mini|Thomas Franke (2022) Thomas Franke (* 1967 in Osnabrück) ist ein deutscher Autor, Journalist und Hörfunkproduzent. Er lebt in Berlin und schreibt vor allem über Osteuropa.

Leben und Werk Thomas Franke absolvierte das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Hamburg. Anschließend studierte er Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Journalismus an der Universität Hamburg. Er beschäftigte sich jahrelang mit Medienpolitik und der Politik von Helmut Kohl und der CDU. Franke ist ausgebildeter Politikberater mit dem Schwerpunkt Wahlkampf. Seit 1989 arbeitet er als freier Autor überwiegend für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Von 2012 bis 2017 lebte Franke in Moskau und arbeitete dort gemeinsam mit Gesine Dornblüth für den Deutschlandfunk. Mit ihr betreibt er auch das Journalistenbüro „texte und toene“.

Er arbeitet außerdem literarisch und schreibt Gedichte, Hör- und Theaterstücke und produziert Kurzfilme und Dokumentationen.

Literarische Reportage Im Frühjahr 2017 erschien sein Buch Russian Angst in der Edition Körber-Stiftung.http://www.russianangst.de/ Franke schildert darin im Stil klassischer Reportageerzählungen aus eigenem Erleben Russlands Weg in die Diktatur.

Im März 2022 veröffentlichte Franke gemeinsam mit Gesine Dornblüth das Buch Ruhmlose Helden – Ein Flugzeugabsturz und die Tücken deutsch-russischer Verständigung. Am Beispiel zweier sowjetischer Piloten, die im April 1966 über Westberlin abstürzten, erzählen die Autoren bildhaft von der Sehnsucht nach Völkerverständigung, den Missverständnissen, wenn Russen und Deutsche aufeinander treffen, und von der Macht der Propaganda.

Im Februar 2023 erschien von Thomas Franke gemeinsam mit Gesine Dornblüth das Buch Jenseits von Putin – Russlands toxische Gesellschaft. Darin greifen die Autoren auf mehr als 30 Jahre Recherchen in Russland zurück, veröffentlichen teils private Briefwechsel und Chatverläufe und geben Einblick in eine zutiefst traumatisierte Gesellschaft. Sie treibt dabei die Frage: Mit wem haben wir es jenseits von Putin zu tun? Das Buch war mehrfach auf der Spiegel-Bestseller-Liste.

Ebenfalls mit Gesine Dornblüth hat er 2024 das Buch Putins Gift. Russlands Angriff auf Europas Freiheit veröffentlicht.https://www.srf.ch/audio/tagesgespraech/putin-fuerchtet-nichts-mehr-als-die-freiheit-der-menschen?id=12670667 Die Autoren reisen dafür in die Länder, die direkt von russischer Zersetzung bedroht sind, u. a. Lettland, Estland, Litauen, Georgien und Moldau. Anhand von lebendig erzählten Geschichten zeigen sie den Einfluss der russischen Propaganda in Deutschland und der EU.

2025 erschien von Dornblüth und Franke erneut bei Herder der Band Kampf um die Freiheit - Georgien und der lange Arm des Kreml. Es ist die erste politische Biografie Georgiens in deutscher Sprache. Auch darin bleiben sie ihrem lebendigen literarischen Erzählstil treu.

Weiter veröffentlichte Franke diverse literarische Reportagen in den Büchern der Weltreporter.

Erzählungen und Kurzprosa Im März 2023 erschien von Franke im Verlag Moloko der Band An den Kaukasus gekettet mit 7 Erzählungen. Die Schauplätze seiner Geschichten sind Armenien/bzw. Berg-Karabach, Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus, Georgien. Die sieben Erzählungen muten teils skurril an, teils surreal. Franke knüpft mit ihnen an die Erzählungen anderer Autoren an, die den Kaukasus literarisch erschlossen haben.

Lyrik Mit seinem Umzug nach Moskau 2012 begann Franke seinen Blog nachmoskau.de zu schreiben. Zwischen Impressionen, Kurzfilmen, Fotos und kleinen Hörstücken, veröffentlichte er dort auch Gedankensplitter und Gedichte.

2026 erschien im Klak-Verlag der Band Die Erde schwitzt die Toten aus - Gedichte Notizen Fragmente zum Krieg. 2012 – 2024.

Er publiziert darin viele bisher unveröffentlichte Antikriegsgedichte in der Tradition von Tucholsky, Brecht und Borchert. Franke hat den Ukrainekrieg bereits 2012 deutlich gespürt und vorausgesehen.

Hörspiele und Dokumentationen Franke schrieb und produzierte Features und Hörspiele seit 1990. Darunter für den SFB/ORB bzw. später für den Rundfunk Berlin-Brandenburg unter anderen die Dokumentationen: Von vornherein viel zu klein und es muss mehr Licht hinein (zum Umzug des Bundestages nach Berlin in den Reichstag), Endlich lacht das Morgenrot – eine Nacht im August 1961. 2001 erhielt er gemeinsam mit Gesine Dornblüth für das Feature Bruderküsse in Demjansk im Deutschlandfunk den Prix-Europa in der Sparte Current Affairs.

