mini|280px|Verkündigung Mariä, Haupttafel des Polyptychon Lion, 1357–59, Accademia, Venedig

Lorenzo Veneziano (eigentlich Lorenzo di Niccolò; auch Laurencius pinctor, Laurentius pictor sanctorum; nachgewiesen in Venedig von 1353 bis 1379)C. Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 13, online als Google-Book (zweisprachig: englisch, italienisch; gesehen am 3. Mai 2020) war ein bedeutender italienischer Maler der venezianischen Schule.

Leben

Lorenzo gehörte zu einer auf Heiligenbilder spezialisierten venezianischen Malerfamilie (pittori di santi), deren Werkstatt an der Grenze der Gemeinden von San Lio und Santa Marina nahe der Paradiso-Brücke lag.

Sein Vater hieß Nicolò (Nicolaus pinctor), der Name seiner Mutter ist bisher nicht bekannt.C. Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 14, online als Google-Book (gesehen am 3. Mai 2020) Zum ersten Mal wird Lorenzo zusammen mit Nicolò in einem Dokument vom 4. März 1353 erwähnt. Lorenzos Halbbruder Pietro, aus der ersten Ehe seines Vaters, war der Vater des Malers Nicolò di Pietro. 1374 war Lorenzo verheiratet mit einer Elena, deren Schwester Margherita die dritte (?) Frau seines Vaters war.

Er gehörte zur Bruderschaft der Scuola di San Cristoforo dei Mercanti.

Lorenzo Veneziano ist wahrscheinlich nicht identisch mit einem (oder zwei ?) ebenfalls als „Laurentius pictor“ bezeichneten Maler(n), der (die) laut Dokumenten von 1371 und 1377 mit einer Agnese di San Luca oder Agnesina di San Basso verheiratet war(en).

Es kann angenommen werden, dass er die Anfangsgründe der Malerei von seinem Vater erlernte, genaueres über seine Ausbildung ist jedoch nicht bekannt. Oft wird angenommen, dass er Schüler von Paolo Veneziano war.Lorenzo Veneziano, in: Lexikon der Kunst, Bd. 7, Karl Müller Verlag, Erlangen, S. 320C. Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 15, online als Google-Book (gesehen am 3. Mai 2020) Manche Autoren haben auch eine Lehrzeit in Verona oder Padua vermutet. Lorenzo wirkte sehr oft für Orte auf dem italienischen Festland.

mini|links|hochkant|Auferstehung Christi aus dem Triptychon der Seidenhändler, 1371, Castello Sforzesco, Mailand 1356 bestellte Scipione Maffei aus Verona bei Lorenzo ein Tafelbild, über dessen Verbleib nichts bekannt ist.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 188 Sein erstes signiertes und datiertes Werk ist das zwischen 1357 und 1359 entstandene Polyptychon Lion für den Hochaltar der nicht mehr existierenden Kirche Sant’Antonio Abate in Castello (heute: Accademia, Venedig). Eine Mystische Hochzeit der hl. Katharina (Accademia, Venedig) ist nach venezianischer Zeitrechnung (more veneto) mit 1359 datiert (d. h. eigentlich von 1360).C. Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 16, online als Google-Book (gesehen am 3. Mai 2020)

1366 schuf er das sogenannte Proti-Polyptychon mit dem Tod Mariä (Dormitio Virginis) für die Kathedrale von Vicenza.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 189

Für die Augustinerkirche San Giacomo in Bologna vollendete er am 4. Juli 1368 ein Polyptychon mit einer Marienkrönung als Hauptbild (Musée des Beaux-Arts, Tours); dieser Altar wurde später zerlegt und ist heute auf verschiedene Museen verteilt (siehe unten Werkliste).C. Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 17, online als Google-Book (gesehen am 3. Mai 2020)

Im Jahr 1371 stellte Lorenzo zwei bedeutende Altäre fertig: das Verkündigungs-Triptychon (Accademia, Venedig) und das Triptychon der Seidenhändler (trittico per l‘Arte de la Seta) mit der Auferstehung Christi als Hauptbild, welches sich heute im Castello Sforzesco in Mailand befindet; andere Teile sind in der Accademia von Venedig. Die Madonna mit Kind im Louvre (Paris) malte er ursprünglich 1372 für die Kirche San Francesco in Rieti.

1379 wird Lorenzo in einer Auflistung von venezianischen Bürgern erwähnt, die einen Beitrag zu den Kosten des Krieges von Chioggia leisteten.

Der Zeitpunkt seines Todes ist bisher nicht bekannt.

