Deutsche in Kopenhagen spielten vor allem vom späten Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert eine Rolle innerhalb von Kultur, Verwaltung und Handel in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts sind Kopenhagener mit deutschen Wurzeln assimiliert geworden. Es entwickelte sich keine geschlossene Volksgruppe mit eigener Organisierung, im Gegensatz zur deutschen Minderheit in Nordschleswig.
Zeitweilige Einwanderungswellen aus dem deutschsprachigen Raum bildeten jiddischsprachige Juden in der Zeit 1900–1920 sowie Juden und Verfolgte des NS-Regimes in der Zeit 1933–39. Während der deutschen Besatzung 1940–45 spielte der Dänisch-Deutsche Verein (Dansk-Tysk Forening) eine Rolle für die teilweise gezwungene Zusammenarbeit zwischen der deutschen Wehrmacht und Dänen innerhalb Politik und Wirtschaft.
Die seit 1575 bestehende Deutsche Schule St. Petri Kopenhagen ist heute die älteste deutsche Schule im Ausland. Mit ihr verknüpft ist die evangelisch-lutherische St.-Petri-Kirche. Es bestehen weiter auch deutschsprachige Gottesdienste in der deutsch-reformierten Gemeinde, deren Reformierte Kirche auch eine französischsprachige Gemeinde beherbergt, sowie im katholischen Dom Sankt Ansgar. Eine weitere Kultureinrichtung ist das Goethe-Institut Kopenhagen.
Die Sankt-Petri-Schule und -Kirche sind Sammlungspunkte eines Teils der deutschen Expats; einen Teil der Schüler stellen aber auch Dänen mit besonderem Interesse am Unterricht. Die Kirche wurde 1994–99 mit Mitteln von Dänemark, Deutschland und privaten Spendern restauriert. Seit 2000 ist die deutschsprachige Gemeinde Teil der dänischen Volkskirche und mit knapp 900 Mitgliedern wieder etwas größer geworden. Die große Mehrheit der Auslandsdeutschen in Kopenhagen sowie im übrigen Dänemark haben jedoch keine Beziehung zu deutschen Organisationen.
2020 bilden deutsche Staatsangehörige nach Polen, Syrern, Rumänen und Türken die fünftgrößte Gruppe von Ausländern in Dänemark. In der Hauptstadtregion leben 9687 deutsche Staatsangehörige, in Seeland 1738, in Süddänemark 8601, in Mitteljütland 4597 und in Nordjütland 1572. In Kopenhagen (Kommune Kopenhagen und Frederiksberg) ist die Anzahl 6393 und übertrifft damit die Anzahl in Südjütland/Nordschleswig (4670).Population by region, sex, age and citizenship, Statistics Denmark, abgerufen am 8. Mai 2020 Dabei sind die meisten deutschen Staatsangehörigen in Nordschleswig von der deutschen Minderheit zu unterscheiden, da die alteingesessene deutsche Minderheit meistens die dänische Staatsbürgerschaft besitzt.
Geschichte Spätestens im 14. Jahrhundert siedelten sich in dänischen Städten, vor allem in Kopenhagen, deutsche Handwerker und Beamte an. Deutschsprachige Familien bildeten im 18. Jahrhundert einen wesentlichen Teil der Oberschicht und des Kulturlebens der Hauptstadt, sahen sich aber nicht als nationale Minderheit. Es gab vereinzelte Beispiele davon, dass Kopenhagen als Teil des deutschsprachigen Europas gesehen wurde; jedoch konnte das für alle Gebiete gelten, wo Deutschkenntnisse oder eine deutsche Elite bestanden. Der deutsche Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock erhielt beispielsweise jahrzehntelang eine Unterstützung des dänischen Königs Friedrich V. und hielt sich jahrzehntelang in Dänemark auf. Andere Personen des 17. bis 19. Jahrhunderts können sowohl dem dänischen als auch dem deutschen Kulturerbe zugeordnet werden, wie z. B. Dieterich Buxtehude (1637–1707) und Caspar David Friedrich (1774–1840).
