mini|Pierre Schunck 1935
Pierre Schunck (* 24. März 1906 in Heerlen; † 2. Februar 1993 in Kerkrade) stammte aus der Familie Schunck, die ein Kaufhaus in Heerlen besaß. Am bekanntesten wurde er als niederländischer Widerstandskämpfer während des Zweiten Weltkriegs in seinem Wohnort Valkenburg. Nach dem Krieg gründete er das erste Industrieunternehmen auf der damals noch armen Antilleninsel Bonaire in Form einer Textilfabrik für Arbeitskleidung für die Ölindustrie in Venezuela und auf den Nachbarinseln Curaçao und Aruba. Dies war der erste Anstoß für die wirtschaftliche Belebung der Insel, wo zu dieser Zeit noch ein großer Überschuss an alleinstehenden arbeitslosen Frauen herrschte.
Jugend und Ausbildung Geboren wurde er in Heerlen als ältester Sohn von Peter Joseph Schunck und Christine Cloot. Als Student gab er Nachhilfe bei Sinti-Kindern im Wohnwagenlager am Heksenberg (in einer Heidebrache in der Nähe des heutigen Stadtteils Heksenberg von Heerlen). Der Franziskaner Justus Merks des Woonwagenliefdewerks war Seelsorger in diesem Lager und die treibende Kraft dahinter. Schunck wurde so Zeuge der anhaltenden Diskriminierung der Sinti und anderer Wohnwagenbewohner, auch schon lange bevor der Nationalsozialismus in den Niederlanden herrschte (1940-1945). Zum Beispiel wurde das Woonwagenliefdewerk 1931 bei einer Sitzung des Provinzparlamentes beschuldigt: Das Liefdewerk ermutigt die Menschen unbewusst, in Wohnwagen zu hausen und – schlimmer noch – umherzuziehen. Bericht der Gedeputeerde Staten van Limburg (Provinzregierung), Limburgsch Dagblad, 24. Dezember 1930 Diese Erfahrungen sollten erhebliche Auswirkungen auf sein weiteres Leben haben.
Nach seinem Studium an der höheren Textilschule in Enschede entschloss er sich, Franziskaner zu werden, unter anderem inspiriert von Justus Merks. Er absolvierte eine Priesterausbildung in Megen bei Nimwegen und im Kloster Hoogcrutz (Slenaken) am südlichen Rand von Süd-Limburg, verließ diese Ausbildung jedoch vor der Priesterweihe.
Berufliche Tätigkeit vor und während des Krieges Nachdem er aus dem Kloster wieder ausgetreten war, führte er ab den 1930er Jahren im Auftrag der Fa. A.Schunck (im Besitz seines Vaters, Peter Schunck) eine Wäscherei in Valkenburg. Dort traf er seine spätere Frau Gerda Cremers. Sie heirateten am 3. Oktober 1936 in Valkenburg. Sie wurden Mitglieder der Katholischen Aktion, die besonders in den Niederlanden stark vor den (moralischen) Gefahren des Nationalsozialismus warnte, ähnlich wie Erich Klausener in Deutschland. Mitten im Krieg, am 1. Januar 1943, wurde die Bekleidungsfabrik "De Molen" gegründet. Partner waren dabei Pierre Schunck selbst, der auch Direktor wurde, sowie sein Vater Peter J. Schunck. Ein untergetauchter Jude wurde zum Prokuristen ernannt. Er bekam falsche Papiere die ihn als Jan Langeveld auswiesen. Sein richtiger und auffälliger Name war Lex Israëls.Widerstand in Valkenburg während des Zweiten Weltkrieges Jan Langeveld Vater und Sohn Schunck planten, dort die Produktion von Arbeitskleidung für Bergarbeiter aufzubauen, die zuvor bei Schunck sen. im Glaspalast selbst stattgefunden hatte. Die Besatzer hatten gedroht, ihm die Konzession für die Herstellung zu entziehen, weil er aus prinzipiellen Gründen nicht für die Wehrmacht arbeiten wollte. Dazu kaufte Peter J. Schunck vom Juden Max Salm, der wahrscheinlich seine Flucht finanzieren und eine Beschlagnahme verhindern wollte, eine ehemalige Dampfgetreidemühle an der Geleenstraat.Pierre Schunck Privatarchiv, Geschäftskorrespondenz. Während der deutschen Besatzung wurde dort auch viel Kleidung für Untergetauchte hergestellt.Widerstand in Valkenburg während des Zweiten Weltkrieges - Umverteilung Der Firmenname wurde 1947 in SKIL, Schuncks Kleding Industrie Limburg, geändert.
