Nieder-Mörlen ist nach der Einwohnerzahl neben der Kernstadt der größte Stadtteil von Bad Nauheim im hessischen Wetteraukreis.
Geographische Lage Nieder-Mörlen liegt am nördlichen linken Ufer der Usa und nördlich der Kernstadt Bad Nauheim. Die Bebauungen gehen ineinander über. Jenseits der Usa erhebt sich der 269 Meter hohe Eichberg, der zum Nauheimer Taunussporn zählt und den östlichsten Gipfel des Taunushauptkamms im Hohen Taunus darstellt. Die Gemarkungsfläche beträgt 576 Hektar, davon sind 86 Hektar bewaldet (Stand: 1961).
Geschichte Ortsgeschichte In der Gemarkung des Ortes wurde eine Siedlung der Linearbandkeramik mit Kreisgrabenanlage ausgegraben. Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 790.
Nieder-Mörlen gehörte zum Kurfürstentum Mainz und blieb deshalb römisch-katholisch. Die barocke Kirche St. Mariä Himmelfahrt wurde 1754 geweiht. 1780 wurde die Usa-Kapelle erbaut. Die evangelische Christuskirche wurde erst 1956/57 errichtet. 1803 kam der Ort zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die kurz darauf zum Großherzogtum Hessen avancierte. 1821 wurden dort auch auf der unteren Ebene die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt. Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen. Nieder-Mörlen kam so zum Landratsbezirk Butzbach, dessen Sitz 1829 nach Friedberg verlegt und der in Landratsbezirk Friedberg umbenannt wurde. Ab 1832 gehörte es zum Kreis Friedberg. Hinsichtlich der Rechtsprechung gehörte der Ort ab 1821 zum Landgericht Friedberg, ab 1843 zum Landgericht Butzbach, ab 1853 erneut zum Landgericht Friedberg, ab 1867 zum Landgericht Nauheim, ab 1879 zum Amtsgericht Nauheim und seit 1968 zum Amtsgericht Friedberg.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Nieder-Mörlen zum 1. August 1972 kraft Landesgesetzes in die Stadt Bad Nauheim eingegliedert. Für den Stadtteil Nieder-Mörlen wurde, wie für die anderen eingegliederten ehemals eigenständigen Gemeinden sowie die Kernstadt Ortsbezirke eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Nieder-Mörlen angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Oberamt Höchst und Königstein, Amt und Kellerei Vilbel und Rockenberg, Amtsvogtei Rockenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Oberhessen, Amt Rockenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Rockenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Friedberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk ButzbachTrennung von Justiz (Landgericht Friedberg) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Verlegung und Umbenennung in Landratsbezirk Friedberg ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Friedberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Bad Nauheim
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Nieder-Mörlen 5124 Einwohner. Darunter waren 477 (9,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 867 Einwohner unter 18 Jahren, 2058 zwischen 18 und 49, 1008 zwischen 50 und 64 und 1191 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2424 Haushalten. Davon waren 912 Singlehaushalte, 681 Paare ohne Kinder und 588 Paare mit Kindern, sowie 186 Alleinerziehende und 57 Wohngemeinschaften. In 627 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1560 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Historische Religionszugehörigkeit 1961: 641 evangelische (= 26,30 %), 1732 katholische (= 71,07 %)
Politik Ortsbeirat Für Nieder-Mörlen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Nieder-Mörlen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 55,73 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der Liste „Freien Wähler / Unabhängige Wählergemeinschaft Bad Nauheim“ (FW), sowie je ein Mitglied der CDU, der SPD und der FDP. Der Ortsbeirat wählte Matthias Lüder-Weckler (FW) zum Ortsvorsteher.
Wappen Am 28. Februar 1964 wurde der Gemeinde Nieder-Mörlen im damaligen Landkreis Friedberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Gold auf blauem Schrägkreuz aufgelegt ein rotes Herzschild mit einem silbernen, ein schwarzes Kreuz tragenden und in einen Kelch blutenden Lamm.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Im Kirchhof der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt steht das Mordkreuz von Nieder-Mörlen. Christuskirche (Nieder-Mörlen) (1957) Die Erdzeituhr des Geologischen Lehrgartens an der Frauenwaldhalle ermöglicht eine steinerne „Zeitreise“ durch die Entwicklungsgeschichte der Erde. Informationstafeln geben Erläuterungen.
Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Nieder-Mörlen
Wanderwege Der Lutherweg 1521 führt durch Nieder-Mörlen. Ein Jakobsweg von Frankfurt nach Marburg führt über Nieder-Mörlen. Ein Obstlehrpfad beginnt an der Usa-Kapelle und führt etwa 1,2 Kilometer bergauf bis zum Eichwald. Er wurde nach der Landesgartenschau Bad Nauheim 2010 angelegt und umfasst etwa 300 Obstbäume, an denen Hinweistafeln über die regionaltypischen oder seltenen Sorten informieren.
Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Die Frauenwaldhalle wird als Mehrzweckhalle von lokalen Sportvereinen und für Veranstaltungen genutzt.
Bildung Evangelische Kindertagesstätte an der Christuskirche Kindertagesstätte Maria Himmelfahrt Die Frauenwaldschule ist eine Grundschule mit Förderstufe (Klasse 5 und 6), die von rund 300 Kindern besucht wird. Kinderkrippe Villa Bach
Verkehr Öffentliche Verkehrsmittel Nieder-Mörlen gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund. Es ist über die Stadtbuslinien FB-11 und FB-35 an den Bahnhof Bad Nauheim angebunden. FB-11 führt von Nieder-Mörlen über den Bahnhof bis zum Usa-Wellenbad. FB-35 führt vom Bahnhof über Nieder-Mörlen nach Ober-Mörlen und teils weiter bis Usingen.