Haus Oldenburg Bereits mit Christoph III. 1440–1448 besetzte ein gebürtiger Pfälzer den dänischen Königsthron. Das Haus Oldenburg, das seit dem 15. Jahrhundert bis heute die dänischen Könige stellt, stammt ursprünglich nicht aus Dänemark, sondern aus Oldenburg im heutigen Niedersachsen. Jedoch sind Nebenlinien des Hauses nach ihren Wurzeln in Schleswig und Holstein benannt; so gehört das dänische Königshaus seit 1863 der Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg an. Die dänischen Königlichen wurden bis zum 18. Jahrhundert oft, aber nicht immer, mit platt- oder hochdeutscher Muttersprache erzogen und heirateten häufig Mitglieder fürstlicher Familien aus dem deutschen Reich. Die Verwaltung des dänisch-norwegischen Reiches erfolgte jedoch immer auf Dänisch, mit Ausnahme der Herzogtümer Schleswig und Holstein, die von Kopenhagen aus auf Deutsch verwaltet wurden.
Machtkampf um Christian VII. Ereignisse im späten 18. Jahrhundert führten zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Dänen. Die dänische Bevölkerung stand dem zunehmenden Einfluss der deutschen Sprache oder deutschen Beamten kritisch gegenüber. Verflochten damit war ein intriganter Kampf um Macht, politische Ziele und Ämter beim Hof in Kopenhagen um den regierungsunfähigen König Christian VII.
Struensee Ein Auslöser war der Prozess gegen den Reformator und königlichen Leibarzt Johann Friedrich Struensee, der 1770–1772 quasi als Diktator die Macht übernahm und eine sehr große Menge an Reformen verordnete. Struensee und die Königin Caroline Mathilde dominierten den geisteskranken König und schoben andere Machthaber und hohe Beamte zur Seite. 1772 wurde der 34-jährige Struensee wegen Machtmissbrauchs und des Liebesverhältnisses zur Königin hingerichtet. Struensee sprach kein Dänisch. Er war zwar Arzt in Altona gewesen, das zum dänischen Gesamtstaat gehörte, aber er war kein Holsteiner, sondern in Halle geboren. Seine radikal-aufklärerischen Reformen stießen auf großen Widerstand, obwohl einige später als fortschrittlich anerkannt wurden. Seitdem wird diskutiert, inwiefern der Konflikt um Struensee politischer, sozialer, persönlicher oder nationaler Art war.
Høegh-Guldberg und das Eingeborenenrecht Struensees Hauptgegner (und nach dessen Sturz der wichtigste Machthaber 1772–84) war Ove Høegh-Guldberg, politisch konservativ, Befürwörter des Absolutismus und Hüter des dänischen Charakters des eigentlichen Königreiches (also nicht die Herzogtümer Schleswig und Holstein umfassend). Er führte Dänisch als einzige Kommandosprache des Heeres im eigentlichen Königreich ein. 1776 führte er das Indigenatsgesetz ein. Demnach war die Staatsbürgerschaft (indfødsret = „Eingeborenenrecht“) eine Voraussetzung für die Beamtung im Dienste des dänischen Königs. Diese Staatsbürgerschaft erhielten alle Einwohner des norwegisch-dänisch-schleswig-holsteinischen Gesamtstaates. Das löste in der Bevölkerung allgemeine Begeisterung aus. (Ausländer konnten eingebürgert werden, nachdem sie z. B. zwei Jahre an der Universität von Kopenhagen oder von Kiel studiert hatten, oder sonst nach Antrag.)
Gottorfsche Frage 1773 erfolgte der Abschluss der Gottorfschen Frage mit dem Vertrag von Zarskoje Selo. Die Herzöge von Gottorf besaßen einen Kleinstaat innerhalb des dänischen Reiches, der lange für Konflikte sorgte und sich öfters mit fremden Mächten verbündet hatte, z. B. mit dem dänischen Erzfeind Schweden. 1742 war dieses Herzogtum schon verkleinert, als der Herzog Karl Peter Ullrich zum russischen Thronfolger ernannt wurde. Seine Gebiete in Holstein wurden danach von Russland aus regiert. Er wurde schließlich 1762 Zar und regierte sechs Monate, bis er von seiner Frau, Katharina der Großen, gestürzt wurde und kurz danach starb. Herzog von Holstein-Gottorf wurde dadurch der Sohn, der spätere Zar Paul I. Er und Katharina einigten sich mit Dänemark über einen Austausch der gottorfschen Gebiete mit Oldenburg und Delmenhorst, die seit 1667 in Personalunion mit Dänemark standen. Das Herzogtum Gottorf wurde aufgelöst und ganz Schleswig bzw. Holstein wieder dem dänischen König unterstellt. Für Dänemark wurde ein lang erwünschtes Ziel erreicht und der Zusammenhang der Monarchie hergestellt, aber die Eingliederung der gottorfschen Gebiete hatte eine Auswirkung auf das nationale Gleichgewicht; das deutsche Element der Monarchie wurde etwas verstärkt.
