Die Rhodesia Castle war ein 1951 in Dienst gestelltes Passagierschiff der britischen Union-Castle Line, das im Liniendienst nach Afrika eingesetzt wurde. Sie war das Typschiff einer Baureihe von drei baugleichen Schiffen der Reederei. Neben dem Liniendienst wurde sie 1958 kurzzeitig auch als Kreuzfahrtschiff eingesetzt. Die Rhodesia Castle hatte aufgrund des ab Anfang der 1960er Jahre unrentabel gewordenen Afrika-Dienstes eine mit knapp 16 Jahren relativ kurze Dienstzeit und wurde 1967 in Taiwan abgewrackt.

Geschichte mini|links|Bugansicht des baugleichen Schwesterschiffs Kenya Castle Die Rhodesia Castle entstand unter der Baunummer 1431 in der Werft von Harland & Wolff in Belfast und lief am 5. April 1951 vom Stapel. Die Ablieferung an die Union-Castle Line erfolgte am 6. Oktober, die Indienststellung im Linienverkehr von Großbritannien nach Südafrika am 16. Oktober 1951.

Bei der Rhodesia Castle handelte es sich um das erste von insgesamt drei Schwesterschiffen für diese Route, die von der Reederei auch als Cabin-Class Liners bezeichnet wurden. Die zwei anderen Einheiten dieser Baureihe waren die Kenya Castle und die Braemar Castle, die beide ihren Dienst 1952 aufnahmen. Die drei Einheiten basierten auf der etwas größeren Bloemfontein Castle von 1950.William H. Miller: Union-Castle Liners: From Great Britain to Africa 1946–1977, S. 89. Die Rhodesia Castle ersetzte die bereits 1914 in Dienst gestellte Llanstephan Castle in der Union-Castle-Flotte.

Die Rhodesia Castle umfuhr zunächst von London aus die Westküste Afrikas mit mehreren Zwischenstopps entlang, was auch als Afrika-Rundreise bezeichnet wurde. 1958 wurde sie mit einem neuen, längeren und moderner anmutenden Schornstein ausgerüstet. Anschließend unternahm sie zwei einzelne Kreuzfahrten von Southampton nach Gibraltar, Lissabon und Málaga, an einer von denen unter anderem pressewirksam die Schauspielerin Anne Heywood teilnahm. Anschließend kehrte das Schiff in den Afrika-Dienst zurück.

Im August 1960 erhielt die Rhodesia Castle eine komplette Modernisierung ihrer Innenräume, um mit konkurrierenden Reedereien auf dieser Strecke wie dem Lloyd Triestino oder der British India Steam Navigation Company mithalten zu können. Hierbei wurden unter anderem auch sämtliche Innenräume an Bord mit einer Klimaanlage ausgestattet.

Fortan machte das Schiff auf seiner Reise, die nun an Afrikas Ostküste entlang führte, unter anderem Station in Aden, Mombasa, Sansibar und Beira. Etwa zur selben Zeit sanken jedoch auch die Passagierzahlen auf der Afrika-Rundreise, der Dienst wurde unrentabel und von immer mehr Reedereien eingestellt. Zuletzt gehörte die Rhodesia Castle mit ihren Schwesterschiffen zu den letzten Einheiten, die noch auf dieser Strecke im Einsatz standen.

Nachdem der Dienst nach Südafrika auch für Union-Castle nicht mehr rentabel war, wurde die Rhodesia Castle am 4. Mai 1967 nach nicht einmal 16 Jahren in London ausgemustert und aufgelegt.William H. Miller: Union-Castle Liners: From Great Britain to Africa 1946–1977, S. 90. Knapp sechs Monate später traf das Schiff am 29. Oktober 1967 zum Abbruch in der Abwrackwerft von Chin Ho Fa Steel & Iron in Kaohsiung ein.Arnold Kludas: The Great Passenger Ships of the World: Volume 5 1951–1976. Patrick Stephens Limited, Wellingborough 1977, ISBN 0-85059-265-8, S. 44. Das Schiff hatte die Fahrt aus eigener Kraft zurückgelegt und befand sich in einem technisch einwandfreien Zustand. Sein Abbruch erfolgte schlicht aus Mangel an einem Käufer.

In ihrer Dienstzeit unternahm die Rhodesia Castle insgesamt siebzig Rundreisen, legte hierbei über 1,08 Millionen Seemeilen zurück und beförderte knapp 75.000 Passagiere (zu denen laut zeitgenössischen Zeitungsquellen auch insgesamt 13 blinde Passagiere zählten).

Das Schwesterschiff Braemar Castle ereilte bereits im Jahr zuvor nach nur 14 Dienstjahren dasselbe Schicksal und ging im Januar 1966 zum Abbruch nach Schottland, während die Kenya Castle nach einem Umbau als Kreuzfahrtschiff unter dem Namen Amerikanis noch bis 1996 im aktiven Einsatz blieb und erst 2001 in Indien abgewrackt wurde.Arnold Kludas: The Great Passenger Ships of the World: Volume 5 1951–1976. Patrick Stephens Limited, Wellingborough 1977, ISBN 0-85059-265-8, S. 46.

Ausstattung Die Rhodesia Castle konnte bis zu 526 Passagiere befördern. Anders als viele andere Linienpassagierschiffe ihrer Zeit hatte sie keine Klassentrennung: Alle Passagiere an Bord reisten in der komfortablen Kabinenklasse, eine Dritte Klasse oder Touristenklasse wie sonst üblich gab es nicht. Auf der Rhodesia Castle gab es Einzelkabinen sowie Mehrbettkabinen für bis zu vier Personen.

Neben dem Speisesaal des Schiffes, der bis zu 260 Passagiere aufnehmen konnte, verfügte die Rhodesia Castle unter anderem über einen Rauchsalon, eine Lounge, einen sogenannten Clubroom (eine Lounge mit Club-Atmosphäre) sowie eine kleine Bibliothek. Zudem gab es an Bord des Schiffes ein Kinderspielzimmer. Auf den weitläufigen Deckflächen der Rhodesia Castle befanden sich unter anderem ein Schwimmbecken am Heck, Bereiche für Deckspiele sowie eine Tanzfläche. An Deck gab es zudem eine Leinwand, auf der Filme gezeigt werden konnten.

Galerie

Literatur William H. Miller: Union Castle Liners: From Great Britain to Africa 1946–1977. Amberley Publishing Limited, Stroud 2013, ISBN 978-1-4456-2430-3.

Weblinks

das Schiff auf faktaomfartyg.se (schwedisch) Eintrag zum Schiff auf oceanlinersmagazine.com (englisch) Bericht zur Jungfernfahrt in The New York Times vom 16. Oktober 1951 (englisch)

Einzelnachweise

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