Karwe ist ein Ortsteil der Kreisstadt Neuruppin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Land Brandenburg.

Geografie Der Ort liegt ca. 10 Kilometer südöstlich der Kernstadt Neuruppin am Ostufer des 807 ha großen Ruppiner Sees. Gegenüber am Westufer liegt Wustrau-Altfriesack. Südlich verläuft die Landesstraße L 164, nordöstlich die L 167. Der Ort liegt auf einer Höhe von ca.

Geschichte mini|links|Gutshaus Karwe um 1878 (nicht mehr vorhanden)

Im Jahre 1356 wurde ein Ritter „de Karwe“ erstmals erwähnt und der Ort wird historisch auch als Karve und Carwe genannt. Er gehörte damals zur hier reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin. In Karwe bestanden zwei Rittergüter, das eine gehörte bereits vor 1525 denen von Rodensee und das andere denen von Wildberg, die schon 1485 hier ansässig waren. Daneben verfügten die v. Zernikow über den wüsten Krug, vier Bauernhöfe und Hebungen (Abgaben) von vier weiteren (1560). Die Kirche von Neuruppin betrieb zwei Bauernhöfe in Karwe. Das Kloster Lindow verfügte nachweislich 1530 über Rechte an 6 Bauernhöfen. Das Patronatsrecht der Kirche Karwe im Jahre 1541, zur Inspektion Ruppin gehörend, hatte das Kloster Lindow. Nachfolgende Besitzer der Güter waren, in den Jahren 1565 die von Quast zu Gartz, 1606 die von Woldeck und 1609 die von Kötteritz. Im Ort bestanden 29 Bauernhöfe und als Spätfolgen des Dreißigjährigen Krieges waren 1687 17 Höfe nicht mehr bewirtschaftet. Nach dem im selben Jahr die Güter zusammengelegt wurden, gab es folgende Besitzer, die Schenken von Winterstedt (Winterstädt) zu Dannenberg und im Jahre 1716 die von Rhedern.

Das Gut, zu welchem das ganze Dorf gehörte, wurde 1771 separiert und besaß 15 Hufen Ackerland, einen 3000 Morgen großen Forst mit Erlen (Ellern) und Kiefern (Kiehnen) und Wiesen zur Heugewinnung. Es gab 16 Ganzbauern (Vollhüfner), 2 Kossäten und einen Besitz von 40 Hufen besten Ackerlandes und 4 Pfarrhufen. Zur Heugewinnung und Weiden des Viehbestandes wurde 500 Morgen im Wustrauer Luch genutzt, darunter einige durch die Bauern. Der Tierbestand bezifferte sich auf 370 Rinder, 90 Pferde, 132 Schweine und 2066 Schafe. Zu dieser Zeit hatte Karwe 34 Wohnstätten (Feuerstellen). In den Jahren 1731, 1749, 1759, 1766 und 1777 kam es immer wieder zu Viehsterben durch Tierseuchen

Das Rittergut, das in Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ausführlich beschrieben wird, gehörte seit 1721/1722 dem Altmärker Stamm der Familie von dem Knesebeck. Bekanntester Vertreter war der in Karwe geborene preußische Generalfeldmarschall Karl Friedrich von dem Knesebeck (1768–1848). Ein in die Landschaft übergehender Gutspark wurde unter dem Einfluss von Peter Joseph Lenné angelegt. Die Genealogie der Herren von dem Knesebeck-Milendonck auf Gut Karwe führt seit 1870 den preußische Freiherrentitel. Um 1880 gehörte zum 1580 ha großen Rittergut Karwe noch ein Brennerei und eine Ziegelei, der Besitz war aber zeitweise verpachtet. Eigentümer war der Major Alfred Freiherr von dem Knesebeck, verheiratet mit Franziska von Bojanowska. Erbe wird ihr Sohn Erich von dem Knesebeck-Milendonck. Der Baron ist nicht nur Gutsherr von Karwe, zum Zeitpunkt 1907 konkret 1590 ha, davon 750 ha Wald, sondern königlich-preußischer Landrat. Die Nachfolger sind die Neffen, Rittmeister Krafft von dem Knesebeck-Schwastorf (1915–1942)Der Tod des Rittmeisters von dem Knesebeck-Milendonck. In: Jochen Löser, Fritz Bente: Bittere Pflicht. Kampf und Untergang der 76. Berlin-Brandenburg. Infanterie-Division. 2. Auflage. Druck Günter Runge Cloppenburg, Biblio, Osnabrück 1988, ISBN 3-7648-1756-9, S. 164. und der Landwirt Harro von dem Knesebeck-Schwastorf, verheiratet mit Editha von Detten-Möllenhagen. Nach dem letztmals 1929, also vor der großen Wirtschaftskrise, amtlich publizierten Brandenburgischen Güteradressbuch beinhaltete das Rittergut Karwe noch 1383 ha Land, hier noch bis 1937 in Besitz der Helene Freifrau von dem Knesebeck-Milendonck, geborene von Ohlen und Adlerskron.

