Die Deutschen Jazzcharts (zurzeit Jazz Top 20) sind eine Chartauswertung des Marktforschungsunternehmens GfK Entertainment, die monatlich veröffentlicht wird. Sie beinhalten die erfolgreichsten Jazzalben auf dem Musikmarkt und gelten als offizielle Jazzcharts in Deutschland.
Allgemeine Informationen und Qualifikationskriterien
Die Deutschen Jazzcharts werden seit 2006 im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt. Zu Beginn war das Marktforschungsunternehmen Media Control für die Chartserhebung zuständig, seit 2013 erfolgen diese durch GfK Entertainment. jazzecho.de, abgerufen am 10. Mai 2020. Die Jazzcharts erfassen Verkäufe von Bild- beziehungsweise Tonträgern, Downloads und Musikstreamings mit Jazz als Endverbraucher. Jazz wird hierbei definiert als Musik, die durch Jazzkünstler oder der „Jazz-Musiknahestehende Künstler“ interpretiert wird, sowie Musikaufnahmen von Improvisationen und Jam-Sessions. Die Zuteilung zum Jazz-Genre wird durch die Anmeldung im Phononet-Artikelstamm festgelegt. Letztlich handelt es sich um „Repertoire-Charts“, die das Marktsegment „Jazz“ abbilden. Sollten Bild- oder Tonträger im Phononet-Artikelstamm als Jazzprodukte gekennzeichnet sein, jedoch offensichtlich nicht in dieses Repertoire-Segment gehören (Falschkennzeichnungen), soll GfK Entertainment Meldungen unberücksichtigt lassen, sofern der zuständige Vertreiber dem zustimmt. In Zweifelsfällen entscheiden Prüfungsbeauftragte darüber. Bei den Deutschen Jazzcharts handelt es sich nicht nur um Repertoire-Charts, sondern zugleich um „Artist-Charts“; damit werden Kompilationen und Sampler verschiedener Künstler nicht berücksichtigt. Darüber hinaus sind auch Soundtracks oder auch Crossover-Produkte nicht zugelassen. Als „Pop“ geschlüsselte Jazzprodukte müssen der GfK zur Aufnahme in die Jazzcharts unter Beifügung eines Musterexemplars angezeigt werden, in Zweifelsfällen entscheiden Prüfungsbeauftragte. Die Prüfung zur Richtigkeit erfolgt anhand der wöchentlichen „Jazz-Trends“, die den Prüfungsbeauftragten von der GfK zur Verfügung gestellt werden.
Die Deutschen Jazzcharts bilden einen Auszug aus den regulären Album Top 100 ab, in denen Verkäufe unabhängig von jeglichen Repertoire-Segmenten erfasst werden. Eine parallele Platzierung eines Produktes sowohl in den Album Top 100 als auch in den Jazz Top 20 ist daher nicht nur grundsätzlich möglich, sondern wird bei stark verkaufenden Produkten die Regel sein. Für die Jazz Top 20 sind nur solche Produkte qualifiziert, die über eine Händlerbreite von mindestens zwei Händlergruppierungen verfügen, was bedeutet, dass monatlich mindestens zwei der in der Stichprobe erfassten Händlergruppierungen mindestens ein Produkt des relevanten Produkts verkauft haben müssen, damit es sich für die Jazzcharts qualifizieren kann. Das bei der Ermittlung der Jazzcharts zugrunde gelegte Panel entspricht dem Panel zur Ermittlung der Album Top 100. Die Bildung der Stichprobe unterscheidet sich insofern von den Top-100-Charts, als dass in die Stichprobe für die Jazzcharts nur solche Händler eingehen, die auch Verkäufe von Jazzprodukten melden.
Veröffentlichung Die Einführung der Deutschen Jazzcharts erfolgte am 8. August 2006 mit der Publikation der Monatsauswertung vom Juli 2006. Das erste Album, das sich an der Chartspitze platzieren konnte, stammte vom brasilianischen Pianisten Sérgio Mendes. Dieser erreichte mit seinem Kollaboalbum Timeless erstmals die Chartspitze. Bei der Einführung wurden die Deutschen Jazzcharts als monatliche Top-30-Hitparade für Musikalben ausgewertet. Im Zuge des sogenannten „Charts-Relaunch“ im Mai 2015 wollte die GfK fortan die Genrecharts als einheitliche Top-20-Charts präsentieren, sodass die Deutschen Jazzcharts fortan nur noch als Top-20-Hitparade publiziert wurden. Bei der Erhebung werden jeweils vollständige Wochen von Freitag bis Donnerstag zugrunde gelegt. Verkaufswochen, die in unterschiedlichen Monaten liegen, werden dem Monat zugeordnet, in dem die Mehrheit der Verkaufstage liegen.
