Tholey ist der namensgebende Ortsteil der Gemeinde Tholey im nördlichen Saarland. Die Römer errichteten in Tholey, das an der Kreuzung zweier Römerstraßen lag, eine Siedlung und später eine Höhenfestung auf dem Schaumberg. Im 7. Jahrhundert wurde die heutige Abtei Tholey gegründet, die als ältestes Kloster im deutschsprachigen Raum gilt.

Für die umliegenden Ortschaften ist Tholey mit seiner Gemeindeverwaltung, Bankfilialen und mehreren Einkaufsmärkten ein lokales Zentrum.

Geographie

Lage Der Ort Tholey liegt im nordöstlichen Saarland, direkt am Südhang des Schaumbergs, der mit 568 m die höchste Stelle des Ortsgebietes bildet. Die Gegend gehört zum Naturpark Saar-Hunsrück.

Die angrenzenden Orte sind (von Norden im UZS): Theley, Oberthal, Alsweiler, Marpingen, Sotzweiler, Bergweiler.

Geologie Der nördliche Teil des Tholeyer Gebietes, der Schaumberg, ist in der Mitte des Perms aus aufsteigendem Magma entstanden, das nicht bis an die Erdoberfläche gelangte (Intrusivgestein). Das Gestein liegt heute, bedingt durch Erosion, frei und wird als Tholeyit (tholeiitischer Basalt) bezeichnet. Südlich angrenzend an den Berg findet sich das Sedimentgestein der Lebacher Schichten, die zu den Rotliegenden gehören.

Klima Durch seine Höhenlage liegt die Jahresmitteltemperatur mit 8,6 °C leicht unter den tiefer gelegenen Orten der Umgebung. Während Tholey durch den Schaumberg gegen Nordwinde geschützt ist, können die vorherrschenden West- und Ostwinde den hochgelegenen Ort ungehindert erreichen. In Verbindung mit der geringen Luftverschmutzung durch Industrie und Verkehr führt dies zu einer sehr guten Luftqualität. Entsprechend trägt Tholey die Auszeichnung Luftkurort.

In Tholey gibt es eine vollautomatische Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Vereinzelte Funde belegen die Besiedlung der Region seit der Kupfersteinzeit. In der Hallstattzeit (750 bis 480 v. Chr.) revolutionierte die Eisenherstellung die Gesellschaft. Die Schaumberg-Region lag damals in der Randzone eines eigenen Kulturraumes, der sogenannten Hunsrück-Eifel-Kultur. Das natürliche Vorkommen von Eisenerzen hat zu einem bis in die Latènezeit (480 bis 30 v. Chr.) anhaltenden außergewöhnlichen Wohlstand geführt, was durch reiche Grabbeigaben in den Hügelgräbern der Umgebung belegt ist. Es wird vermutet, dass auf dem Schaumberg bereits zu dieser Zeit eine Fliehburg stand.

Römerzeit mini|Bronze-Statuette des römischen Kriegsgottes Mars aus der Ausgrabung "Vicus Wareswald" Kennzeichnend für die Herrschaft der Römer – gallo-römische Epoche (30 v. Chr. bis 450 n. Chr.) – war zunächst eine lange Friedenszeit vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr., in der die Region aufblühte. Östlich der heutigen Ortslage von Tholey, im Grenzbereich zu den Orten Oberthal und Alsweiler, kreuzten sich zwei wichtige überregionale Römerstraßen. Sie verbanden einerseits Metz mit Mainz und andererseits Straßburg mit Trier. Hier entstand ein kleinstädtischer Marktflecken (Vicus Wareswald). Eine 2001 begonnene archäologische Grabung hat dort die Grundmauern von Handwerkerhäusern, eines Pfeilergrabmals und einer Tempelanlage aufgedeckt.

In der Ortslage von Tholey befand sich in der römischen Epoche ein ausgedehnter Gebäudekomplex mit Badeanlage, bei dem es sich wahrscheinlich um ein getrennt von der Hauptsiedlung Wareswald gelegenes Landgut (lat. "villa rustica") gehandelt hat. Teile der Grundmauern wurden bei verschiedenen Grabungen im Bereich der Abteikirche und deren Umgebung freigelegt. Ein kleiner Tempelbezirk befand sich in der westlich davon gelegenen Flur Schweichhausen.

Auf dem Schaumberg war zu dieser Zeit der östliche, etwas höher als das übrige Plateau gelegene Bereich mit einer Ringmauer eingefasst. Ein Einzelfund deutet auf eine Nutzung dieses Bergbereiches als Höhenheiligtum hin.

