Mirabegron (INN) ist ein rezeptpflichtiger Arzneistoff aus der Gruppe der β3-Sympathomimetika. Es ist in der EU seit 2012 zur Behandlung der überaktiven Blase zugelassen.Dossier zur Nutzenbewertung, Gemeinsamer Bundesausschuss, PDF, 265 KB, abgerufen am 16. Mai 2020. Anwendung findet es in der symptomatischen Therapie von imperativem Harndrang, erhöhter Miktionsfrequenz und Dranginkontinenz. Es ist der erste Wirkstoff aus der Arzneistoffgruppe der β3-Sympathomimetika.S. Aditya, S. K. Mathur: Mirabegron: A first-in-class beta-3 agonist for overactive bladder. In: J Mahatma Gandhi Inst Med Sci. Band 20, 2015, S. 128–133. doi:10.4103/0971-9903.164227
Wirkmechanismus Mirabegron wirkt als β3-Adrenozeptor-Agonist. Durch eine sympathische Innervation der Harnblase kommt es zu einer Erhöhung der Blasenkapazität und eine Verminderung der Kontraktilität der Blasenmuskulatur. Tierstudien und Versuche an isolierten Blasenmuskelzellen zeigten eine Relaxation der glatten Blasenmuskulatur. In vivo wurde eine Zunahme des Miktionsvolumens festgestellt.T. Hatanaka, M. Ukai, M. Watanabe u. a.: In vitro and in vivo pharmacological profile of the selective β3-adrenoceptor agonist mirabegron in rats. In: Naunyn-Schmiedeberg's Arch Pharmacol. Band 386, 2013, S. 247–253. DOI:10.1007/s00210-012-0821-4
Handel Mirabegron wird unter den Handelsnamen Betmiga (EU), Myrbetriq (USA) und Betanis (Japan) vertrieben.
Es ist unter anderem in den USA, Europa und Japan zugelassen. In Deutschland wurde der Arzneistoff ab Juni 2014 für ein Jahr verkauft. Jedoch zeigte Mirabegron gegenüber den kostengünstigeren Anticholinergika keinen Zusatznutzen, weswegen es zunächst vom Markt genommen wurde.
Seit dem 15. August 2017 ist es erneut auf dem Markt erhältlich.Erneute Marktaufnahme Mirabegron, abgerufen am 14. Mai 2020. Es wird jedoch nur als alternatives Therapeutikum bei Nebenwirkungen von Anticholinergika, insbesondere bei Mundtrockenheit, angewendet.
Anwendung und Dosierung Die Anwendung von Mirabegron erfolgt peroral als Retardtablette in einer Dosis von 25 oder 50 mg einmal täglich., abgerufen am 16. Mai 2020.
Nebenwirkungen Häufige Nebenwirkungen (≥ 1/100 bis < 1/10) sind Harnwegsinfektionen und Tachykardie. Seltener kommt es auch zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Obstipation und Durchfall., Ausgabe 05/2017, abgerufen am 15. Mai 2020.
Kontraindikation Mirabegron ist bei schwerer Hypertonie kontraindiziert. Es gab Fälle von hypertensiven Krisen, welche eindeutig auf die Medikation mit Betmiga zurückzuführen sind.Informationsblatt Mirabegron Astellas, Sep 2015, PDF, 96 kB, abgerufen am 15. Mai 2020.Rote-Hand-Brief Astellas, Sep 2015, PDF, 377 KB, abgerufen am 16. Mai 2020.
Literatur E. Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. WVG, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8047-3663-4. E. D. Deeks: Mirabegron: A Review in Overactive Bladder Syndrome. In: Drugs. Band 78, 2018, S. 833–844. DOI:10.1007/s40265-018-0924-4 M. Sanford: Mirabegron: A Review of Its Use in Patients with Overactive Bladder Syndrome. In: Drugs. Band 73, 2013, S. 1213–1225. DOI:10.1007/s40265-013-0086-3
Einzelnachweise
Kategorie:Sympathomimetikum Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Phenylethylamin Kategorie:Beta-Aminoalkohol Kategorie:Anilid Kategorie:Aminothiazol