Das Castello di Issogne (, auf Deutsch ‚Schloss Issogne‘) ist eine Burg in der Gemeinde Issogne im Aostatal am orographisch rechten Ufer der Dora Baltea. Es ist ein Herrenhaus der Renaissance und bildet einen Kontrast zum strengen Schloss Verrès gegenüber auf der anderen Seite des Flusses.

Bekannt sind sein Innenhof mit seinem Granatapfelbrunnen und seine bunt bemalte Vorhalle, ein seltenes Beispiel mittelalterlicher, alpiner Malerei, mit ihrem Freskenzyklus von Alltagsszenen mittelalterlichen Lebens. mini|Nordfassade der Burg Geschichte Ursprünge Das erste Dokument, in dem die Burg erwähnt wurde, ist eine Bulle von Papst Eugen III. von 1151, die die Existenz eines festen Hauses in Issogne bestätigte, das dem Bischof von Aosta gehörte. Dieses feste Haus muss dem festen Haus Villette in Cogne oder dem Turm Colin in Villeneuve geglichen haben.

Höchstwahrscheinlich gab es an dieser Stelle aber bereits Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. ein römisches Haus ähnlich der römischer Villa der Consolata in Aosta, wie einige Umfassungsmauern zeigen, die man in den Küchen der heutigen Burg gefunden hat.

Die Macht des Bischofs aber stand der Familie De Verrecio, den Herren von Verrès, entgegen und die Spannungen gipfelten um 1333 mit einem Angriff von Seiten des Aymon de Verrès auf das bischöfliche feste Haus, das in Brand gesteckt und ernstlich beschädigt wurde. Issogne blieb bis 1379 Bischofssitz, dann übertrug der Bischof von Aosta die Gerichtsbarkeit der Herrschaft dem damaligen Herrn von Verrès, Yblet de Challant.

Yblet de Challant ließ so Umbauarbeiten an dem bischöflichen festen Haus durchführen, die es in eine komplexe und elegante Wohnstatt im Stile der Spätgotik verwandelten, die aus einer Reihe von Türmen und Baukörpern, umschlossen von einem Mauerring, bestand.

Nach dem Tod von Ibleto di Challant 1409 gingen Burg und Lehen von Issogne an seinen Sohn, François de Challant, über, der 1424 vom Haus Savoyen den Titel eines Grafen Challant erhielt. François de Challant aber hatte keine männlichen Nachkommen und nach seinem Tod 1442 entwickelte sich ein Erbfolgestreit zwischen seiner Tochter Caterina und seinem Vetter Jacques de Challant-Aymavilles. Nach Jahren des Streites musste Catherine 1456 ihre Besitzungen Jacques überlassen, der so der zweite Graf Challant und der neue Herr von Issogne wurde.

Glanzzeit Um 1480 beauftragte Louis de Challant, Sohn von Jacques de Challant-Aymavilles, weitere Arbeiten an der Burg, aber der größte Teil der Bereinigung wurde unter Prior Georges de Challant-Varey, einem Vetter von Louis de Challant, durchgeführt, dem nach dessen Tod die Vormundschaft von dessen minderjährigen Söhnen, Philibert und Charles, aus dessen Ehe mit Marguerite de la Chambre übertragen wurde. Unter Georges de Challant-Varey wurden die Verbindungsbauten zwischen den vorhandenen Gebäuden erstellt, die so einen einzigartigen Palast in Hufeisenform entstehen ließen, der einen weiten Innenhof umschloss. Aus dieser Zeit stammen auch die Verzierungen der Vorhalle, die den Hof umgibt, die Kapelle, der Garten und der berühmte Granatapfelbrunnen mit hohem symbolischen Wert.

In seiner Glanzzeit beherbergte die Burg auch illustre Gäste, wie Kaiser Sigismund auf seiner Rückreise nach Deutschland 1414 oder König Karl VIII. von Frankreich 1494.

Nach dem Tod von Georges de Challant 1509 und dem Ende der Arbeiten wurde Philibert de Challant der neue Herr von Issogne und passte die Burg seinen eigenen Bedürfnissen und denen seiner Gattin, Louise d’Aarberg, und seines Sohnes René an. Unter der Herrschaft von René de Challant erreichte die Burg ihren höchsten Glanz und die Funktion eines reichen und raffinierten Hofes.

