalbach, Kurt Veth, Dominik Wilgenbus, Bernd Wilms, Peter Wittenberg, Arie Zinger, Mark Zurmühle

sowie die 20 Regisseure von Schillernacht der Autoren (Premiere: 21. Januar 2000).

Volker Hesse (2001–2006) Volker Hesse hatte bereits als freier Regisseur am Theater inszeniert (Weisman und Rotgesicht von George Tabori, 1991), bevor er 2001 die Intendanz des Hauses übernahm.

Regisseure zu seiner Zeit als Intendant waren u. a.:50 Jahre Maxim-Gorki-Theater Berlin – 50 Jahre und kein Ende. Theater der Zeit, 2002, ISBN 3-934344-19-4, S. 194.

Hilmar Baumann, Bruno Cathomas, Gesine Danckwart, Peter Dehler, Lavinia Frey, Beate Heine, Volker Hesse, Dominic Huber, Sandrine Hutinet, Thomas Langhoff, Joachim Meyerhoff, Andrea Moses, Bernd Mottl, Stephan Müller, Isabel Osthues, Stefan Otteni, Annette Reber, Rafael Sanchez, Samuel Schwarz, Katharina Thalbach, Kazuko Watanabe, Susanne-Marie Wrage

Armin Petras (2006–2013) Armin Petras arbeitete vor der Übernahme des Theaters u. a. Anfang/Mitte der 1990er Jahre als Regisseur an verschiedenen ostdeutschen Theatern sowie anschließend am Staatstheater Kassel und am Schauspiel Frankfurt. Zur Spielzeit 2013/14 wechselte er an das Staatstheater Stuttgart, um dort die Schauspielintendanz anzutreten.Stuttgarter Zeitung 14. November 2011

Regisseure, die während der Intendanz von Armin Petras am Theater inszenierten, waren u. a.: abgerufen am 5. Dezember 2011

Jan Bosse, Robert Borgmann, Felicitas Brucker, David Czesienski, Jorinde Dröse, Dominic Friedel, Rainald Grebe, Agnes Hansch, Robert Hartmann, Sebastian Hartmann, Jonas Knecht, Johann Kuithan, Cristin König, Antú Romero Nunes, Milan Peschel, Armin Petras, Nora Schlocker, Simon Solberg

Shermin Langhoff mit Ko-Intendanten (seit 2013) Zur neuen Spielzeit 2013/14 übernahm Shermin Langhoff die Intendanz des Theaters zusammen mit Jens Hillje, der 2019 ausschied.Nach dem Theatercoup. In: Der Tagesspiegel, 23. Mai 2012 Eines ihrer Ziele war der produktive Umgang mit gesellschaftlicher Heterogenität, der nicht das Einverständnis kleiner Grüppchen, sondern die Auseinandersetzung in der Gesamtgesellschaft im Blick hat.Die Leute aus der letzten Bank. Ein Gespräch mit Shermin Langhoff und Jens Hillje über das erste Jahr am Berliner Gorki-Theater – das Theater des Jahres!, in: Theater heute, Sondernummer 2014, Jahrbuch 2014 Reale Utopien, Seite 40–45. Der Schwerpunkt liegt auf den Spannungen zwischen Verantwortung und Schuld, innen und außen.Till Briegler: Bühnenasyl. NSU und Fremdenfeindlichkeit politisieren das Theater., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 298, 29. Dezember 2014, Seite 11. Die meisten Schauspieler haben einen Migrationshintergrund.Mounia Meiborg: Hallo Welt! Das postmigrantische Gorki-Theater in Berlin ist die Bühne des Jahres., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 298, 29. Dezember 2014, Seite 11. Unter der neuen Leitung stieg der Anteil der jungen Theaterbesucher weiter, der schon unter Armin Petras etwa ein Viertel betragen hatte, und mit Inszenierungen wie Common Ground konnte laut Langhoff auch ein Publikum angesprochen werden, das sonst eher theaterfern ist. Nach der ersten Spielzeit wurde das Gorki-Theater von der Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewählt. ebenso 2016.

