mini|Die Brazilian-Jiu-Jitsu-Kämpfer Gabriel Vella und Romulo Barral auf den 2009 World Jiu-Jitsu Championships (es wird ein sogenannter Triangle-Choke probiert)

Das Brasilianische Jiu-Jitsu (kurz BJJ; englisch , portugiesisch jiu-jitsu brasileiro) ist eine Abwandlung und Weiterentwicklung der japanischen Kampfkünste Judo und Jiu Jitsu, die den Schwerpunkt auf Bodenkampf legt, wobei im Training zusätzlich Wurftechniken aus dem Stand unterrichtet werden. Der größte Sportverband ist die International Brazilian Jiu Jitsu Federation (IBJJF).

Geschichte des Brazilian Jiu Jitsu Anfänge mini|BJJ-Gründer und Rotgurt-Träger Hélio Gracie (2004) Das Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) entwickelte sich aus dem Kōdōkan-Judo, das in Brasilien von den Brüdern Carlos und Hélio Gracie weiterentwickelt wurde. Carlos Gracie lernte das Judo von Mitsuyo Maeda, einem Schüler von Kanō Jigorō, der in Brasilien Demonstrationen und Wettkämpfe durchführte, um seine Kampfkunst zu verbreiten. Maeda lehrte dabei nicht nur Techniken, sondern auch eine strategische Kampfphilosophie, die insbesondere die Nutzung von Bodenkampf (Newaza) und Hebelwirkung betonte.

Carlos Gracie unterrichtete die erlernten Techniken seinem jüngeren Bruder Hélio. Der familieninternen Überlieferung zufolge konnte Hélio Gracie aufgrund seines vergleichsweise leichten Körperbaus viele traditionelle Judotechniken nicht effektiv anwenden und verfeinerte daher die Mechanik und Hebelwirkung zahlreicher Techniken, um körperliche Nachteile auszugleichen.

Die Gracie-Brüder unterrichteten ihre Kinder in diesen Methoden, wodurch eine neue Generation von Kämpfern und Lehrern entstand. Bereits in den 1920er und 1930er Jahren führten sie sogenannte „Gracie Challenges“ ein: Offene Kämpfe gegen Vertreter anderer Kampfstile, die die Wirksamkeit ihres Stils unter realistischen Bedingungen demonstrieren sollten. Diese Herausforderungskämpfe gelten als Vorläufer des Vale Tudo.

Neben der technischen Entwicklung war auch der soziokulturelle Kontext wichtig: Die Gracies nutzten ihr Jiu-Jitsu auch als Mittel zur sozialen Aufwärtsmobilität und zur Festigung ihrer gesellschaftlichen Stellung in Brasilien.

In den 1970er Jahren zog Rorion Gracie, ein Sohn Hélios, in die Vereinigten Staaten und begann dort, den Familienstil zu unterrichten. Durch seine Aktivitäten gewann das Brazilian Jiu-Jitsu zunehmend internationale Bekanntheit und das legte den Grundstein für die weltweite Verbreitung der Kampfkunst.Geschichte des Brazilan Jiu Jitsu

Die ersten UFC-Turniere 1993 Anfang der 1990er Jahre eröffnete Rorion Gracie in Los Angeles eine größere BJJ-Akademie und entwickelte gemeinsam mit dem Werbefachmann Art Davie ein neues Turnierformat, das unterschiedliche Kampfstile unter realistischen Bedingungen unmittelbar miteinander vergleichen sollte. Daraus entstand die Ultimate Fighting Championship (UFC), deren erste Veranstaltung im November 1993 stattfand und über Pay-per-View ausgestrahlt wurde.foxsports.com Artikel "UFC-Mitbegründer Campbell MC Laren" veröffentlicht auf seinem Twitter-Account die Original UFC-Regeln von 1993, Artikel vom 14. Mai 2014, Stand 8. März 2018.Original UFC-Regeln von UFC-Mitbegründer Campbell MC Laren auf Twitter, Stand 8. März 2018.

UFC 1 war als nahezu regelloses K.-o.-Turnier konzipiert, bei dem Vertreter verschiedenster Disziplinen – darunter Karate, Boxen, Taekwondo, Savate, Kickboxen, Sumō, Wrestling und Brazilian Jiu-Jitsu – ohne Gewichtsklassen oder Zeitbegrenzung gegeneinander antraten. Erlaubt waren nahezu alle Techniken; verboten waren lediglich Beißen und Augenstechen. Andere Handlungen wie Kopfnüsse, Haareziehen oder Schläge in die Leistengegend galten zwar als „unerwünscht“, waren jedoch ausdrücklich nicht untersagt.foxsports.com Artikel "UFC-Mitbegründer Campbell MC Laren" veröffentlicht auf seinem Twitter-Account die Original UFC-Regeln von 1993, Artikel vom 14. Mai 2014, Stand 8. März 2018.