Das 1724 erbaute Gutshaus wurde 1983 abgerissen. Nach 1990 erwarben Krafft Freiherr von dem Knesebeck (1954–2020),Peter von Becker: Nachruf auf Krafft Freiherr von dem Knesebeck: Wie alter Adel einem Dorf zu neuem Glanz verhalf. In: Tagesspiegel, 9. Dezember 2020. Siegmar Trenkler: Krafft von dem Knesebeck aus Karwe ist tot. MOZ. 7. Dezember 2020. Sohn des Harro von dem Knesebeck, und seine Familie Teile des Besitzes zurück und richteten sich als Wohnsitz den ehemaligen Pferdestall her, in dem auch eine Ausstellung „Fontane trifft Knesebeck“Fontane trifft Knesebeck. 11. Mai 2019 bis 3. Oktober 2019., In: Fontane 200. Hrsg. Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte Potsdam. zu sehen ist.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Karwe Jahr 1766 1785 1798 2017 2024 Einwohner 194 272 288 329 350

Historische Landwirtschaft

Aussaat und Tierbestand Gühlen-Glienicke im Jahre 1798 Aussaat Weizen Roggen Gerste Hafer Erbsen Wicken Buchweizen Kartoffeln Leinsamen Menge 4 Winspel 15 Scheffel 31 Winspel 6 Scheffel 13 Winspel 16 Scheffel 25 Winspel 22 Scheffel 13 Winspel 16 Scheffel 5 Winspel 4 Scheffel 9 Scheffel 6 Winspel 1 Winspel 5 Scheffel Tierbestand Pferde Rinder Schafe Schweine Stück 90 370 2066 132

Dorfkirche Karwe mini|Kirche Karwe Gedenktafeln Knesebeck

Karwes Kirche wurde im Spätmittelalter aus Feldsteinen erbaut und ist mit einem achteckigen Spitzturm auf der Westseite versehen.

Eingemeindungen Am 6. Dezember 1993 wurde aus den Gemeinden Buskow, Gnewikow, Gühlen-Glienicke, Karwe, Krangen, Lichtenberg, Molchow, Nietwerder, Radensleben, Stöffin, Wulkow und Wuthenow sowie den Städten Alt Ruppin und Neuruppin die Stadt Neuruppin gebildet. Seither ist Karwe ein Ortsteil der Stadt Neuruppin.

Ortsbeirat Karwe besitzt einen Ortsbeirat. Ortsvorsteher ist René Wille. Ortsbeiratsmitglieder sind Martin Schwenger und Wiete Rieger.

Sehenswürdigkeiten mini|Neuruppin Karwe Lange Straße 15 Tagelöhnerwohnhaus mini|Neuruppin Karwe Lange Straße 27 Wohnhaus

Dorfkirche mit Kirchhofsportal (Lange Straße) Gutsanlage, bestehend aus Grundmauern des Gutshauses, Wirtschaftshof mit Pferdestall und Gutspark (Landschaftspark) (Lange Straße 31, 32, Am Alten Gutshof 3) Tagelöhnerwohnhaus (Lange Straße 15) Wohnhaus mit Stallspeicher (Lange Straße 21) Wohnhaus mit Stallanlagen (Lange Straße 27) Schule (heute Wohnhaus) mit Einfriedung (Lange Straße 30)

Persönlichkeiten Levin Erich von dem Knesebeck-Milendonck (1870–1953), in Karwe geboren, Verwaltungsjurist

Literatur Krafft Freiherr von dem Knesebeck-Milendonck, Klaus-Henning von Krosigk, Johanna Bachmann: Karwe. In: Schlösser und Gärten der Mark. Heft 155, Hrsg. Deutsche Gesellschaft, Sibylle Badstübner-Gröger. Berlin 2019, ISBN 978-3-941675-95-7. Robert Rauh: Karwe. In: Fontanes Ruppiner Land. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Berlin 2019, ISBN 978-3-86124-723-4 Udo Geiseler, Stephan Reinert: Karwe. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb. Band 2. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 291–293.

Weblinks

Historische Karte Meyers Ortslexikon Karwe erkunden meyersgaz.org Karwe von Fontanes Wanderungen (youtube Video 4:49 min). zibb, rbb Ortsteil Karwe. Website der Stadt Neuruppin Park Karwe Tafel Krafft von dem Knesebeck 1942 Grabtafel der Gutsfrau Helene Freifrau von dem Knesebeck 1937

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Neuruppin) Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) Kategorie:Gemeindeauflösung 1993 Kategorie:Ersterwähnung 1356