mini|Kirche St. Raphael mit Haupteingang mini|Ansicht der Kirche von der Ludwig-Landmann-StraßeSt. Raphael ist eine ehemalige römisch-katholische Kirche im Frankfurter Stadtteil Bockenheim an der Ludwig-Landmann-Straße (Industriehof). Sie gehörte seit 2017 als Kirchengemeinde St. Anna–St. Raphael gemeinsam mit der Frauenfriedenskirche und den Kirchen St. Elisabeth, Christ-König und St. Antonius zur Pfarrei Sankt Marien Frankfurt am Main.
Geschichte mini|Gemeindezentrum Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Bereich Industriehof neue Wohnungen gebaut, sowohl für ausgebombte Frankfurter Bürger als auch für viele Heimatvertriebene. Seelsorglich lag die Betreuung bei der Kirchengemeinde St. Anna in Frankfurt-Hausen. Die alte Sankt Anna-Kirche, damals noch in der Großen Nelkenstraße, war für die vielen Menschen bald zu klein. So beschloss man, eine weitere Kirche sowie einen Kindergarten auf einem von der Stadt Frankfurt erworbenen 7500 m² großen Gelände zu bauen, welches von der Ludwig-Landmann-Straße, der Rossittener Straße, der Lötzener Straße und der Hohensteiner Straße umgrenzt wird.
Entworfen wurde die Kirche vom Architekten Hans Busch. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1953 fand 1954 die Einweihung des Pfarrsaales als Notkirche und des Kindergartens statt.100 Jahre Katholischer Gottesdienst in Frankfurt am Main-Hausen. Sankt Anna 1901–2001. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Anna, Frankfurt am Main 2001, S. 45 f. und 50 f.St. Raphael im Pastoralen Raum Frankfurt West. In: Geschichte der Kirchen in Sankt Marien. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Marien, Frankfurt am Main 2017, S. 107–119. Die Kirche wurde dem Patrozinium des Erzengels Raphael unterstellt. Nachdem sich das Zuständigkeitsgebiet der Gemeinde weiter ausgedehnt hatte und nun auch die Wohngebiete am Biegwald und die Rödelheimer Landstraße umfasste, erhielt St. Raphael 1964 den Status der Pfarrvikarie mit eigenem Seelsorger.
Als provisorisches Gemeindehaus wurde 1969 eine Baracke und als Ergänzung dazu 1971 ein älterer Eisenbahnwagen auf dem Gelände aufgestellt. Der 1977 begonnene Bau eines Gemeindezentrums konnte 1979 fertiggestellt werden. Ende der 1970er Jahre kam es ebenfalls zu einer weitreichenden liturgischen Neuordnung und baulichen Erweiterung der Kirche. Nach Abschluss der Baumaßnahmen fand am 20. Mai 1979 die Weihe von Kirche und Gemeindezentrum durch Bischof Wilhelm Kempf statt.
Ab 1987 wurden die Gemeinden St. Raphael und St. Anna wieder von einem gemeinsamen Pfarrer geleitet. Im Zuge der vom Bistum Limburg angestrebten Entwicklung zur Großraumpastoral kam es im Jahr 2003 zur Fusion der Gemeinden St. Anna und St. Raphael als Gemeinde St. Anna–St. Raphael. Beheimatet waren in St. Raphael auch viele Jahre lang die ungarische und die ukrainische Gemeinde.
Am 5. Juli 2020 wurde die Kirche durch den Limburger Bischof Georg Bätzing für profan erklärt.Gernot Gottwals: Kirche in Frankfurt wird abgerissen und macht Platz für eine Schule. In: Frankfurter Neue Presse. 10. Mai 2020, abgerufen am 15. Mai 2020. An ihrer Stelle sollte bis 2023 ein katholisches Gymnasium in privater Trägerschaft entstehen. Die Pläne sahen einen Neubau für 800 Schüler vor, in den Teile der früheren Kirche integriert werden sollten. Nachdem die als Bauträger vorgesehenen Malteser Werke im Sommer 2022 absprangen und die Finanzierung nicht gesichert war, scheiterte damit die Realisierung auf unabsehbare Zeit.
Im Frühjahr 2023 wurde bekanntgegeben, dass das Areal ab 2025 als Ausweichquartier für die Hausener Grundschule Kerschensteinerschule während der Renovierung der Schule genutzt werden solle. Derweil sucht das Bistum weiter nach einem Träger für das geplante Gymnasium.
Ausstattung Das schlichte Gebäude mit normalen Glasfenstern wurde als Pfarrsaal und Notkirche ohne Turm erbaut. Der einfache Altar konnte mit einem Vorhang abgetrennt werden, um eine Nutzung für Veranstaltungen der Gemeinde zu ermöglichen. Der Eingang mit dem darüber an der Außenfassade angebrachten großen Holzkreuz war ursprünglich an der Ludwig-Landmann-Straße. Im Innenbereich befand sich oberhalb des Eingangs eine kleine Empore.
Bei der Neugestaltung der Kirche Ende der 1970er Jahre erfolgte eine breitflächige Öffnung der südlichen Seitenwand. In diese wurde eine bis in Giebelhöhe reichende Apsis mit einer aus hellem Sandstein bestehenden leichten Erhöhung eingefügt, auf deren vorderem Bereich Altar, Ambo und Tabernakel (ebenfalls aus hellem Sandstein), platziert wurden. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Fenstern wurde an der Altarseite ein großes bis zum Dachgebälk reichendes, mit bunten Ornamenten verziertes Fenstern ergänzt und davor das Taufbecken aufgestellt. Zudem wurde die Innenausstattung um eine holzgeschnitzte Madonna mit Jesuskind, ein großes St. Raphael-Relief sowie ein neues Kreuz in der Apsis ergänzt.
Die vorherige Sitzordnung war nun nach einer Drehung um 90° im Halbkreis um den Altar angeordnet. In die innen offene Holzdachkonstruktion wurden Vielfachleuchten eingefügt. Die Empore über dem früheren Eingang wurde entfernt und darunter ein rundförmiger Raum als Beicht- oder Gesprächsraum eingerichtet. Der Eingang an der Ludwig-Landmann-Straße wurde an die gegenüberliegende Stirnseite des Raumes verlegt und die Außenwand verschlossen. Das Holzkreuz befindet sich noch heute am ursprünglichen Platz an der Außenfassade.
Orgel Die kleine elektronische Orgel wurde 1988 durch eine von Hugo Mayer Orgelbau gefertigte größere Pfeifenorgel ersetzt, die anlässlich der Generalsanierung der Frauenfriedenskirche dorthin umgesetzt wurde, wo sie seit 2020 als Chororgel dient.
Literatur Karin Berkemann: Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945–76) (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland; Kulturdenkmäler in Hessen). Stuttgart 2013 (zugl. Diss., Neuendettelsau, 2012), S. 214. St. Raphael im Pastoralen Raum Frankfurt West. In: Geschichte der Kirchen in Sankt Marien. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Marien, Frankfurt am Main 2017, S. 107–119, , S. 5–18 (online, PDF) 100 Jahre Katholischer Gottesdienst in Frankfurt am Main-Hausen. Sankt Anna 1901–2001. Hrsg. und Verlag: Kath. Kirchengemeinde Sankt Anna, Frankfurt am Main 2001,
Weblinks
Website der Kirchengemeinde St. Marien Frankfurt St. Raphael Schule, Frankfurt am Main, archiviert vom Original im Internet Archive am 16. Mai 2022
Einzelnachweise
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