Norwegischer, dänischer und deutscher Patriotismus 1772 gründeten norwegische Studenten die Norwegische Gesellschaft in Kopenhagen, einen Diskussions- und Literaturkreis, die auch einen norwegischen Patriotismus kultivierten. Sie forderten u. a. eine eigene Universität in Christiania (Oslo) und die Abschaffung des dänischen Monopols auf Norwegens Getreideimporte. Den dänisch-norwegischen Gesamtstaat oder die Königsmacht stellten sie aber nicht in Frage. Wie einige Dänen der Zeit bezeichneten sie oft das Deutsche als etwas Fremdes und Gekünsteltes, wogegen man sich behaupten musste. Der nationale Inhalt vermischte sich aber mit philosophischen und literarischen Idealen, da die Angehörigen der Norwegischen Gesellschaft generell die (deutschstämmige) Romantik ablehnten und den Klassizismus sowie die französische und englische Tradition bevorzugten.
Im dänischen Gesamtstaat sah man insgesamt ein aufwachsendes dänisches, norwegisches und teilweise auch deutsch/holsteinisches Nationalbewusstsein, wobei keines davon separatistisch eingerichtet war. Man forderte zunächst nur, dass diese Nationalitäten und Sprachen nebeneinander berücksichtigt und gleichberechtigt wurden.
Rückkehr von Bernstorff 1784 wurde der dänisch-konservative Høegh-Guldberg selbst Opfer eines Putsches, als der 16-jährige Kronprinz Friedrich (der VI.) und Andreas Peter von Bernstorff die Macht übernahmen. Der Personenkreis um Høegh-Guldberg wurde von der Macht verdrängt, und der Kreis um den deutschstämmigen Bernstorff kehrte zurück. Bernstorff besetzte wichtige Posten mit seinen Angehörigen oder Anhängern. Neben persönlichen und politischen Aspekten konnten seine Gegner nun auch die Öffentlichkeit gegen die „Deutschheit“ um Bernstorff mobilisieren. Dem Kreis um Bernstorff wurde eine Missachtung der dänischen Sprache und des dänischen Volkscharakters zugeschrieben.
Die Deutschfehde oder Holgerfehde Als erste offene dänisch-deutsche Konfrontation betrachtet man eine Polemik 1789–90, die als die Holger-Fehde (Holgerfejden) oder Deutschfehde (tyskerfejden) bezeichnet wird. In der Fehde vermischt sich eine Diskussion über die Ideale und Stilarten des Rationalismus/Klassizismus und der Romantik mit der seit einigen Jahren schwelenden Auseinandersetzung zwischen Deutsch und Dänisch; jedoch spielen Themen wie Volks- und Feinkultur, persönliche Konflikte und Generationskonflikte im Kulturleben der Stadt auch eine Rolle.
Anlass war die komische Oper Holger Danske des 28-jährigen Komponisten und deutschen Kopenhagener F.L.Æ. Kunzen und des 25-jährigen Jens Baggesen, des wichtigsten dänischen Dichters der Zeit. Sie versuchten nach Ideen des Schweizer Ästhetikers Johann Georg Sulzer ein klassisches, historisches und romantisches Thema in einem Werk zu vereinen. Die Oper war auf vielen Ebenen eine experimentelle Neuschöpfung: die erste Oper in dänischer Sprache, die erste romantische Oper überhaupt und auch in der Szenographie großartig und neuartig.
Die Oper wurde am 31. März 1789 auf dem Königlichen Theater erstaufgeführt. Sie war zunächst erfolgreich, fand bei den breiten Volksschichten Kopenhagens Begeisterung, aber wurde von gebildeten Kreisen so kritisiert, dass sie nur sechsmal aufgeführt wurde.
Die Operngenre war zu dieser Zeit nicht besonders stark in Kopenhagen etabliert und befand sich im ganzen Europa in einer Übergangsphase, wo neue Ideen mit alten Konventionen kämpften. Viele bezweifelten noch die Gleichberechtigung der Oper mit dem Schauspiel und dem Ballett.