Regisseure, die während der Intendanz von Langhoff und Hillje am Gorki-Theater inszenieren, sind u. a.:Internetseite des Maxim Gorki Theaters, Regie Nurkan Erpulat, Sebastian Nübling, Yael Ronen, Sebastian Baumgarten, Mirko Borscht, Neco Çelik, Ruud Gielens, Hans-Werner Kroesinger, Lukas Langhoff, Hakan Savaş Mican, Falk Richter, Ives Thuwis, Christian Weise, Miloš Lolić, Mıraz Bezar, András Dömötör, Babett Grube, İdil Üner, Michael Ronen, Laila Soliman, Hannes Weiler, Lola Arias, Marta Gornicka und Oliver Frljic.

2022 übernahm Oliver Frljić eine Funktion als Ko-Künstlerischer Leiter. Langhoffs Vertrag wurde bis 2026 verlängert.

Çağla Ilk (seit 2026) Am 1. August 2026 hat Çağla Ilk die Intendanz des Theaters übernommen.

Bekannte Ensemblemitglieder und Direktoren Evamaria Bath, Hilmar Baumann, Manja Behrens, Jonas Dassler, Manfred Borges, Gerd Ehlers, Christoph Engel, Marina Frenk, Karin Gregorek, Jenny Gröllmann, Jörg Gudzuhn, Gerd-Michael Henneberg, Albert Hetterle, Jutta Hoffmann, Tim Hoffmann, Hansjürgen Hürrig, Walter Jupé, Uwe Kockisch, Marga Legal, Monika Lennartz, Lotte Loebinger, Klaus Manchen, Hans-Peter Minetti, Alfred Müller, Helmut Müller-Lankow, Orit Nahmias, Willi Narloch, Friedel Nowack, Dietmar Obst, Katja Paryla, Kurt Radeke, Renate Reinecke, Ruth Reinecke, Thomas Rühmann, Dimitrij Schaad, Udo Schenk, Swetlana Schönfeld, Aenne Schwarz, Eckhart Strehle, Hilmar Thate, Jochen Thomas, Ursula Werner, Dieter Wien

Ehrenmitglieder 1964: Karl Kendzia 1969: Sabine Krug (Postum)

Bekannte Bühnenbildner

Dieter Berge

Bekannte Ensemblemusiker Norbert Bellmann (1940–1970, Gitarre und Gesang; Nachfolgerin in den Jahren 1973 bis 1986: Brigitte Breitkreutz, Gitarre); Gerd Ehlers (Schlagzeug und Gesang); Tim Hoffmann (1943–2015, Gitarre, Klarinette und Gesang); Peter Koch (Akkordeon); Robert M. Lumer (Banjo und Gesang); Helmut Müller-Lankow (Kontrabass und Gesang)Wera Küchenmeister: Text des Covers der Schallplatte „… und keiner wird uns zum Halten zwingen – Lieder und Songs aus der Reihe der musikalisch-literarischen Programme des Maxim-Gorki-Theaters“. VEB Deutsche Schallplatten Berlin, 1968.

Kontroversen Gegen die Intendantin Shermin Langhoff wurden im Jahr 2019 Vorwürfe des Machtmissbrauchs bekannt. Die Probleme sollen laut Tagesspiegel intern und mit Hilfe des Berliner Senats mit Mediation und Coaching gelöst worden sein, es kam außerdem zu einem gerichtlichen Vergleich. Recherchen des rbb zeigten 2023 jedoch, dass es kein solches Mediationsverfahren gegeben habe und der damalige Kultursenator Klaus Lederer wegen fehlenden Zugriffs auf Archivmaterialien dies nicht habe aufklären können. Es herrsche weiterhin ein Klima der Angst. Aus Angst vor Repressalien traue sich aber kaum jemand Kritik zu äußern. Trotzdem wurde der Vertrag von Langhoff bis 2026 verlängert.

2023 wurde im Freitag in einem Streitgespräch diskutiert, ob sich das Theater nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 umbenennen sollte.