Die Straßenbahn Helsinki wird von dem am 1. Februar 2022 gegründeten öffentlichen Verkehrsunternehmen Pääkaupunkiseudun Kaupunkiliikenne (deutsch in etwa Stadtverkehr der Hauptstadtregion) betrieben. Pääkaupunkiseudun Kaupunkiliikenne untersteht nicht mehr dem bisherigen regionalen Verkehrsverbund HSL, der nun umgekehrt als Gesellschaft mit beschränkter Haftung in den neuen städtischen Betrieb Pääkaupunkiseudun Kaupunkiliikenne eingegliedert wurde. Zuvor war die Straßenbahn von Helsingin kaupungin liikennelaitos (HKL), dem Verkehrsbetrieb der Stadt Helsinki, betrieben worden.

Geschichte

mini|links|Straßenbahnwagen auf der Fähre nach Kulosaari (vor 1920)

Der Straßenbahnbetrieb in Helsinki begann zunächst als Pferdetrambahn im Jahr 1891. Im Jahr 1900 wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt und 1901 der letzte Pferdewagen aus dem Verkehr gezogen. An der Spurweite wurden jedoch keine Änderungen vorgenommen, so dass die Straßenbahn bis heute auf 1000-mm-Schmalspur fährt. In den Jahren nach der Umstellung wurde das Netz weiter ausgebaut und viele Strecken erhielten ein zweites Gleis. Das im Jahr 1930 erreichte Netz wurde über Jahrzehnte nicht weiter ausgebaut, jedoch laufend gepflegt und bei Bedarf mit Zusatzgleisen oder neu geführten Abschnitten modernisiert. Seit 1945 war der zuvor private Straßenbetrieb Teil des städtischen Unternehmens Helsingin kaupungin liikennelaitos (HKL).Robert Schwandl: Tram Atlas Nordeuropa, Robert Schwandl Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-936573-41-1, S. 88. 1951 wurde die Strecke zur Insel Kulosaari aufgrund der baufälligen Holzbrücke stillgelegt. Bis 1919 waren auf dieser 1910 erbauten Strecke die Straßenbahnwagen per Fähre übergesetzt worden.fjordfaehren.de: Binnenfähren in Schweden - Finnland - Åland: "Brändö" - Kulosaari lossi , abgerufen am 7. März 2025.Finnish Tramway Society: Kulosaaren Raitiotie, sivu 1, abgerufen am 7. März 2025.

In den 1960er Jahren wurde im Zuge des Baus der Metro Helsinki eine Einstellung der Straßenbahn diskutiert, letztlich fiel jedoch in den 1970er Jahren der Entschluss, das Netz beizubehalten. Ab Mitte der 1970er Jahre erhielt das Netz erste kleinere Erweiterungen. 1976 kam eine erste kurze Strecke in Pasila zur Ostseite des dortigen Bahnhofs hinzu. 1980 folgte ein neuer Streckenast in Katajanokka zur Erschließung eines neuen Wohngebiets. 1985 erhielt der Bahnhof Pasila auch auf der Westseite Straßenbahnanschluss. Kleinere Verlängerungen folgten 1991 bis Pikku Huopalahti, 1992 zum Fährterminal Katajanokka und 2004 bis Arabianranta im Stadtteil Toukola.

Ab Mitte der 2000er Jahre kamen wieder längere Neubaustrecken hinzu, insbesondere zur Erschließung der Hafengebiete. Am 10. August 2008 wurde als nächste Neubaustrecke, der Abschnitt der neuen Linie 9 zwischen der Haltestelle Helsinginkatu und Itä-Pasila, neu eröffnet. Der Streckenausbau fand 2012 seine Fortsetzung. Zum 1. Januar 2012 ging die Verlängerung der Linie 8 in Betrieb. Sie ist knapp einen Kilometer lang und führt in südlicher Richtung von Salmissaari über die Crusellbrücke nach Jätkäsaari. Damit entstanden die drei neuen Haltestellen Länsisatamankatu, Crusellinsilta und die neue Endstelle Saukonpaasi.Zeitschrift Raitio, Ausgabe 1/2012, S. 14–17. Helsinki, Februar 2012. Ebenfalls 2012 ging der südliche Abschnitt der Linie 9 von Kamppi zum Länsiterminaali T1 in einem neuen Entwicklungsgebiet am früheren Westhafen (Länsisatama) in Betrieb. Fünf Jahre später wurde diese Strecke um eine Station zum Länsiterminaali T2 verlängert. Am gleichen Tag ging die Verbindung zwischen Huutokonttori und Saukonkatu etwas weiter nördlich in Betrieb. Seit 2021 wird das Entwicklungsgebiet Munkkisaari durch eine Verlängerung der Linie 6 bis Eiranranta erschlossen. Zudem erfolgte im gleichen Jahr der Lückenschluss zwischen Saukonkatu und Länsiterminaali T2. Im Oktober 2022 wurde die Linie 9 von Eesterinportti westlich des Bahnhofs Pasila nach Norden bis zur Haltestelle Ilmalantori verlängert.