Ziel der Kämpfe war es, den Gegner durch knockout oder Aufgabe zu besiegen. Royce Gracie, der Sohn von Hélio Gracie, trat als leichtester Teilnehmer des Turniers an und gewann UFC 1, indem er alle seine Kämpfe durch Submission für sich entschied. Gracie gewann insgesamt drei der vier frühen UFC-Turniere der Jahre 1993/1994.Kampfbilanz Royce Gracie gesamt einschließlich der ersten vier UFC-Turniere 1993/1994, abgerufen am 8. März 2018 Bis heute ist er der einzige Kämpfer, der vier Kämpfe innerhalb einer einzelnen UFC-Veranstaltung gewinnen konnte.Geschichte der Ultimate Fighting Championship (UFC)

Auswirkungen des Sieges von Royce Gracie auf die Verbreitung von BJJ Der Sieg von Royce Gracie führte in den 1990er-Jahren zu einem sprunghaften Anstieg der weltweiten Aufmerksamkeit für das Brazilian Jiu-Jitsu. Die öffentliche Wahrnehmung, dass ein technisch orientierter, vergleichsweise leichter Kämpfer Gegner unterschiedlichster Stilrichtungen besiegen konnte, machte die Effektivität des kontroll- und submissionsbasierten Bodenkampfes erstmals einem Massenpublikum sichtbar. Die von Gracie demonstrierte Methodik – die Distanz zu schlagstarken Gegnern schnell zu schließen, den Kampf in den Bodenkampf zu verlagern und dort durch dominante Positionen Hebel- und Würgetechniken einzusetzen – wurde in der Folge von vielen Kampfsportlern weltweit übernommen und prägte die strategische Ausrichtung des sich entwickelnden Mixed Martial Arts (MMA) nachhaltig.

Der Erfolg führte zu einem anhaltenden Zustrom von Schülern in BJJ-Akademien, besonders in den USA, wo der Nachweis der Praxistauglichkeit des Gracie-Stils ein großes Interesse an grapplingspezifischem Training auslöste. Viele Schulen anderer Kampfsportarten integrierten daraufhin erstmals systematisches Bodenkampf- und Submissionstraining in ihre Programme, was zu einer schnellen Expansion von BJJ-Akademien, Ausbildungsstrukturen und internationalen Verbänden beitrug.

Gleichzeitig etablierte sich die von Gracie gezeigte Vorgehensweise langfristig als Grundbestandteil des Trainings fast aller professionellen MMA-Kämpfer. Zwar gehören Schläge und Tritte nicht zum regulären Technikrepertoire des sportlichen BJJ, doch wurden sie im MMA-Kontext häufig taktisch genutzt, um Reaktionen zu provozieren und den Übergang in den Bodenkampf vorzubereiten – ein Ansatz, der stark durch die frühen Gracie-Kämpfe geprägt wurde. Diese strukturelle Verschmelzung von BJJ-Prinzipien mit Schlagtechniken führte dazu, dass BJJ zu einem unverzichtbaren Bestandteil des modernen MMA wurde und weltweit ein erhebliches Prestige gewann.

Royce Gracies Erfolg gilt daher als Schlüsselmoment für die globale Verbreitung des Brazilian Jiu-Jitsu: Er machte die Techniken international sichtbar, veränderte die Trainingskultur diverser Kampfkünste und leitete die bis heute anhaltende Professionalisierung und Globalisierung des BJJ ein.

Abgrenzung Gracie Jiu Jitsu (GJJ) zu Brazilian Jiu Jitsu (BJJ) Teilweise findet innerhalb der BJJ-Community eine Abgrenzung zwischen Gracie Jiu Jitsu (GJJ) und Brazilian Jiu Jitsu statt. Gracie Jiu Jitsu ist generell Brazilian Jiu Jitsu, aber nicht jeder Stil und jede Technik beim Brazilian Jiu Jitsu ist Gracie Jiu Jitsu (GJJ).

GJJ muss drei Merkmale erfüllen:

1. Leichte Anwendbarkeit/Erlernbarkeit Im BJJ gibt es Techniken, welche viel Übung oder körperliche Voraussetzungen wie Größe, Gelenkigkeit oder komplizierte Eingänge erfordern. Dazu zählen beispielsweise Techniken wie die Deep Half Guard, für die man nicht zu groß sein darf, Rubber Guard oder Flying Armbar. Die Techniken sind wirksam und können erlernt werden – jedoch teilweise nur, sofern die körperlichen Voraussetzungen gegeben sind. Die „GJJ“-Äquivalente hierzu wären Half Guard, Guard und Armbar.