Widerstandsaktivitäten Seit Beginn der deutschen Besatzung unternahm Pierre Schunck einige vereinzelte Aktionen, die noch nicht als wirklicher Widerstand, sondern eher als ziviler Ungehorsam angesehen werden können: Am 10. Mai 1940, beim Einmarsch der Wehrmacht, versorgte er zusammen mit einigen anderen Männern aus der Wäscherei, niederländische Soldaten, die nicht in Kriegsgefangenschaft gehen wollten mit Zivilkleidung. Ihre Waffen wurden vergraben. Mit einem Nachbarn brachte er im Herbst 1941 wertvolles Eigentum der Jesuiten in Sicherheit. Diese waren aus ihrem Kloster vertrieben worden, weil die SS dort die Reichsschule der Niederlande einrichten wollte. Um der nationalsozialistischen Winterhilfe zuvor zu kommen, richtete Pierre Schunck im darauf folgenden Winter auf dem Dachboden der Wäscherei, mit der Kücheneinrichtung des enteigneten Jesuitenklosters, eine Suppenküche für Kinder ein. Dabei wurde er von der Katholische Aktion unterstützt. Lokale Landwirte lieferten Lebensmittel, die sie aufgrund von manipulierten Ertragszahlen zurückbehalten konnten. Auf diese Weise knüpfte Pierre Schunck die ersten wertvollen Kontakte zu Bauern, die bereit sein könnten, später etwas für Untergetauchte zu tun. Das Vergraben der Waffen war von jemandem angezeigt worden, der Geld brauchte. Daher wurde im Frühjahr 1942 unter der Führung eines niederländischen Nazi-Polizisten eine Razzia auf seinem Grundstück durchgeführt. Dank der Unterstützung der meisten Anwesenden, einschließlich des Polizisten, der graben sollte und „nichts finden konnte“, ging das noch gerade gut aus. Aber dies war ein Wendepunkt, Schuncks Widerstand nahm organisierte Formen an.Artikel in der Gedenkausgabe (35 Jahre Auschwitz frei) des niederländischen Auschwitz-Komitees, 24. Jahrgang Nr. 1, 1980. Er basiert auf einem Interview mit Pierre Schunck. Je koos niet voor het verzet, „Man entschied sich nicht für den Widerstand“, ab Seite 27
Gründung des LO-Distriktes Heerlen In der Firma De Molen in Heerlen, deren Direktor Pierre Schunck war, hatte er Anfang 1943 einen untergetauchten Juden aus Amsterdam eingestellt, der dort unter einem falschen Namen leben und arbeiten konnte. Kurz darauf wurde Schunck von Kaplan Giel Berix aus Heerlen angesprochen, der seit einiger Zeit Widerstand leistete und Arbeitskleidung für Untergetauchte suchte. Im Gegenzug dazu würde Schunck bessere Papiere für seinen Untergetauchten bekommen. Sie wurden Freunde und an einem der ersten Tage im September 1943 waren sie Mitbegründer des Distriktes Heerlen (LO-H18) der Landelijke Organisatie voor Hulp aan Onderduikers, der Landesweiten Organisation für Hilfe an Untergetauchte, abgekürzt LO.Abschiedsrede von seines Widerstandskameraden Theo Goossen (Deckname: Harry van Benthum), Nachrichtendienstleiter des Distriktes, bei der Beerdigung von "Paul" Die Gründung fand in der Amtswohnung des Seelsorgers des Heerlener Krankenhauses, Rektor Nic Prompers, statt. Dieses Krankenhaus wurde zum Widerstandszentrum im Distrikt Heerlen. Der Chefarzt war Karel van Berckel, der den Krieg nicht überlebte. In Heerlen wurde Hilfe für Untergetauchte schon vorher von einigen Gruppen und Einzelpersonen geleistet. Alle Gruppen schlossen sich nach und nach zusammen.Herman van Rens Vervolgd in Limburg - Joden en Sinti in Nederlands Limburg tijdens de Tweede Wereldoorlog (Juden und Sinti im niederländischen Limburg während des Zweiten Weltkriegs), 2013 Hilversum (Dissertation Universität Amsterdam) S. 236 Eine zentrale Bedeutung bei der Zusammenführung dieser Gruppen hatte Pater Beatus van Beckhoven OFM.
