Die Päpstliche Schweizergarde (, , auch Cohors Pedestris Helvetiorum a Sacra Custodia Pontificis, , ), verkürzt Schweizergarde oder auch Vatikangarde, ist die einzig verbliebene bewaffnete Militäreinheit des Heiligen Stuhls. Sie sichert den Apostolischen Palast sowie die Zugänge zur Vatikanstadt und zur Sommerresidenz des Papstes in Castel Gandolfo. Daneben leistet sie Ordnungs- und Ehrendienste und ist für die persönliche Sicherheit des Papstes verantwortlich. Die offiziellen Kommandosprachen sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Das Korps wurde im Jahre 1506 durch Papst Julius II. gegründet und ist somit das älteste noch existierende Militärkorps der Welt.

Vorgeschichte Die Vorgeschichte der Schweizergarde ist mit dem militärischen Engagement verbunden, welches die Päpste in Verbindung mit dem Kirchenstaat in verschiedensten Auseinandersetzungen gezeigt haben. Eigenständige Streitkräfte oder ein Heer des Vatikans werden historisch kaum wahrgenommen, auch wenn es im Sinne oder im Auftrag von Päpsten zu militärischen Auseinandersetzungen kam, die seit dem Ersten Kreuzzug bekannt sind. Zur Rüstkammer des Vatikans ist bekannt, dass um 1480 der Büchsenmeister Jörg von Nürnberg von Sixtus IV. in Dienst gestellt wurde.Jörg von Nürnberg: Geschicht von der Turckey, Zitat: „Darnach ward ich gesandt zu vnserem hailigen vatter dem Babst Sixto quarto des buchsenmaister ich worden pin“, Memmingen um 1482 Seite 16, (Digitalisat)

Geschichte miniatur|hochkant|links|Schweizergardisten im Harnisch (Vatikanstadt 1930) mini|hochkant|Schweizergardisten in ihren traditionellen Uniformen|alternativtext=Frontale Farbfotografie von zwei Männern in Gardeuniform, die vor einer ockerfarbenen Wand stehen. Die Uniform hat blau-gelb längsgestreifte Puffärmel und Pumphosen mit rotem Stoff in den Falten. Der untere Beinstoff liegt eng am Bein und ist ebenfalls blau-gelb gestreift. Der Stehkragen ist weiss und sie tragen eine schwarze Baskenmütze. mini|hochkant|links|Schweizergardist mit Hellebarde auf der Schildwache (2005)|alternativtext=Seitliche Farbfotografie von einem Gardisten, der mit einer Hellebarde vor seinem Wachhaus steht. Im Hintergrund ist ein Eisentor mit einem Durchgang

mini|Offizielles Logo der Päpstlichen Schweizergarde|alternativtext=Grafische Darstellung des Logos mit zwei sich kreuzenden Schlüsseln, die mit Kordeln verbunden sind, und einer Papstkrone. Rechts steht „Päpstliche Schweizergarde. Garde Suisse Pontificale. Guardia Svizzera Pontificia. Guardia Svizra Papala“. 1505 beantragte Papst Julius II. bei der Tagsatzung, der Versammlung von Abgesandten der Schweizerischen Eidgenossenschaft, ein Kontingent von Schweizer Reisläufern zum Schutze des Vatikans. Der Schweizer Buonaser Kleriker Peter von Hertenstein vermittelte und die Augsburger Jakob und Ulrich Fugger bezahlten die ersten 150 Gardisten.

Als Gründungstag der ersten Garde gilt der 22. Januar 1506, als jene Reisläufer unter der Führung ihres Hauptmanns Kaspar von Silenen und Peter von Hertenstein in Rom eintrafen. Ihre Aufgabe war, als Leib- und Palastwache dem Papst zu dienen.

Während der Plünderung Roms (Sacco di Roma) am 6. Mai 1527 starben 147 von 189 Mann; auch der Kommandant Kaspar Röist kam beim Rückzug von Papst Clemens VII. in die Engelsburg ums Leben.Thomas Weibel: Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Schweizergarde Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseum vom 4. Mai 2023 Der 6. Mai gilt daher als Gedenktag der Schweizergarde, an dem jährlich die neuen Gardisten vereidigt werden.

Einen Monat nach dem Sacco di Roma ergab sich der Papst und die Garde wurde von 200 deutschen protestantischen Söldnern Custodia Peditum Germanorum ersetzt. 12 Schweizer traten in diese neue Garde ein.