Niedergang und Wiederaufstieg mini|Kopf des königlichen Dekrets Nr. 281 vom 28. November 1907, publiziert in der Gazzetta Ufficiale del Regno d’Italia, das die Annahme der Spende von Vittorio Avondo an das Schloss Issogne autorisierte Nachdem René de Challant bei seinem Tod 1565 keine männlichen Erben hinterließ, fielen seine Besitzungen an Giovanni Federico Madruzzo (frz. Jean-Frédéric de Madrus), der dessen Tochter Isabelle geheiratet hatte. Dies beschwor einen Erbkonflikt zwischen der Familie Madruzzo und den Vettern von Isabelle aus der Familie Challant herauf, der sich länger als ein Jahrhundert hinzog.

Zwischenzeitlich gehörten die Herrschaft von Issogne und ihre Burg den Madruzzos, danach den Lenoncourts und schließlich 1693 Cristina Maurizia del Carretto aus Balestrino.

1696 aber endete der Streit zwischen den Nachkommen der Madruzzos und der Challants endgültig und Cristina Maurizia musste Issogne an die Familie Challant zurückgeben.

1802 starb mit dem Tod von Jules-Jacinthe de Challant die erste Besitzerfamilie der Burg aus, die schon Jahre vorher aufgegeben worden war, eine Zeit starken Verfalls, in der sie all ihrer Einrichtung beraubt wurde. 1872 war Marius de Vautheleret, der damalige Besitzer, gezwungen, die Burg versteigern zu lassen, und so kaufte sie der Turiner Maler Vittorio Avondo, der sich um die Restaurierung kümmerte und sie wieder mit dem originalen Mobiliar ausstatten ließ (das er auf dem Antiquitätenmarkt erworben hatte) oder zumindest mit Kopien alten Möbel. 1907 stiftete Avondo die Burg dem italienischen Staat und 1948 wurde sie schließlich Eigentum der Region Aostatal.

Die Burg ist heute im Rahmen geführter Touren öffentlich zugänglich.

Beschreibung Von außen erscheint die Burg als befestigte Wohnstatt von eher unscheinbarem Aussehen, ohne besondere Verzierungen oder Fresken und mit Ecktürmen, die nur wenig höher sind als der Rest der Gebäude. Sie liegt mitten in der Siedlung Issogne.

Die Burg hat einen rechteckigen Grundriss; drei Seiten nimmt das Gebäude selbst ein, die vierte ein Garten im italienischen Stil, der durch eine einfache Mauer begrenzt wird.

Innenhof und Vorhalle mini|Detail des Granatapfelbrunnens im Innenhof der Burg mini|links|Foto des Innenhofes vom Anfang des 20. Jahrhunderts: Neben dem Brunnen sieht man die Vorhalle (Erdgeschoss) und die Loggia (2. Obergeschoss) Der Innenhof ist von drei Seiten vom Gebäude umschlossen und der Garten ist eine der inspirierendsten Umgebungen der Burg. Er war früher durch das Tor zugänglich, das sich auf den Dorfplatz hinaus öffnet und unter die Vorhalle führt, aber heute wird aus praktischen Gründen nur noch der Nebeneingang auf der Westseite genutzt der draußen auf eine weite Wiese führt.

Auf den Fassaden, die zum Innenhof hin zeigen, findet sich der sogenannte „Mirroir pour les enfants de Challant“ (dt.: Spiegel für die Kinder der Challants), eine Reihe von auf Fresken dargestellter Wappen, die verschiedene Zweige der Familie Challant und die wichtigsten mütterlichen Allianzen des Hauses darstellen, um die Aufzeichnungen zu bewahren und sie an künftige Generationen weiterzugeben. Die Gartenmauer dagegen ist mit einfarbigen Zeichnungen von Weisen und Helden der Antike verziert, die allerdings fast schon nicht mehr sichtbar sind.

