mini|Blick von Osten auf die Wiler Altstadt. In der Mitte ist der Hof zu sehen Der Hof zu Wil war der Sitz des Fürstabts von St. Gallen in der Stadt Wil. Er wird als Gebäude von «nationaler Bedeutung» eingestuft.

Geschichte Vorgeschichte Die Stadt Wil wurde 754 in der Henauer Urkunde ersterwähnt.StiASG, Bremen 7. Druck: Chartularium Sangallense I, Nr. 21. UB Zürich I, 5. UB Abtei SG, Nr. 18, S. 25. 1227 kam das Gebäude zusammen mit der Stadt Wil vom Grafen von Toggenburg an die Fürstabtei im Zusammenhang nach dem sogenannten «Brudermord».Mathis et al. 2007 S. 9. 1292 wurde Wil zerstört, aufgrund eines Konflikts zwischen den Habsburgern und der Fürstabtei. 1301 kam es zu einem Friedensschluss zwischen den Parteien, Wil wurde mit seinem Hof wieder aufgebaut, jedoch 1312 durch einen Brand abermals zerstört.Grüninger 1996, S. 95. Der Hof selber wurde 1302 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Heinrich von Ramstein löste in der Urkunde das damals verpfändete Wil und diverse weitere Höfe wieder ein.StiASG, DDDD.3.A.4a. (verschollen) Druck: Chartularium Sangallense V, Nr. 18. UB SG III, Nr. 1138. UB TG IV, Nr. 1017.

Hof als Statthalterei der Fürstabtei mini|Hof zu Wil (Federzeichnung von Johann Melchior Füssli, etwa 1713) Fürstabt Ulrich Rösch erweiterte den Hof zu seiner heutigen Grösse, errichtete dort seine Statthalterei und kaufte dazu weitere Grundstücke.StiASG, Rubr. 13, Faz 9b.Mathis et al. 2007 S. 10. Rösch hielt sich aufgrund von Konflikten mit der Stadt St. Gallen gerne in Wil auf.Bless-Grabher 1987, S. 217. Er starb am 13. März 1491 im Hof.Bless-Grabher 1987, S. 237. Äbte nach ihm taten es ihm gleich, vor allem um den Konflikten mit der reformierten Stadt St. Gallen zu entfliehen.Grüninger 1996, S. 95–96. 1529 wurde Wil durch den Schirmort Zürich reformiert, und der Vierortehauptmann Jakob FreiJacob, Walter: Politische Führungsschicht und Reformation. Zugleich Dissertation Universität Zürich, Zürich 1970, insbesondere: S. 156–157. (, PDF; 3,1 MB) residierte statt des Abtes im Hof.Mathis et al. 2007 S. 11. 1531 kam Abt Diethelm Blarer von Wartensee (1530–1564) zurück in den Hof. In seiner Regierungszeit wurde das Gebäude «Rotes Gatter» unterhalb des Hofs errichtet. 1617 kam es offenbar zu einem Brand, Näheres scheint sich dazu in den Quellen nicht zu finden. Unter Fürstabt Cölestin Sfondrati (1687–1696) wurde das Dach von einem Walm- zu einem Krüppelwalmdach umgebaut. 1693 baute Cölestin das «Schnetztor», das bisher als Gefängnis gedient hatte, zu seinem Archiv aus.Ratssitzung vom 14. Februar 1693 im Stadtarchiv Wil, Ratsprotokoll 1681-93, Nr. 448. Schliesslich renovierte Abt Beda Angehrn die «Wiler Pfalz» 1774 umfassend.Grüninger 1996, S. 96. Im Toggenburgerkrieg kapitulierte die Stadt Wil vor den reformierten Belagerern. Von 1712 bis 1718 war der Hof Hauptquartier der eidgenössischen Orte Zürich und Bern, die zugleich Stadtherren waren. Im Frieden von Baden kam der Hof ein letztes Mal in den Besitz der Fürstabtei.Mathis et al. 2007 S. 12.

Der Hof nach der Fürstabtei 1805 wurde die Fürstabtei St. Gallen aufgehoben. Die Wiler Bürger übernahmen 1810 das Gebäude, verkauften es aber sogleich weiter an den Baron Johann Nepomuk à Rudenz für 7750 Gulden. Der richtete dort 1815 eine Brauerei ein, die mit wechselnden Betreibern bis 1982 bestand. Die Brauerei befand sich in Keller und Erdgeschoss. Das Gebäude steht seit 1978 unter Bundesschutz und wird seit 1990 als «Gebäude mit nationaler Bedeutung» eingestuft. 1988 erwarb die Stadt Wil per Volksabstimmung den Hof.Grüninger 1996, S. 93. 1990 gründete die Stadt eine Stiftung und übergab ihr den Besitz des Hofs mit dem Ziel, ihn zu erhalten, zu restaurieren und zu beleben.Mathis et al. 2007 S. 13.