Im Jahr 2023 ging die rund 24 km lange Schnellstraßenbahnlinie 15 in Betrieb, deren Strecke halbkreisförmig tangential um Helsinki herum führt. Von der in Espoo liegenden Metrostation Keilaniemi aus führt die Strecke über Leppävaara, Huopalahti und Oulunkylä bis zur Metrostation Itäkeskus im Stadtteil Vartiokylä im Nordosten von Helsinki. Es besteht keine Gleisverbindung mit dem Stadtnetz von Helsinki. Die Strecke ist jedoch in Meterspur erbaut, Infrastruktur und Fahrzeuge sind kompatibel ausgeführt, so dass langfristig eine Verbindung möglich ist. In Huopalahti sind beide Netze knapp einen Kilometer voneinander entfernt.

Am 12. August 2024 wurde eine etwa vier Kilometer lange tangentiale Neubaustrecke im Nordosten von Pasila über die Metro-Station Kalasatama nach Nihti eröffnet. Sie wird durch die neue Linie 13 bedient. Ende 2024 ging das neue Depot Ruskeasuo in Betrieb. Anschließend begann der Abriss und Neubau des Depots Koskela.

Im Bau Stand Mai 2026 ist eine neue, rund acht Kilometer lange Straßenbahnstrecke zwischen Hakaniemi und Laajasalo, einem auf einer Insel liegenden Stadtteil im Osten von Helsinki, einschließlich einer Stichstrecke in das neue Wohngebiet Kruunuvuorenranta. Die Strecke weist insgesamt drei längere Brückenbauwerke auf. Alle werden ausschließlich für die Straßenbahn sowie Radfahrer und Fußgänger errichtet. Die erste Brücke wird Merihaka und Nihti verbinden. In Nihti entsteht eine Gleisverbindung mit der dort endenden Strecke der Linie 13. Die zweite Brücke verbindet Nihti mit der Insel Korkeasaari, womit auch der dort liegende Zoo von Helsinki an das Straßenbahnnetz angebunden wird. Längstes Bauwerk ist die 1191 m lange Kruunuvuorensilta (in etwa mit Kronenbergbrücke zu übersetzen), die Korkeasaari mit Laajasalo verbinden wird. Ab November 2025 sind erste Tests auf der gesamten Strecke vorgesehen, die Inbetriebnahme soll Anfang 2027 erfolgen.Hanning & Kahl: Crown Bridges Light Rail – Helsinki, abgerufen am 7. März 2025.

Im Mai 2026 begannen außerdem die Bauarbeiten des Projekts Länsiratikat (finnisch für westliche Straßenbahn) mit mehreren Neubaustrecken im Westen Helsinkis: von Munkkiniemi nach Norden bis Kannelmäki (die Strecke der Schnellstraßenbahnlinie 15 kreuzend) sowie durch die Straßen Topeliuksenkatu und Fredrikinkatu.

Liniennetz

+ Liniennetz seit dem 12. August 2024Liniennetzplan und Einzelbeschreibung siehe Karten des Verkehrsbetriebes, abgerufen am 28. Januar 2025. Linie Fahrtweg Fahrzeit Haltestellen Eira – Käpylä 40 min 31 Olympiaterminaali – Pasila 30 min 27 Olympiaterminaali – Pikku Huopalahti 40 min 31 Katajanokka – Munkkiniemi 32 min 29 Katajanokka (terminal) – Hauptbahnhof 10 min 9 Eiranranta – Arabia 29 min 24 Länsiterminaali – Krankenhaus Meilahti 38 min 31 Jätkäsaari – Arabia 28 min 23 Länsiterminaali – Ilmala 44 min 28 Kirurgi – Pikku Huopalahti 22 min 14 Länsi-Pasila – Nihti 21 min 14

Durch Neubauabschnitte (u. a. zum Länsiterminaali T2 sowie einer Neubaustrecke längs der Valimerenkatu für die Linie 8) wurden auch Linienwege neu geordnet. Bis zum 14. August 2017 galt folgendes Netz mit 12 Straßenbahnlinien, die insgesamt etwas weniger Passagiere hatten als die Metro Helsinki:

1 Kauppatori – Käpylä (nicht in der HVZ) 1A Eira – Kauppatori – Käpylä (nur in der HVZ) 2 Kaivopuisto (von Linie 3) – Kauppatori – Kampin keskus – Töölö – Eläintarha (weiter als Linie 3) 3 Kaivopuisto (von Linie 2) – Eira – Kallio – Eläintarha (weiter als Linie 2) 4 Katajanokka – Munkkiniemi 5 Katajanokan terminaali – Rautatieasema 6 Hietalahti – Arabia 7A Senaatintori – Töölö – Pasila – Senaatintori (Ringlinie, Gegenrichtung zur Linie 7B) 7B Senaatintori – Pasila – Töölö – Senaatintori (Ringlinie, Gegenrichtung zur Linie 7A) 8 Jätkäsaari – Salmisaari – Töölö – Arabia 9 Länsiterminaali – Itä-Pasila 10 Kirurgi – Pikku-Huopalahti