2. Funktionalität auf Basis von Hebelwirkung (Ohne Kraft) Komplizierte Takedowns wie etwa der aus dem Ringen entliehene „Suplex“ erfordern Kraft und Koordination. Sie sind wirksam, können aber nicht „ohne weiteres“ erlernt werden bzw. die Übung dauert Monate bis Jahre. Die GJJ-Alternative hierzu wäre beispielsweise ein Body Lock.

3. „Straßentauglichkeit“ Unterschieden werden kann zwischen „Sport Jiu Jitsu“ und „Street Jiu Jitsu“. Beim Sport Jiu Jitsu gibt es viele Techniken, welche auf das Regelwerk aufbauen. So gibt es etwa die „Turtle-Position“, bei welcher ein Kämpfer sich einigelt. In einem regellosen Kampf wäre das keine Option, da ihm der Angreifer in Rücken und Weichteile treten würde. Auch hier wären der „Tactical Standup“, ein schnelles Aufstehen, die „Guard“, die „Mount“ oder die „Side Control“ praktikablere Alternativen.Erläuterung Unterschied zwischen Street (Gracie) Jiu Jitsu sowie Sport Jiu Jitsu durch Ryron und Rener Gracie, Stand 14. Juni 2020.

10th Planet Jiu Jitsu Der Kampfsportler Eddie Bravo entwickelte die Techniken der Familie Gracie weiter und nannte seinen Stil 10th Planet Jiu Jitsu. Bravos System verzichtet vollständig auf die Nutzung des Keikogis, weshalb es für den modernen MMA-Wettkampf leichter zu adaptieren ist. Große Berühmtheit erlangte er in Kampfsport-Kreisen durch seinen Sieg über Royler Gracie während der ADCC Submission Wrestling World Championship 2003.Youtube-Video des Kampfes von Eddie Bravo gegen Royler Gracie auf der ADCC, 2003, Stand 8. März 2018.Fachartikel "Bloodyelbow" vom 26. August 2015 zum Kampf von Eddie Bravo gegen Royler Gracie auf der ADCC, 2003, Seite auf Englisch, abgerufen am 27. August 2024

Graduierung Im Rahmen eines Wettkampfes messen sich Kämpfer in verschiedenen Gewichts- und Anfänger/Fortgeschrittenen Klassen, die sich nach der Gürtelfarbe der Kämpfer einteilen. Die Abstufung der Gürtel im BJJ basiert auf den japanischen Kyū- und Dan-Gürtelsystemen, was auch die Verwandtschaft zu Judo und Jiu Jitsu widerspiegelt. Die Gürtel unterscheiden sich von ihren japanischen Gegenstücken durch einen kurzen ummantelten Teil auf einem Ende, den sogenannten . Darauf werden bei den Schülergraden noch bis zu vier Streifen () aufgenäht, die zusätzlich eine Feinabstufung des Könnens darstellen sollen.

Die Farben, vom Anfänger zum Meister:

+ Junior Gurtfarben (15 und jünger) Weiß Grau Gelb Orange Grün Gürtelbild 75px|Weißer Gürtel 75px|Grauer Gürtel 75px|Gelber Gürtel 75px|Oranger Gürtel 75px|GrünerGürtel Gürtelfarbe weiß grau gelb orange grün + Erwachsene (16 und älter) Weiß Blau Violett Braun Gürtelbild 75px|Weißer Gürtel 75px|Blauer Gürtel 75px|Violetter Gürtel 75px|Brauner Gürtel Gürtelfarbe weiß blau violett braun

Der erste Meistergrad ist der schwarze Gürtel bzw. „“ (ohne Stripe). Danach folgen 1.–10. Grad („“). Bei den Black Belts repräsentieren die Stripes den numerischen Grad („“) des Gürtels. + Meister-Grade bis 6. Grad 7. Grad 8. Grad 9.–10. Grad Gürtelbild 75px|Schwarzer Gürtel 75px|Schwarz-Roter Gürtel 75px|Rote-Weißer Gürtel 75px|Roter Gürtel Gürtelfarbe schwarz schwarz- rot- rot rot weiß

Traditionell werden im BJJ die Gürtel vom Lehrer (in der Regel ein Schwarzgurt) an seine Schüler „verliehen“. Hierbei ist weniger entscheidend, wie lange die Person BJJ bereits ausübt, sondern eine „“ (Gürtelverleihung) findet anhand des Erfolges statt, den die Schüler im Training oder in Wettkämpfen erzielen.

Regeln Grundsätzlich sind Beißen, Haare reißen, Schlagen, Treten und Fingerstiche im sportlichen Wettkampf verboten. Wie dargelegt, grenzt sich Brazilian Jiu Jitsu insofern etwa vom MMA ab, wo Schläge und Tritte unter Berücksichtigung gewisser Regeln erlaubt sind., abgerufen am 8. März 2018.