2021 wurde die Finanzierung der letzten Renovierungsetappe vom Wiler Stimmvolk angenommen. Im August 2026 wurde bekannt, dass die Stadt erneut 5 Millionen Franken beitragen soll, um die letzten Rechnungen bezahlen zu können. In einer Informationsveranstaltung gegenüber Stadtparlamentariern, Ortsparteien und Medien betonte der Finanzchef der Stiftung Hof zu Wil, dass man das Kostendach des 2023 aktualisierten Kostenvoranschlags eingehalten wurde. Die Liquidität habe trotz der Nachfrage bei verschiedenen Stellen gefehlt, nun solle die Stadt bei der Finanzierung aushelfen. Das Geschäft liegt momentan (August 2026) beim Wiler Stadtrat, der dem Stadtparlament einen entsprechenden Antrag unterbreiten wird. Je nach Entscheid wird es zudem eine erneute Volksabstimmung geben.

Bau Der Bau verfügt über drei Obergeschosse sowie einen Dachstock und ein Kellergeschoss. Im Erdgeschoss befinden sich Restaurant und StadtbibliothekMathis et al. 2007 S. 15–17. und auch der Zugang zum Hofgarten gegen Osten. Im Hofgarten gibt es einen Zugang zur ehemaligen Dienerschaftskapelle.Mathis et al. 2007 S. 18–19. Im ersten Obergeschoss befinden sich heute Säle, die vom Restaurant vermietet werden. Nennenswert ist insbesondere das Wandgemälde im «Ulrich-Rösch-Saal», das um 1470/1480 entstanden sein soll. Es zeigt Fürstabt Ulrich Rösch bei der Vergabe von Lehen.Mathis et al. 2007 S. 20. Im dritten Obergeschoss befindet sich die ehemalige private Äbtekapelle.Mathis et al. 2007 S. 27.

Heutige Nutzung Im Hof befinden sich ein Restaurant, auf hofzuwil.ch, abgerufen am 20. Mai 2020. und die Stadtbibliothek., auf hofzuwil.ch, abgerufen am 20. Mai 2020. Im Hof befand sich bis zum Umzug Mitte 2022 das Stadtmuseum der Ortsbürgergemeinde., auf hofzuwil.ch, abgerufen am 20. Mai 2020.

Mit der dritten und letzten Renovierungsetappe wurden mit den «Hofwelten» ein neues Museum eröffnet, das die Geschichte der Fürstabtei St. Gallen und die Rolle des Hofes beleutchten soll. In der neugeschaffenen «Hofherberge» kann neu auch in sechs Zimmern unmittelbar am Hof übernachtet werden.

Literatur Josef Leo Benz; Hans Peter Mathis, Hans Wechsler: Der Hof zu Wil auf dem Weg in die Zukunft. In: Patrik Bernold et al. (Hg.): Toggenburger Jahrbuch 2001. Wattwil 2000, S. 129–139 (online verfügbar). Magdalen Bless-Grabher: Abt Ulrich Rösch und Wil. In: Werner Vogler (Hg.): Ulrich Rösch. St. Galler Fürstabt und Landesherr. S. 217–239. Irmgard Grüninger: Archäologischer Forschungsbericht. Der Hof. Das Wahrzeichen der Äbtestadt Wil. In: Neujahrsblatt St. Gallen. Band 136, 1996, S. 93–99 (online verfügbar). Hans Peter Mathis, Benno Ruckstuhl, Werner Warth, Hans Wechsler: Der Hofplatz zu Wil (= Schweizerische Kunstführer, Band 806/807). GSK, Bern 2007. Werner Warth: Die Stadt Wil und die Abtei St.Gallen. In: Fürstabtei St. Gallen – Untergang und Erbe 1805/2005. St. Gallen 2005, S. 201–208.

Siehe auch Liste der Kulturgüter in Wil SG

Weblinks

Offizielle Website der Stiftung Hof zu Wil Burgenwelt: Hof zu Wil

Einzelnachweise

Kategorie:Kulturgut von nationaler Bedeutung im Kanton St. Gallen Kategorie:Geschichte (Kanton St. Gallen) Kategorie:Bauwerk in Wil SG Kategorie:Schloss im Kanton St. Gallen Wil