Die Major-Radloff-Kaserne, bis 9. Juni 2022 Ostmark-Kaserne, in Weiden in der Oberpfalz ist eine Kaserne der Bundeswehr, in der das Panzerartilleriebataillon 131 (PzArtBtl 131) und das Panzerartilleriebataillon 375 (PzArtBtl 375) stationiert sind. Die Liegenschaft ist nach dem 2010 in Afghanistan gefallenen Major namens Jörn Radloff benannt, der in der Kaserne diente.
Lage Die Liegenschaft liegt im Westen von Weiden in der Oberpfalz an der Anschlussstelle der Bundesautobahn 93. Etwa drei Kilometer nordwestlich der Kaserne ist eine Standortschießanlage, etwa zwei Kilometer südwestlich ein Munitionsdepot und 15 Kilometer westlich der Truppenübungsplatz Grafenwöhr.
Vorgeschichte, Bau und Nutzung der Kaserne durch die Wehrmacht Im Gegensatz zu den benachbarten Städten Bayreuth und Amberg, die Garnisonen bereits seit 1603 bzw. 1715 unterhielten, hatte sich Weiden seit 1806 zunächst mehrfach vergeblich um die Stationierung von Truppen bemüht. Im Ersten Weltkrieg änderte sich das: das Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillon III B 19 verlegte am 20. August 1915 nach Weiden und bezog ein Schulgebäude in der Hermannstraße 6. Nach dem Waffenstillstand vom 9. November 1918 wurden sämtliche Reserve-, Landwehr-, Landsturmeinheiten aufgelöst. Im Februar 1919 endete deshalb auch die Stationierung des Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillon III B 19 in Weiden. Mit dem Versailler Vertrag und der zahlenmäßigen Begrenzung der Reichswehr erhielt Weiden in der Weimarer Republik keine neuen Stationierungen.Georg Tessin: Deutsche Verbände und Truppen 1918–1939. Altes Heer. Freiwilligenverbände. Reichswehr. Heer. Luftwaffe. Landespolizei. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs; herausgegeben mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung. Biblio Verlag, Osnabrück 1974, S. 5Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 67
Nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler Ende Januar 1933 hatte die Stadt Weiden, die an der Frauenrichter Straße ein 14 Hektar großes Grundstück dem Reichsfiskus kostenfrei für eine neue Garnison angeboten, Erfolg: am 27. Januar 1934 fiel die Entscheidung zum Neubau einer Kaserne. Im September 1939 begannen die Arbeiten. Zur Unterbringung von Personal entstand ebenfalls an der Frauenrichter Straße eine „Heeressiedlung“. Aus dem Landespolizeiregiment 72 in Fürth entstand das III./Infanterieregiment 41, das am 7. Oktober 1935 die fertiggestellte Truppenunterkunft bezog. Das zunächst in Wöllershof untergebrachte Ergänzungsbataillon 37 verlegte ebenfalls nach Weiden in ein neben der Kaserne errichtetes Barackenlager und erhielt Anfang Oktober 1936 die neue Bezeichnung als Ergänzungsbataillon 41. Die Panzerjägerkompanie konnte nur in einem Gebäude der Stadt Weiden in der heutigen Bürgermeister-Prechtl-Straße untergebracht werden. 1936 erhielt die Militäranlage den Namen Metzer Kaserne in Anknüpfung der vom III. Bataillon des Infanterieregiments 41 weitergeführten Tradition des 6. Königlichen Bayerischen Infanteriebataillon Metz. Das III./Infanterieregiment 41 verließ zur Vorbereitung des Überfalls auf Polen die Kaserne endgültig mit Marschbefehl vom 27. Juli 1939. Darüber hinaus bestanden am Standort Weiden eine Sanitätsstaffel, der Ausbildungsleiter Weiden, ein Wehrbezirkskommando, ein Wehrmeldeamt, der Festungs-Pionier-Stab 16, eine Heeresstandortverwaltung, eine Wehrmacht-Fachschule für Technik und eine Heeresfachschule.Georg Tessin: Deutsche Verbände und Truppen 1918–1939. Altes Heer. Freiwilligenverbände. Reichswehr. Heer. Luftwaffe. Landespolizei. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs; herausgegeben mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung. Biblio Verlag, Osnabrück 1974, S. 240, 324 f. und 466Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 67–69Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Fünfter Band, Die Landstreitkräfte 31–70, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv mit Unterstützung des Arbeitskreises für Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 96Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 16, Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2 Wehrkreise VII–XIII, Biblio-Verlag, Osnabrück 1996, S. 31 und 338 f.
Das Ergänzungsbataillon 41 wurde am 26. August 1939 zum II./Infanterieregiment 481 der 256. Infanteriedivision. Es folgte anschließend eine Verwendung als Besatzungstruppe im Protektorat Böhmen und Mähren und ab Mai 1940 die Beteiligung am Westfeldzug. Das auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr am 1. Dezember 1939 aufgestellte Infanterieregiment 245 befand sich kurzzeitig 1939/1940 in der Kaserne. Das am 26. August 1939 aufgestellte Infanterieersatzbataillon 302 verlegte aus Neumarkt in der Oberpfalz am 12. September in die Kaserne in Weiden. Es wurde am 1. Oktober 1942 geteilt und kam nach Budweis.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 16, Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2 Wehrkreise VII–XIII, Biblio-Verlag, Osnabrück 1996, S. 338 f.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Zehnter Band, Die Landstreitkräfte 371–500. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, herausgegeben mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Biblio Verlag, Osnabrück 1975, S. 271Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Achter Band, Die Landstreitkräfte 201–280. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, herausgegeben mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Biblio Verlag, Osnabrück 1973, S. 194Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Neunter Band, Die Landstreitkräfte 281–370. Bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, herausgegeben mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Biblio Verlag, Osnabrück 1974, S. 74Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 68 f.
