mini|hochkant|Franz Josef Jung (2014) mini|Video-Vorstellung (2014) Franz Josef Friedrich Jung (* 5. März 1949 in Erbach) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war von 1983 bis 2006 Mitglied des Landtags in Hessen, von 1999 bis 2000 hessischer Landesminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Leiter der Hessischen Staatskanzlei, vom 22. November 2005 bis zum 28. Oktober 2009 Bundesverteidigungsminister und im Anschluss bis zum 30. November 2009 Bundesarbeitsminister.

Das Amt des Bundesarbeitsministers legte er nach dem Luftangriff bei Kundus während seiner Amtszeit als Bundesverteidigungsminister nach nur 33 Tagen im Amt nieder. Seine Amtszeit als Arbeitsminister war somit die bisher kürzeste eines Ministers in der Bundesrepublik Deutschland.Hauke Friedrichs: Der fehlerlose Minister. ZEIT Online (25. März 2010). Abgerufen am 28. Oktober 2011.

Jung war von 1998 bis 2014 stellvertretender Vorsitzender der CDU Hessen.

Leben und Beruf Nach dem Abitur an der Rheingauschule Geisenheim, einem Gymnasium, im Jahr 1968 leistete Franz Josef Jung zunächst seinen Wehrdienst als Reserveoffizieranwärter beim Pionierbataillon 5 in Lahnstein ab und wurde anschließend zum Flugabwehrbataillon 5 in Lorch im Rheingaukreis versetzt. Als Gefreiter (OA) des Flugabwehrbataillons 7 absolvierte er im Jahr 1969 die Unteroffizier-Vorausbildung an der Unteroffizierschule des Heeres in der Lützow-Kaserne in Münster-Handorf. Nach 15 Monaten, zuletzt in Rendsburg, wurde er aufgrund familiärer Verpflichtungen vorzeitig aus dem Dienst entlassen.

Anschließend begann er im Jahr 1970 ein Studium der Rechtswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das er vier Jahre später mit dem ersten und im Jahr 1976 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Im Jahr 1978 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. bei Hans Heinrich RuppFranz Josef Jung: Die Regionalplanung in Hessen, dargestellt am Beispiel der Regionalen Planungsgemeinschaft Rhein-Main-Taunus. Dissertation, Universität Mainz 1978. am Fachbereich für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mainz mit der Arbeit Die Regionalplanung in Hessen, dargestellt am Beispiel der Regionalen Planungsgemeinschaft Rhein-Main-Taunus. Jung ist Rechtsanwalt und Notar in Eltville und wohnt in Eltville-Erbach. Von August 2000 bis zum 12. Dezember 2005 war er im Verwaltungsrat und ab Mai 2003 im Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt tätig.

Am 9. Mai 2017 wurde Jung noch während seines aktiven Bundestagsmandats in den Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Rheinmetall gewählt.

Jung ist katholisch, verheiratet seit 1972 mit Beate Jung, geborene Spiegler, und hat drei Kinder (Meike, Anika und Marco Jung).

Partei mini|Jung auf dem CDU-Parteitag 2012 Jung engagierte sich zunächst in der Jungen Union (JU Deutschland), deren Bundesvorstand er von 1973 bis 1983 angehörte. Von 1981 bis 1983 war er stellvertretender JU-Bundesvorsitzender.

Von 1987 bis 1991 war er Generalsekretär der CDU in Hessen. Von 1998 bis 2014 war Jung stellvertretender CDU-Landesvorsitzender in Hessen und gehört seit 1998 dem CDU-Bundesvorstand an. Von 2014 bis 2017 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie Beauftragter der Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Jung unterstützte Roland Koch bei seinen ersten politischen Aktivitäten und wurde zu seinem engen Vertrauten. So wie er war Jung Mitglied der sogenannten Tankstellen-Connection der hessischen Jungen Union und des sogenannten Andenpakts.

Abgeordneter mini|hochkant|Bundesminister Franz Josef Jung am 16. Dezember 2005 im Bundestag Von 1972 bis 1987 gehörte Jung dem Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises an.

Von 1983 bis 2005 war er Mitglied des Hessischen Landtages und wurde dabei stets im Wahlkreis Rheingau-Taunus I direkt gewählt. Hier war er von 1987 bis 1999 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Vom 5. April 2003 bis 2005 war er Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Er ist auch Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.

2005 zog Jung über die Landesliste Hessen in den Bundestag ein. 2009 und 2013 gewann Jung das Direktmandat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Groß-Gerau.

Im 18. Bundestag war Jung stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Beauftragter für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie stellvertretendes Mitglied im Rechtsausschuss, im Petitionsausschuss, im Auswärtigen Ausschuss und im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages.

Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte Jung nicht wieder als Abgeordneter.

Jung hatte 2019 vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden auf ein höheres Ruhegehalt geklagt. So erhält ein Politiker Bezüge aus einem höheren Amt, wenn er dieses vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter innehatte, andernfalls werden die Bezüge aus den Ansprüchen als Landtagsabgeordneter ermittelt. Als Jung 2005 aus dem Landtag ausschied, galt diese Regelung noch nicht, wodurch ihm nach eigenen Angaben 2000 Euro zusätzlich zustünden. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab, da keine Ungleichbehandlung vorliegen würde.

Öffentliche Ämter Am 7. April 1999 wurde Jung als Hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Hessischen Staatskanzlei in die von Ministerpräsident Roland Koch geführte Landesregierung (Kabinett Koch I) berufen.

