mini|Transportpferde im Schützengraben Die am häufigsten genutzten Tiere im Ersten Weltkrieg waren Pferde, Hunde und Tauben, seltener Esel, Maultiere, Kamele, Ochsen, Elefanten, Katzen, Glühwürmchen, Kanarienvögel und Schnecken. Alle beteiligten Länder setzten Tiere zu militärischen Zwecken ein. Sie waren in alle Bereiche des Krieges involviert, wurden als Transportmittel genutzt (für Waffen, Munition, Lebensmittel, Baumaterial, Verwundete), als Reittiere zum Kampfeinsatz, für Zwecke der Bewachung, Kommunikation und Spionage, als Kampfmittel oder als Nahrungsressource. Insgesamt sollen allein 14 bis 20 Millionen Pferde am Ersten Weltkrieg beteiligt gewesen sein, 1,5 Millionen davon auf deutscher Seite. Mindestens 8 Millionen Pferde wurden während des Krieges getötet.
Was als Ressourcenknappheit und Belastung für die Soldaten galt, galt für die Tiere allemal. Der Mangel an Futter, nicht fachgerechte Versorgung und Pflege, Überbelastung, schlechte Wetterverhältnisse, Seuchen, Schuss- und Gasverletzungen kosteten unzählige Tiere das Leben. Wie viele Tiere es insgesamt waren, ist nicht zu ermitteln.
Der Einsatz von Tieren im Krieg war damals selbstverständlich. Heute erinnern Denkmäler an Leistung und Leid der Kriegstiere. Einzelne Tiere erlangten als Kriegshelden nationale Berühmtheit.
Einleitung mini|Offiziere der Royal Navy mit Maskottchen-Hunden
Um 1910 war der Gebrauch von Tieren als Hilfe in allen Lebensbereichen alltäglich. Die Motorisierung war noch nicht weit fortgeschritten. Doch angesichts der neuesten technischen Errungenschaften, wie Automobile, Panzer, Telegrafie, wurde zunächst angezweifelt, dass Tiere, außer als Lastenträger, im Krieg überhaupt Verwendung finden würden. Die Kavallerie wurde in Frage gestellt, die Anzahl der Brieftauben verringert, und Meldehunde waren gar nicht vorgesehen. Schon bald sollte sich herausstellen, dass Logistik, Transportwesen, Kommunikation oder Gefechte ohne den Einsatz von Kriegstieren trotz aller Technik nicht durchführbar waren. In keinem Krieg zuvor und in keinem Krieg mehr danach wurden sowohl Tiere als auch technische Mittel so massiv eingesetzt. Nicht zuletzt war der Mangel an Zugpferden dafür verantwortlich, dass sich an der Westfront ein stagnierender Stellungskrieg entwickelte.
Vor allem Pferde, Hunde und Brieftauben waren für die Armeen im Ersten Weltkrieg im Einsatz. Bei Pferden und Hunden funktionierte eine Ausbildung gut, bei Kamelen und Eseln schon weniger und bei Katzen gar nicht. Rein quantitativ spielten Pferde die größte Rolle im Deutschen Heer, Hunde wurden im Transportwesen zu Hunderten verwendet.
Die moralische Frage, ob man Tiere zu Kriegszwecken nutzen sollte, stellte sich damals nicht. Wichtig war, wie man sie am nutzbringendsten einsetzen konnte. Der Tod von Menschen wurde in Kauf genommen – der der Tiere allemal.
Die Kriegstiere waren Verbrauchsmaterial wie Munition, Waffen und Ausrüstung. Einerseits wurden Tiere für Kriegszwecke in Zwangsarbeit missbraucht. Andererseits wurden die Kriegstiere als „vierbeinige Kameraden“ geschätzt, vornehmlich von Soldaten. Zahllose Belege zeigen, dass die Beziehungen zu den Tieren im Krieg von Gefühlen geprägt waren. Vielleicht wegen der emotionalen Nähe, vielleicht, um ein schlechtes Gewissen zu überdecken. Fürsorge und Nutzen gleichermaßen zeigten sich in speziellen Pferde- und Hundelazaretten und eigens entwickelten Gasmasken für Pferde, Hunde und Tauben. Gefühle zeigten daneben manche Soldaten, die in ruhigen Phasen versuchten, die Zuneigung streunender Hunde zu gewinnen. Die emotionale Wichtigkeit von Tieren wurde darüber hinaus durch ihren Einsatz als Maskottchen deutlich. Vielfach legten sich militärische Einheiten Maskottchen zur Stärkung der Gemeinschaft und für emotionale Nähe zu. Bordhunde fand man nicht nur auf Schiffen, sondern sogar auf U-Booten. Zitiert nach Manche Maskottchen hatten einen Bezug zur Heimat. Tatsächlich gab es als Maskottchen-Tiere u. a. Schafe, Esel, Ziegen, Bären, Affen, selbst Kängurus.
Die Besitzer wechselten übrigens häufig. Dem sich ändernden Frontverlauf folgend, gehörten Tiere mitunter erst der einen, dann der anderen Nation. Dem Gegner wurde dabei gerne unterstellt, die Tiere zu misshandeln. Demnach stand praktizierter Tierschutz für einen wohlgeratenen Charakter.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Großteil der Kriegstiere ins Zivilleben entlassen, entweder zurückgegeben oder verkauft. Das Militär wollte nun zur Effizienzsteigerung der Kriegstiere für die Zukunft lernen. Es wurde erwartet, dass Pferde in künftigen Kriegen immer noch eine besondere Rolle spielen sollten. Dazu schrieb der Militärschriftsteller Ernst von Eisenhart-Rothe: „Auch in einem zukünftigen Kriege – […] mag die Technik bis dahin auch die sinnreichsten Erfindungen machen, […] – wird das Truppenpferd dadurch nicht entbehrlich werden.“ Und die Geschichte zeigte, dass selbst im Zweiten Weltkrieg ganz Europa Bedarf an Militärpferden haben sollte.
Weil Pferde bedeutend für den Transport von Soldaten und Kanonen waren, galt die Pferdeausfuhr als Waffenexport.
Pferde mini|Armee-Treck mit Pferdewagen
Insgesamt sollen 14 bis 20 Millionen Pferde am Ersten Weltkrieg beteiligt gewesen sein, 1,5 Millionen davon auf deutscher Seite.
Musterung Pferde waren zu jener Zeit im Zivilleben das am meisten genutzte Transportmittel. Sie waren unabdingbar für den Stadtverkehr und in der Landwirtschaft. Der Höhepunkt der Pferdenutzung wurde um 1910 erreicht, unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Daher ist es nur natürlich, dass Pferde im Krieg gleichermaßen die Basis der Infrastruktur bildeten. Die militärische Mobilisierung von Pferden war länderübergreifend langfristig vorbereitet. Die Kriegspferde in Deutschland stammten beispielsweise von Heeresgestüten, heimischen Musterungen oder ausländischen Quellen. Bereits in Friedenszeiten fanden verpflichtende jährliche Musterungen von zivilen Pferden statt. Ausgenommen waren Tiere von Ärzten und Fürsten. Taugliche Tiere wurden auf Musterungslisten vermerkt und möglichen Einsatzzwecken zugeordnet. Im Kriegsfall konnte über die gemusterten Pferde verfügt werden, welche rund 70 Prozent des Gesamtbestandes ausmachen konnten.
Bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn wurde es notwendig, zusätzliche Pferde durch die deutschen Militärbehörden aus zivilen Stellen abzuziehen. In Bayern befanden sich knapp 300.000 Pferde auf der Musterungsliste. Von den zwischen 1908 und 1913 gemusterten Tieren galten 85 Prozent als kriegstauglich. Militärhistoriker Rainer Pöppinghege erklärt dazu: „Manche Bauern waren froh, nicht selbst an die Front zu müssen. Hinzu kam, dass sie ihre Pferde während des Kriegs auf dem Hof vielleicht nicht mehr so gut ernähren konnten. Unser Blick richtet sich natürlich zuerst auf die Tiere, die im Kriegseinsatz ihr Leben verloren. Aber den Tieren zu Hause ging es wegen der Knappheit an Nahrungsmitteln auch nicht viel besser als denen an der Front. Der Hungertod war auch an der Heimatfront alltäglich.“ Damit fehlten Pferde, zum Beispiel in der Landwirtschaft, was zu sozialen Problemen führte. Gerade bei Pferden galt es, ein Gleichgewicht zwischen den Arbeitspferden in der Heimat und den Ressourcen für die Kriegsführung zu finden. Nach Beginn der Kampfhandlungen wurde der Pferdemarkt stark reguliert, was teilweise bis ins Jahr 1919 Bestand hatte.
Lokale Pferde schienen durch Stallhaltung verweichlicht, jene in Osteuropa wirkten kriegstauglicher. Im bayerischen Heer wurden nur 30 Prozent der Pferde vor Ort rekrutiert, der Rest überwiegend in Ostpreußen. Junge Pferde wurden oft mit drei Jahren als Remonte ausgebildet, mit sechs waren sie voll einsatzfähig. Um den Pferden die Angst vor Explosionen zu nehmen, wurden sie in Bunker gestellt, während draußen Kanonen und Granaten gezündet wurden. Viele der zivilen Pferde waren es nicht gewohnt, geritten zu werden. Nur wenige der zivilen Pferde hatten Hufbeschläge. Der Hufbeschlag nutzte sich auf den harten Straßen schnell ab. War ein Beschlag ansonsten einmal im Monat fällig, musste er unter Kriegsbedingungen doppelt so oft erneuert werden. Der monatliche Bedarf des deutschen Heeres lag bei rund 10 Millionen Hufeisen. Zitiert nach
Im Jahr 1917 importierte das Deutsche Reich 140.000 Pferde. Zitiert nach Die Briten erstanden den Großteil ihrer Pferde (und Maultiere) in den USA, über 16 Millionen. Italien erwarb zwei Drittel seiner 30.000 Zugpferde in den USA. Die USA schifften zum Kriegseintritt 66.000 Pferde nach Europa. Zitiert nach
Nutzung mini|Pferdewagen mit Feldküche mini|hochkant|Krankentransport mit Pferdekraft
Der Kriegseinsatz von Pferden war selbstverständlich, doch über die Art des Einsatzes waren die Meinungen uneins. Würden Kavallerieeinsätze zukünftig noch von militärstrategischer Bedeutung sein, oder musste man sich von ihnen verabschieden? Angriffe mit Pferden, die in den vorherigen Kriegen noch wirksam gewesen waren, wurden nun in den Grabenkämpfen mit Maschinengewehren zwecklos. Pferde und Reiter gaben für die Gegner ein zu großes Ziel ab, selbst aus Flugzeugen wurden sie beschossen. Das galt besonders für die Westfront. Auf dem Schlachtfeld wurden Pferde in der Kavallerie eingesetzt, jenseits der Schlachtfelder wurden sie als Transport- und Zugtiere benötigt. Ihre Rolle wandelte sich vom Gefechts- zum Transporttier. Im Gegensatz zur Westfront wurden an der Ostfront die Pferde verstärkt noch als Gefechtstiere eingesetzt. Sie mussten kaum zu bewältigende Entfernungen zurücklegen. Oft erlitten die Tiere dabei Verletzungen durch Gurte, Sättel und Geschirre.
Mehr als in jedem anderen Krieg zuvor setzte das deutsche Heer im Ersten Weltkrieg bis zu 1,4 Millionen Pferde ein. Hinzu kamen circa zwei Prozent sogenannte Krümperpferde. Das waren ausgemusterte Pferde, die für leichtere Transportarbeiten eingesetzt und ohne feste Ration mit durchgefüttert werden mussten. An der Westfront waren 700.000 Pferde stationiert, bis 1918 sogar 900.000, an der Ostfront waren es 400.000. Zitiert nach
Viele der im Krieg eingesetzten Pferde wurden in tagewährenden, nicht artgerechten Bahntransporten Richtung Front verfrachtet. Selbst an den Rastplätzen war die Futterversorgung oft mangelhaft, und das sollte sich in den kommenden Kriegsjahren nicht bessern. Dieser vermeintliche Organisationsmangel entpuppte sich als grundlegendes strukturelles Defizit.
Aufgabe der Pferde war beispielsweise, Baumaterial an die vordersten Frontlinien zu befördern. Als Ergänzung zu den noch neuen Eisenbahnstrecken zogen sie die Artillerie-Wagen über die letzten Kilometer. Retour konnten sie Verletzte abtransportieren. Pferde und Maultiere vermochten zwischen 60 und 80 Kilogramm zu tragen. Ein durchschnittliches Pferd musste täglich bis zu 50 km laufen, bis zu zehn Tage ohne Rast. Ein Artilleriepferd durfte laut Verordnung 25 Kilometer pro Tag marschieren, doch gegen Ende des Krieges waren es häufig bis zu 80 Kilometer. Von Meldereitpferden, die zum Überbringen von Nachrichten beritten wurden, waren bis zu 120 km am Tag gefordert, oftmals selbst im Galopp. In den ersten zwei Monaten wurde oft im Freien übernachtet, trotz schlechten Wetters und oft nur wenige Stunden. Um immer startbereit zu sein, wurden die Pferde selten abgesattelt und hatten daher bis zu vier Tage ihre schwerbepackten Sättel zu tragen. Hausten die Soldaten in Ställen und Scheunen, wurden für die Pferde Unterstände errichtet. Als Baumaterial dienten notfalls Zeltbahnen, was wohl insbesondere um Verdun häufig vorkam. Die ohnehin schon geschwächten Tiere litten unter den unzureichenden Unterstellmöglichkeiten.
Futter