In der Mitte des Innenhofes findet sich der bekannte Granatapfelbrunnen, eine achteckige Steinwanne, aus der sich Granatapfelbaum ganz aus Schmiedeeisen erhebt, aus dem Wassersprudel entspringen. Eigenartigerweise zeigt der Baum Granatapfelfrüchte, aber das Blattwerk stammt – vielleicht aus symbolischen Gründen, die der Künstler zeigen wollte – von einer anderen Pflanze: Der Eiche. Den Brunnen ließ vermutlich Georges de Challant als Hochzeitsgeschenk für sein Mündel Philibert de Challant mit Louise d’Aarberg 1502 errichten und er hat, wie gesagt, einen hohen symbolischen Wert: Er wollte die Fruchtbarkeit und die Einheit der Familie, gezeigt durch den Granatapfel mit seinen aus vielen Kernen zusammengesetzten Früchten, mit der Kraft und dem Alter, symbolisiert durch die Eiche, vereinen. Zwischen den Granatapfel-Eichenzweigen sind auch winzige Drachen, ebenfalls aus Schmiedeeisen und sehr schwierig zu finden, eingefügt.

mini|Detail des Freskos der Marktlünette unter der Vorhalle mini|links|Inneres der Vorhalle, ausgestattet mit Wandbänken aus Holz und Lünetten mit Fresken auf einem Foto von 1898 Auf der Ostseite des Innenhofes liegt eine Vorhalle mit Rundbogenarkaden und Kreuzgewölbedecke, unter der sich der Haupteingang zur Burg öffnet und von wo man auch ins Innere des Gebäudes eintritt. Die geometrische Verzierungen an den Rippen der Kreuzgewölbe sind typisch für die Kunst des 15. Jahrhunderts.

Die Lünetten der Vorhalle sind mit Fresken verziert, auf denen mit Realismus und Humor Kunsthandwerksläden und Szenen des täglichen Lebens aus dieser Zeit dargestellt sind, und stellen ein wichtiges ikonografisches Zeugnis der Epoche am Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert dar. Die Lünette der Wachmannschaft zeigt einige Soldaten, die an einer Tafel sitzen und zusammen mit einigen Prostituierten Karten oder Backgammon spielen wollen, während ihre Waffen und Rüstungen (Harnische, Armbrüste und Hellebarden) an einem Gestell vor der Wand aufgehängt sind. Der Bäcker schiebt das schon geknetete Brot in den Ofen und der Metzger dreht den Spieß, während eine Katze versucht, das Fleisch zu stibitzen. In der Schneiderei werden Stoffstücke vermessen und geschnitten, während in den Regalen hinter dem Apotheker zahlreiche Gefäße mit Medizinalien und andere Medikamente abgebildet sind. Die Marktlünette zeigt ein übervolles Angebot an Obst und Gemüse mit zahlreichen Kunden und Verkäufern in Kleidern der damaligen Zeit. Auf der Lünette des Feinkostgeschäftes sind schließlich einige Käseformen in Fontinaform abgebildet, was als älteste Abbildung der traditionellen Käse des Aostatals gilt. Diese Fresken haben über ihre ästhetische Funktion hinaus vermutlich auch eine feierliche Bedeutung; sie wollen den Überfluss und den Frieden zeigen, den man dank der Macht des Burgherrn erhielt. Der gesamte Zyklus wird einem Künstler zugeschrieben, der wegen eines Graffito in der Lünette der Wachabteilung, das einen „Magister Collinus“ als Autor dieses Werkes angibt, unter dem Namen ‚‘Maître Colin‘‘ bekannt ist. Auch die Fresken in der Kapelle im ersten Obergeschoss der Burg werden diesem Künstler zugeschrieben.

Erdgeschoss mini|Grundriss des Erdgeschosses der Burg. Die zu besichtigenden Räume sind in gelb markiert. mini|links|Detail einer der Fresken des Gerichtssaales Die Burg hat insgesamt etwa 50 Räume, von denen nur etwa 10 im Rahmen einer Führung zu besichtigen sind. Eine Tür unter der Vorhalle führt zum Speisesaal mit Gewölbedecke, ausgestattet mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert, die Vittorio Avondo auf Basis von Modellen aus der Renaissance anfertigen ließ. Der Speisesaal war mit der Küche durch eine Serviceklappe verbunden. Die Küche ist durch ein Holzgitter zweigeteilt, wodurch zwei separate Räume entstehen, die vermutlich für die Zubereitung unterschiedlicher Arten von Speisen gedacht waren. Der größere Teil, der an den Speisesaal anschließt, ist mit einem großen Kamin und einem Herd versehen, wogegen der kleinere Teil einen kleineren Kamin und eine Spüle hat.