Sankt Colomann (oder Walkertswinn) ist ein Gemeindeteil der Stadt Velburg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern. Sankt Colomann liegt in der Gemarkung Reichertswinn.
Geographische Lage Der Weiler liegt ca. 2 km nordöstlich der Stadt Velburg im Oberpfälzer Jura der Frankischen Alb auf ca. in einer Senke zwischen den Erhebungen Osterberg () der Colomanner Höhe im Südwesten, Bockenberg () im Norden, Latschenberg () im Nordosten und Schleicherberg () im Südosten. 400 m entfernt ist die Begrenzung des Truppenübungsplatzes Hohenfels.
Verkehr Sankt Colomann liegt an der Kreisstraße NM 36. Etwa 2 km nordwestlich des Ortes mündet diese Straße in die Kreisstraße NM 1.
Geschichte Die im ausgehenden 19. Jahrhundert gemachten vorzeitlichen Funde in Höhlen um St. Kolomann stellten sich als Fälschungen eines gewissen Federl von St. Kolomann heraus.Paul Reinecke: Zu älteren Funden aus der Oberpfalz, in: Verhandlungen des Histor. Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 105 (1965), S. 201
Als einer von mehreren „–winn–Orten“ könnte der Weiler als Ansiedelung von slawischen Kriegsgefangenen durch das fränkische Königtum entstanden sein.Jehle, S. 3 „Walkerswinden“ erscheint erstmals um 1325/26 in der ersten Güterbeschreibung des Klosters Kastl, das dort 4 Huben besaß.Jehle, S. 41, 319 Um 1600 bestand der Weiler im kurpfälzischen Amt Velburg aus 6 Gütern der Herrschaft Helfenberg, die um 1370/80 durch Verkauf der Ehrenfelser von der Herrschaft Helfenberg und 1399 durch Verkauf vom Kloster Kastl an den Pfalzgraf Ruprecht gekommen waren.Jehle, S. 266, 317 f. Am Ende des Alten Reiches, um 1800, bestand St. Colomann, auf der Grenze zwischen dem Pflegamt Velburg und der Herrschaft Helfenberg gelegen, aus den 3 Anwesen Löchinger, Löchinger, Schön des Amtes Velburg und 4 der Herrschaft Helfenberg.Jehle, S. 484, 496
Im Königreich Bayern (1806) wurden nach einer Verordnung vom 13. Mai 1808 Steuerdistrikte gebildet, darunter der Steuerdistrikt Sankt Wolfgang im Landgericht Parsberg, dem die Ortschaften Sankt Wolfgang, Sankt Colomann, Helmsricht (Diesenhof), Grünthal/Richterhof und Sommertshof zugeteilt waren.Jehle, S. 535 Mit dem zweiten Gemeindeedikt von 1818 entstand daraus die Ruralgemeinde Sankt Wolfgang, aber bereits 1830 wurde diese Gemeinde mit der Gemeinde Reichertswinn vereinigt.Jehle, S. 544, 558 Die Kinder gingen zur Schule in den Pfarrort Velburg, wo sie – so 1836 – von zwei Lehrern unterrichtet wurden.Popp, S. 155
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Reichertswinn und damit auch der Weiler St. Colomann am 1. April 1971 nach Velburg eingemeindet.
Einwohnerzahlen Der Weiler hatte 1836 49 Einwohner, 8 Häuser in „Walkerswinn, Kirche S. Colomani“,Popp, S. 154 1861 48 Einwohner, 15 Gebäude in „Kolomann (Wolkerwinn)“,Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 798 1871 43 Einwohner, 16 Gebäude in „Sct. Colomann (Walkertswinn)“, im Jahr 1873 einen Großviehbestand von 2 Pferden und 47 Stück Rindvieh, 1900 53 Einwohner, 10 Wohngebäude in „St. Colomann (Walkertswinn)“, 1925 54 Einwohner, 9 Wohngebäude in „Sankt Colomann (Walkertswinn)“, 1938 52 Einwohner (nur Katholiken) in „S. Colomann (Walkertswinn)“,Buchner II, S. 698 1950 53 Einwohner, 9 Wohngebäude in „Sankt Colomann (Walkertswinn)“, 1987 38 Einwohner, 8 Wohngebäude, 9 Wohnungen. Heute zählt St Colomann 18 Anwesen.
Kirchliche Verhältnisse Walkerswinn mit seiner Kirche St. Colomann gehörte zur Pfarrei Oberweiling. 1580/84 wurde unter Pfalzgraf Ottheinrich, Pfalz-Neuburg, der Protestantismus eingeführt. Die Rekatholisierung erfolgte um 1621/25. 1732 wurde die ruinöse Kirche St. Colomann unter den Grafen von Tilly neu gebaut und mit ihren drei Altären 1735 benediziert. Die Kirche ist dem heiligen Kolomann geweiht, einem irischen Wandermönch, der dem Ort seinen jetzigen Namen gab. Sie gilt als Baudenkmal. 1817 erfolgte die Umpfarrung nach Velburg.Buchner II, S. 296, 690–693, 700Sixtus Lampl und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern, Band III: Oberpfalz. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Geländedenkmäler, München: R. Oldenbourg Verlag, 1986, S. 163
Sagen Drei nebeneinander stehende Felsen in der Nähe, genannt die „drei steinernen Jungfrauen“, sollen der Sage nach drei Töchter eines Grafen von Velburg darstellen, die dieser bei ihrer Entführung verfluchte, so dass sie „zu stain geworden“ sind.L[eonhard] Graf: Helfenberg. Die Burg und Herrschaft am Faden der Geschichte der Oberpfalz. [Lengenfeld] 1875. S. 127 „Vor Zeiten“ soll eine Bauer von St. Colomann verpflichtet gewesen sein, am Kirchweihfest der Pfarrkirche Lengenfeld dort während des Gottesdienstes sein Opfer in einem roten Beutel auf den Altar zu legen.Graf, S. 128
Literatur
Th. D. Popp (Hg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Weiler im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Ortsteil von Velburg Kategorie:Ersterwähnung 1325