Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit: Gegründet wurde es 1910 von dem Bakteriologen und Mediziner Friedrich Loeffler; seinen Hauptsitz hat es auf der zur Hansestadt Greifswald gehörenden Insel Riems. 1952 wurde es nach seinem Gründer benannt.

Aufgaben mini|Friedrich Loeffler (1852–1915) Das FLI ist eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Es erforscht vornehmlich die Infektionskrankheiten von landwirtschaftlichen Nutztieren sowie angrenzende Wissenschaften, unter anderem Molekularbiologie, Virusdiagnostik, Immunologie und Epidemiologie. Hinzu kommen klassische Themen der Tiergesundheit wie Tierernährung, Nutztiergenetik sowie Tierschutz und Tierhaltung. Das Tiergesundheitsgesetz und das Gentechnikgesetz weisen dem Institut spezielle Aufgaben der Überwachung und Forschung zu. Das Institut publiziert seine Forschungsergebnisse international und arbeitet mit anderen nationalen und internationalen Wissenschaftlern und Instituten zusammen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut beherbergt über 75 Nationale Referenzlaboratorien (NRL) für meldepflichtige Seuchen bei Tieren, ferner ist es Collaborating Centre for Zoonoses in Europe der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH).Nationale Referenzlabore.

Zum 1. Januar 2008 sind drei Institute der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft angegliedert worden. Auf der Insel Riems ist ein modernes Tiergesundheitsforschungsinstitut entstanden, wofür neue Hochsicherheitslabore der höchsten Sicherheitsstufe 4 für die Arbeit auch an für den Menschen hochansteckenden Viren errichtet wurden.Britta Kuntoff: deutschlandradiokultur.de: Insel mit höchster Sicherheitsstufe. Deutschlandradio Kultur, 15. Mai 2014.

Standorte und Organisation Die Forschungseinrichtung gliedert sich gegenwärtig in zwölf Institute an insgesamt fünf Standorten in Deutschland. Präsidentin und Leiterin des Institutes ist seit 2023 Christa Kühn.

Insel Riems Institut für Infektionsmedizin (IMED) Institut für molekulare Virologie und Zellbiologie (IMVZ) Institut für Virusdiagnostik (IVD) Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger (INNT) Institut für Immunologie (IfI) Institut für Epidemiologie (IfE) Institut für internationale Tiergesundheit/One Health (IITG) Abteilung für experimentelle Tierhaltung und Biosicherheit (ATB) Braunschweig Institut für Tierernährung (ITE) Celle Institut für Tierschutz und Tierhaltung (ITT) Jena Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen (IBIZ) Institut für molekulare Pathogenese (IMP) Mariensee Institut für Nutztiergenetik (ING)

Geschichte Hauptsitz Riems mini|Verordnung über den Übergang der Staatlichen Forschungsanstalten Insel Riems auf das Reich vom 30. März 1943 mini|Eine Eigenentwicklung des FLI: Rollenrad für die Impfstoffproduktion, von 1975 bis 1995 in Gebrauch

Friedrich Loeffler (1852–1915), Lehrstuhlinhaber für Hygiene an der Universität Greifswald, beschrieb 1898 als erster den Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS). Seine weiteren Forschungen und Experimente über die MKS führten mehrmals zur Ausbreitung des Virus in der Umgebung von Greifswald. Deswegen wurde er von staatlicher Seite aufgefordert, eine neue Stätte für seine Untersuchungen zu finden. Nachdem im Jahre 1909 die preußische Regierung die Insel Riems erworben hatte, gründete Loeffler 1910 auf der in der Nähe von Greifswald gelegenen Insel das weltweit erste virologische Forschungsinstitut. Die Station bestand damals im Wesentlichen aus Stallräumen für zwölf Rinder und einige Schweine, einem Laboratorium von etwa 20 m² Raumgröße und einigen kleinen Nebenräumen sowie ein paar Wohnräumen für Institutsdiener. Zu Friedrich Loefflers Team gehörte auch Paul Uhlenhuth. Die einzige Verbindung vom Festland stellte anfangs der Dampfer Loeffler dar. Später kam eine Drahtseilbahn dazu, die auch im Winter bei zugefrorenem Wasser den Verkehr für Menschen und Materialien sicherte.