Liste der Nummer-eins-Alben in den Jazzcharts Monatliche Chartauswertung
Jahrescharts 2006Jahresauswertung 2006. Musikmarkt, 01/2007, 5. Januar 2007. Platz 1: Till Brönner – Oceana Platz 2: Diana Krall – From This Moment On Platz 3: Sérgio Mendes – Timeless
2007Jahresauswertung 2007. Musikmarkt, 01/2008, 4. Januar 2008. Platz 1: Roger Cicero – Männersachen Platz 2: Thomas Quasthoff – The Jazz Album – Watch What Happens Platz 3: Götz Alsmann – Mein Geheimnis
2008Jahresauswertung 2008. Musikmarkt, 01/2009, Januar 2009. Platz 1: Roger Cicero – Beziehungsweise Platz 2: Roger Cicero – Männersachen Platz 3: Till Brönner – Rio
2009Jahresauswertung 2009. Musikmarkt, 01/2010, Januar 2010. Platz 1: Diana Krall – Quite Nights Platz 2: Melody Gardot – My One and Only Thrill Platz 3: Till Brönner – Rio
2010Jahresauswertung 2010. Musikmarkt, 01/2011, Januar 2011. Platz 1: Melody Gardot – My One and Only Thrill Platz 2: Till Brönner – At the End of the Day Platz 3: Charlie Haden & Keith Jarrett – Jasmine
2011Jahresauswertung 2011. Musikmarkt, 01/2012, Januar 2012. Platz 1: Melody Gardot – My One and Only Thrill Platz 2: Till Brönner – At the End of the Day Platz 3: Eric Clapton & Wynton Marsalis – Play the Blues: Live from Jazz at Lincoln Center
2012Jahresauswertung 2012. Musikmarkt, 01/2013, Januar 2013. Platz 1: Melody Gardot – The Absence Platz 2: Keith Jarrett – Rio Platz 3: Diana Krall – Glad Rag Doll
2013 Platz 1: Gregory Porter – Liquid Spirit Platz 2: Till Brönner – Till Brönner Platz 3: Caro Emerald – The Shocking Miss Emerald
2014Jahresauswertung 2014. Musikmarkt, 01/2015, Januar 2015. Platz 1: Gregory Porter – Liquid Spirit Platz 2: Till Brönner – The Movie Album Platz 3: Tony Bennett & Lady Gaga – Cheek to Cheek
2015Jahresauswertung 2015. Musikmarkt, 01/2016, Januar 2016. Platz 1: Diana Krall – Wallflower Platz 2: Gregory Porter – Liquid Spirit Platz 3: Melody Gardot – Currency of Man 2016 Platz 1: Norah Jones – Day Breaks Platz 2: Gregory Porter – Take Me to the Alley Platz 3: Till Brönner – The Good Life
2017Jahresauswertung 2017. Musikmarkt, 01/2018, Januar 2018. Platz 1: Gregory Porter – Nat “King” Cole & Me Platz 2: Diana Krall – Turn Up the Quiet Platz 3: Götz Alsmann – In Rom
2018 Platz 1: John Coltrane – Both Directions at Once: The Lost Album Platz 2: Till Brönner & Dieter Ilg – Nightfall Platz 3: Kamasi Washington – Heaven and Earth
2019 Platz 1: Nils Landgren, Lars Danielsson, Michael Wollny & Wolfgang Haffner – 4 Wheel Drive Platz 2: Nils Landgren – Christmas with My Friends VI Platz 3: Frank Sinatra – Ultimate Sinatra: The Centennial Collection
2020 Platz 1: Gregory Porter – All Rise Platz 2: Norah Jones – Pick Me Up Off the Floor Platz 3: Keith Jarrett – Budapest Concert
2021 Platz 1: Till Brönner & Bob James – On Vacation Platz 2: Melody Gardot – Sunset in the Blue Platz 3: Tony Bennett & Lady Gaga – Love for Sale
2022 Platz 1: Till Brönner – Christmas Platz 2: Al Di Meola, John McLaughlin & Paco de Lucía – Saturday Night in San Francisco Platz 3: Lady Blackbird – Black Acid Soul
2023 Platz 1: Miles Davis – Kind of Blue Platz 2: Norah Jones – Come Away with Me Platz 3: Till Brönner – Christmas
2024 Platz 1: Norah Jones – Come Away with Me Platz 2: Miles Davis – Kind of Blue Platz 3: Gregory Porter – Christmas Wish
2025 Platz 1: Keith Jarrett – The Köln Concert Platz 2: Till Brönner – Italia Platz 3: Norah Jones – Come Away with Me
Siehe auch Deutsche Albumcharts Liste der meistverkauften durch den BVMI zertifizierten Musikalben in Deutschland Liste der meistverkauften Jazzalben in Deutschland
Weblinks Deutsche Jazzcharts bei jazzecho.de Deutsche Jazzcharts bei plattenladentipps.de
Einzelnachweise
Jazzcharts Kategorie:Jazz und Medien Kategorie:Jazz (Deutschland)