Im November 1999 begann die öffentliche Aufarbeitung der bundesweiten CDU-Spendenaffäre, wobei sich herausstellte, dass die CDU „Schattenkonten“ auch in Hessen besaß. Jung trug als Generalsekretär der hessischen CDU von 1987 bis 1991 Mitverantwortung für die Finanzierung von Wahlkämpfen und des Baus einer neuen Parteizentrale. Dabei wurden auch Schwarzgelder (deklariert als „jüdische Vermächtnisse“) verwendet. Insgesamt flossen während Jungs Amtszeit als CDU-Generalsekretär mehr als 1,5 Millionen DM Schwarzgeld in die Parteikasse.Einsatz für den CDU-Konzern – Während Jungs Amtszeit 1,5 Millionen DM Schwarzgeld

Am 23. August 2000 gab der hessische CDU-Abgeordnete und damalige stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Frank Lortz vor dem Finanzausschuss des Landtags an, er selbst habe die Fraktion Ende März 1993 über die zwischen 1988 und 1992 erfolgten Unterschlagungen des Buchhalters Franz-Josef Reischmann aus der Parteikasse informiert. Das bezog neben Koch auch Jung als parlamentarischen Geschäftsführer der CDU Hessen von 1987 bis 1999 ein.

Vor allem Vertreter der FDP auf Bundesebene sowie aus anderen Bundesländern forderten personelle Konsequenzen aus der Spendenaffäre der CDU Hessen, die damals in einer Koalition mit der FDP regierte. Schließlich trat Jung am 7. September 2000 von seiner Funktion als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und als Chef der Hessischen Staatskanzlei zurück. Er erklärte sich für schuldlos, trete aber zurück, da die FDP ihm das Vertrauen entzogen habe. In einigen Medien wurde dieser Rücktritt als Bauernopfer Kochs bezeichnet.

Die Unterschlagungen Reischmanns waren vom damaligen Steuerberater der Hessen-CDU Horst Weyrauch zeitnah in mehreren Berichten dargelegt worden. Jung, damals hessischer CDU-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, wurde in Unterlagen, die später durch die Staatsanwaltschaft Wiesbaden bei Weyrauch beschlagnahmt worden waren, wiederholt als Ansprechpartner oder Auftraggeber der Berichte genannt. Jung aber erklärte im Dezember 2000 vor dem Berliner Untersuchungsausschuss zur Parteispendenaffäre, er habe keinen der detaillierten Berichte je erhalten oder gesehen. Auch von Besprechungen, an denen er nach einem Brief Weyrauchs vom 17. März 1993 teilgenommen hatte, wisse er nichts. Warum ihn die Berichte nicht erreichten, könne er nicht erklären. „Im Detail“ habe er von den Unterschlagungen erst im Jahr 2000 erfahren. Den damaligen Ministerpräsidenten Koch habe er auch dann nicht darüber informiert, da die Unterschlagungen nicht in dessen Amtszeit als Fraktionschef erfolgt seien. Als bekannt wurde, dass Reischmann doch zur Amtszeit von Koch unterschlagen hatte, erklärte Jung, das habe er zum Zeitpunkt der Berliner Aussage nicht gewusst. miniatur|Abschreiten der Front Juni 2007 Helmut-Schmidt-Universität Am 22. November 2005 (nach der Bundestagswahl 2005) wurde Jung als Bundesminister der Verteidigung in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen (Kabinett Merkel I).

Am 28. Oktober 2009 (nach der Bundestagswahl 2009) übernahm er das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Kabinett Merkel II. Jungs Nachfolger im Verteidigungsministerium wurde Karl-Theodor zu Guttenberg.

Erst nach einer Zeitungsveröffentlichung vom 26. November 2009 über einen von der Bundeswehr am 4. September 2009 angeforderten Luftangriff bei Kundus mit zahlreichen zivilen Verletzten und TotenBild, 26. November 2009: erklärte Jung am 27. November 2009: „Ich übernehme damit die politische Verantwortung für die interne Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums gegenüber dem Minister bezüglich der Ereignisse vom 4. September in Kunduz“ und bot seinen Rücktritt an, beteuerte aber: „Ich habe sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet“. Der Rücktritt wurde von der Bundeskanzlerin angenommen und Jung wurde am 30. November von Bundespräsident Horst Köhler aus der Bundesregierung entlassen. Dies bedeutet die bisher kürzeste Amtszeit eines Bundesministers in der Geschichte der Bundesrepublik.

Um offene Fragen zum Luftangriff und zu der Information darüber aufzuklären, vereinbarten Anfang Dezember 2009 die Parteien, der Verteidigungsausschuss des Bundestages werde eine Untersuchung durchführen. Jung war als Vertreter des Bundes Mitglied im ZDF-Fernsehrat.https://web.archive.org/web/20170820185453/https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-fernsehrat-mitglieder-100.html

Politische Positionen Ehrenmal für Bundeswehrsoldaten Jung schlug vor, in Berlin ein Ehrenmal der Bundeswehr zu errichten, um im Dienst ums Leben gekommene Soldaten und Zivilbeschäftigte zu ehren. Am 13. Juni 2007 stellte er hierzu den Entwurf des Münchner Architekten Andreas Meck für das Ehrenmal auf dem Gelände des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin vor. Der Entwurf sah eine rund 8 mal 40 Meter große Halle vor. Am 27. November 2008 wurde am östlichen Rand der Hildebrandstraße schließlich der Grundstein für die Gedenkstätte gelegt. Am 8. September 2009 wurde das Ehrenmal durch Bundespräsident Horst Köhler eingeweiht.Berliner Morgenpost, 8. September 2009:

Bundeswehr im Fußballstadion Als Verteidigungsminister ließ Jung auf Antrag der Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 prüfen, ob Soldaten in Zivil freie Plätze in den Stadien auffüllen könnten. Die Idee scheiterte an der Militärführung, die das Tragen von Uniform vorschrieb.

Abschuss von Passagierflugzeugen