Die Vereinigung Schweizer Innenarchitekten und Innenarchitektinnen (VSI.ASAI) (französisch Association Suisse des Architectes d'Interieur, italienisch Associazione Svizzera degli Architetti d'Interni) ist der Schweizer Berufsverband der Innenarchitekten. Er wurde 1942 gegründet und hat seinen Sitz in Zürich.
Der VSI ist Mitglied im Stiftungsrat REGStiftung der Schweizerischen Register der Fachleute in den Bereichen des Ingenieurwesens, der Architektur und der Umwelt des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. Er vereint Vertreter institutioneller Interessengruppen wie öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Körperschaften, die Interesse an dem Fortbestand dieser Berufsgruppe haben.Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. Evaluation REG. Schlussbericht, 2. Juli 2015. Econcept (pdf, 1,2 MB) Zu den Aufgaben gehört insbesondere die Anerkennung des Berufs und des Titelschutzes sowie die Vergleichbarkeit und Anerkennung der Berufsqualifikation in Europa und weltweit.
Geschichte mini|hochkant|Werkbundsiedlung Neubühl, Wollishofen von 1932 Die Initiative zur Gründung einer Interessenvertretung für Innenarchitekten ging vom damaligen Leiter der Zürcher Kunstgewerbeschule und Studiengangleiter der Innenausbauklasse, Wilhelm Kienzle aus, der mit seinen Studierenden 1942 die Vision entwickelte und realisierte, eine eigenständige Berufsgruppe zu werden. Die zehn Gründungsmitglieder waren Oskar Burri als ihr erster Präsident, Otto Glaus, Willy Guhl, Hans Guyer, Ernst Klettiger, Wilhelm Kienzle, Oskar Viktor L. Kunz, Albert Nauer, Fritz Solenthaler und Alfred Vogel. Nach ihrem Verständnis sollte die Wahrnehmung nicht wie bei der Architektur von aussen, sondern vom Nutzer, also vom Gebäudeinneren kommen. In den Anfangsjahren ist für die Gründer die Innenarchitektur die Fortsetzung der Gestaltung von innen nach aussen, «als ein Prinzip des Planens, bei dem der Mensch und seine individuellen Ansprüche im Zentrum stehen. Ob das die Aussen- oder Innensicht der Architektur betrifft, steht für sie nicht im Vordergrund».75 Jahre Innenarchitektur VSI.ASAI. 1942–2017. Vereinigung Schweizer Innenarchitektinnen und Innenarchitekten. Thomas Wachter und Christina Sonderegger
Das Gründungsprotokoll und auch die Aufzeichnungen einiger weiterer Sitzungen der jährlichen Generalversammlungen sind nicht mehr erhalten, doch lässt sich aus anderem Schriftverkehr rückschliessen, was die Männer damals bewegte. In den Statuten, die im Februar 1943 beschlossen worden sind, wurde als Zweck die «Zusammenarbeit mit dem Bund Schweizer Architekten BSA und dem Schweizerischen Werkbund SWB» – beziehungsweise deren Westschweizer Schwesterorganisation L'Œuvre – genannt. Es ging ihnen ferner um «die Aussprache über schwebende Fragen des Berufsstandes der Innenarchitekten» innerhalb dieser drei gestalterisch tätiger Berufsverbände. Die «Hebung des kulturellen und künstlerischen Niveaus des Berufs» wird als Ziel angestrebt. Damit wollte man sich offensichtlich von dem rückwärts traditionell gewandten Verständnis innerhalb des Werkbundes absetzen und den Fokus auf die Moderne werfen. Ausserdem strebte man den Titelschutz und die Anerkennung des wirtschaftlich und kulturell verantwortungsvollen Berufes an.
Die Ausrichtung auf die Moderne wurde «von einer internationalen künstlerischen Avantgarde-Bewegung» unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg vorgegeben, die althergebrachte Formensprache und Funktionalität in Frage stellte und das moderne Leben vom Städtebau über die Architektur bis hin zur Produktgestaltung neu definieren wollte. Wie auch in Deutschland prägte sich dafür der Begriff Neues Bauen. Unmittelbare Vorbilder waren die des Bauhauses in Deutschland und das Atelier von Le Corbusier in Paris. In der Architektur waren dabei Karl Coelestin Moser und Hans Bernoulli von der ETH Zürich federführend. Sie legten die theoretische Grundlage aus Anteilen von «traditionsbewusster wie zukunftsgerichteter Architekturauffassung»
Möbel mini|hochkant|LC1: Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand von 1928 mini|hochkant|Zulu Collection aus den 2010ern Von Anbeginn stand die Gestaltung von Möbeln – noch ganz in der Tradition des Werkbundes – als das wichtigste Gestaltungsmerkmal im Wohnraum an erster Stelle der Aufmerksamkeit. Ab 1946 wurde dazu die dreisprachige Publikation Möbel und Wohnraum verlegt. Das Buch gibt einen charakteristischen Eindruck in den Zeitgeschmack gemässigten Heimatstils. Hans Guyer war massgeblich für die Produktion verantwortlich. Er starb bereits 1949. Von ihm erhalten geblieben, wenn auch etwas verändert, ist das Puppentheater am Bahnhof Stadelhofen von 1942.
