mini|hochkant=1.1|Stolperstein für den Widerstands­kämpfer Johann Vogl in Stephanskirchen

Die Liste der Stolpersteine in Stadt und Landkreis Rosenheim umfasst jene Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig im oberbayrischen Landkreis Rosenheim und in der kreisfreien Stadt Rosenheim verlegt wurden. Sie sind den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, die vom NS-Regime drangsaliert, deportiert, ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben wurden.

Demnig verlegt für jedes Opfer einen eigenen Stein, im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz.

Opfergruppen Wie im gesamten NS-Herrschaftsgebiet zählten zu den Opfern im Landkreis Rosenheim vorrangig Juden und politisch Andersgesinnte, Zeugen Jehovas, Roma und Sinti, homosexuelle Menschen, Behinderte, sogenannte Asoziale und Zwangsarbeiter.

Die jüdischen Bewohner von Stadt und Kreis Rosenheim konnten nie eine eigenständige Gemeinde gründen. 1910 wohnten in Rosenheim 56 Menschen jüdischen Glaubens, 1925 nur mehr 39. Das waren zuerst 0,4 %, später 0,2 % der gesamten Bevölkerung. 1933 gab es noch elf Geschäfte, die von Juden geführt wurden. Ein älteres jüdisches Ehepaar beging bereits im März 1933 Suizid. Aufgrund von Repressalien, Boykott und Entrechtung flüchteten 14 Juden in die USA, die Niederlande und die Tschechoslowakei, nach England und nach Palästina. Die meisten Geschäftsinhaber mussten schließen oder unter Zwang verkaufen. Die beiden letzten Läden, die Juden gehörten, wurden im Rahmen der sogenannten Reichskristallnacht von SA-Männern überfallen und vollständig demoliert. Mindestens 17 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Stadt und Kreis wurden im Rahmen der Shoah vom NS-Regime ermordet, überwiegend ältere Personen, aber auch die Familie Block mit drei Kindern.Alemannia Judaica: Rosenheim (kreisfreie Stadt, Oberbayern) und Orten der Umgebung (u.a. Niedernburg, Gemeinde Prutting) / Jüdische Geschichte , abgerufen am 18. Mai 2019

Verlegte Stolpersteine Brannenburg Vor dem Rathaus von Brannenburg wurde im Mai 2025 ein Stolperstein verlegt.

Stolperstein Inschrift Standort Name, Lebenrahmenlos|120x120px IN BRANNENBURG WOHNTEDR. MAXIMILIAN MINTZJG. 1867GEDEMÜTIGT/ENTRECHTETTOT 23. FEB. 1940 Schulstraße 2

Bruckmühl Vor der Staatlichen Realschule im Markt Bruckmühl wurde im Mai 2025 ein Stolperstein verlegt.

Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben rahmenlos|120x120px|Stolperstein für Leonhard Widmann (Bruckmühl) LEONHARD WIDMANNJG. 1923EINGEWIESEN 25.4.1942HEILANSTALT EGLFING-HAAR’HUNGERHAUS’ERMORDET 19.10.1943 Rathausplatz 3 (1923–1943)

Kolbermoor In Kolbermoor wurden drei Stolpersteine verlegt. Das Schicksal des italienischen Zwangsarbeiter-Ehepaares Zanobini wurde von Andreas Salomon aus Rosenheim recherchiert, der selbst dreißig Jahre in Kolbermoor gelebt hatte.

Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Lebenrahmenlos|Stolperstein für Mathias Stich (Kolbermoor)|125x125pxHIER WOHNTEMATHIAS STICHZEUGE JEHOVASJG. 1907MEHRMALS VERHAFTET1937 KZ DACHAU1939 KZ MAUTHAUSEN1940 KZ GUSENERMORDET 24.1.1942 Gehrerstraße/Am Eglsee (1907–1942)Oberbayerisches Volksblatt: Stolperstein erinnert an Mathias Stich, 17. Januar 2024120pxFERNANDA ZANOBINIGEB. PAGANELLIJG. 1917ITALIENISCHEZWANGSARBEITERIN 1944RÜSTUNGSINDUSTRIE BMWBEFREIT vor der Bücherei , geborene Paganelli, wurde am 12. September 1917 in Porretta Terme in der Metropolitanstadt Bologna geboren. Sie wuchs in Rimini auf, die Familie wohnte in der Viale Principe Amedo 3, Albergo Flora. Sie erlernte den Beruf der Schneiderin und übte ihn ab 1934 auch aus. Sie heiratete Fortunato Zanobini, einen Kellner, auch er in Rimini aufgewachsen. Das Paar wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und am 19. November 1943 vom Arbeitsamt München registriert. Fernanda Zabonini wurde in ein Lager in der Dachauerstraße eingewiesen und arbeitete zuerst bei der Firma Präma-Apparatebau. Am 4. April 1944 wurde sie als Küchenhilfe nach Kolbermoor überstellt. Die Küche für die BMW-Rüstungsfirma dort befand sich in Bruckmühl. Ihr wurde ein Schlafplatz in einem Barackenlager auf der Loreto-Wiese in Rosenheim zugewiesen. Ihr Mann Fortunato Zanobini kam Anfang Mai ebenfalls nach Kolbermoor, wurde jedoch nach wenigen Wochen festgenommen und in das KZ Buchenwald deportiert. Sie sollte ihn nie wieder sehen, er verlor sein Leben im März 1945. Fernanda Zanobini selbst bekam Ärger mit dem Küchenleiter, der mit ihrer Arbeit unzufrieden war. Am 25. November 1944 erhielt sie eine Rüge wegen des Fehlens bei der Arbeit. Sie erkrankte, es wurde kontrolliert, ob sie wirklich arbeitsunfähig war. Sie wurde wegen fehlender Besen von ihrem Vorgesetzten gemeldet und sollte diese ersetzen, der Gegenwert entsprach einem Wochenlohn. Es folgten Verwarnungen, die wieder mit Geldstrafen verbunden waren. Fernanda Zanobini erlebte das Kriegsende und wurde befreit.Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine in Rosenheim: DIE ZWEITE STOLPERSTEIN-VERLEGUNG IM LANDKREIS ROSENHEIM, abgerufen am 16. März 2021Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine in Rosenheim: Fortunato und Fernanda Zanobini, abgerufen am 16. März 2021 120pxFORTUNATO ZANOBINIJG. 1915ITALIENISCHERZWANGSARBEITER 1944RÜSTUNGSINDUSTRIE BMW'SCHUTZHAFT' 1944'ARBEITSVERWEIGERUNG'DACHAU, BUCHENWALD1945 BERGEN-BELSENERMORDET vor der Bücherei wurde am 9. Februar 1915 in Bologna geboren und wuchs in Rimini auf. Von Beruf war er Kellner, später Gastwirt. Er heiratete Fernanda Paganelli. Im Oktober 1943 verhängten die deutschen Besatzungstruppen in Oberitalien eine Arbeitspflicht für Männer der Jahrgänge 1910 bis 1925. Über die Folgemonate ist nur wenig bekannt. Er wurde nach Deutschland verbracht und am 15. November 1943 erstmals vom Arbeitsamt München registriert. Wo er in den ersten Monaten gearbeitet hat, ist unbekannt. Ab 5. Januar 1944 war er wegen Arbeitsvertragsbruches im Augsburger Gefängnis inhaftiert. Ab 4. Mai 1944 musste er als Hilfsarbeiter in der „Baumwollspinnerei Werk II“ von Kolbermoor Zwangsarbeit verrichten. Dies war der Deckname für das BMW-Entwicklungswerk für Flugzeugmotoren, welches damals ausschließlich für die Rüstungsproduktion tätig war. In einer Baracke war ihm ein Schlafplatz zugewiesen, mit einem Strohsack und einem Ofen, allerdings war kein Brennmaterial vorhanden. Unter den Zwangsarbeitern herrschte großer Hunger. Nach zweieinhalb Wochen wurde er wegen Arbeitsvertragsbruchs bei der örtlichen Schutzpolizei angezeigt. Er habe nicht in der Baracke genächtigt und tagsüber fallweise seinen Arbeitsplatz ohne Erlaubnis verlassen. Zanobini wurde verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Rosenheim eingeliefert. Der Landrat wurde in Kenntnis gesetzt. Nach wenigen Tagen begann die Gestapo in München mit Ermittlungen. Das Gesundheitsamt bestätigte seine Lagertauglichkeit und er wurde schließlich über das Polizeigefängnis München in das KZ Dachau deportiert, wo er am 5. Juli 1944 registriert wurde. Er musste wiederum schwere Zwangsarbeit leisten. Nach fünf Monaten wurde er in das KZ Buchenwald verlegt, nach drei Tagen von dort in das KZ-Außenkommando S III in Ohrdruf. Er ist hier im Tunnel- und Bunkerbau eingesetzt, bei dem Tausende Häftlinge umkommen. Am 13. März 1945 wurde Fortunato Zanobini in das völlig überbelegte KZ Bergen-Belsen überstellt. Mehr als 18.000 Häftlinge starben dort allein im Monat März. Es herrschten Hunger, Seuchen, furchtbare hygienische Zustände und Massensterben. Auch Fortunato Zanobini kam in den letzten Tagen des NS-Regimes ums Leben.

Auch seine Frau wurde verwarnt und bestraft, kam jedoch nicht in ein Konzentrationslager und konnte das Ende des NS-Regimes in Rosenheim erleben. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt.