Unter Papst Paul III. wurde die zweite Schweizer Garde 1548 unter Jost von MeggenEin adeliger Luzerner in Jerusalem Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom neu aufgestellt und erreichte 1552 eine Stärke von 200 Mann.

Infolge der Französischen Revolution wurde am 16. Februar 1798 der Vatikan durch französische Truppen besetzt. Papst Pius VI. musste Rom verlassen und die zweite Garde wurde aufgelöst.

1800 stellte Karl Leodegar Pfyffer von Altishofen unter Pius VII. die dritte Schweizergarde auf.

1848 ging sie mit Pius IX. ins Exil und wurde von der kurzlebigen Römischen Republik offiziell aufgelöst, nach deren Niederschlagung aber in Rom wiedereingesetzt.

Im Lateranvertrag vom 11. Februar 1929 mit dem Königreich Italien erhielt der Heilige Stuhl das Recht der Selbstverwaltung als Staat der Vatikanstadt. Da Schweizern Militärdienste im Ausland seit 1848 verboten sind, bestätigte der schweizerische Gesamtbundesrat am 15. Februar 1929 die Stellungnahme des Parlaments: «Die päpstliche Garde kann nicht als ausländische, bewaffnete Einheit gemäss Artikel 94 des militärischen Strafrechts betrachtet werden; da diese Truppe eine einfache Wachpolizei ist, kann jeder, wie bisher, in ihren Dienst treten, ohne die Zustimmung des Gesamtbundesrates einzuholen.»1929 Lateranverträge. In: Website der Päpstlichen Schweizergarde

mini|hochkant|Das Schweizertor in der Hofburg in Wien|alternativtext=Frontale Farbfotografie von einem Durchgang in grün-braunen Querstreifen mit goldenen Ornamenten, der in die weisse Fassade mit Fenstern eingebaut ist. Über dem Durchgang befinden sich ein Wappen und lateinische Wörter. In der Gründungszeit war Schweizer oder Schweitzer eine allgemeine Bezeichnung für einen Söldner. Der König von Frankreich unterhielt die Einheit der Cent-suisses, und unter Maria Theresia diente von 1748 bis 1767 ein Kontingent von bis zu 450 Schweizergardisten in der Hofburg in Wien, woran der Schweizerhof und das Schweizertor erinnern.

Seit 1970, als Papst Paul VI. die Nobelgarde und die Palatingarde auflöste sowie der Vatikanischen Gendarmerie klassische Polizeiaufgaben zuwies, ist die Schweizergarde die letzte der vormals vier päpstlichen Garden und einzige militärische Formation des Heiligen Stuhls, aber keine Armee.Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 1977 Bd. 21, S. 434

Im April 2018 erhöhte Papst Franziskus die Sollstärke der Schweizergarde von 110 auf 135 Mann. Im Dezember 2018 wurden 14 Mann zu Unteroffizieren befördert. Auch die Zahl der Gardisten, die den Papst auf Reisen begleiten sollen, wurde auf 40 Mann einschliesslich sechs Offizieren erhöht. Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung hatte die Schweizergarde 113 Mitglieder.Vatikan: Schweizergarde stellt sich neu auf. Vatican News vom 4. Dezember 2018, Abruf am 10. Dezember 2018

2016 wurde für die Renovierung der in schlechtem Zustand befindlichen Kaserne der Schweizergarde in der Schweiz eine Stiftung gegründet, die Gelder sammelt. Der Kantonsrat Luzern beschloss am 24. Januar 2022 auf Antrag des Regierungsrates, den Kasernenneubau mit 400’000 Franken zu unterstützen. Gegen diesen Beschluss wurde das Referendum ergriffen. Das Referendumskomitee war der Auffassung, dass die Finanzierung der Infrastrukturkosten eines fremden Staates nicht die Aufgabe eines schweizerischen Kantons sein könne. Die Befürworter argumentierten mit dem «besonders engen historischen Bezug» des Kantons zur Schweizergarde. Die Garde stehe «für Schweizer Werte wie Zuverlässigkeit, Loyalität, Pflichtbewusstsein und Beständigkeit» und sei «eine wichtige Botschafterin der Schweiz». In der Volksabstimmung vom 25. September 2022 wurde der Kredit sehr deutlich (Ja-Stimmenanteil 28,52 %) abgelehnt. In 17 anderen Kantonen haben die Kantonsparlamente oder Kantonsregierungen Beiträge gesprochen, ohne dass eine Volksabstimmung stattfand.