Als Nukleus der innenarchitektonischen Arbeit kann neben der Kunstgewerbeschule die 1931 aus der Taufe gehobene Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich angesehen werden. Mit ihr entstand ein grosser innenarchitektonischer Gestaltungsbedarf. Mit Hilfe von Max Bill konnte eine Vision dieses modernen Lebens verwirklicht werden, die viele junge, intellektuelle Persönlichkeiten ansprach, dort zu wohnen. Persönliche Umstände zwangen Bill, nach wenigen Monaten Zürich zu verlassen, doch schon 1932 gründete sich die Wohnbedarf AG, die «die Produktion und Verbreitung dauerhafter und preiswerter Standardmöbel als Ausdruck einer umfassenden Lebensreform sah». Es entstand eine eigene Möbelindustrie, die jedoch durch wirtschaftliche Schwierigkeiten mit der politischen Isolation der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkriegs stockte.
Mit der zweiten Generation von Gestaltern erweiterte sich das Augenmerk ab 1955 von Möbeln auf den Wohnraum als Ganzes. Damit wurde an eine Idee angeknüpft, die bereits in den 1930er Jahren aufgekommen war, sich aber aufgrund der kriegswirtschaftlichen Zwänge nicht hatte entfalten können. Hinzu kamen Einflüsse aus den jetzt kulturell näher gerückten Vereinigten Staaten und ihrem Showroom-Ansatz. Wichtige Erfolge erzielten einzelne Mitglieder der VSI mit der Ladengestaltung des Zürcher Haushaltswarengeschäfts Sibler 1956, von Mövenpick und den Innenausbau des neuen Terminals B am Flughafen Kloten 1970. 1992 erfolgte dort die Umgestaltung der Abflughalle im Terminal A, bei der der Entwurf von Heinrich Oeschger aus den 1950er Jahren «reprofiliert» wurde.Alfred Hablützel, Verena Huber: Innenarchitektur in der Schweiz. 1942–1992.
mini|USM Büromöbel von 1964 mini|Blaue Ente von 1986 Mit der Studie Die Grenzen des Wachstums von 1972 setzte auch bei dem VSI das Bewusstsein nachhaltigen Handelns ein. Noch im selben Jahr wurde die Finanzierung des Films Die Grünen Kinder von Kurt Gloor veranlasst, in dem es um die als besonders kinderfreundlich geltendeFilme zur Wohnungsfrage. In: Archplus. Nr. 32, S. 35. Gross-Überbauung der «Gröhner-Siedlung»Sonntagsmatinée Die grünen Kinder. S5-Stadt. Agglomeration im Zentrum. ETH Wohnforum. Sunnebüel bei Hegnau und dessen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder geht. Co-Produzent dieser filmisch-empirischen Untersuchung war das Eidgenössische Departement des Innern und das Schweizer Fernsehen. Zu Musik Johann Sebastian Bachs werden sozialkritische Texte des Ethnologen und Psychoanalytikers Mario Erdheim sowie der Autorin Sil Schmid vermittelt.Dokumentarfilm «Die grünen Kinder» von Kurt Gloor. SRF Medienportal, 9. Juli 1972. Ausserdem werden Eltern zu der Kinderfreundlichkeit der Siedlung interviewt. Das Filmplakat zeigt eine entmenschlichte Wohnsituation.Plakat «Die grünen Kinder». Schweizerisches Sozialarchiv, F 5038-Pa-0012 Trotz höchster Einschaltquote im Fernsehen durfte der Film aus politischen Gründen nicht für den Schweizer Filmpreis kandidieren.