1913 wurde Loeffler an das Robert Koch-Institut in Berlin berufen, die Forschungen auf dem Riems versiegten und wurden im Ersten Weltkrieg schließlich eingestellt. Erst 1919 wurde der Tierarzt Otto Waldmann damit betraut, die Forschungen von Loeffler an der MKS weiterzuführen. Im Jahre 1920 entdeckten die Forscher auf der Insel Riems die Empfänglichkeit des Meerschweinchens für das Virus der MKS. Durchschnittlich wurden 6.000 Meerschweinchen auf sogenannten Meerschweinchen-Böden untergebracht, und im Jahr belief sich der Gesamtbedarf auf ca. 70.000 Meerschweinchen. Das Meerschweinchen zeigte eine vorzügliche Eignung für die Übertragung der Seuche. Es war zudem billiger als die kostspieligen Versuche mit Rindern und Schweinen, die auch nur mühsam zu beschaffen waren. Die wichtigste Aufgabe des Institutes war es, einen Impfstoff für die Krankheit zu finden. 1938 bis 1940 wurde ein erster Impfstoff zur Bekämpfung eines MKS-Ausbruches verwendet. 1956 schuf Hans Prütz für Riemserort ein steinernes Meerschweinchen-Denkmal, mit dem die Bedeutung dieses Versuchstiers für die Forschung gewürdigt werden sollte.

Von 1942 bis 1948 arbeitete Erich Traub als Labordirektor der Reichsforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, ab 1943 wurde das Institut als „Reichsforschungsanstalt Insel Riems“ direkt dem Reich unterstellt. Leiter des Institut war von 1920 bis 1948 Otto Waldmann, der nach Kurt Blome und Leonardo Conti (Leiter des Hauptamtes für Volksgesundheit), direkt Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstand. Das Institut war nach heutigem Kenntnisstand in dieser Zeit in nur geringem Maße in die deutsche Biowaffenforschung involviert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entzog man im Zuge der Reparationsleistungen dem Institut die Ausstattung fast vollständig. Allerdings nahm das Institut Ende 1945 seine Arbeit wieder auf, denn die MKS breitete sich erneut aus. Ab 1948 leitete Heinz Röhrer die „Forschungsanstalt für Tierseuchen Insel Riems“. Nach Gründung der DDR übernahm die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften die Verantwortung für das Institut. 1952 benannte man das Institut nach Loeffler, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. In den folgenden Jahren forschte das Institut an der MKS, an der Afrikanischen Schweinepest, an Geflügelseuchen und an weiteren Krankheiten von Nutztieren. Ab 1985 gehörte das Institut zum Kombinat Veterinärimpfstoffe.

Da die Expertise der Forschungseinrichtung nach der Teilung Deutschlands der Bundesrepublik nicht mehr zur Verfügung stand, wurde 1952 die Errichtung der „Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere“ (BFAV) in Tübingen beschlossen. Nach der Wiedervereinigung wurde das Institut für bakterielle Tierseuchenforschung (ITSF), das am 1. Juli 1954 von Victor Goerttler in Jena gegründet worden war, in verschiedene Bundesforschungseinrichtungen integriert und 2002 als Standort Jena in die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) eingegliedert. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Erforschung bakterieller Infektionskrankheiten und wichtiger Zoonosen. 1992 wurde das Institut auf der Insel Riems neu als Teil der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) gegründet. 1997 wurde der Standort Riems zum Hauptsitz der Forschungsanstalt.

Seit dem Inkrafttreten der 3. Änderung des Tierseuchengesetzes am 26. Juni 2004 wurde die damalige Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere umbenannt in Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und trägt seitdem die Zusatzbezeichnung Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Bis 2010, dem 100. Gründungsjubiläum des Instituts, wurde das FLI zum modernsten Tierseuchenforschungsinstitut Europas ausgebaut. Für ca. 260 Millionen Euro entstanden neue Labore und Ställe. In den Laboren mit der weltweiten höchsten Sicherheitsstufe 4 (S4) kann auch an den gefährlichsten Viren gearbeitet und geforscht werden. Die Grundsteinlegung fand am 30. Oktober 2008 u. a. im Beisein von Staatssekretär Gert Lindemann, Ministerpräsident Erwin Sellering und dem damaligen Greifswalder Oberbürgermeister Arthur König statt. Am 4. September 2009 wurde das Richtfest gefeiert. Der Neubau wurde im Jahr 2011 durch eine Arbeitsgemeinschaft verschiedener Unternehmen vollendet.heitkamp-ikb.com: ; abgerufen am 22. Dezember 2015.