Gebäudereste und Kleinfunde spiegeln einen beachtlichen Wohlstand der Bewohner wider. Die große Zahl von erhaltenen Inschriften lässt auf eine gebildete Bevölkerungsschicht und eine kulturelle Blüte schließen. Einige der Architekturfragmente, Keramiken, Bronzen und Inschriften werden heute im Museum Theulegium ausgestellt. Nachdem ein fortschreitender Wohlstand bis in das 3. Jh. feststellbar ist, führten Germaneneinfälle im 3. und 4. Jh. zunehmend zu einem wirtschaftlichen Verfall. Immer mehr Höfe und Siedlungen wurden aufgegeben, darunter auch der Vicus Wareswald.

Auf dem Schaumberg wurden die vorhandenen Gebäude verstärkt und die Ringmauer um das gesamte Plateau erweitert. Unter dem Schutz dieser spätrömischen Höhenfestung verlagerte sich die Siedlungstätigkeit in die unterhalb gelegene heutige Ortslage von Tholey.

Vom Frankenreich bis ins Mittelalter mini|Testament des Adalgisel Grimo Nach den Wirren der Völkerwanderung gehörte Tholey in den folgenden Jahrhunderten zum Frankenreich. Im Jahre 634 findet es als „Toleio“ Erwähnung im „Testament des Adalgisel Grimo“. Der fränkische Adlige Grimo vererbte darin u. a. seinen Besitz in Tholey dem Bischof von Verdun. Die Erwähnung von Klerikern in Tholey im Testament wird gemeinhin mit der Erstnennung des Klosters Tholey gleichgesetzt. Mit den Reliquien mehrerer Heiliger ausgestattet, war die Tholeyer Klosterkirche über Jahrhunderte ein bedeutender regionaler Wallfahrtsort.

Das ebenfalls im Testament genannte „Castrum Theulegium“ ist vermutlich mit der Befestigung auf dem Schaumberg zu identifizieren. Diese sich zur mittelalterlichen Burg entwickelnde Anlage war Sitz der Vögte des Klosters Tholey und Zentrum eines ausgedehnten Grundbesitzes, der ca. 1/6 der Fläche des heutigen Saarlands umfasste.

Durch die Aufteilung des Frankenreiches unter den drei überlebenden Enkeln Karls des Großen im Vertrag von Verdun kam das Gebiet ab 843 zu dem als Lotharingien genannten Mittelreich, und ab 870 zum Ostfränkischen Reich, dem Vorläufer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Vertrag von Meerssen).

Im 12. Jh. hatten sich die Grafen von Blieskastel als Vögte der Abtei etabliert und nannten die Schaumburg ab 1180 eine ihrer drei Burgen. Das 13. Jh. war von schweren Fehden um das Erbe der Blieskasteler Grafen gekennzeichnet. Die Herzöge von Oberlothringen wurden 1291 neue Landesherren und sollten es bis 1738 bleiben. Aus der mittelalterlichen Epoche stammen vermutlich die drei Wälle, die das Burgplateau auf der West- und Nordseite umgeben. mini|Karte der "Bailliage de Schambourg" und Grenzverschiebung 1766–1789 Das Herzogtum Oberlothringen gliederte sich in mehrere Verwaltungsbezirke – französisch „baillages“ genannt –, wobei sich ganz im Osten der vorwiegend deutschsprachigen „bailliage d’Allemagne“ die „bailliage de Schambourg“ mit Verwaltungssitz auf der Schaumburg erstreckte. Diese „bailliage“ umfasste neben dem Kerngebiet um Tholey eine Vielzahl von Dörfern im Landkreis St. Wendel und Lebach, aber auch Exklaven, z. B. in der Gegend von Hoppstädten-Weiersbach. Häufige Verpfändungen und Vergaben einzelner Gebiete als Lehen führten immer wieder zu Unklarheiten in der Souveränitätszugehörigkeit bzw. dem Grenzverlauf und zu langwierigen Streitigkeiten der lokalen Lehnsherrn.

Frühe Neuzeit Im Grenzgebiet von Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich, und an wichtigen Heerstraßen liegend, gerieten die Abtei, der Ort Tholey und die Schaumburg immer wieder in militärische Konflikte mit Zerstörungen und Plünderungen hinein, z. B. 1522 durch Franz von Sickingen.

Der Dreißigjährige Krieg, in den die Region ab 1635 unmittelbar hineingezogen wurde, verwüstete auch die Umgebung um Tholey schwer; die Schaumburg ging in Flammen auf. Die Bevölkerung wurde derart dezimiert, dass 1667 außer der Abtei nur noch 6 Haushalte gezählt wurden.