An der heutigen Kasernenstraße wurde am 17. Juli 1940 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kaserne das Kriegsgefangenenlager Stalag XIII B eingerichtet. Zunächst war es mit 500 Personen belegt, vor Kriegsende jedoch mit 4000 Menschen. Sie stammten hauptsächlich aus der Sowjetunion, aber unter anderem auch aus Großbritannien, Frankreich, Belgien und Polen. Die sowjetischen Gefangenen waren separat untergebracht. Viele Insassen starben. Zum Stalag gehörten bis zu 30 Außenlager in Nordbayern und Westböhmen.Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 69
US-Army Am 22. April 1945 rückten Einheiten der 11th Armored Division in Weiden ein und besetzten die Stadt. Die Kaserne wurde zunächst vom 6th Cavalry Regiment übernommen. Die befreiten Kriegsgefangenen des Stalag wurden zunächst in der Kaserne untergebracht. Am 14. Mai verlegte das 315th Engineer Battalion der 90th Infantry Division nach Weiden und erhielt den Auftrag, die Metzer Kaserne zu renovieren. Zunächst musste der Verbleib der ehemaligen Kriegsgefangenen geklärt werden. Nachdem jene die Kasernenanlage verlassen hatten, begann die Instandsetzung der Garnison. Müll wurde beseitigt, die Gebäude gereinigt, Reparaturen durchgeführt, Küchen eingebaut und neues Mobiliar beschafft. Ein Parkplatz wurde angelegt und ein Theater geschaffen. Im Juni 1945 zog der Stab der 90th Infantry Division mit der 315th Engineer Battalion, dem Reconnaissance Troop und der Signal Company in die Kaserne in Weiden ein. Mitte 1945 besuchte George S. Patton die Truppen in der Kaserne. Im November 1945 verlegte die 90th Infantry Division mit ihren unterstellten Einheiten zurück in die USA. Anstelle von Kampftruppen bezog im Mai 1946 die 94th Constabulary Squadron, die polizeiliche und militärische Ordnungsaufgaben sowie die Grenzsicherung wahrnahm, die Kaserne in Weiden. Zudem befand sich das Horse Platoon und das Motorcycle Platoon des 11th Constabulary Regiment 1946 in der Kaserne. 1947 wurde die Kaserne in Osborne Barracks umbenannt. Im Januar 1949 löste die 53th Constabulary Squadron die 94th Constabulary Squadron ab. Ihr folgte am 20. Mai 1949 die 15th Constabulary Squadron, die bis zu ihrer Auflösung am 15. Dezember 1952 hier verblieb.Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 70
Das benachbarte Kriegsgefangenenlager wurde unmittelbar nach Kriegsende bis 1948 mit ehemaligen deutschen Soldaten belegt.
Die US-Army blieb auch nach 1952 mit einem Außenlager, zunächst Camp Weiden genannt, hier präsent. Es diente der 1st Squadron des 2nd Armored Cavalry Regiment für die Bewachung der Grenze zur Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik bzw. der NATO-Außengrenze. 1958 wurde die an die Kaserne angrenzende Barackenunterkunft abgerissen und im März 1959 die an derselben Stelle errichtete Kompanieunterkunft La Guardia durch US-Truppen für die Grenzsicherung bezogen, die später offiziell als Camp Pitman bezeichnet wurde (). Damit endete die 1955 begonnene gemeinsame Nutzung der Kasernenanlage durch US-Army und Bundesgrenzschutz bzw. Bundeswehr bereits wieder. Bis zum 31. März 1989 waren im Camp Pitman Teile der der 1st Squadron und 3rd Squadron des 2nd Armored Cavalry Regiment eingesetzt.
Bundesgrenzschutz und Bundeswehr Die zunächst in Amberg stationierte Grenzschutzabteilung Süd III/1 des Bundesgrenzschutzes zog am 18. Januar 1955 feierlich in die Kaserne ein. Mit der durch Gesetz erfolgten Überleitung von Angehörigen des Bundesgrenzschutzes in die neue Bundeswehr zum 1. Juli 1956 entstanden aus der Grenzschutzabteilung III/1 der Stab des Feldartillerieregiments 4 und die III./Feldartillerieregiment 4 sowie das Panzerbataillon 4. Die wenigen im Bundesgrenzschutz verbliebenen Angehörigen wurden zu Abteilungen nach Hof und Coburg versetzt. Damit war aus der Kaserne des Bundesgrenzschutzes am 1. Juli 1956 eine Garnison der Bundeswehr geworden.Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 70 f.
In den 1960er Jahren erfolgte der weitere Ausbau der Garnison. Der neue Standortübungsplatz Manteler Forst konnte im Oktober 1961 übernommen werden. Die Standortschießanlage wurde im Januar 1965 fertiggestellt. Im Januar 1963 erhielt die Brigade ein neues Stabsgebäude. 1966 kamen vier Unterkunftsgebäude und ein Sanitätszentrum hinzu.Peter Stingl: Weiden und seine Garnison, in: Beiträge zur Heimatkunde der Oberpfalz: Oberpfälzer Heimat, 65 Band, 2021. Herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein, Weiden 2020, S. 72