Auf der Insel Riems arbeiten heute etwa 420 Beschäftigte.

Der Standort Tübingen wurde zum Jahresende 2011 geschlossen und zog auf die Insel. Aus Wusterhausen/Dosse wurden das Institut für Epidemiologie auf die Insel Riems und die Referenzlabore nach Greifswald und Jena verlagert und der dortige Standort zum Jahresende 2013 geschlossen. Mariensee wurde ebenfalls ausgebaut und soll am künftigen Standort Mecklenhorst/Mariensee die Einrichtungen aus Celle und Braunschweig aufnehmen.Elke Reinking, Thomas C. Mettenleiter: 100 Jahre Friedrich-Loeffler-Institut – 100 Jahre Forschung für die Tiergesundheit. In: Tierärztliche Umschau. Bd. 65, 2010, , S. 361–369.

Von Anfang 2012 bis Ende 2013 wurde im Rahmen der dritten Baustufe das Karree saniert, dabei wurde das denkmalgeschützte Hauptgebäude rekonstruiert und drei weitere Gebäudeflügel abgerissen und neu errichtet.bbl-mv.de: , 9. Dezember 2011, Zugriff am 5. Januar 2012. 300 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt wurden investiert.Martina Rathke: Auf Riems erforscht Europa die tödlichsten Erreger., zeit.de, 15. August 2013, abgerufen am 20. August 2013. Anfang 2020 nahm das neu gegründete Institut für Internationale Tiergesundheit/One Health seine Arbeit auf.

Braunschweig Bereits 1948 wurde das Institut für Tierernährung als eines der ersten Institute der neuen Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig-Völkenrode gegründet. Seit den Anfängen wird auf den Gebieten Ernährungs- und Stoffwechselphysiologie, Futtermittelkunde und -bewertung geforscht. In den ersten Jahr(zehnt)en standen der effektive Einsatz von Futtermitteln und die Leistungssteigerung der landwirtschaftlichen Nutztiere zur Sicherung ausreichender Nahrungsmittel im Mittelpunkt. Im Jahr 1966 wurde die FAL – und mit ihr das Institut für Tierernährung – in die Bundesforschung, und zwar in das Bundesministerium für Landwirtschaft, eingegliedert. Damit gewann die Beratung der Bundesregierung an Bedeutung.

Durch die schnelle Steigerung der Produktion in der Landwirtschaft veränderten sich die Fragestellungen – Wettbewerbsfähigkeit und Rationalisierung rückten in den Vordergrund. In der Tierernährung wurden zunehmend industriell hergestellte Mischfutter und wachstumsfördernde Substanzen eingesetzt und entsprechend untersucht. Die Schwerpunkte verlagerten sich im Laufe der Zeit weg von der Thematik der Grundsicherung mit Nahrungsmitteln hin zu verbesserten Kenntnissen über den Nährstoffbedarf landwirtschaftlicher Nutztiere. Neue und weniger gebräuchliche Futtermittel, unkonventionelle Gewinnungsverfahren und Recyclingprozesse sowie Forschungsarbeiten über Zusatzstoffe und Schadstoffe erweiterten das Forschungsspektrum.

Heute zielt die Forschung des Instituts für Tierernährung auf die effektive Umwandlung von Futtermitteln bzw. Futterinhaltsstoffen in qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel oder andere tierische Leistungen. Hierbei werden sowohl ökonomische, ökologische und ethische Aspekte als auch die Tiergesundheit berücksichtigt.

Seit der Neuordnung der Ressortforschung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zum 1. Januar 2008 gehört das Institut für Tierernährung in Braunschweig zum Friedrich-Loeffler-Institut.

Celle