Würdigung mini|250px|Lorenzo Veneziano: Madonna dell’Umilta mit den Hl. Dominikus und Petrus Martyr in der Rosenkranzkapelle von Sant’Anastasia, Verona Lorenzo Veneziano war der bedeutendste Maler Venedigs in der zweiten Hälfte des Trecento. Seine Malerei geht von der noch byzantinisch beeinflussten Kunst des Paolo Veneziano aus, in die er nach und nach immer mehr gotische Einflüsse einbringt, die ihm wahrscheinlich durch den in Padua wirkenden Guariento di Arpo vermittelt wurden. Über den Letzteren kam er mit den realistischen Neuerungen Giottos in Berührung. All diese Elemente und eine große malerische Feinheit verband Lorenzo zu einem eigenen Stil von großer Eleganz und Schönheit und von typisch venezianischem Charakter.

Lorenzos Werk beeinflusste andere venezianische oder in Venedig arbeitende Künstler wie Giovanni da Bologna, Stefano Plebanus und Nicoletto Semitecolo.Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig - Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, hier: 192

Werke (Auswahl) Die folgende Werkliste ist annähernd chronologisch geordnet. Nur die Entstehungszeit der mit Datum versehenen Werke ist dokumentarisch gesichert.Die Liste folgt den biographischen Angaben von Guarnieri, in: Cristina Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist, Altomani & Sons, Maastricht, 2016, S. 13, online als Google-Book (zweisprachig: englisch, italienisch; gesehen am 3. Mai 2020) mini|hochkant|Der thronende Christus übergibt Petrus den Himmelsschlüssel (Traditio clavium), 90 × 60 cm, Museo Correr, Venedig, ca. 1370

Kreuzwegskruzifix, San Zeno, Verona Polyptychon Lion, 1357 bis 1359, (urspr. für Sant’Antonio Abate in Castello) Accademia, Venedig Mystische Hochzeit der hl. Katharina, 1359 (more veneto=1360), Accademia, Venedig Thronende Madonna mit Kind, 1361, Museo Civico, Padua Prophet (König Salomon oder David ?), John and Mable Ringling Museum of Art, Sarasota Thronende Madonna mit Kind und zwei Stiftern, Metropolitan Museum of Art, New York sogenanntes Proti-Polyptychon, 1366, Kathedrale von Vicenza Madonna dell’Umiltà, Santa Maria Maggiore, Triest Madonna dell’Umilta mit den Hl. Dominikus und Petrus Martyr in der Rosenkranzkapelle von Sant’Anastasia, Verona Madonna delle stelle (Sternenmadonna), Santa Corona, Vicenza (durch spätere Übermalungen entstellt) Polyptychon mit Marienkrönung, 1368, (für San Giacomo, Bologna) Einzelteile in diversen Museen: Musée des Beaux-Arts, Tours; Pinacoteca Nazionale, Bologna; Galleria Regionale (Palazzo Bellomo), Siracusa; und Philadelphia Museum of Art Polyptychon, Museo Provinciale, Lecce (Lorenzo Veneziano und Werkstatt zugeschrieben) Der thronende Christus übergibt Petrus den Himmelsschlüssel (Traditio clavium), 1370 (?), Museo Correr, Venedig Szenen aus dem Leben der hl. Petrus und Paulus, 1370 (?), Gemäldegalerie, Berlin Verkündigungs-Triptychon, 1371, Accademia, Venedig Triptychon für die Seidenhändler (trittico per l‘Arte de la Seta), 1371, Accademia, Venedig, und Pinacoteca del Castello Sforzesco, Mailand Madonna und Kind, 1372, (urspr. für die Kirche San Francesco in Rieti) Louvre, Paris Triptychon, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Kleines Polyptychon, (für Santa Maria della Celestia, Venedig) Pinacoteca di Brera, Mailand Der hl. Nikolaus beruhigt den Sturm, Eremitage, St. Petersburg

Literatur Lorenzo Veneziano. In: Lexikon der Kunst. Bd. 7, Karl Müller Verlag, Erlangen, S. 320 Cristina Guarnieri, Andrea de Marchi: Lorenzo di Niccolò called Lorenzo Veneziano: Saint John the Baptist. Altomani & Sons, Maastricht, 2016, in Auszügen online als Google-Book (zweisprachig: englisch, italienisch; gesehen am 3. Mai 2020) Sandro Sponza: Die venezianische Malerei im 14. Jahrhundert. In: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig – Kunst und Architektur. Bd. 1, Könemann, Köln, 1997, S. 176–201, besonders: 188–190.

Einzelnachweise

Weblinks

Lorenzo Veneziano auf ArtCyclopedia (Abruf am 3. Mai 2020)

Kategorie:Person (Republik Venedig) Kategorie:Maler (Venedig) Kategorie:Maler des Mittelalters Kategorie:Gotische Malerei Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren im 14. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 14. oder 15. Jahrhundert Kategorie:Mann