Angelehnt an das Genre der Graphic-Novel schrieb Franke Acoustic-Novells. Darunter für den Deutschlandfunk Sex in Russland. Obwohl in der Sendung kein einziger expliziter Sex zu hören ist, wurde das Stück mit einem Warnhinweis für Minderjährige gesendet. Für Deutschlandfunk-Kultur produzierte er u. a. Drei Löcher im Pappkafka, für den SWR u. a. Geliebt, gehasst, gescheitert - Aufstieg und Fall des Michail Saakashvili und Die literarischen Häutungen des Vladimir Sorokin. Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg schrieb und produzierte er im Stil eines Gerichtsdramas das Feature Mord im Tiergarten, gemeinsam mit Silvia Stöber. Die Sendung war für den Prix-Europa 2022 nominiert.

Sein literarisches Kurzfeature Der Stiefel im Eis war für den Civis-Preis 2025 nominiert. Anhand eines Soldatenstiefels, den der tauende Gletscher auf dem Berg Elbrus frei gibt, reflektiert Franke literarisch Fragen von Krieg und Frieden. In ihrer Begründung schrieb die Jury: Die Produktion ist herausragend und liefert ein überzeugendes Beispiel für das, was das Radio zu leisten vermag.

In seinem Blog nachmoskau veröffentlichte Franke diverse experimentelle Hörstücke, wie Ampelschaltung, gesprochen von Mareike Tiede, Winterferienfreizeit, gesprochen von Tilmar Kuhn, Im Rückwärtsgang. Die Stücke Feldpostbrief/Lettre du Front, gesprochen von Patricia B. Thibault, Wunde Stadt, gesprochen von Matthias Horn, und Hure des Sozialismus sind nur noch als Text verfügbar.

Verfügbare Kurzfilme u. a.: Schatten in der Stadt, Helden.

Liveperformances Franke war lange Zeit fester Autor der Literaturwerkstatt Kreuzberg und liest beim Künstlerkollektiv Garage von Uwe Moellenhusen postprosaische Texte und Antilyrik. Dazu kommen diverse Einzelauftritte unter anderem im Theater im Schokohof, in der Galerie Morgenrot und beim Festival 48 Stunden Neukölln.

Theaterstücke Franke ist Autor mehrerer Theaterstücke: Herbert in der Kesselschlacht (Uraufführung beim 100 Grad Festival) Tapetenwechsel (Ein Kammerspiel angelegt an den Fall des Stasi-Spitzels Ibrahim Boehme) Die verbrannten Abschiedsbriefe der Hannelore Kohl

Journalismus und Moderation Franke ist seit 1990 Autor diverser öffentlich-rechtlicher Radiosender, darunter auch die BBC.

Er ist Autor von annähernd 100 Folgen der Reihe Hintergrund im Deutschlandfunk und Miterfinder der Reihe Gesichter Europas.

Ab Oktober 2024 betrieb er vorübergehend den Kanal Klartext Franke auf verschiedenen Plattformen. In kurzen Videos zeigte er, wie politische Ereignisse von Russland genutzt werden, um Demokratie zu zerstören und Kriminalität zu etablieren.

Seit Juli 2026 produziert er gemeinsam mit Oliver Geheeb eine Reihe mit dem Titel Freiheit Denken, zunächst jedoch nur bei Facebook und Linkedin.

Franke ist Mitglied im Netzwerk Weltreporter.

Politisches Engagement Im Studium war Franke Mitglied im Studierenden-Parlament der Universität Hamburg, im Akademischen Senat und kurzzeitig auch im Konzil.

Franke engagierte sich jahrelang bei Amnesty International, war kurzzeitig Mitglied der SPD, ist Fördermitglied bei Reporter ohne Grenzen.

Angesichts von Korruption und Vetternwirtschaft im Deutschen Journalisten Verband Berlin, gründete er im Jahr 2004 gemeinsam mit 20 weiteren Kolleginnen und Kollegen den Verein-Berliner-Journalisten, der nach einer Fusion mit dem Brandenburger Journalistenverband erneut Mitglied im DJV wurde.

Auszeichnungen Prix Europa 2001 Hörfunkpreis in der Kategorie „Current Affairs“ für Bruderküsse in Demjansk, gemeinsam mit Gesine DornblüthPrix Europa 2001 - Awards Abgerufen am 6. Juni 2020. Åke-Blomström-Nachwuchspreis der International-Feature-Conference 1999 Goldener Columbus 2015

Weblinks

Blog von Thomas Franke Thomas Franke bei Klartext (Bei x.com nur Okt.–Nov. 2024)

Einzelnachweise

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