Weitere Neubaustrecken sind im Bau (u. a. die beiden großen Verlängerungen nach Espoo), stehen kurz vor Baubeginn (Strecke nach Kartano) oder sind in einem fortgeschrittenen Projektstadium (Neubaustrecken südwestlich der Innenstadt).BEKUS (d. i. Bernhard Kußmagk): Finnland: Helsinki – Neubaustrecken und weitere Artics. In: Straßenbahn Magazin, Heft 8/2017, S. 15.

Technik und Infrastruktur

Die Straßenbahn ist eine Straßenbahn im klassischen Sinn. Große Teile der Strecken sind straßenbündig trassiert, zum Teil auch auf einem eigenen Gleiskörper neben der Straße oder in ihrer Mitte. Die Spurweite beträgt 1000 Millimeter (Meterspur). Die Stromversorgung mit 750 Volt Gleichspannung erfolgt über eine Oberleitung.

Die Straßenbahn hat eigene Lichtzeichenanlagen, die statt Farben Symbole anzeigen: Ein senkrecht nach oben weisender Pfeil steht für „Freie Fahrt“, ein Strich für „Achtung“ und der Buchstabe S für „Stop/Halt“. Teilweise besteht eine Telematik-Vorrangschaltung gegenüber dem Individualverkehr.

Sämtliche Straßenbahnstrecken sind für den Einrichtungsbetrieb ausgelegt; d. h., sie besitzen eine Wendeschleife oder ein Wendedreieck am Streckenende. Es gibt allerdings zwei Endhaltestellen, an denen keine Wendeschleife benötigt wird, da die Fahrzeuge einer Linie auf die einer anderen übergehen. Dies sind Länsiterminaali T2 und Olympiaterminaali.

Fahrzeuge Im Fuhrpark der HKL befinden sich etwa 130 Schienenfahrzeuge für den Linienverkehr.

Hochflurwagen mini|200px|Hochflurzug Typ Nr I mini|200px|Hochflurzug Typ Nr II / MLNRV mit nachträglich eingebautem niederflurigen Mittelteil mini|200px|Innenraum eines Helsinkier Valmet-Straßenbahnwagens Der Großteil der im Einsatz befindlichen Züge stammt noch aus den 1970er und 1980er Jahren. Sie wurden in Finnland von Valmet gebaut. Zahlreiche Komponenten wie Drehgestelle, Achsgetriebe und Falttüren entsprechen den Standardwagen der Firma Düwag. Im Inneren sind sie mit gepolsterten Schalensitzen und optischen Haltestellenanzeigen ausgestattet, akustische Haltestellenansagen fehlen jedoch. Insgesamt ist der Innenraum in verschiedenen Grün- und Blautönen gestaltet.

Da sich die Variobahnen nicht bewährt haben und verschrottet werden sollen, sofern sie nicht verkauft werden können, sollen die vorhandenen VALMET-Fahrzeuge erneut für eine weitere längere Einsatzdauer ertüchtigt werden.

Nr I / MNLRV 1 Mit 40 Fahrzeugen stellten die 20 Meter langen sechsachsigen zweiteiligen Gelenkwagen des zwischen 1973 und 1975 gebauten Typs Nr I (Wagennummern 31–70) fast die Hälfte des Hochflur-Wagenparks. Bei diesen Wagen handelt es sich um die weltweit ersten serienmäßigen Straßenbahnfahrzeuge mit Gleichstrom-Choppersteuerung. Abweichend vom übrigen Wagenpark Helsinkis wurden sie in orange/grauer Farbgebung abgeliefert, diese wurde zwischen 1986 und 1995 durch das traditionelle Creme/Grün ersetzt. Äußerlich unterscheiden sie sich vom Nachfolgetyp Nr II durch die runden Rückleuchten. Im Laufe der Jahre wurden an den Wagen die ursprünglichen Schaffnerplätze ausgebaut und in zwei Modernisierungsprogrammen überwiegend technische Neuerungen durchgeführt. Bei vielen Wagen wurden die Liniennummernbänder durch elektronische LCD-Anzeigen mit Liniennummer und Fahrziel ersetzt, bei allen Wagen wurden Haltestellen-Innenanzeigen nachgerüstet und die Sitze im Fahrgastraum erneuert. Als Nachfolger der abgestellten ex-Mannheimer Fahrzeuge wurden die Wagen 33, 42, 46 und 64 zu Reklamewagen; sie werden etwa halbjährlich wechselnd mit Ganzreklamen beklebt.

Die komplette Außerdienststellung des Typs I war für die Jahre ab 2014, nach der Inbetriebnahme der Transtech-Niederflurwagen beabsichtigt.