Der Westfälische Frieden 1648 brachte keine endgültige Beruhigung für die Region, da Lothringen als Verbündeter Spaniens von diesem Friedensschluss ausgenommen war. Erst das sich abzeichnende Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 ermöglichte im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts eine dauerhafte Erholung der Region und ein wirtschaftliches Aufblühen. Motor dieser Entwicklung war die Abtei Tholey, die ihre Gebäude und die Kirche umfassend erneuerteNachgewiesen durch Inschriften an den entsprechenden Gebäuden, bzw. durch dendrochronologisch ermittelten Fälldaten von verwendeten Bauhölzern (detaillierte Ergebnisse im Abteiarchiv) und barockes Inventar anschaffte, wie z. B. das heute noch erhaltene Orgelprospekt.

Die schwer zerstörte Schaumburg wurde im 18. Jahrhundert aufgegeben und der Verwaltungssitz mit Amtmann, Gericht, Notar und Gefängnis in die Ortslage von Tholey verlegt.

1738 verzichtete Franz Stephan von Lothringen im Frieden von Wien im Tausch gegen die Toskana auf Lothringen. Das Herzogtum Lothringen fiel an Stanislaus I. Leszczyński, vertriebener König von Polen und Schwiegervater des französischen Königs Ludwig XV. Nach dem Tode Stanislaus’ 1766 ging das Herzogtum samt dem Amt Schaumburg an Frankreich über. Im Zuge eines Grenzregulierungsvertrages kam das Amt Schaumburg 1786 an das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und damit wieder zurück zum Heiligen Römischen Reich (s. Karte).

Die Neuzeit

Von der französischen Revolution bis 1935 1793/1794 zogen französische Revolutionstruppen im Saarland ein. Es kam zu Plünderungen, zur Auflösung der Abtei und zur Vernichtung der Kirchenarchive. In der Ersten Französischen Republik war Tholey Verwaltungssitz des Kantons Tholey und gehörte von 1793 bis 1798 zum Département de la Moselle, von 1798 bis 1815 zum Département de la Sarre. Nach der Abdankung Napoleons und dem Zweiten Pariser Frieden 1815 fiel Tholey mit weiteren linksrheinischen Gebieten an Preußen. Tholey, das damals als Stadt bezeichnet wurde, blieb eine Bürgermeisterei einschließlich Friedens- bzw. Amtsgericht.

1915 wurde Tholey mit der Bahnstrecke St.Wendel - Tholey an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Dies bedeutete eine große Erleichterung für die Bergmänner und Hüttenarbeiter der Umgebung, die nun täglich zur Arbeit pendeln konnten.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Tholey von 1920 bis 1935 zum Saargebiet unter dem Mandat des Völkerbundes. Bei der Abstimmung über den weiteren Status des Saargebiets 1935 stimmten die Wähler des Amtes Tholey bei einer Wahlbeteiligung von 99,4 % mit 96,3 % für eine Vereinigung mit Deutschland (Ergebnis im gesamten Saargebiet: 90,7 %). mini|Jüdischer Friedhof in Tholey

Geschichte der jüdischen Gemeinde in Tholey Von einer ersten jüdischen Familie in Tholey wird 1729 berichtet. 1790 wurden 41 jüdische Einwohner gezählt (etwa 7 % von insgesamt etwa 600 Einwohnern). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Juden am Ort weiter zu: 1843 waren von den 952 Einwohnern Tholeys 88 jüdischen Glaubens (15 Familien). Zwanzig Jahre später umfasste die jüdische Gemeinde in Tholey bis zu 30 Familien. Ein altes Tholeyer Wohnviertel am Südhang des Schaumbergs trägt bis heute den Namen Matzenecken (nach den Matzen, den ungesäuerten Brotfladen der jüdischen Küche). Die jüdische Gemeinde in Tholey hatte einen eigenen Friedhof, seit 1863 eine Synagoge, und seit 1876 eine jüdische Konfessionsschule.

Noch in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder durch Aus- und Abwanderung zurück (1895 noch 91 jüdische Einwohner). Nach der Angliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich 1935 wurden noch 41 jüdische Einwohner in Tholey gezählt, doch wanderten wenig später die meisten von ihnen aus. Auf Grund der Abwanderung eines großen Teiles der Gemeindeglieder wurde die Synagoge 1937 geschlossen und verkauft. Die verbliebenen jüdischen Einwohner Tholeys wurden im Rahmen des Holocaust deportiert und fast alle ermordet. Insgesamt 31 in Tholey geborene und/oder längere Zeit am Ort wohnhafte jüdische Personen sind in der NS-Zeit umgekommen.

Vom Zweiten Weltkrieg bis heute alt=|mini|400x400px|Tholeyer Marktplatz im Mai 2020