Mit der Eröffnung des ersten IKEA-Marktes ausserhalb Skandinaviens 1973 in Spreitenbach veränderte sich die Aufgabenstellung der Innenarchitektur, weg von der Möbelgestaltung hin zur architektonischen Innen-Sicht. Dies verstärkte die Spaltung von Innenarchitektur und Design. Zudem sorgte die Ölpreiskrise in den frühen 1970er Jahren für eine wirtschaftliche Stagnation, so raubte der Zuspruch billiger Gebrauchsmöbel zum Selbst-Zusammenbauen der vielfach in der VSI organisierten Schweizer Möbelindustrie wichtige Marktanteile. Doch vor allem kratzte die Beliebtheit der Billigmöbel an dem Grundverständnis von VSI und Werkbund, formschöne, aber vor allem wertige Gebrauchsmöbel auf den Markt zu bringen.
Neben dem Mitgliederschwund durch Geschäftsaufgabe schlug in den Jahren 1975 bis 1998 auch eine unbestimmte Berufsausbildung zu Buche. Zusätzlich machte sich negativ bemerkbar, dass es mit dem Schweizerischen Verband Industrial Designers (SID) seit 1966 eine Wettbewerbsorganisation gab, zu der zahlreiche Mitglieder abwanderten, zumal namhafte Designer wie Willy Guhl, Kurt Thut, Eugen Gomringer und Andreas Christen sich jetzt dort engagierten.Über die SDA: Der Berufsverband für das Design – seit 1966. Website der SDA
Öffentlichkeitsarbeit Im Laufe seiner Geschichte verausgabte die Vereinigung verschiedene Publikationen. Die erste Organ war das Buch Möbel und Wohnraum (1946), das Ende 1949 mit seinen 9000 Exemplaren der Erstauflage vergriffen war und mit 2000 Stück nachgedruckt werden musste. Der aus dem Erfolg erzielte Gewinn erlaubt der frühen VSI seine Aktivitäten zu finanzieren.
In den Jahren 1954 bis 1966 erschien die erste eigene Vierteljahres-Zeitschrift, mit der die Statuten erfüllt wurden, in denen es hiess, ein Ziel sei «die Hervorhebung des kulturellen und künstlerischen Niveaus des Berufes, durch Vorträge und Mitarbeit an bestehenden Fachzeitschriften». Die Herausgabe der Zeitschrift belastete das Verbandsbudget beachtlich. Spannungen zwischen dem damaligen Präsidenten Ernst Kettiger und Wilhelm Kienzle, die aus unterschiedlichen strategischen Zielen resultierten, traten jetzt offen zutage und führten zu ihrem Zerwürfnis. Während Kienzle bis zuletzt für den Erhalt der Zeitschrift als «Publikums-Erziehungsorgan» eintrat, sah Kettiger aus pragmatischen Gründen das Budget lieber für andere Dinge ausgegeben wie beispielsweise die Ausarbeitung einer anwendbaren Honorarordnung. Auch in Deutschland gab es erst seit 1977 eine verbindliche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Trotz zufriedenstellender Verkaufszahlen von 10'000 Stück bei 1000 Abonnenten traten die Unstimmigkeiten zwischen Verlag und Vorstand immer deutlicher hervor; die Generalversammlung von 1967 beschloss auf Antrag zugunsten der Aufgabe der Eigenpublikation eine Kooperation mit dem Forster-Verlag, die jedoch ein Jahr später scheiterte wie die Zusammenarbeit mit anderen Fachzeitschriften.
In dieser Zeit behalf man sich mit Internen Verbandsmitteilungen, zunächst unter dem Namen VSI-Information, dann unter VSI-News. 1989 geben Marianne Daepp und Andre Denz unter hohem personellen und finanziellem Aufwand die VSI-Zeitschrift Intern heraus, die wenig später in Impressum umbenannt wurde. 2002 wurde diese als eine erste Website adaptiert, ergänzt von einem Newsletter.
Die 1914 gegründete Traditionspublikation Das Werk schloss sich 1980 mit Bauen + Wohnen zu Werk, Bauen + Wohnen (WBW) zusammen, deren Herausgeber der Bund Schweizer Architekten BSA war. Zwei Jahre später führte ein Kooperationsvertrag zwischen dem VSI und der neuen Veröffentlichung WBW. Nach dem Ausscheiden der VSI-Angehörigen Christina Sonderegger aus der Redaktion 2004 wurden Aspekte der Innenarchitektur nicht mehr in dem Masse berücksichtigt wie zuvor. 2012 liess die VSI den Kooperationsvertrag auslaufen. Stattdessen wurde eine Kooperation mit der SIA Verbandzeitschrift TEC 21 sowie der Innenarchitektur Zeitschrift Spectrooms mit Suzanne Schwarz aufgebaut. Seit 2017 gibt es eine Zusammenarbeit mit der Wohnzeitschrift Ideales Heim.