Neubeuern Vor dem heutigen Kinderheim Rosenhof in Pinswang, Gemeinde Neubeuern, wurden zwei Stolpersteine verlegt.DIE DRITTE STOLPERSTEINVERLEGUNG IM LANDKREIS ROSENHEIM, abgerufen am 1. Juli 2024

Stolperstein Inschrift Standort Name, Lebenrahmenlos|122x122px HIER WOHNTEDR. HEINZ KERBJG. 1883GEDEMÜTIGT / ENTRECHTETTOT 1938 Pinswang, Rosenhof (1883–1938)rahmenlos|120x120px HIER WOHNTEDR. ERICHSPIEGELBERGJG. 1877GEDEMÜTIGT / ENTRECHTETFLUCHT IN DEN TOD1939 MÜNCHEN Pinswang, Rosenhof (1877–1939)

Prutting In Prutting wurden fünf Stolpersteine für Mitglieder der Familie Block an einer Anschrift verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEARNO BLOCKJG. 1928DEPORTIERT 1942PIASKIERMORDET Niedernburg,Staatsstraße 2359 / Ecke Elisabeth-Block-Straße wurde am 23. November 1928 in Niedernburg als Sohn von Fritz und Mirjam Block geboren. Er hatte zwei ältere Schwestern. Die Versuche der Auswanderung der ganzen Familie ließen sich nicht verwirklichen. Ab November 1938 durften die Kinder wegen ihrer jüdischen Herkunft nicht mehr zur Schule gehen. Den Unterricht übernahmen die Eltern zu Hause. Im Jahr 1940 wurde der damals 12-Jährige von seiner Mutter wie folgt beschrieben: „Begabt ist er wohl hauptsächlich fürs ‚Schrauben‘, anders kann ich mich nicht ausdrücken, denn weder Lesen und Lernen interessiert ihn, nur so zusammengesetzte und zusammengebastelte Sachen, und dann mag er gerne draußen sein, er läuft so, wie er Zeit hat, Ski und kommt klitschnass heim. Vorlesen hören abends ist seine ganze Wonne, aber zum Lesen muss man ihn trietzen.“Initiative für Erinnerungskultur und Stolpersteine in Rosenheim: FAMILIE BLOCK / BIOGRAPHIE DER FAMILIE BLOCK, mit einer Reihe von Fotos der Familienmitglieder, abgerufen am 20. Dezember 2019 Die Mutter konstatierte auch Konzentrationsschwächen und Unlust beim Lernen, insbesondere im Sprachunterricht. Die Familie musste sich im März 1942 in das Milbertshofener Barackenlager begeben. Von dort wurde Arno Block gemeinsam mit seinen Eltern, Schwestern und 984 weiteren bayerischen Juden am 3. April 1942 nach Piaski im Distrikt Lublin deportiert. Arno Block und seine ganze Familie wurden vom NS-Regime ermordet. 120pxHIER WOHNTEFRITZ BLOCKJG. 1892DEPORTIERT 1942PIASKIERMORDET Niedernburg,Staatsstraße 2359 / Ecke Elisabeth-Block-Straße wurde am 12. März 1892 in Hannover geboren. Fritz Block und seine spätere Frau stammten aus wohlhabenden und angesehenen Bürgerfamilien Hannovers. Er besuchte das Königliche Goethe-Gymnasium in Hannover und schloss im Februar 1910 mit dem Abitur ab. Danach studierte er in Hannover und München Elektrotechnik. Im Ersten Weltkrieg war er als Flieger-Unteroffizier der preußischen Armee an der Front. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Ab 1917 wandte sich Fritz Block den Ideen des Zionismus zu. Im November 1917 konnte er sein Studium fortsetzen und es im April 1918 mit dem Diplom abschließen. Am 10. Juni 1920 heiratete er im Hachscharahzentrum Mirjam, geborene Frensdorff. Das Ehepaar bereitete sich auf die Auswanderung nach Palästina vor, das Visum wurde ihnen aber verweigert. Am 22. Dezember 1921 erwarben sie ein 2,77 Hektar großes Anwesen in Niedernburg, wo sie eine Gärtnerei aufbauten. Sie bekamen die Kinder Elisabeth (geboren 1923), Gertrud (geboren 1927) und Arno (geboren 1928). Fritz Block betätigte sich auch künstlerisch, er töpferte, malte und schrieb Gedichte. Ab November 1938 durften die Kinder nicht mehr zur Schule gehen. Die Eltern übernahmen den Unterricht zu Hause. Das Haus musste im Mai 1939 im Rahmen der sogenannten „Arisierung“ weit unter Wert für 10.000 Reichsmark verkauft werden. Ab 26. April 1940 war er zur Zwangsarbeit bei täglich bis zu 13 Stunden dauernden Gleisarbeiten verpflichtet. Er zog sich ein schweres Rheumaleiden zu, seine Familie sah er kaum noch.