Schweizergarde heute mini|hochkant|Soldaten der Schweizergarde am Bronzenen Tor im Vatikan|alternativtext=Frontale Farbfotografie von einem grossen grünen Toreingang mit zwei Gardisten. Der rechte Gardist steht seitlich mit einer Hellebarde. Im Innern des Gebäudes sind Deckenlampen zu sehen. mini|hochkant|Wintermantel mit Quasten|alternativtext=Frontale Farbfotografie von zwei Gardisten in einem Eingang zu einem Arkadengang mit einer Deckenlampe im Hintergrund. Der rechte Gardist steht seitlich mit einer Hellebarde. Beide tragen einen schwarzen Umhang über ihrer Uniform.

Reglement Organisation und Aufgaben der Schweizergarde bestimmen sich nach einem Reglement, das vom päpstlichen Staatssekretariat im Auftrag des Papstes erlassen wird. Das aktuelle Personal-, Disziplinar- und Administrativreglement der Päpstlichen Schweizergarde wurde am 22. Januar 2006 – zum 500. Gründungstag der Garde – erlassen. Es ersetzt das Reglement von 1976.

Aufgaben Die oftmals fälschlicherweise als «kleinste Armee der Welt» bezeichnete Garde ist für die Sicherheit des Papstes zuständig. Sie betreibt Personenschutz, Objektschutz, Wachtdienst und Ordnungsdienst, zudem leistet sie Ehrendienste bei Audienzen, Besuchen, Messen und Schildwachen. Gemäss dem Reglement (Artikel 1) ist die Hauptaufgabe der Garde, «ständig über die Sicherheit des Papstes und seiner Residenz zu wachen». Weitere Pflichten sind aufgrund dieser Bestimmung:

den Papst auf seinen Reisen zu begleiten die Eingänge zur Vatikanstadt zu bewachen das Kardinalskollegium während der Sedisvakanz zu beschützen und andere Ordnungs- und Ehrendienste auszuführen, wie sie im Reglement angeführt sind

Gardisten im Vatikan können seit 2001 ein eidgenössisch anerkanntes Diplom als Fachmann für Sicherheit und Bewachung (FSB) erwerben, wofür sie etwa eine Dienstzeit von drei Jahren aufwenden.Fachmann/Fachfrau für Sicherheit und Bewachung mit eidg. Fachausweis (FSB). In: Website des Verbandes Schweizerischer Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen VSSU (Anforderungen für eidg. Fachausweis)

Nach Artikel 20 des Grundgesetzes für die Vatikanstadt übernimmt sie auf Bitten des Präsidenten des vatikanischen Governatorats neben dem Gendarmeriekorps Sicherheits- und Polizeiaufgaben.

Gardisten Die Rekruten der Schweizergarde haben eine Reihe von Aufnahmebedingungen zu erfüllen: Sie müssen katholische männliche Schweizer, zwischen 19 und 30 Jahren alt, mindestens 1,74 Meter gross und sportlich sein. Zusätzlich müssen sie einen einwandfreien Leumund besitzen, eine Mittelschule oder Berufslehre sowie die Rekrutenschule der Schweizer Armee absolviert haben. Als Hellebardiere und Vizekorporäle dürfen sie nicht verheiratet sein; wenn sie heiraten, wird ihnen eine Wohnung angeboten, deren Anzahl jedoch begrenzt ist. Nachdem sie mindestens 26 Monate gedient haben, können sie ihren Dienst beenden, wobei ihnen die vatikanische Staatsangehörigkeit aberkannt wird. Seit 1825 hat der Schweizer Kanton Wallis mit 693 die meisten Gardisten gestellt, aus dem Oberwalliser Ort Naters kamen allein 80 Gardisten.

Bestand und Dienstgradabzeichen Die Schweizergarde hat seit einer Neuordnung 2018Vatikan: Schweizergarde stellt sich neu auf. Vatican News, 4. Dezember 2018. einen Sollbestand von 135 Mann. Die Gardisten sind in drei Züge aufgeteilt, zu je drei Gruppen. Im ersten Zug sind mehrheitlich deutschsprachige Gardisten eingeteilt, im zweiten Zug die mehrheitlich französisch- und italienischsprachigen Gardisten und im dritten Zug die Musiker des Gardespiels. Seit der Neuordnung 2018 stehen drei neu geschaffene Leutnantsposten den Zügen vor, die zuvor von den Hauptleuten und Stabsoffizieren kommandiert worden waren. In die Leutnantsstellen rückten altgediente Gardisten auf, die jetzt die höheren Kader entlasten, die als Bereichsleiter eingeteilt sind. Über den Kader- und Mannschaftsbestand gibt die nachfolgende Tabelle Auskunft: