Nidarosdom rahmenlos|Nidarosdom von Nordosten Adresse Trondheim, Bispegata 11 Konfession evangelisch-lutherisch Gemeinde Pfarrgemeinde Trondheim Aktuelle Nutzung Bischofskirche des Bistums Trondheim,Kirche der Vorsitzenden der norwegischen Bischofskonferenz.Gebäude Baujahr(e) 1090 erste Steinkirche,1152–1320 Großbau,ab 1869 bis 2001 Restaurierung Stil Neogotik und Romanik
Der Nidarosdom in Trondheim (alter Name der Stadt: Nidaros) gehört zu den bedeutendsten Kirchen in Norwegen, er gilt als Nationalheiligtum. Er war seit 1152 die Kathedrale der norwegischen Metropoliten. Weil hier der Schrein von Olaf dem Heiligen hinter dem Hochaltar stand, trug der Dom auch den Beinamen „Herz Norwegens“. Nach der Reformation wurde er zur Kathedrale der evangelisch-lutherischen Bischöfe des Bistums Nidaros. Seit 2011 ist er außerdem Sitz des neugeschaffenen Amtes der Vorsitzenden der norwegischen Bischofskonferenz.
Im Mittelalter und von 1818 bis 1906 war der Nidarosdom die Krönungsstätte der norwegischen Könige. Hier wurden sieben Könige gekrönt und zehn begraben.
Südlich an den Nidarosdom schließt sich der Erzbischöfliche Palast an.
Geschichte Vorläufer Der Dom wurde auf der Grabstätte des Königs Olav Haraldsson errichtet, der 1030 in der Schlacht von Stiklestad fiel. Als er ein Jahr nach seinem Tod heiliggesprochen wurde, setzte ein Pilgerstrom zu seinem Grab ein. Kurz darauf, unter Magnus dem Guten, wurde über der Grabstätte eine kleine Holzkapelle errichtet. König Olav III. „der Ruhige“ ließ 1070 die Kapelle durch eine steinerne Kirche ersetzen, die 1090 fertiggestellt wurde.
Die Kathedrale mini|Das erhaltene mittelalterliche Mauerwerk, nach einer Zeichnung von J. Mathiesen
1152 machte man sich daran, eine große Kathedrale nach westeuropäischem Vorbild als Sitz des norwegischen Erzbischofs zu errichten, zunächst im anglo-normannischen Stil, dann in einem romanisch-gotischen Übergangsstil. Große Fortschritte machte der Bau unter Erzbischof Øystein Erlendsson (Amtszeit 1157/61–1188). Nach seiner Rückkehr von einer Englandreise wurde 1185 am östlichen Ende des Chors die achteckige Kapelle (das „Oktogon“) für den Olavsschrein errichtet. Erzbischof Sigurd Eindridesson (Amtszeit 1231–1252) legte 1248 den Grundstein für die zweitürmige Westfront. 1320 war die Kathedrale im Wesentlichen vollendet.
Brände und Konflikte mini|Ansicht von Norden, 1661
Durch mehrere Brände in den Jahren 1328, 1432 und 1531 wurde die Kirche schwer beschädigt. Noch um 1520 ließ Erzbischof Erik Valkendorf wesentliche Reparaturen durchführen. Aber nach dem Brand von 1531 verzögerte eine politische Krise den Wiederaufbau, bei der drei Konflikte miteinander verquickt waren. Es ging um das Maß norwegischer Selbstständigkeit in der Personalunion mit Dänemark, um einen dänischen Thronstreit und um die Einführung der Reformation. 1537 wurde Norwegen evangelisch, und Erzbischof Olav Engelbrektsson ging ins Exil.
Der verkleinerte Dom mini|Ansicht von Südosten, um 1830
Beim Wiederaufbau ab 1537 wurde der Innenraum verkleinert, am Westrand von Querschiff und Vierung wurde eine Trennwand eingezogen. Westlich davon wurde das Gebäude nicht wiederhergestellt. Nur die Turmstümpfe und die Außenwände erhielten Notdächer. Im östlichen Teil erhielt der Langchor eine flache Decke. Der Vierungsturm wurde mit einem hohen spitzen Turmhelm auf eine Höhe von 110 m gebracht.
150 Jahre später, 1689, zerstörte ein Sturm den Turmhelm. 1708 brannte die ganze Kirche bis auf die Grundmauern ab. Während des sogleich begonnenen Wiederaufbaus kam es 1719 durch Blitzschlag zu einem erneuten Brand. Bei der anschließenden Reparatur erhielt das Oktogon eine barocke Haube. Erst 1741 wurde die 1708 zerstörte Orgel durch ein prächtiges Barockinstrument ersetzt.
Zunehmender Verfall und Wiederherstellung
Die Besinnung auf den kulturellen Wert des Nidarosdomes begann 1762 mit Gerhard Schønings Buch Beskrivelse over den tilforn meget prægtige og vidtberømte Dom-Kirke i Trondhjem (Beschreibung der ehemals sehr prächtigen und weithin berühmten Dom-Kirche in Trondheim). In den 1820er Jahren schuf der Maler Johan Christian Clausen Dahl mehrere Abbildungen des ehrwürdigen Gebäudes. Im Jahre 1833 wurden Schäden am Oktogon entdeckt.
Heinrich Ernst Schirmer mini|links|hochkant|Chorraum mit Blick zum Oktogon, 1848 mini|Ansicht von Westen, 1839 mini|links|hochkant|Risse im Seitenschiff durch abgesackten Vierungspfeiler um 1890 mini|Westfassade vor dem Wiederaufbau
1840 zeigte ein Pfeiler des Doms Veränderungen, die einen baldigen Einsturz befürchten ließen. Nun suchte das Kirchenministerium (Kirkedepartementet) dringend nach einer Lösung, um den Verfall zu stoppen. Der damals 27-jährige deutsche Architekt Heinrich Ernst Schirmer wurde um 1841 beauftragt, Untersuchungen und Studien zur Restaurierung und Wiederherstellung des Nidarosdoms durchzuführen. Gleichzeitig erforschte der Historiker Peter Andreas Munch die Baugeschichte. Schirmers erste Wiederaufbaupläne wurden zunächst aus Kostengründen verworfen, aber durch sein starkes Engagement für das Projekt und den fortgesetzten Verfall des Bauwerkes gewann das Thema in den nächsten Jahrzehnten in Norwegen stark an Popularität.
1859 präsentierte Schirmer zusammen mit Munch in Ausstellungen mehrere Schautafeln mit Plänen zum Wiederaufbau der Kathedrale und stieß auf große Aufmerksamkeit. So wurde 1869 die Dombauhütte (heute Nidaros Domkirkes Restaureringsarbeider, kurz NDR) gegründet und mit dem Wiederaufbau des Domes begonnen. Allerdings trafen Schirmers künstlerische Pläne auf heftige Kritik von Befürwortern eines archäologischen Wiederaufbaues. Da fast alle historischen Vorlagen fehlten, beruhte die Rekonstruktion zum großen Teil auf Spekulationen.
Christian Christie mini|Ansicht von Nordosten, 1857 mini|links|hochkant|Rekonstruktion einer Innenwand, Zeichnung von Christie, um 1903 mini|Ansicht von Nordosten mit neuem Oktogon-Dach, 1890er Jahre
Bereits 1872 wurde Schirmer durch den Dombaumeister Christian Christie ersetzt, der den Bau bis zu seinem Tod 1906 leitete. Durch Christies Einsatz versprach man sich beim Wiederaufbau Besserung, dennoch wurde der Dom nach dem Konzept seines Vorgängers Schirmer weiter rekonstruiert. Unter Christies Regie und Hauptverantwortung wurden in dieser Zeit die Restaurierung des Chores und des Oktogons vorangetrieben, und mit der Wiedererrichtung des westlichen Kirchenschiffs begonnen. Die westlichen Ecktürme wurden noch nicht berücksichtigt. Er verfasste einige Vorstudien zum Wiederaufbau des Nidarosdomes im Stil der Gotik, die auch zum Teil zur Ausführung kamen. Christie überprüfte außerdem gründlich die Verwendbarkeit von verfügbarem archäologischem Material, um den Bau im Gegensatz zu seinem Vorgänger dem historischen Original anzunähern und die Kirche auf einer soliden Basis zu rekonstruieren. Dabei war sein Hauptziel, den Nidarosdom wieder in seine ursprüngliche gotische und romanische Form zu bringen. Er ließ systematisch alle neueren Ergänzungen einschließlich der barocken Haube des Oktogons entfernen. Christies sorgfältige und präzise Arbeit beim Wiederaufbau erhielt seinerzeit breite Anerkennung in Fachkreisen, auch wenn nach heutigen Maßstäben seine Herangehensweise als unsensibel und etwas grob angesehen wird.
Trotzdem blieb die Rekonstruktion des Nidarosdomes unter Christie auch in seiner Zeit nicht ohne Kritik, da ihm ebenso wie Schirmer zuverlässige Quellen und archäologisches Material fehlten. Christie orientierte sich beim Wiederaufbau an den Thesen des französischen Architekten Eugène Viollet-le-Duc und des Briten George Gilbert Scott. Diese vertraten das Prinzip der stilistischen Einheit, das schon zur Zeit Christies kritisiert wurde, denn die so „restaurierten“ Bauten konnten in einem Zustand enden, den sie vorher nie hatten. Beim Nidarosdom bedeutete dies die Vernichtung von wertvollen architektonischen Teilen aus dem 16., 17. und frühen 19. Jahrhundert, die nach Christies Meinung stilistisch nicht zum Wiederaufbau passten.Petter Henriksen: Christian Christie. In: Store norske leksikon. Kunnskapsforlaget, Oslo 2007 (norwegisch)
Kurz nach der Rekonstruktion und Fertigstellung des Hauptturmes 1903 gab es erneut kritische Stimmen zu Christies Wirken als Dombaumeister. Dabei wurde insbesondere kritisiert, dass, basierend auf seinen architektonischen Überlegungen, unter anderem die Höhe des Kirchturms zu niedrig rekonstruiert war und er sich in der Ausführung nicht genügend an archäologische Zeugnisse hielt. Nach seinen Plänen wurde 1901 auch das neue charakteristische Kupferhelmdach auf dem Hauptturm des Doms errichtet, ebenfalls ohne entsprechende historische Grundlagen. Christie entwickelte auch die Baupläne für die Neuerrichtung der Westfront des Doms. Nach seinem Tod wurden sie jedoch verworfen. Wegen der zunehmenden Kritik an seinem Vorgehen sollte er bereits 1905 als Dombaumeister entlassen werden. Die Debatten zogen sich jedoch in die Länge und es kam zu keiner Entscheidung. Christie konnte dadurch noch bis zu seinem Tod 1906 die Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale fortführen.
20. Jahrhundert mini|Helge Thiis vor seinem Modell des Nidarosdoms, um 1930 Danach leitete der norwegische Architekt Henrik Bull (1864–1953) und von 1909 bis 1925 Olaf Brochmann Nordhagen (1883–1925) den Wiederaufbau. Im Konflikt zwischen Nordhagens Konzept und der Architekturtheorie des Historikers Fredrik Macody Lund (1863–1943) wurde eine internationale Kommission berufen, die sich einstimmig zugunsten Nordhagens aussprach. 1930 übernahm der in Trondheim geborene Architekt Helge Thiis (1897–1972) die Leitung der Domrekonstruktion. Seine Pläne für die westliche Turmfront wurden 1949 vom Storting gebilligt. Die Türme wurden 1964 und 1968 vollendet. Bis heute sind rund 30 Handwerker werktäglich außen und im Inneren mit Arbeiten befasst.
Bauwerksbeschreibung mini|hochkant=1.2|Grundriss des Nidarosdoms Der gesamte Bau ist 102 Meter lang, 50 Meter breit (unter Einbeziehung des Querschiffes) und in der Gewölbespitze 21 Meter hoch. Er gliedert sich in das gotische Langschiff mit den Türmen (Bauzeit 1140–1180 und 1220–1240; 1328 repariert), in das romanische Querschiff mit Kapelle (Bauzeit 1140–1180), die Sakristei (ein nördlicher Anbau aus der Zeit 1170–1180), das Oktogon (Bauzeit 1183–1210) und das Hauptschiff mit der Westfront (Bauzeit 1248–1320). Über dem Kathedralenbau erheben sich drei Türme, zwei zwillingsartige über dem Westchor und einer mittig über der Vierung. Baumaterial ist in der Hauptsache Speckstein aus Kvikne. Sechs Portale ermöglichen den Zugang zum Dom.
In der Unterkirche gibt es drei Kapellen, die normalerweise nicht für Besucher zugänglich sind. Dies sind die Marienkapelle, die Olafskapelle und die Michaelkapelle.
Fassaden mini|hochkant|Bischof Sigurd, für den der Dichter Aasmund Olavsson Vinje Modell stand, mit den Köpfen seiner drei Neffen, die die Gesichter der Architekten Gudolf Blakstad, Herman Munthe-Kaas und Helge Thiis tragen (Gestaltet von Dyre Vaa). Das Material der Schmuckfassaden ist Speckstein. Als Schauseite der Kathedrale gilt die Westfassade im Stil der Hochgotik nach englischen Vorbildern wie der Westminster Abbey. Die Neugestaltung ab 1929 erfolgte als Kassettenfassade mit 57 Statuen, die Personen und Geschichten aus dem Alten Testament künstlerisch darstellen. Von den ehemals wohl 40 schmückenden Statuen waren im 19. Jahrhundert nur noch fünf erhalten. Eine Rekonstruktion anhand archäologischer Funde war also nicht mehr möglich, vielmehr war eine „künstlerische Aufgabe im Geiste der Gotik“ zu leisten.