Duikherberg (Herberge für Untergetauchte) Pierre Schunck stammte aus Heerlen und arbeitete dort, er wohnte aber in Valkenburg. Er hörte 1942 von Berix, dass nicht weit von seiner Wohnung entfernt, am Meerssenerbroek zwischen Geulhem und Meerssen, der Kaplan Theo G.H. Geelen in einem unterirdischen Gängesystem Untergetauchte versteckte. Es handelte sich um ein ehemaliges Kalksteinbergwerk, das zum offenen Kalksteinbruch von Schuncks Vater Peter J. Schunck gehörte. Laut Geelen war das gesamte Personal absolut zuverlässig. Alle bis auf einen: der Bergbauingenieur Heinrich S., ein Schwiegersohn von Schunck Senior, der dort Direktor war. Er war Deutscher und der Ortsgruppenführer der deutschen NSDAP in Heerlen. Berix hielt es für ein Plus, dass ein Parteigenosse Direktor war. Die Besatzungsbehörden würden diesem Ort niemals misstrauen. Darüber hinaus erbrachten weitere Erkundigungen beim Personal über die Tätigkeit von S.: „Er geht nie in die unterirdischen Höhlen und kennt sich da auch nicht aus.“Interview Auschwitz-Komitee Schunck Senior, der Besitzer der Höhle, sollte einmal eine Gruppe deutscher Offiziere herumführen. Nach einer Weile stieß er mit seinem Stock gegen die Decke, ein paar Kalksteinbrocken fielen herunter und er sagte: „Wir sollten besser zurückgehen, denn ab hier steht die Höhle kurz vor dem Einsturz!“ Die Herren waren sofort einverstanden.Mündliche Überlieferung von Carla, der jüngsten Tochter von Peter J. Schunck. Peter Schunck fragte seinen Sohn Pierre nie, warum er an dieser Höhle so interessiert war, sondern akzeptierte anstandslos seine Bitte, einen Bruder des Widerständlers Kaplan Horsmans aus Valkenburg zum Stellvertreter von Heinrich S. zu ernennen, weil der ja anderswo so viel zu tun hätte. Sie begannen, einen zweiten unterirdischen Unterschlupf zu bauen. (Im ersten saßen schon die drei Jungen von Kaplan Geelen.Fons Leunissen SOK mededelingen 39. - De kapel van de Leraarsgroeve = Die Kapelle der Leraarsgrube. In diesem Artikel stehen Fehler über die Familienverhältnisse und die Motivation von Pierre Schunck. Ansonsten gibt er einen interessanten Einblick in das Leben der Untergetauchten.) Von Mitarbeitern der Elektrizitätsgesellschaft der Provinz wurde heimlich eine Stromleitung gelegt. (Dissertation) Kapitel 6b, De Landelijke Organisatie voor hulp aan onderduikers, Teil 2, S. 683 Schunck und Berix besorgten sich mit dem Wissen der dort arbeitenden Nonnen Matratzen aus dem Krankenhaus in Heerlen.
Im Laufe des Jahres 1943 wurde das Durchgangsversteck für rund 20 Personen fertiggestellt und Duikherberg (Tauchherberge) genannt. Die Verpflegung erfolgte über die Suppenküche für Kinder auf dem Dachboden der Wäscherei. Dort wurden die Lebensmittel von Landwirten aus der Umgebung geliefert, am Rationierungssystem vorbei. Gerda Schunck-Cremers (Pierre Schuncks Frau) kochte das Essen für die Menschen in der Höhle. Während der Woche wurde es von jemandem aus dem Kalkunternehmen abgeholt, an den Wochenenden brachte Pierre Schunck es mit dem Fahrrad dorthin.Artikel in der Gedenknummer Herdenkingsnummer (35 jaar Auschwitz vrij) des niederländischen Auschwitz-Komitees, 24. Jahrgang Nr. 1, 1980, basierend auf einem Interview mit Pierre Schunck Auch andere Frauen kochten auch für die „onderduikers“ in der Höhle.Widerstand in Valkenburg während des Zweiten Weltkriegs Mail von Victor Grotaers aus Australien über seine Eltern. Er schreibt auf Englisch, verwendet aber das niederländische Wort „onderduiker“.
Untergetauchte konnten hier vorübergehend untergebracht werden, bis für sie ein endgültiger Platz gefunden war. Später, nachdem Kontakt mit der Landesweiten Organisation LO geknüpft worden war, kamen noch Besatzungsmitglieder abgestürzter alliierter Flugzeuge dazu, bis sie über die Pilotenlinie (einer der Namen für die Fluchtwege zurück nach England) weiter konnten. Über die LO hatte Pierre Schunck dazu Kontakt mit dem Franziskaner Pater Beatus (Gerard van Beckhoven), dem er Zivilkleidung geschneidert hatte.Pierre Schunck über die Kleidungsprobleme von Untertauchern: „Ich musste mich selbst mit fast unlösbaren Problemen befassen, z. B. einem sehr dicken Franziskaner, Pater Beatus.“ Widerstand in Valkenburg Kapitel Gründung des LO-Bezirks Z18 (Heerlen) Unter anderem hatte dieser für die geflüchteten französischsprachigen Kriegsgefangenen, Juden und andere eine Route über die belgische Grenze organisiert.