Straßen Die Bundesstraße 275 und die Bundesstraße 3 bilden im Westen, Norden und Osten der Ortslage eine Ortsumfahrung. Über die B 275 ist Nieder-Mörlen im Westen durch die Abfahrt Ober-Mörlen an die Bundesautobahn (BAB) A 5/E 451 angeschlossen.
Literatur Literatur des Nieder-Mörler Geschichtsverein e. V.: Festschrift zur 1200-Jahrfeier – 1990Die Urkunde aus 790 Das Ortswappen Deutung des Ortsnamens Flur und Flurnamen Verkehrswege in der Wetterau Funde aus verschiedenen Zeiten Herrschaftsverhältnisse in der Mark Die katholische Kirchengemeinde Geschichte der ev. Kirchengemeinde Wegekreuze in der Gemarkung Die Saline im Wettertal Das Mordkreuz von Nieder-Mörlen Der Hexenprozess von 1739 Ortsbürger Anton Kissel Der Limesturm am Winterstein Der Schulhausbau 1824 Alte Haus- und Familiennamen Zeittafel zur Ortsgeschichte Literatur über Nieder-Mörlen Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 1 – 1992, Dokumentation der 1200-Jahrfeier Festansprache zum Thema „Heimat“ Bilddokumentation Pressespiegel Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 2 – 1993Der historische Rundgang Hoftore Die „Wisselsheimer“ Saline Die Keltensaline in der Kernstadt Römische Siedlungsplätze Veränderungen im Stadtteil Kulturelles und Feste Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 3 – 1994Schul- und Dorfgeschichte Der Altar der Maria Himmelfahrtskirche Spinnstuben in Nieder-Mörlen Ausgrabung römischer Siedlungsplätze Römische Lebensweise Archäologische Arbeitsmethoden Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 4 – 1995Der „Hessenmann“, hessisches Fachwerk Die „Wisselsheimer“ Saline in 1762 Nieder-Mörlen im 2. Weltkrieg Vom Honigkochen Gradierbauten in der Kernstadt Keltische Funde am Glauberg Die Keltensaline in der Kernstadt Römische Siedlung und Gräberfeld an der B3a Römische Funde in der Wetterau Feste in Nieder-Mörlen Das Fußgassenfest 90 Jahre TSV 04 Partnerschaft mit Oostkamp Veränderungen im Stadtteil Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 5 – 1996Brandschutz und Feuerwehrwesen 100 Jahre „Frauenwald“ Die renovierte Maria Himmelfahrtskirche Farbbilder aus der Kirche Der Bau der B3a Keltische Fürstengräber am Glauberg Germanische Siedlungen Römische Siedlungsplätze Trachten in der Wetterau Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 6 – 1997Der Hexenprozeß von 1739 Der Hexenprozeß als Strafverfahren Rechtsgrundlagen Der Straftatbestand der Hexerei/Zauberei Verwaltung und Gericht Die Protokolle der Gerichtsverfahren Die gemeindeeigenen Protokolle Würdigung der Aussagen Hexenprozesse in der Wetterau (16.–18. Jhdt.) Urkunden im Original und in Abschrift Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 7 – 1998Bandkeramiker am Hempler 10 Jahre Geschichtsverein Ausstellung „Möchtet verbrennet werden“ Keltensaline an der Parkstraße Kelten am Glauberg Römische Siedlungsplätze Veränderungen im Stadtteil Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 8 – 1999/2000Das bandkeramische Dorf am Hempler, Dokumentation der Grabung Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 9 – 2001Baugeschichte der Johannisbergkirche Kinderspiele Alte Dorfbilder Aus der Frauenwaldschule Aus den Vereinen Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 10 -2002Fremd- und Zwangsarbeit in Nieder-Mörlen im 2. Weltkrieg Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 11 – 2003Das bandkeramische Dorf am Hempler Denkmalschutz in Nieder-Mörlen Krieg in der Wetterau Aus der Frauenwaldschule Aus den Vereinen Nieder-Mörlen in der Literatur Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 12 - 2004Das bandkeramische Dorf am Hempler, Wissenschaftliche Ergebnisse, Teil I Idol- und Sonderfunde Die Kreispalisadenanlage Idole und sonderbar verfüllte Gruben Vorbericht zur bandkeramischen Siedlung Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 13 – 2005Das bandkeramische Dorf am Hempler, Wissenschaftliche Ergebnisse, Teil II Spinnwirtel und Webgewichte Bandkeramische Knochenartefakte Archäobotanische Ergebnisse Ein Frauenleiden in der Hallstattzeit Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 14 - 2006/200750 Jahre evangelische Christuskirche Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 15 – 2008275 Jahre Maria Himmelfahrtskirche Orts- und sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 16 - 200920 Jahre Geschichtsverein Die Landwirtschaft im 19. Jahrhundert Aus den Kirchengemeinden Aus der Maria Himmelfahrtsgemeinde Nachlese zum Kirchenjubiläum Aus der Christuskirchengemeinde Aus der Frauenwaldschule Aus dem Stadtteil und den Vereinen Orts- und Sachregister Beiträge zur Ortsgeschichte, Heft 17 – 2010Das bandkeramische Dorf am Hempler, Wissenschaftliche Ergebnisse, Teil III Fremdformen und Importmuster Henkel in der Bandkeramik? Hämatitfunde Neolithische und metallzeitliche Befundstrukturen Brennpunkt Öfen Bandkeramische Werkzeuge, Sägen, Messer